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Mörder und wie Kinder sie bestrafen würden

Sind Kinder bessere oder grausamere Menschen? Wir haben ein paar fiese Antworten auf diese Frage gefunden.
15.2.12

Illustration von Wolfgang Carver

Wir Erwachsenen haben schon immer über alles bestimmt und wow, sind wir weit damit gekommen: Kriege, häusliche Gewalt und Humorlosigkeit. Vielleicht wäre es also einmal eine gute Idee die Verantwortung an unsere Kinder abzugeben und zu schauen, ob sie es vielleicht besser können?

Diese Woche haben wir zwei Teenager und ein neunjähriges Mädchen gefragt, wie man Mörder am besten bestrafen sollte. Sie schlugen so ziemlich alles vor: von Brandmarkung über Arbeit mit kranken Häschen, wöchentliche Besuche bei den Angehörigen der Opfer, Kreuzigung bis hin zu einem Cousin, der einen liebt. Hier noch ein paar Infos zu den teilnehmenden Kindern:

Wolf ist 17, autistisch und evangelisch
Sadie ist 9, Cheerleaderin und Turnerin
Max ist 16 und sagt von sich, er wäre „die Boshaftigkeit in Person"

VICE: Wie sollte man Mörder bestrafen?
Wolf: Wenn jemand grausam genug war, Menschen zu verbrennen, sollte er gekreuzigt werden. Wenn er Christ ist. Wenn er Atheist ist, sollten man ihn einfach ins Gefängnis sperren und hungern lassen. Oder besser gesagt, verhungern lassen. Aber er sollte davor noch eine letzte Chance bekommen, eine Chance zu beweisen, dass er ein netter Mensch ist.
Sadie: Wenn man nur einmal Menschen getötet hat, sollte man eine zweite Chance bekommen. Aber wenn man dann nochmal Menschen umbringt, sollte man sterben.

Aber was ist mit den Scharfrichtern? Sollten sie dann auch umgebracht werden, wenn sie zum zweiten Mal jemanden exekutiert haben?
Wolf: Na ja, aber das ist ja ihr Job.

Also ist es OK, ein Mörder zu sein, aber nicht, wenn man Menschen aus einer Leidenschaft heraus umbringt? Man muss einfach nur kaltblütig sein.
Wolf: [seufzt]

Also ist es OK, jemanden umzubringen, wenn eine Autorität dich dazu beauftragt?
Wolf: Nein.

Aber genau das tut doch ein Scharfrichter.
Wolf: Man könnte die grausamen Mörder auf eine Insel schicken, damit sie sich aus Hunger gegenseitig umbringen.
Sadie: Ich finde, sie sollten für fünf Jahre ins Gefängnis und wenn sie wieder freigelassen werden und wieder töten, müssen sie für immer eingesperrt werden.

Was denkst du denn, was in diesen fünf Jahren mit ihnen passiert, dass sie danach nicht mehr töten?
Sadie: Ihnen wird klar werden, dass das eine schlimme Sache ist, was sie getan haben und dass sie das nicht noch einmal tun wollen.

Du weißt, mit wem sie diese fünf Jahre verbringen werden, oder? Mit anderen gewalttätigen Menschen. Werden die Gewalttätigen einem anderen Gewalttätigen beibringen, dass Gewalt falsch ist?
Sadie: Wenn man jeden Tag all die gewalttätigen Menschen im Gefängnis sieht, wird man denken: „Oh, ich bin einer der gewalttätigen Menschen." Und dann denkt man: „Jeder der gewalttätig ist, kommt ins Gefängnis, also wenn ich noch einmal gewalttätig werde, lande ich wieder hier."

Woher nehmen sie dann die Kraft, sich eine neue, gewaltfreie Identität zu schaffen, wenn sie jeden Tag aufs Neue erkennen müssen, dass sie zu den gewalttätigen Menschen gehören?
Sadie: Sie können sich einfach selbst sagen: „Ich bin anders, als all diese Menschen um mich herum."

Das müsste eine sehr starke Person sein, die diese Aussage unter diesen erdrückenden Umständen treffen könnte und jemand, der sich nicht davon beeinflussen lässt, sich umzuschauen und zu denken, was die Welt für ein schlechter Ort ist und dass es nur darum geht, zu töten oder getötet zu werden.
Sadie: Also findest du, man sollte sie einfach alle freilassen?

Auf keinen Fall. Eine Regierung muss sicherstellen, dass ihre Bürger sicher sind und man ist nicht sicher, wenn überall um einen herum gewalttätige Kriminelle sind. Aber ich glaube, wenn man sie einmal aus der Gesellschaft 'entlassen' hat, muss man einen Weg finden, ihren Verstand und ihr tägliches Handeln zu erreichen und ihnen zu zeigen, wie man ein friedlicher Mensch sein kann. Man tötet nicht, weil man denkt, dass man keine andere Wahl hat. Man tötet, weil man nicht weiß, wie man mit seinem Zorn, seiner Angst oder Ungeduld umgehen soll. Ich glaube, harte Arbeit ist gut, die Arbeit auf dem Land oder mit Tieren—sich einfach um Dinge zu kümmern. Vielleicht können sie sich selbst dann als jemanden betrachten, der Leben gibt, der Teil des Lebens ist, anstatt als jemanden, der vorbeischleichen oder Leben nehmen muss.
Wolf: Ja, wenn irgendjemand meine Hilfe braucht, werde ich ihnen helfen.

Du willst sie ans Kreuz nageln! Entweder das oder sie zu Tode hungern lassen!
Wolf: Vielleicht könnte ich dem Mörder zuerst helfen, indem ich ihn in ein Tierheim bringe und ihm einen Job bei den Hasen gebe. Nach dem ersten Mord würde ich ihn mit mit ins Heim nehmen, damit er glücklich ist! Glück und Freude! Wenn er den Tieren hilft, würde ihm klar werden, dass er ein netter Mensch ist.
Sadie: Aber dann würden die Menschen, die töten, eine Belohnung bekommen und die Menschen, die getötet wurden kriegen gar nichts, sie sind einfach nur tot.

Aber tote Menschen sind sowieso tot, unabhängig davon. Wenn man gewalttätige Menschen zu friedlichen machen kann, beschützt man doch die, die noch leben.
Wolf: Wir geben ihnen eine Chance, den Tieren zu helfen und nette Menschen zu werden, aber wenn sie eines Nachts betrunken sind und wieder töten, müssen sie ans Kreuz. Oder verhungern.
Sadie: Wenn sie so wahnsinnig sind, dass sie jeden, dem sie begegnen, umbringen, sollten sie an diesen kleinen Ort gehen, wo es nichts gibt, mit dem man Menschen umbringen kann. Und irgendjemand sollte durch ein Loch mit ihnen sprechen. Oder den wahnsinnigen Mördern medizinische Hilfe geben.

Zurück zu dem Punkt, dass die Mörder eine Belohnung bekommen: Warum sollten sie überhaupt so viel Hilfe bekommen? Was, wenn ein wahnsinniger Mörder mich umbringen würde?
Sadie: Dann sollte er zu deiner Beerdigung gehen und sehen, wie alle weinen. Und dann müsste er dein Grab einmal die Woche besuchen.

Haltet meinen Mörder bloß von meinem Grab fern! Er wird mich wahrscheinlich ausgraben und sich mit meinen Knochen brüsten!
Sadie: Nein, nachdem er Hilfe bekommen hat, wird er Blumen auf dein Grab legen und traurig sein.

Du glaubst also an die fundamentale Güte der menschlichen Seele?
Sadie: Es ist vielleicht nicht jeder Mensch ein guter Mensch, aber jeder hat etwas Gutes in sich—ob man will oder nicht.

Wenn man noch in der Entwicklung steckt und missbraucht oder traumatisiert wird und nicht mehr das Gute in sich selbst oder anderen sieht, sondern nur noch an das Schlechte glauben kann—was sollte man dann mit jemanden machen, der auch etwas schlimmes tut?
Sadie: Man sollte jemanden haben, der einem sagt, dass man gut ist, dass man eine gute Seite hat, damit derjenige Selbstvertrauen bekommt.

Aber diese schwarzen Schafe haben sich wahrscheinlich nicht unter Kontrolle und überwältigen andere schon seit sie jung sind, sind unehrlich, stehlen, sind unzuverlässig und immer unpünktlich. Deswegen wollen gute Menschen nichts mit ihnen zu tun haben. Wie soll so jemand geliebt werden oder Freundlichkeit empfangen?
Sadie: Die, die es tatsächlich wollen, bekommen es auch. Diejenigen, die böse waren und Hilfe bekommen haben und jetzt anderen bösen Menschen helfen können, verstehen vielleicht, dass sie dann keine schlechten Menschen mehr sind. Oder man findet eine Person, die wirklich an sie glaubt, zum Beispiel einen Cousin oder so, der weiß, was sie durchgemacht haben und dass sie tief in ihrem Inneren keine schlechten Menschen sind.
Wolf: Oder man könnte sie in einen Raum mit einer wirklich netten Familie stecken?
Sadie: Am Ende wäre wahrscheinlich die ganze Familie tot.

Na ja, ich glaube nicht, dass wir den Mörder mit einem Maschinengewehr in den Raum schicken würden.
Sadie: Vielleicht verprügelt er sie auch einfach. Prügel bis zum Tod.

Die ganze Familie? Oh mein Gott! Max, was denkst du?
Max: Ich bin ein großer Fan davon, Leute zu brandmarken. Pädophile und Mörder sollten ihre Gesichtern gebrandmarkt werden.

Sagst du das aus der Perspektive, die Leute dafür zu bestrafen, was sie getan haben oder die unschuldigen Leute künftig vor ihnen zu beschützen, oder sie zu rehabilitieren?
Max: Ich glaube, jeder, der jemanden vergewaltigen oder umbringen würde, ist weit weg von Rehabilitation. Aber da gab es dieses eine Kind, das seinen Bruder wegen ein paar Pokemon-Karten umbrachte. Das war ziemlich idiotisch und ich finde, das zeigt, dass er überhaupt nicht zurechnungsfähig war. Deswegen sollten solche Menschen rehabilitiert und nicht gebrandmarkt werden. Aber wenn jemand noch vollkommen bei Verstand ist, sollte er für das, was er getan hat, gefoltert und gebrandmarkt werden.

Also sollte man die dummen Mörder freilassen?
Max: Die meisten.

Was ist mit Soldaten? Ist ein Soldat, der jemanden umbringt, ein Mörder?
Max: Absolut. Aber wenn sie von der Regierung beauftragt werden und andere Menschen umbringen, die auch versucht haben, sie umzubringen, ist es OK. Sie machen einfach nur ihren Job und ich glaube nicht, dass man sie bestrafen sollte. Aber Soldaten, die Zivilisten umbringen, sollte man als Mörder betrachten.

Was ist mit Attentätern, die angeheuert werden? Sie machen doch auch nur ihren Job. Ist das OK?
Max: Ich glaube, alles, woraus man einen geilen Film machen könnte, ist OK.