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The VICE Guide to Europe 2014

The VICE Guide to Wien 2014

Wie man in einer riesigen, barocken Pralinenschachtel Spaß hat.

von VICE Staff
30 Juni 2014, 3:45am

Alle Fotos von VICE Alps

Ich glaube, die meisten von euch denken, Wien sei eine Stadt für alte Säcke, weil wir in Österreich nicht Lady Gaga erfunden haben sondern Mozart und ihr noch nie Österreichs Hauptstadt besucht habt. Wien ist aber neben seinem Ruf als barocke Pralinenschachtel einfach eine großartige Partystadt, in der irgendwo Conchita Wurst ihr Unwesen treibt. Wien ist cool und wir sagen dir, was es zu beachten gilt.

Zu den einzelnen Rubriken

FEIERN
WIE SIEHT'S AUS MIT DROGEN?
POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?
ESSEN
WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?
LGBT WIEN
TRINKEN
ÜBERNACHTEN
ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN
WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST
WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST
LEUTE UND ORTE, DIE DU VERMEIDEN SOLLTEST
TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST
EINE YOUTUBE PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK
DER VICE-STADTPLAN

Wien langweilt dich jetzt schon? Hier haben wir noch 16 andere Städte-Guides!

FEIERN

In den letzten Jahren haben wir anspruchsvollen, intellektuellen Barock-Wiener gelernt, uns Tabletten in den Arsch zu schieben und Spaß zu haben, aber die Zielgruppe dafür ist noch relativ klein und den einen bahnbrechenden, zukunftsträchtigen Techno-Club in Wien gibt es einfach nicht (auch wenn die Grelle Forelle am besten Weg dorthin ist). Wenn du aber auf elektronische Musik stehst, zahlt sich ein Besuch der Pratergegend aus—dort gibt es das Fluc (eine ehemalige Unterführung) und die Pratersauna (ein ehemaliger Saunaclub). Du solltest dort aber nicht einfach so in die Pools springen, da die Indoor-Varianten üblicherweise trocken bleiben und Baden im Garten-Pool dazu führt, dass du von zwei Securitys aus dem Wasser gefischt und rausgetragen wirst.

Eine weitere Option ist die Grelle Forelle, ein mysteriöser Club nahe des Donaukanals, der seinen geheimnisvollen Ruf wahrt, indem er das Fotografieren innen verbietet. Aber da das hier ja ein Reiseführer ist, sagen wir euch, wie es innen aussieht: Wie in einem Club. Gleich daneben ist das sympathisch abgeranzte Werk—aber wer jetzt denkt, das würde zu einem Kleinkrieg a la Montague und Capulet führen, der liegt komplett falsch. Bei Vollmond kann man mit etwas Glück sogar dabei zusehen, wie Stiez und Matthias, die Geschäftsführer der beiden Clubs, Hand in Hand in Richtung Sonnenaufgang spazieren. In Punkto kleinere Clubs können wir noch das Celeste empfehlen, das normalerweise rammelvoll, verschwitzt und ein guter Platz zum Saufen ist.

Außerdem gibt es noch das Brut, das normalerweise rammelvoll, verschwitzt und ein guter Platz zum Ficken ist. Die meisten Clubs in Wien machen so gegen 5 oder 6 Uhr morgens zu. Im Sommer hat die Stadt einiges an guten Outdoor-Partys zu bieten—zu den besten gehört Tanz Durch Den Tag, Techno Sonntag und der ähnlich gesinnte, aber leicht härtere Kein Sonntag ohne Techno.

Wenn du Konzerte anschauen willst, solltest du entweder in die Arena, das WUK oder das Flex gehen—aber schau dir bitte vorher das Programm an, damit du keine unliebsamen Überraschungen erlebst und bei einer Drum'n'Bass Party namens Mainframe, einem Yoga-Workshop oder dem London Calling landest.

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WIE SIEHT'S AUS MIT DROGEN?

Um ehrlich zu sein ist Wien nicht die beste Stadt, um als Tourist an Drogen zu kommen. Natürlich begegnen dir da und dort ein paar Typen, die dir Gras anbieten und besonders am Gumpendorfer Gürtel haufenweise erholungssuchende Heroinsüchtige. Abgesehen von der Gefahr, Oregano zu kaufen oder den wandelnden Warnschildern der Menschheitsgeschichte zu begegnen, haben Drogen keine große Spur bei unserer Jugend hinterlassen.

Man munkelt, dass Leute bei U-Bahn-Stationen wie U2 Schottenring oder sogar bei der grünen U4 zwischen Karlsplatz und Längenfeldgasse an Drogen kommen können, aber Geschichten dieser Art reihen sich bei der Glaubhaftigkeit von Urban Legends ein, und ehrlich gesagt besteht das Koks, dass es bei uns gibt, sowieso zu 100 % aus Pferde-Entwurmungsmittel. MDMA und Speed sind eher rar, außer es ist gerade eine Free-Tekk-Party am Laufen. Wenn das so ist, stehen dir oft auch mobile Drogenlabors von CheckIt! zur Verfügung, was ein ziemlich nettes Angebot der Stadt Wien ist.

Die Gesetzeslage ist ähnlich wie bei den meisten Staaten im europäischen Festland. Zünd dir besser keinen Joint neben einem Polizisten an, du Vollidiot—denn dann kann der Kiwara (so nennt man Polizisten in Wien) nicht anders, als sich um dich zu kümmern, auch wenn er eigentlich Besseres zu tun hätte. Wenn die Polizei dann doch jemanden mit irgendwas härterem erwischt, sind sie strenger, aber wir haben noch nie von einer Razzia in einem Club unseres Vertrauens gehört und auch die Zivilpolizisten, die das Nachtleben unsicher machen sollen, gehören wohl eher ins Reich der Legenden.

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POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?

Anders als das benachbarte Ungarn hat Österreich eher wenige rechtsextreme Milizen oder offen antisemitische Biker-Gangs. Es gibt jedoch eine ziemlich feste Anhängerschaft des rechten Flügels, wovon man als Außenstehender erst dann etwas weiß, wenn man am falschen Ende einer Demo steht. Es sollte gesagt werden, dass Wiener Demonstrationen im Vergleich zu anderen Protesten auf der Welt kleine, entzückende Fürze sind.

Ausnahmen bestätigen die Regel und so gab es letzten Januar einen ordentlichen Radau, als eine kleine Gruppe Linker gegen den jährlichen Akademikerball protestierte, der von Österreichs rechtem Flügel veranstaltet wird und Ehrengäste wie Marine Le Pen und Filip Dewinter zu bieten hat. Obwohl schlussendlich nur in ein paar Auslagen zerbrochen wurden, zittern die Konservativen dieses Landes noch immer, wenn sie an das schreckliche Ausmaß der Zerstörung zurückdenken.

Ein Neuzugang zu Wiens grummeliger Protestkultur ist die sogenannte „Montagsdemo", bei der sich Althippies, Verschwörungstheoretiker und andere Random-Aktivisten vereinen, um ihrem Misstrauen gegenüber der österreichischen oder der westlichen Politik allgemein, der NATO, den Mainstream-Medien und was sie sich sonst noch so ausdenken können, äußern. Noch haben sie es aber nicht geschafft, ihre Theorien zu einer erleuchtenden Super-Verschwörung zu verschmelzen und deswegen bleiben sie hauptsächlich harmlose Aktivisten, die jede Woche vor dem Parlament kuscheln und laut Gedichte vorlesen (obwohl einige davon einen antisemitischen Vibe haben). Wenn du also zufällig das Parlament besuchst, vergiss dein Alufolien-Hütchen nicht.

Auch eine kleine Hausbesetzer-Szene haben wir. Um genau zu sein, gibt es ganze zwei Häuser voller Besetzer—das berüchtigte EKH und die Pankahyttn, wobei die Bewohner des EKH 2008 sogar Mietverträge unterzeichnet haben, weil das hier eben immer noch Österreich ist. Dafür veranstalten sie seit den 90ern ziemlich tolle Konzerte, Untergrund-Wrestling-Events und halten neben der Arena, einem ehemaligen Schlachthof, der auch besetzt wurde und mittlerweile Wiens wichtigste Konzertlocation darstellt, die Fahne des Antifaschismus hoch. Die Pizzeria Anarchia ist Geschichte.

Auch Flüchtlinge sind ein wichtiges Thema für Österreichs Aktivisten. Im Jahr 2012 hat eine Gruppe an Demonstranten ein Flüchtlingslager mit einem 35 Kilometer-Marsch von Österreichs größtem Flüchtlingszentrum in Traiskirchen nach Wien unterstützt. Das Lager überlebte keine drei Wochen, bevor es von der Polizei umgerissen (und komplett zerstört) wurde—sehr zum Verdruss von verfickt noch mal keinem einzigen Presse-Arschloch.

Die Flüchtlinge übersiedelten in die nahegelegene Votivkirche, hielten ausgiebige Hungerstreiks und zahlreiche Pressekonferenzen, bevor sie teilweise festgenommen und teilweise in ein Kloster abgeschoben wurden, wo manche von ihnen weiterhin auf eine Entscheidung warten, ob man ihnen denn jemals Asyl gewährt.

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ESSEN

Plachutta
Wollzeile 38, 1010
Rindfleisch ist in Österreich heiliger als Wasser und der Tafelspitz im Plachutta ist so ziemlich das Maximum an erreichbarer Österreich-Authentizität—es sei denn Michael Haneke serviert es auf einem Cembalo.

Anzengruber
Schleifmühlgasse 19, 1040
Wenn man einen Blick in die gängigen Touristenführer wirft, stellt man fest, dass sie den Figlmüller empfehlen, wenn es um Schnitzel geht. Und das mit gutem Grund, weil sie einfach die größten Stücke Fleisch servieren, die du in dieser (und vielleicht jeder) Stadt sehen wirst. Wenn du aber große Menschenmengen vermeiden willst, während du dir ein frittiertes Schnitzel in der Manier eines abstoßenden Schweinemenschens reinstellst, ist dieser Künstlertreffpunkt genau das Richtige für dich.

Konoba
Lerchenfelderstrasse 66-68, 1070
Bestell einfach irgendeinen empfohlenen Fisch in diesem großartigen kroatischen Restaurant. Die Kellner wissen es besser—und du willst ohnehin nicht mit ihnen diskutieren, sie sind nämlich ziemlich furchteinflößend (und damit meinen wir ihr Wissen und ihre Autorität, und nicht, dass sie Kroaten sind, ihr blöden Rassisten).

Yume
Bergmillergasse 3, 1140
Näher am Stadtrand als hier in Hütteldorf wirst du nie sein. Der Trip zahlt sich weniger wegen dem Essen aus, sondern eher, weil man dem Chefkoch beim Zubereiten zusehen kann. Er ist ein Asiate namens Martin, der normalerweise irgendwann mit dir zu saufen beginnt, bevor der Abend vorbei ist. Manchmal auch halbnackt.

Schweizerhaus
Prater 116, 1020
Die traditionelle Schweinsstelze im Schweizerhaus ist hier bekannter als Josef Fritzl. Zurecht—das gebackene (oder gegrillte) Schweinebein ist einfach mal ganz nebenbei der absolute Höhepunkt für deine Geschmacksnerven und wird dich in deine süßesten Träume verfolgen.

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WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?

Blunzngröstl
Blutwurst ist genau eins dieser Dinge, die einen schlechten Ruf haben, weil eine Generation von Supermarkt-Muschis denkt, Fleisch sei etwas aus dem Billa-3D-Drucker. Kartoffeln und gebratene Blutwurst—ein Gedicht.

Fiaker-Gulasch
Auch in Österreich haben wir Gefallen an dem Full English Breakfast gefunden. Weil wir aber noch nicht ganz bereit sind, unseren Speiseplan umzustellen, haben wir ein bisschen kombiniert—delikates Gulasch mit Spiegeleiern und Würstel. Groovy, Baby.

Hotdog mit Käsekrainer
Diese Alternative zu Dürüm Kebab, die aus der Zeit stammt, als es noch keinen Dürüm Kebab gab, ist heute der größte Feind von allen, die ihr Geld mit Dürüm Kebab machen wollen, und der größte Freund von jedem, der betrunken auf dem Nachhauseweg die Idee hat, schnell noch 800 Kalorien in sich reinzuschaufeln, bevor er oder sie sich ins vormittägliche Koma verabschiedet. Für Nichteinheimische: Käsekrainer ist Wurst vollgepumpt mit Käse und Hotdog ist Hotdog. Die Amerikaner müssten eigentlich kurz davor sein, dieses kulinarische Highlight für sich zu entdecken und für sich zu vereinnahmen wie es einst Kolumbus so schön vorgemacht hat.

Schweinsbraten
Gebratenes Schwein wie du es vorher nie erlebt hast. Das lapprige Schinkenbrot, das es bei euch gibt, verfüttert bei uns der Schweinsbraten an seine zurückgebliebenen Kinder.

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Foto von Stefanie Katzinger

TRINKEN

Margaretenstraße
Der vierte (und teils fünfte) Bezirk um die Margaretenstraße ist der Ort, wo die meisten guten Fortgehabende beginnen. Außerdem enden hier auch viele davon, mit jeder Menge netter, zu Fuß erreichbarer Lokale wie dem Schikaneder, dem Transporter oder dem Kiosk.

Zollergasse
Für jede Bar wie das Liebling und das Europa gibt es auch eine nette Boutique, die die Zollergasse zu einem geschlossenen Ökosystem macht—für Leute, die gerne trinken und shoppen.

Schadekgasse
Eine großartige Location neben Wiens berühmtestem Flakturm mit einer süßen Umgebung in Form des Futuregardens, der irgendwie klingt wie ein Sci-Fi-Film mit Tom Cruise oder einer seltsamen Savage Garden-Supergroup.

Kärntner Straße
Man erwartet von jedem Europäer, dass er die Amerikaner wegen dem Irakkrieg und Kimye hasst, aber wir lieben sie trotzdem irgendwie. Der beste Beweis ist die Kärntnerstraße, sozusagen der Rodeo Drive Österreichs. Hier gibt es die höchste Dichte stilvoller amerikanischer Bars der ganzen Stadt. In der Loos Bar zum Beispiel wurde Quentin Tarantino gesichtet, als er einer Barfrau erzählte, dass sie schöne Füße hat. Angeblich haben die beiden anschließend auch fußgebumst, aber da es hier um Wien geht, überlassen wir die dreckigen Details einfach der Fantasie.

Karmelitermarkt
Die Österreichversion des altgewordenen Hipsters ist bekannt unter dem Namen „Bobo", zusammengesetzt aus den Wörtern bohémien und bourgeois (welch Ironie). Wenn du einen Bobo treffen willst, musst du nur zum Karmelitermarkt gehen. Rund um den Markt gibt es Bars mit großartigem Essen, wie das Tachles oder das Shabu, wo du auch Schwammerl-Billard spielen kannst. Außerdem gibt es hier eine der besten Pizzerien der Stadt, die Pizza Mari, wo du nie einen Tisch ohne Reservierung bekommst, was gleichzeitig schade, aber auch sehr großstädtisch-cool ist, weil du sonst über den Atlantik fahren musst, um von arroganten Kellnern ausgelacht zu werden.

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ÜBERNACHTEN

Um im Hotel Urania (ab 54 Euro) ein Zimmer zu bekommen, muss man keine Bank überfallen. Ein altmodischer Wiener Flair sorgt für ausreichend Stoff für deinen Instagram-Feed. Außerdem gibt es ein Observatorium nebenan, und wie jeder wetterfeste Reisende weiß, ist so was einfach ein Segen.

Das Hotel am Brillantengrund (ab 69 Euro) liegt einen klassentechnischen Halbschritt höher, ist aber trotzdem schön abgefuckt und schafft den Spagat zwischen Erlebnis-Hotellerie vom Format „Schau mal, das sieht alles noch aus wie früher, als hier noch keine Hipster übernachtet haben" und abgehobenem Künstler-Flair nach dem Motto „Schau mal, die sehen aus wie Leute, die früher hier übernachtet haben, ob die unsere Ausstellung wohl überhaupt CHECKEN?"

Wenn du ein bisschen mehr Geld zur Verfügung hast und ein Hotel willst, das aussieht als wäre es direkt aus Williamsburg her teleportiert worden, dann ist das Hotel Daniel (ab 95 Euro—mit hauseigener Bakery und Radverleih) vielleicht das Richtige für dich.

Ein weiterer Bobo-Favorit sind die ehemaligen Geschäftslokale der Urbanauts (ab 94 Euro). Entwickelt von einem dreiköpfigen Architektenkollektiv, verwandelt das Projekt ehemalige Geschäftslokale in angenehme Lofts—was nebenbei einfach mal wie die zentraleuropäischste Sache überhaupt klingt.

Keine Liste über Hotels in Wien wäre komplett, ohne das Hotel Orient zu erwähnen, auch wenn es nicht die Art von Hotel ist, in dem man eine ganze Nacht verbringt. Man kann sowieso nur an Wochenenden tatsächlich ein Zimmer für Übernachtungen buchen. Die Zimmer kosten zwischen 63 und 95 Euro für einen dreistündigen Aufenthalt, also handelt es sich hier um kein verwahrlostes Scheißhaus, sondern um ein vornehmes, duldsames „Liebeshotel"—also vergiss nicht auf einen Partner. Einen Partner zum Ficken. Wobei du vermutlich sowieso schon für ein Hotelzimmer gezahlt hast, wenn du mit einem Partner nach Wien kommst.

Darüber hinaus gibt es in Wien noch einen ganzen Haufen Hostels und Jugendherbergen, aber ganz ehrlich, wer braucht das in Zeiten von Airbnb noch?

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Foto von Stefanie Katzinger

LGBT WIEN

Es gibt natürlich auch hier, so wie in jedem Land, ein paar homophobe Arschlöcher, aber sonst ist Wien ein ziemlich spaßiger Ort, um schwul zu sein. Mit Händchenhalten und Knutschen hat niemand ein Problem, und es gibt genügend Partys, die so cool sind, dass die meisten vernunftbegabten Heteros lieber dort abhängen.

Das beste Event ist wahrscheinlich das Rhinoplasty im Club U, das von den vermutlich coolsten und polistisch inkorrektesten Homos Wiens organisiert wird. Hier findet man perfekte Verhältnisse für ausgelassene After Hours vor—also nicht wundern, wenn es manchmal etwas wilder zugeht oder jemand mit einer Torte „ACHTUNG, DINO AIDS" auftaucht.

Einmal pro Jahr verwandelt außerdem die Regenbogenparade die uralten Prachtstraßen Wiens in eine Orgie der wedelnden Schwänze und Freiluft-Muschis, aber davon kann man ja ausgehen, oder? Und dann gibt es natürlich noch den jährlichen Life Ball, der die Stadt in eine Glitzer-Wolke hüllt und homosexuelle Menschen von überall anzieht—und Bill Clinton. Außerdem wurde heuer mit diesem wunderbaren Poster Werbung dafür gemacht.

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ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN

MuseumsQuartier
Ein großer Block mit Cafés, Bars und Museen mit einem großen, offenen Platz in der Mitte. Obwohl die Einrichtungen alle toll sind, handelt es sich bei der Hauptattraktion um die Sitzgelegenheiten aus Plastik die den schönen Namen „Enzi" tragen und jedes Jahr in verschiedenen Farben zeremoniell enthüllt werden—und irgendwie eigentlich auch ziemlich hässlich sind. Aber dafür sind sie das ideale Medium für die Jugend der Stadt um abzuhängen, Bier zu trinken und sich zu fragen, wie Drogen wohl so sind.

Prater
Du kennst den Prater wegen dem Riesenrad und Harry Limes berühmtem Monolog. Du kannst entweder die Szene nachspielen, ausflippen oder eine deprimierende Rede halten, wie billig das Leben doch ist—oder du legst dich einfach hin und genießt die Sonne wie das unkomplizierte Kind, das du bist.

Naturhistorisches Museum
Wenn du nur ein Museum in Wien besuchen kannst, dann sollte es dieses sein. Es ist nicht hip oder kunstvoll, aber es gibt ein paar Dinosaurier und genug ausgestopfte Bestien um Taxidermisten in ihrer Arbeit, tote Tiere mit irgendwelchen Fetzen auszustopfen, zu bestätigen. Die Architektur des Museums ist einfach beeindruckend und einen schönen Park davor gibt es auch.

Ve.sch
Es mag vielleicht aussehen wie das Souterrain-Loch, das es tatsächlich auch ist, aber hier findet die Nacht statt, die uns aus unserem mittwöchentlichen Loch holt. Komm und triff uns dort. Ernsthaft.

Gartenbaukino
Martin Scorsese hat es einmal das schönste Kino, das es gibt, genannt. Und obwohl ich Scorsese nicht persönlich kenne, kann ich mir vorstellen, dass Scorsese schon einen ziemlich guten Geschmack haben muss, was Kinos angeht.

Lido an der Donau
Wenn es Sommer ist und du dich abkühlen musst, steig in die U1 und fahr ins Arbeiterstandbad, einem gemütlichen Streifen „Strand" an der Donau. Wenn du einen ganzen Nachmittag zum Spielen hast, kannst du auch nach Kritzendorf (zirka 45 Minuten außerhalb der Stadt) fahren—es ist ziemlich großartig, um in natürlichem Gewässer davonzutreiben und den Vorsitzenden der Wiener Esperantogesellschaft zu treffen, der dort einen Melonenstand hat.

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Foto von Stefanie Katzinger

WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST

Trotz den Geschichten von iPods, die einem am hellichten Tag aus der Tasche gezogen werden, ist Wien so ziemlich eine der sichersten Städte Europas und nicht mehr als eine Krabbelstube mit ein paar Palästen. Allerhöchstens muss man sich Sorgen um gestohlene Fahrräder oder fehlende Sitze machen, was in meinen Augen irgendwie immer mehr Arschlochsein als echter Diebstahl ist. Aber was weiß ich schon, vielleicht ist da draußen irgendjemand, der sich gerade fürstlich auf seinem Berg von gestohlenen Fahrradsitzen ausruht.

Entlang des Gürtels und seiner Bars und Sehenswürdigkeiten solltest du aber schon vor Taschendieben aufpassen. Besonders im Rhiz würde man einfach deine Jacke, Brieftasche oder dein Telefon stibitzen, während du versuchst, einen guten Eindruck auf der Tanzfläche zu machen und es—trauriges Trompetengeräusch—deutschen Indie-Rock spielt.

Einmal hab ich geglaubt, dass ich ausgeraubt wurde, als ich sternhagelvoll war, aber dann habe ich den Abend in meinem Kopf nachgespielt und alles Verlorengeglaubte wiedergefunden. In Wien saufen wir so viel, dass wir uns selbst oft mehr zur Gefahr werden, als die anderen.

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Foto von Stefanie Katzinger

WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST

Es gibt drei gleichwertig furchtbare Touristengattungen in Wien. Die einen sind japanische Millionäre, die für ihren Besuch das Gehalt aus zwei Selbstmordjobs brauchen und mit ihrer lächerlich gutangezogenen Familie nach Österreich kommen, weil sie Riesen-Fans von klassischer Musik und Pferden sind, und sich wünschen, sie hätten im 19. Jahrhundert gelebt.

Die anderen sind Amerikaner die gerade Before Sunrise (wahrscheinlich sogar NACH Before Midnight) gesehen haben und die auch die Magie der alt-europäischen Nachteulen erleben wollen, indem sie auf Friedhöfen abhängen und hoffen, dass ihnen französische Mädels und großwarzige Wahrsagerinnen über den Weg laufen.

Und dann gibt es noch die reichen Russen, die angefangen von teuren Boutiquen im Goldenen Quartier bis hin zu unseren tollen Innenstadtaltbauwohnungen einfach alles aufkaufen, was nach Tradition und Wertanlage ausschaut.

Bei allen Gruppen ist die Enttäuschung vorprogrammiert, weil das „echte Wien", das sie suchen, nicht existiert. Was auch immer du tust, schraub deine kulturellen Erwartungen ein wenig zurück und hör auf, ein hochgestochener Arsch zu sein.

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Foto von Stefanie Katzinger

LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST

Falsche Mozarts
Wenn du Wien besuchst, nehmen die Leute an, du liebst Pferde, klassische Musik und die Oper—weil die Leute dir auch genau das verkaufen wollen, wenn du die örtlichen Sehenswürdigkeiten besuchst, wie den 700 Jahre alten Stephansdom. Alle Händler verkleiden sich hier wie Disney-Versionen von Mozart (und werden von ihren Nachbarn dafür von Eiern beworfen).

Marktschreier am Naschmarkt
Am Naschmarkt gibt es ein paar ziemlich gute Marktstände, obwohl sich die meisten der Stände den selben Lieferanten teilen. Lass dich nicht vom Typen mit der lautesten Stimme anlocken, sondern mach dich auf die Suche nach den Ständen mit alten Frauen, die kaum reden, und kauf dir dort das beste Zeug.

Die Menschen in der Lugner City
Hier triffst du vor allem Einkaufszentrums-Gammler, die Burger King für den Inbegriff der Edelgastronomie halten und ihre Dates ins McCafé ausführen, wenn es mal etwas Besonderes sein soll. Um die Menschenmengen in der Lugner City zu vermeiden, vermeide einfach die Lugner City.

Christkindlmarkt
Österreichs Weihnachtsmärkte sind wie Warten auf Godot, wenn Warten auf Godot von einem inspirationsarmen Punschbrauer neugeschrieben und von tausend Sandlern, die alle auf eine neue Ladung Gratis-Punsch warten, nachgespielt worden wäre.

Schönbrunn
Andere mögen ständig von Schönbrunn schwärmen, aber sind wir uns mal ehrlich: Es ist ein uraltes Schloss, es ist gelb und hat einen großen Garten. Ich weiß, du hast sowas vielleicht zuhause nicht, aber können wir jetzt aufhören, darüber zu reden?

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Foto von Stefanie Katzinger

TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST

Trinkgeld
In Österreich wird man ordentlich bezahlt und das Bildungs- und Gesundheitswesen ist so ziemlich gratis für alle. Also gib höchstens so um die 10 Prozent Trinkgeld. Gibst du 20 Prozent, wird die Kellnerin davon ausgehen, dass du sie sexuell belästigen willst.

Sätze, die du kennen solltest
Budan?—Die primitivste Art, um nach einem Fick zu fragen, was, wie wir alle wissen, manchmal genau die richtige Art ist, um nach einem Fick zu fragen.

Geh scheißen—Hau ab, vergiss es, halt die Fresse.

Krügerl vs. Eine Halbe—Beide stehen für 0,5 Liter Bier, also wirst du beide Begriffe brauchen, wobei Krügerl in Wien verwendet wird und die Halbe so ziemlich überall sonst in Österreich.

Oida— Jugendslang für „Dude". Weitverbreitet bei Wichsern und Menschen, die im Einkaufscenter abhängen. Bedeutet soviel wie „Alter", wird aber eher gegensätzlich verwendet und an so ziemlich jeden Satz angehängt, um ihm Ausdruck zu verleihen.

Tschick—Dialektausdruck für Zigarette. Klingt ein bisschen wie das englische „chick" und wird von Männern oft dazu verwendet, genau diese anzulocken.

Ur—Im Hochdeutschen steht es für „alt", in Österreich aber eher einfach für eine Hervorhebung von bestimmten Begriffen und kann vor so ziemlich jedes Wort gestellt werden. Ur cool, ur gut, ur nett. Sollte man aber eher nur in Wien verwenden, weil du überall anders dafür gehasst wirst, so wie man überall anders eben auch die Wiener hasst.

Wappler—Das österreichische Pendant zum „Douchebag". Du wirst es wahrscheinlich öfter an den Kopf geworfen bekommen, als du es selbst gebrauchen wirst.

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EINE YOUTUBE PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK

Ob wirklich alles davon Musik ist, kann natürlich—wie immer, wenn es um Musik geht—diskutiert werden. Auf jeden Fall hört man dieses Zeug gerade in Wien und um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, solltest du dich ein bisschen einhören.

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DER VICE-STADTPLAN

So, hier bitte sehr. Komm uns doch besuchen, aber bitte, sei kein Wappler.

Servus,

—VICE Österreich

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