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Ich lache wegen Strache, oder: Austro-Meme stopft Sommerloch

Uns ist zu Ohren gekommen, dass im Internet irgendwas mit Strache und 9gag geht. Hier seht ihr die besten acht Beweisfotos.
14.6.12

Politik ist die Kunst, seine Umwelt zu kontrollieren. Jeder, der gern Ricky Gervais schaut oder Hunter S. Thompson liest, weiß das. Herr Heinz-Christian Strache tut offenbar keins von beidem und muss sich deshalb aktuell den Meme-Mäzenen und ihrer Gefolgschaft aus linkslinken Likern geschlagen geben – was sicher nicht ganz einfach für ihn ist, wo er doch nicht bei einer geschlagenen, sondern einer schlagenden Schülerverbindung war. Aber das hätte sich der Zahntechniker mit dem selbstgemachten Grinsen eben überlegen müssen, bevor er den viralen Weiten des Internets zugunsten sündhaft teurer Typberater und PR-Strategen den Rücken gekehrt hat. Jetzt ist der Troll selbst zum Meme geworden und sucht inzwischen 9gag als Geist der letzten Weihnacht heim (und wir reden hier von Weihnachten 1942 in Stalingrad).

Vorne: Strache. Hinter ihm: die Sintflut.

Aber fangen wir schön beim Anfang an. Alles begann vor ein paar Tagen, als mich die ersten Strache-Sichtungen aus dem Äther erreichten und aufgebrachte Trendsensibelchen Sachen postetet wie: "Ich schwör's, ich hab grade über den Strache gescrollt!" und "LOL, das Gsicht ist auf 9gag!" Zuerst hielt ich das alles Schmonzes, doch dann fiel mir ein, dass das ein jiddischer Ausdruck war und das kann ja wohl bitte kein Zufall sein. Außerdem erkennt man diesen markanten Zahnzweireiher zweifelsfrei auch unter einer Million ähnlicher Schlager-Gesichter (Schlager wie in: Deutsche Hitparade, nicht Schläger wie in: Deutsche Hitlerparade, also bitte nicht gleich verklagen, außer irgendein Volksmusiker fühlt sich durch den Vergleich persönlich gekränkt, wozu ich nur sagen kann: Fuck you, wer im selben Geschäft arbeitet wie die Ursprung Buam muss mit ein bisschen Häme umgehen können).

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Also habe ich meine Skepsis dorthin gepackt, wo auch jeder Vorwurf des Rechtsradikalismus gegen die FPÖ landet – ins Niemandsland zwischen Halt-die-Fresse und Ich-könnte-mich-nicht-entsinnen – und mich auf eine minutenlange Odyssee durch das Netzdickicht begeben. Und damit uns hier niemand vorwirft, wir wären irgendwie geschmäcklerisch oder tendenziös, weil wir das letzte Mal diese Verteidigungshymne auf den auch nicht unbedingt für seine Linkslastigkeit berühmten Uwe Scheuch und seine Forderung nach der Tetschn im Schulunterricht geschrieben haben, kommt hier eine etwas wertfreiere Sammlung der sechs besten Variationen des Strache-Memes, die ich am Altar des Wrong Boners als Opfergaben darbringe.

Das heißt: Diese Woche kein Boner, aber dafür acht Bilder von dem Mann, bei dem es euch (hoffentlich) etwas ganz anderes aufstellt. Und ich rede von den Nackenhaaren. Gott, muss ich es euch wirklich auch noch buchstabieren? Okay, los geht's:

Als ich diese ersten Screenshots meinem imaginären Freund Urban zeigte, sagte der: "Keine Ahnung, ob es nur mir so geht, aber irgendwie macht dieses Meme mit dem Sommerloch gerade dasselbe, das ich gerne mit Straches Mund machen würde." Ich schlug ihm sanft auf seine unsichtbare Hirtennase und antwortete: "Gusch, Urban. Sowas sagt man bei uns nicht. Der Strache hört alles, was im österreichischen Internet so abgeht."

"Was kann ich da bitte dafür?" rebellierte Urban. "Du erfindest mich doch gerade, weil du Angst hast, der Strache könnte dich sonst in Blut und Boden verklagen, bis du nicht mal mehr …" Aber noch bevor der  fantasierte Verräter seinen Satz zuende sagen konnte, ließ ich meine Hand ein zweites Mal in sein Gesicht einwandern und unterbrach ihn forsch: "Grund und Boden heißt das, du Zuwanderer! Nicht Blut und Boden. Und jetzt sei still, denn wenn der Strache mich einsperrt, bist du genauso hinter nordischen Gardinen gefangen! Hast du daran schon mal gedacht? Und glaub mir, er kann dich genauso gut hören wie mich."

Leicht gekränkt rieb sich Urban die Visage und murmelte: "Du hast wahrscheinlich recht", bevor er sich nervös im Raum umsah, als hätte er Angst, dass die Lauscher aus dem Netz in die echte Welt herüber diffundieren könnten. "Natürlich habe ich das", sagte ich und ließ mir von Urban einen Schluck Wodka einflößen. "Immer schön die Füße stillhalten. Und wenn das nicht geht, dann lern gefälligst, im richtigen Takt zu steppen." Urban nickte wiederholt. Dann fiel ihm plötzlich etwas ein und er sagte: "Ich schätze, das ist der Grund, warum man bei uns sagt: Schlafende Putins weckt man besser nicht, sonst gehört ihnen morgen der Kreml." Ich gab ihm noch eins auf die erfundene Nase. Dann veröffentlichte ich diesen Artikel. Mahalo!