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Warum Frauen einfach nicht befreundet sein sollten

Müssen wir der Freundschaft zu Liebe wirklich bei Einlauf-Diäten mitmachen?
3.12.12

Hi, mein Name ist Bertie und in dieser Kolumne geht es eigentlich hauptsächlich um all dieses behinderte Mädchen-Zeug. Ich werde euch hier aber sicherlich keine Tipps geben, wie ihr eure Schambehaarung aufhübschen könnt und ich werde euch sicherlich auch nicht von meinem letzten Abstrich erzählen. Stattdessen werde ich euch sehr nützliche Dinge verraten. Ich werde euch all das erzählen, was ihr unbedingt darüber wissen müsst, ein Mädchen zu sein. Ihr könnt mir glauben: Ich bin vielleicht kein Arzt, aber ich habe einen PhD in diesem ganzen Girly-Scheiß.

Girly-Bockmist #23: Warum Frauenfreundschaften zum Kotzen sind

Wenn mein ein halbwegs hübsches Mädchen ist, gibt es viele Dinge, die die Leute von einem erwarten. Ich rede hier nicht vom Kinderkriegen oder von Blowjobs, oder von dem ganzen anderen Zeug, das wir Frauen jahrhundertelanger Patriarchie zu verdanken haben. Nein, ich spreche von diesen Dingen, die wir uns—warum auch immer—selber zu verdanken haben.

Nehmen wir doch zum Beispiel das Shopping. Das ist fast so, als würdest du mit jemanden schlafen, den du auf den Tod nicht leiden kannst (und an diesem Punkt waren wir wohl alle schon einmal). Shopping kann einen depressiv machen. Mal ganz ehrlich, wer sieht sich schon gerne halbnackt im grellen Neonlicht?

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Man fühlt sich einfach sofort unwohl in seiner Haut und am Ende hat man nur eine beschissene Stimmung; und doch tun wir es immer wieder und tun dabei auch noch so, als würden wir Spaß haben. Wieso ist das Shoppen überhaupt zu einem dieser Dinge geworden, die Frauen angeblich verbindet? Ich kann wirklich nur schwer nachvollziehen, warum wir sowas toll finden sollten.

Es geht hier aber nicht nur ums Shoppen. Es gibt nämlich noch tausend andere todlangweilige Dinge, die wir Mädchen angeblich machen sollten, nur um danach auf Facebook plakativ demonstrieren zu können, dass wir unsere Girls wirklich mehr lieben als Kohlehydrate.

Shopping

Ja, ich weiß, diesen Punkt habe ich bereits erwähnt, aber ich könnte mich ewig darüber auslassen! Meiner Meinung nach ist Shoppen nicht nur eine absolute Verschwendung von Zeit, Geld und Muskelkraft (diese Taschen sind so verdammt schwer!); es ist auch noch die einzige Sache, die man vermeiden sollte, wenn man sich selber auch nur für einen halb so ethisch bewussten Menschen wie Cher Horowitz hält. Und überhaupt sollte man ja gerade jetzt nicht auf den Haupteinkaufsstraßen dieser Welt shoppen gehen. Wann genau ist es denn überhaupt außer Mode gekommen, keine Klamotten in Ausbeuterläden zu kaufen? Denn eigentlich ist es ganz einfach: Unternehmen, die keine Steuern zahlen und ihre Klamotten aus Baby-Fingernägeln produzieren = schlecht.

Außerdem gibt es einen guten Grund dafür, dass die Shoppingmeilen dieser Welt langsam von der Bildfläche verschwinden: die Läden, die es dort gibt, sind einfach beschissen. Schließlich sind wir keine 14 mehr und mit einem neuen Lipgloss fühlen wir uns eben auch nicht mehr so erwachsen, wie an dem Tag, als wir zum ersten Mal die Periode bekommen haben. Auch wenn man Shoppen durchaus mit dem weiblichen Zyklus vergleichen könnte: Die ganze künstliche Beleuchtung macht einen ein wenig schwummrig im Kopf und die Heizung ist überall so weit aufgedreht, dass einem das Tai Curry von gestern aus allen Poren kommt und man den Schweiß literweise aus dem Shirt wringen könnte.

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Du willst wissen, warum der Topshop auf der Oxford Street der Inbegriff von modernem High Street-Shopping ist? Ganz einfach, weil Philip Greenes Todesstern nun einmal genau das ist: 90.000 Quadratfuß voller menstruierender Frauen. Warum sollte man sich sowas freiwillig antun?

Das Totanalysieren von SMS

Eine ganz andere (ebenfalls aufgezwungene?) Beschäftigung, die auch nachdem der abgestandene Mief der Schließfächer deiner Schule langsam in deiner Erinnerung verblasst, noch immer on top ist, ist das akribische Totanalysieren von SMS. Jedes Mal, wenn es mir aufs Neue scheiß egal ist, welchen Smiley ein Kerl gesendet hat, fühle ich mich quasi zwanghaft wie eine schlechte Freundin. Was denkt ihr eigentlich, wie viel Mühe dieser Kerl in eine dämliche SMS steckt? Ihr habt es hier nicht mit Gore Vidal zu tun, sondern mit jemandem, der seine Klamotten wahrscheinlich immer noch in der H&M-Kinderabteilung kaufen muss.

Und damit sage ich nicht „Geht zur Abwechslung mal in ein Museum, ihr hirnverbrannten Idioten", ich bin selber ja auch stinkfaul und habe die Konzentration und Aufmerksamkeit eines Soziopathen bei einer Illuminaten-Orgie. Was ich damit sagen will: Reißt euch verdammt noch mal zusammen, ihr werdet nach zweieinhalb Stunden Telefongequassel darüber, welche Farbe die Chat-Smilies deines Schwarms haben, nicht bessere Freunde, als ihr es bei ein wenig Gin und Tonic werden könntet.

Makeovers

Solltest du ein Krimineller auf der Flucht oder ein Spion sein, oder den wenig bekannten Kultfilm Grease gesehen haben, bist du sicherlich in die Geheimnisse des Makeovers eingeweiht. Es ist das Spezialgebiet von Mädchen im Teenageralter und anscheinend das einzige, was einem in diesem Alter bei einer Identitätskrise helfen kann; besonders beliebt ist es unter den Mädchen, die täglich davon träumen, als hässliche Ente von der Schule abgeholt zu werden um als das heiße It-Girl wiederzukehren.

Sobald du allerdings erwachsen bist, solltest du niemanden mehr die Farbe deines Lippenstifts aussuchen lassen, ganz zu schweigen davon, dir jemals von jemandem im Suff die Haare schneiden zu lassen (keine gute Idee!). Wir sollten aufhören uns etwas vorzumachen, denn schließlich haben wir alle keinen großen Freundeskreis, also weiß sowieso jeder, wie du aussiehst. Das einzige, was so ein Makeover bewirken wird (und das wird es!), ist dass dein Ex denkt, du würdest dich nach eurer Trennung miserabel fühlen und nicht mehr mit dir selber klarkommen. Und wenn dich ein Freund zu einem Makeover überreden will, dann schläft er vermutlich mit deinem Ex.

Diäten

Eine weiteres, sozial anerkanntes Mittel der Freundschaftsfestigung zwischen Frauen ist das Hungern. Das Fasten mit Cayenne Pfeffer und Ahornsirup ist nämlich wesentlich erträglicher, wenn am anderen Ende der Telefonleitung ein mindestens genau so ausgezehrter Hungerhaken sitzt, der die gleichen Heißhungerattacken und Gemütsschwankungen durchmacht wie du. Das macht doch Spaß, oder.

Aber vielleicht geht es auch genau darum: Diese ganzen Sachen sollen keinen Spaß machen! Vielleicht sind die etablierten Formen, nach denen Freundschaften zwischen Frauen zu funktionieren haben, deswegen so beschissen, weil sie demütigende gesellschaftliche Zwangshandlungen sind, die wir gemeinsam ertragen müssen, die uns letztendlich aber stärker machen. Wenn es wirklich so ist, wieso will keine meiner Freundinnen bei meiner Einlauf-Diät mitmachen?

Folge Bertie auf Twitter: @bertiebrandes