Eine perfekte Stadt, die unter grauenhaften Touristen leidet.

Prag hat alles: billigen Alkohol und schöne Gebäude—nur zieht das leider auch wahnsinnig nervige Touristen an. Wie du es besser machst, zeigt dir unser Guide.

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22 Juli 2014, 9:40am

Foto: Rodrigo Cannedo Cattegno

Die Hauptstadt von Tschechien ist wunderschön, reich an Geschichte, freundlich zu Homosexuellen und drückt bei Drogen auch mal ein Auge zu. Sie ist im Grunde die perfekte
Stadt, oder wäre es zumindest, wenn sie nicht von plündernden Junggesellenabschieden, nervigen Frauengruppen im Urlaub und anderen schrecklichen Touristen entdeckt worden und überlaufen wäre. In diesem Guide erfährst du, wie du nicht einer von denen wirst.

Zu den einzelnen Rubriken:

FEIERN
WIE SIEHT’S AUS MIT DROGEN?
POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?
ESSEN
WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?
TRINKEN
ÜBERNACHTEN
LGBT PRAG
ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN
WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST
WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST
LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST
TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST
EINE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK
DER VICE-STADTPLAN

Prag langweilt dich jetzt schon? Hier haben wir noch 16 andere Städte-Guides.

Foto: Yo Void

FEIERN

In Prag feiern zu gehen ist ziemlich einfach. In jeder Straße findest du eine Bar und das Bier ist günstig—aber komm nicht mit der Erwartung her, dass du bis 6 Uhr morgens zu 150 Bpm-Techno abzappelst. Die Nächte hier laufen so ziemlich ohne Aufputschmittel ab und mit Hochnäsigkeit bist du hier auch fehl am Platz. Dazu kommt, dass wir mit Leuten tanzen, weil es Spaß macht, und nicht, weil wir sie dann später noch flachlegen wollen.

Cross Club
Plynární 23
Der junge Besitzer des Clubs wusste anscheinend nicht so ganz, was er mit den Räumlichkeiten anfangen sollte, als sie in seinen Besitz übergingen. Also hat er das Beste aus der Situation gemacht: ein paar Pilze einwerfen und drauf los kritzeln. Als er wieder zu Sinnen kam, beauftragte er jemanden, seine ganzen verrückten Muster und Zeichen in Skulpturen zu verwandeln und diese an den Wänden aufzuhängen. Sie sind irgendwie das mechanische Äquivalent zu diesen komischen, hektisch gewebten Netzen von zugedröhnten Spinnen. Wenn du auf Jungle-, Ska-, Punk- oder Rockabilly-Partys stehst, dann bist du hier richtig. Wenn nicht, dann kannst du hier auch ab und an mal einen Film sehen. Und wenn du der Meinung bist, dass jegliche Kultur nur etwas für affektierte Snobs ist und du lieber deine kardiovaskulären Krankheiten weiter voranbringen willst, dann probier dort mal eins von den frittierten Truthahn-Sandwiches.
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Chapeau Rouge
Jakubská 2
Das Chapeau Rouge wurde 1919 eröffnet, befindet sich in einem Jugendstilgebäude und ist ein ziemlich vielschichtiger Ort. Im obersten Stockwerk geht es zu wie in einem Irish-Pub mit tschechischen Gästen; ein Stockwerk weiter unten findest du eine Menge Touristen, die sich bei einer feuchtfröhlichen Kneipentour die Lichter ausschießen; und auf dem Stockwerk darunter finden Konzerte von lokalen Indie-Bands und Amateur-Theateraufführungen statt. Die Betreiber sehen es mit dem Gras rauchen nicht so eng, was eigentlich super ist, aber auch bedeutet, dass sich auf der Tanzfläche oft genau so viele komatöse Stoner befinden, wie um sie herum tanzende Leute.
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U bukanýra
Nábřeží Ludvíka Svobody
Das hier ist der beste Party-Spot der Stadt. Kurz zusammengefasst ist das hier ein Hausboot, auf dem House-Musik gespielt wird. Im Sommer drängen sich alle auf das oberste Deck, um Bands vor dem malerischen Panorama von Prag spielen zu sehen und in der Bar werden Filme gezeigt. Aber warum sollte man überhaupt die Tanzfläche verlassen? Der Eintritt ist frei, ein Rausch ist nicht teuer und Mann, das alles auf einem verdammten Boot!
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Foto: Yo Void

WIE SIEHT'S AUS MIT DROGEN?

Die Tschechen sind europaweit immer ganz vorne mit dabei, wenn es um den Konsum von Marihuana geht. Also ist es keine Überraschung, dass du hier ziemlich häufig Gras findest. Die Dealer hängen in den Bars von Žižkov und Holešovice ab, für andere Mittelchen musst du schon in die Clubs gehen.

Gras wird hier weitestgehend toleriert und bei einigen Bars steigt dir der Geruch schon beim Vorbeigehen sofort in die Nase. Wenn du auf der Straße einen durchziehst, kommst du damit allgemein gesprochen auch durch, so lange du den Rauch nicht direkt ins Gesicht von einem Polizisten bläst. Natürlich ist es trotzdem noch illegal und es gibt keine Garantie dafür, dass du keinen Ärger bekommst (zum Beispiel wenn die Polizei grade schlecht drauf ist). Alle anderen Substanzen werden nicht so auf die leichte Schulter genommen.

Was den Alkohol angeht: Hier kannst du praktisch machen, was du willst. Alkohol ist ein großer Teil der Kultur hier und niemand kommt dir krumm, wenn du in der Öffentlichkeit trinkst—natürlich nur, so lange du nicht anfängst, die Schwäne mit Essen zu bewerfen und so laut es geht zu singen.

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Foto: Rodrigo Cannedo Cattegno

POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?

UNSERE DEMOS SIND NICHT COOL

Wenn es um Politik geht, dann sind die Tschechen eher zurückhaltend—auch wenn die Leute in letzter Zeit etwas aktiver geworden sind. Hier und da gibt es mal eine Demo, aber die arten nie wirklich in Randale aus.

Das letzte Mal, dass ein Protest tatsächlich ziemlich hässlich endete war 1989, als die kommunistische Regierung von dem neoliberalen, wirtschaftlichen Durcheinander verdrängt wurde, das wir während den 90ern erleben durften. Nachdem sich mehr als 15.000 Leute zum größten öffentlichen Protest seit zwei Jahrzehnten zusammenfanden, griff die Polizei sie mit Schlagstöcken an und verletzte einige Demonstranten schwer. Seitdem sind Aufstände hier ausgeblieben.

Die Demos, die hier aber trotzdem stattfinden, sind nicht cool—sie sind die Art Demo, die dich dankbar dafür macht, dass du in einem Land lebst, wo die Leute nicht gegen die Schwulenehe oder Abtreibung auf die Straße gehen. Natürlich sind nicht alle diese lahmen und regressiven Demos gleich, aber sie folgen im Grunde immer dem selben Ablauf: Parolen schreien, Flaggen schwenken und dann vom ganzen politischen System ignoriert werden.

Bis 1989 unter dem Kommunismus zu leben, hat vielen Tschechen ihren politischen Geist genommen und erst jetzt kommt dieser langsam wieder. Die aktuelle politische Lage hier ist geprägt von Lobbyismus und Korruption—hoffentlich lernen die Leute hier bald wieder, wie man seinem Ärger richtig Ausdruck verleiht (und nicht nur bei einem Bier über die Arschlöcher der Politik herzieht).

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Foto: Yvette de Babraque

DARF ICH VORSTELLEN, DIE IMMIGRANTEN

Hier findest du ziemlich viele Leute, die keine gute Meinung über Ukrainer haben, weil „all diese verdammten Osteuropäer hier her kommen und uns die Arbeit wegnehmen“. Ganz abgesehen davon, sind viele der gebildeten Ukrainer genauso wütend, weil sie jetzt irgend einen niederen Job machen müssen.

Die vietnamesische Bevölkerung ist dank der Massenimmigration während den glorreichen Tagen des Kommunismus auch ziemlich groß. Die Gemeinde ist tatsächlich so stark vertreten, dass ein Gebiet am Rande von Prag „Little Hanoi“ getauft wurde und sich dort viele vietnamesische Schulen, Läden und Restaurants befinden. Sie machen die Arbeiten, die den ganzen missmutigen Anti-Immigrations-Typen anscheinend verwehrt bleiben—trotzdem sind sie bei ihnen nicht halb so unbeliebt wie die Ukrainer (anscheinend, weil die Vietnamesen „engagiert“ und „fleißig“ sind). Konservative sind komisch.

Es gibt auch ein Paar englischsprechende Immigranten, die sich selbst als „Ex-Pats“ bezeichnen (niemand sonst macht das). Der Großteil von ihnen ist in den 90ern hergezogen, als die Leute, die total auf Milan Kundera und Věra Linhartová standen, Prag als das „neue Paris“ bezeichneten. Sie hängen jetzt in Schuppen wie dem Bukowski’s in Žižkov oder der Napa Bar in Malá Strana ab. Die Szene ist jetzt nicht mehr so hip wie einst—wahrscheinlich, weil alle alt geworden sind—, aber man kann immer noch Spaß haben.

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Foto: Rodrigo Cannedo Cattegno

ESSEN

Lokál
Dlouhá 33
Das große, dunkle Speisezimmer hat noch all das, was man an tschechischen Pubs in den 70ern und 80ern so gehasst hat (wahnsinnige Kellner, Zusammensitzen mit Fremden und nur sehr wenig Atmosphäre). Hier findest du aber auch gute, traditionell tschechische Küche, sie behaupten, das beste Pils überhaupt auszuschenken, und man sollte einfach nur deswegen vorbei schauen, um einen Eindruck von der Geschichte der Hauptstadt zu bekommen.
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Atmosphere Café-Pub
Karolíny Světlé 33
Hier treiben sich normalerweise Journalismus- und Filmstudenten rum, weil sich das Café nahe ihrer Uni befindet. Aber sie wissen auch, warum es sich lohnt, hier her zu kommen. Hier schmeckt es in der Gegend mit am besten und die Preise sind noch im Rahmen. Das Steak und die Tortillas sind gut und wenn du keinen Bock mehr auf eingelegten Camembert zu deinem Bier hast (diese Kombination ist hier üblich), dann bieten sie dir mit ihren selbst gemachten Kartoffelchips eine tolle Alternative.

U Zlatého Tygra
Husova 17
In Prag gehört zu einer Mahlzeit immer ein Bier. Also ist es nur logisch, dass du in den Restaurants mit dem besten Bier auch am besten das traditionelle Essen probierst. Dieses Etablissement hier steht seit Jahren im Zentrum der Prager Trinkkultur und einige der besten Schriftsteller, Künstler und Musiker waren hier schon zu Gast. Hier gefällt mir am besten, dass die Kellner wissen, was sie zu tun haben—sobald du dein Glas geleert hast, steht auch schon das nächste Bier vor deiner Nase. Das ist auch irgendwie Abzocke, denn so trinkst/kaufst du viel mehr Alkohol, als du eigentlich willst, aber ist das nicht irgendwie trotzdem charmant? Zusätzlich wirst du so betrunken und sie machen echt leckeres Schnitzel.
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Vietnamesische Restaurants
Genauso wie außerhalb der tschechischen Republik niemand versteht, was mit der Tschechoslowakei passiert ist, so versteht in Tschechien niemand das Konzept von Gemüse. Es ist wirklich schwer, in tschechischen Restaurants gut zubereitetes Grünzeug zu finden—wenn du also kein Fan von Fleisch bist, dann geh in ein vietnamesisches Lokal. Dort ist den Köchen klar, dass Gemüse verdammt lecker sein kann, so lange man es mit Chili und Fischsoße anrichtet.

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Foto: Cannelle Wane

WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?

Svíčková
Wenn du ein authentisches tschechisches Gericht essen willst, dann am besten das hier, weil es ziemlich merkwürdig und unverständlich ist. Es besteht aus Lende und Knödeln, getränkt in einer cremigen Karottensoße und garniert mit Preiselbeeren und Schlagsahne. Auf Deutsch bedeutet der Name ungefähr „Kerzensoße“, weil es einst nur nach Einbruch der Dunkelheit gegessen wurde.

Gulasch
Dieses Gericht kommt eigentlich aus Ungarn, aber auch Tschechien ist verrückt nach Gulasch. Heutzutage findest du eigentlich keine Kneipe mehr, in der der Eintopf nicht auf der Karte steht.

Knedlo-vepřo-zelo
Wörtlich übersetzt heißt dieses Gericht „Knödel-Schwein-Kohl". Es besteht aus ein wenig Knödeln, ein wenig Schweinefleisch und naja, ein wenig Kohl. Wir sind einfache Leute und unser Essen muss fettig sein und satt machen.

Dampfnudeln mit Vanillesoße
Als Kinder haben wir alle mit einem Mund voller Dampfnudeln und dicker Vanillesoße dabei zusehen können, wie es mit dem Kommunismus bergab ging. Erwachsene bestellen dieses Gericht, wenn sie niedergeschlagen sind—aber du wirst diese Nachspeise mit fröhlichen Gemüt verputzen, denn du bist ja schließlich im Urlaub.

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Foto: Yo Void

TRINKEN

Dlouhá-Straße
Die ganze Gegend um den Altstädter Ring hat so einen Art-Nouveau-Vibe und in der Dlouhá-Straße gibt es die besten Clubs: 2. Patro, Roxy, Harley's und Nod. Letzterer ist einer von diesen „experimentellen Orten“, wo Videos, Kunst und Musik vermischt werden, um unsere Wahrnehmung herauszufordern oder so. Letztendlich sind es wahrscheinlich die riesigen Mengen an Alkohol, die das Ganze so spaßig machen.

Die Cafés um Národní třída
Diese Orte in der Opatovická-Straße sind bestens geeignet für den intellektuellen Reisenden, der lieber über die kontinentale Philosophie diskutiert, als mit freiem Oberkörper Bier für Bier zu exen. Hier findest du wahrscheinlich noch eher Käse und Wein—RZA würde sich hier ganz wohl fühlen, jetzt wo er auf die 50 zu geht. Aus irgendeinen Grund haben die besten Bars in der Gegend alle Namen, die etwas mit Fisch zu tun haben: Velryba (der Wal), Malá Ryba (der kleine Fisch) und Rybka (ein anderer kleiner Fisch). Wenn es doch später werden sollte, dann überquere einfach die Straßenbahnschienen und gehe nach Vzorkovna: weniger Wein und Käse, mehr Spaß.

Krymská-Straße
Dieses Gebiet ist etwas weiter von der Innenstadt entfernt, liegt dafür in der Nähe der beliebten Gegend Vinohrady. Hier kennt man vor allem das Café v Lese. Das ist ein toller Ort für Konzerte, die aber leider um 10 Uhr vorbei sein müssen. Tagsüber findest du ziemlich gutes (und sonst rar gesätes) veganes Essen im Restaurant Plevel. Ganz in der Nähe befinden sich auch U Nováka (Prags kleinster Club), ein guter Alternative-Club namens Pilot und ein Handvoll weiterer, leckerer Restaurants.

Náplavka
Im Sommer füllt sich die Gegend um die Moldau mit Gelegenheitstrinkern. Setz dich entweder ins Bajk Azyl direkt unter Palackého Námìstí oder bring deine eigenen Getränke mit. Werfe bloß nicht deinen Müll in den Fluss, so wie ich es letztens beobachten konnte, oder ich polier dir persönlich die Fresse.

Žižkov und Vinohrady
Žižkov and Vinohrady sind die besten Gegenden von Prag. Die Mieten sind günstig, sie sind nicht von Touristen überlaufen und die Clubs passen sich nicht dem allgemeinen Geschmack an. Vinohrady wird als das Schwulenviertel von Prag angesehen, aber die liberalen Tschechen sind generell nicht sehr homophob. Žižkov ist ein aufstrebender Teil der Stadt, der mal einen schlechten Ruf, wegen den ganzen Stripclubs und Puffs hatte. Jetzt ist er eher bekannt für seine Bars und interessanten Läden. Genau genommen gibt es in Žižkov über 300 Kneipen, was anscheinend unter allen europäischen Stadtteilen das höchste Verhältnis pro Kopf ist.

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Foto: Yo Void

ÜBERNACHTEN

In Prag versuchen wir ohne Vorurteile an die Leute ranzugehen, also kannst du praktisch überall hingehen, so lange du einen Schlafsack dabei hast. Das Naturreservat Divoká Šárka im Nordwesten der Stadt ist ein wunderschöner Ort, um eine Nacht unterm Sternenhimmel zu verbringen—oder zumindest unter einem Busch. Ich meine, niemand außer den Obdachlosen macht das wirklich, aber es klingt ziemlich romantisch, oder? Vielleicht solltest du auch ein Zelt mitbringen. Oh, und lass das mit dem Lagerfeuer mal lieber sein, denn dann wird die Polizei gerufen. Und sei natürlich nicht alleine unterwegs.

Wenn du zu den verwöhnten Touristen gehörst, die wie eine verdammte Prinzessin ein Bett zum Schlafen brauchen, dann bist du in der Prager Innenstadt mit den ganzen Hostels gut aufgehoben. Die kleinsten Hostels sind eigentlich immer die besten, wie zum Beispiel die nahe dem Geburtshaus von Kafka. Die Angestellten sprechen normalerweise gutes Englisch und beschreiben dir auch den Weg zu einem anderen Hostel, falls sie ausgebucht sind. Wenn du wirklich nichts findest, dann probiere es im A&O Hotel and Hostel (ungefähr 10 Euro pro Nacht für ein Bett im Schlafsaal) in der Nähe der Støížkov-U-Bahn Station: Dort ist eigentlich immer was frei und die Preise sind akzeptabel.

Aber warum das alles, wenn du die Nacht auch in Koleje Strahov verbringen kannst, dem offiziellen Studentenwohnheim der Karlsuniversität? Dort ist es vielleicht nicht sauber oder schön, aber du hast es nicht weit zu den günstigen Studentenbars und bei Preisen von fünf Euro pro Nacht kannst du dich echt nicht beschweren. Zusatzinfo: Die Zimmer hier sind kleiner als die Zellen des Pankrác Gefängnisses, denn Studenten sind buchstäblich schlimmer als Kriminelle.

Was wir aber am meisten empfehlen können, ist das Fusion Hotel (knapp 14 Euro für ein Bett im Schlafsaal oder 63 Euro für ein Zimmer), ein Designer Hotel/Hostel, das nur ein paar Schritte vom Wenzelsplatz entfernt ist. Hier gibt es auch eine ganz gute Bar, also musst du nicht durch die Gegend irren. Gleich die Straße runter findest du ein leckeres Suppenrestaurant—Soup in the City.

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Foto: Brad Hammonds | Flickr | CC BY 2.0

LGBT PRAG

2011 sprach der damalige Präsident Vaclav Klaus öffentlich über seine Abneigung gegenüber, Zitat, „Homosexualismus“. Daraufhin verbündete sich auf ergreifende Weise quasi das ganze Land gegen ihn. Mehrere Personen des öffentlichen Lebens nutzen die Gelegenheit für ihr Coming-Out und der tschechischen Schwulenszene könnte es nicht besser gehen. Haha—fick dich, Vaclav! Prags Pride-Parade findest jährlich statt und ist eine der besten Partys der Stadt.

Prag ist auch bei schwulen Touristen ziemlich beliebt und bekannt als die Welthauptstadt der Schwulenpornos. Niemand zuckt auch nur mit der Wimper, wenn ein schwules Pärchen sich in der Öffentlichkeit seine Zuneigung zeigt, aber die besten Treffpunkte für Homosexuelle sind das Q Café und die Termix Bar. Beide eignen sich sehr gut dafür, etwas trinken zu gehen, egal für welches Loch du dich jetzt auch interessieren magst.

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Foto: Igor Bruso

ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN

Vzorkovna
Bartolomějská 13
Genau zu beschreiben, was im Vzorkovna abgeht, ist ziemlich schwer—es lohnt sich auf jeden Fall immer, vorbeizuschauen. Der Ort ist eine bizarre Kombination aus Goth-Bar, ländlicher Kneipe und Fitnessstudio. Irgendwann sind da auch mal Schweine rumgelaufen, aber die wurden anscheinend zu Speck verarbeitet. Ziemlich oft finden dort auch Konzerte statt—normalerweise von Jazz-Studenten.
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Meetfactory
Ke sklárně 3213/15
Dieser Ort befindet sich außerhalb des Stadtzentrums, also wirst du nicht wirklich drüber stolpern, wenn du nicht gezielt danach suchst. Die Suche lohnt sich aber, allein schon wegen den zwei roten Autos, die wie geschlachtete Kühe von der Fassade hängen. Die Meetfactory ist eine Kombination aus Gallerie und Studio und wird gemeinnützig betrieben, was den Künstlern bei ihren Kreationen freie Hand lässt. Das Ergebnis ist ein Mix aus ausdrucksstarken, verrückten und verwirrenden Installationen, aber auch ein wenig sinnloser Bullshit.
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Der Letná-Biergarten
Letenské sady
Am hinteren Ende des Letná-Parkes findest du einen wunderschönen Biergarten namens Zahrádky. Der Ausblick über Prag von dort oben ist bezaubernd und an einem schönen Nachmittag im Sommer lässt es sich dort echt gut aushalten.
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Leih dir ein Ruder- / Tretboot
Žofín Insel
Auf Žofín—einer kleinen Insel gleich neben dem Nationaltheater—gibt es viele Möglichkeiten, Boote zu mieten. An einem heißen Sommertag ist der Fluss voller Leute und du kannst mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass auch Alkohol und Gras mit aufs Boot genommen und eine kleine Party geschmissen wird.

Jazz Dock
Janáčkovo nábřeží 2
Du magst Jazz und du magst Docks? Dann bist du im Jazz Dock genau richtig. Dieser Ort ist sehr entspannt und von Neonröhren beleuchtet. Auf der Moldau ziehen langsam Boote vorbei und du fragst dich, warum du nicht in Prag wohnst.
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Čítárna Unijazz
Jindřišská 5
Wenn du hier ankommst, dann musst du erstmal bei „Čítárna“ klingeln und warten, bis sie dich reinlassen. Du gehst fünf Stockwerke hoch und findest dich dann in einer möblierten Wohnung wieder, inklusive voll aufgefüllter Bar und einer Bibliothek.

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Foto: Yo Void

WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST

Wenn du in Prag ankommst, musst du zuerst mal dein Geld in tschechische Kronen wechseln. Mach das NIEMALS bei einem Typen auf der Straße. Diese Betrügerbanden bieten dir zwar einen sehr guten Wechselkurs an, aber du wirst dann am Ende nicht mit der tschechischen Währung dastehen. Stattdessen bekommst du von denen ungarische Forints oder ukrainische Hrywnjas, die viel weniger wert sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dumm genug bist, um bei einem Fremden dein Geld zu wechseln, aber falls du doch noch ein paar Hinweise brauchst: Die Typen halten sich normalerweise in der Gegend um den Platz der Republik oder den Wenzelsplatz auf.

Die Celetná-Straße mitten im historischen Stadtkern von Prag geht von der Karlsbrücke bis zum Platz der Republik. Hier ist die Taschendiebstahl-Gefahr (außerhalb der öffentlichen Transportmittel) am größten.

Wie bereits erwähnt, kauf nichts von den Dealern auf der Straße—das einzige, was die verticken, ist eine große Auswahl an Placebos—wahrscheinlich nur Tee, Mehl, Aspirin und andere Mittelchen gegen einen Kater. Und das ist doch genau das, was du eben nicht willst.

Einige Prager Taxifahrer verlangen bei Touristen andere Preise als bei Bewohnern der Stadt. Wenn du diese diebischen Arschlöcher meiden willst, dann such nach Taxiständen mit einem „Fair Place“-Schild.

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Foto: Tibor Mecoun

WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST

Prag ist das ganze Jahr über voll mit Touristen. Sie sind meisten in großen Gruppen unterwegs und machen Fotos von wirklich allem—von pissenden Hunden bis hin zu geparkten Autos. Das ist ja auch in Ordnung. Bloß wenn man ihnen einen Segway unter die Füße schnallt, dann wird’s lächerlich. Sie fahren dich ohne mit der Wimper zu zucken über den Haufen. Manchmal wird sich dann auch halbherzig entschuldigt, aber da sind sie schon längst auf dem Weg zu ihrem nächsten Opfer.

Mit Ausnahme von den boshaften, biomechanischen Rentnern aus den Niederlanden sind Touristen in Prag ziemlich beliebt und du solltest keine Problem haben, dich zurecht zu finden. Viele Leute frischen auch gerne mal ihr Englisch wieder auf, also verfall nicht in Panik, wenn jemand einfach so ein paar Worte mit dir wechseln will. Einen Rat gebe ich dir aber noch: Schrei in der Straßenbahn nicht rum. Die Leute aus Prag macht das richtig wütend.

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Foto: Yo Void

LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST

Die Elektro-Swing-Leute
Sie sind ohne Ausnahme gut drauf, tragen gepunktete Kleidung und Fedoras und tanzen besser, als du es jemals können wirst. Ihre Musik ist grauenhaft und gleichzeitig beliebt in Prag—niemand weiß, warum.

Die Dealer auf der Straße
Diese Typen können ziemlich ungemütlich werden, also einfach weitergehen. Ich wurde mal mit vorgehaltenem Messer dazu gezwungen, ein Stück Teer (anstelle von Haschisch) zu kaufen und war letztendlich ziemlich froh darüber, dass ich nur ein paar hundert Kronen und meine Würde verloren habe. Diese Abzocker kommen bei Sonnenuntergang aus ihren Löchern gekrochen und scheinen es sich als Ziel gesetzt zu haben, wirklich jedem Drogen und/oder Prostituierte anzubieten.

Taxifahrer auf der Straße anhalten
Es ist immer sicherer und günstiger, sich ein Taxi zu rufen, als eins auf der Straße anzuhalten. Hier zwei Taxi-Rufnummern: 222 111 000 und 257 257 257.

Den Altstädter Ring zur vollen Stunde
Die umher wirbelnden Apostel auf der mittelalterlichen Rathausuhr tanzen zu jeder vollen Stunde, von 9 Uhr früh bis 9 Uhr abends. Weißt du auch, wer die einzigen Menschen sind, die dieses langwierige „Spektakel“ wirklich interessiert? Die Massen an Touristen, die die Straßen drumherum verstopfen.

Den Park vor dem Hauptbahnhof (Hlavní Nádraží)
Der Park ist unter den Locals auch als „Sherwood“ bekannt, weil du bei helllichtem Tageslicht ausgeraubt werden kannst. Leider machen sich die Diebe aber nicht mal die Mühe und ziehen Strumpfhosen an.

Den kleinen Park hinter dem Nationalmuseum
Das Nationalmuseum ist ein pompöses Gebäude im Neorenaissancestil am Wenzelsplatz. Du kannst es nicht übersehen, auch wenn du das nach Anbruch der Dunkelheit lieber tun würdest—sofern du nicht gerne mit Junkies abhängst.

Die Pařížská-Straße
Hier sind Hermés, Tiffanys und viele andere Geschäfte beheimatet, die dich nicht interessieren sollten (außer du befindest dich schon in den Wechseljahren).

Den Karlovy Lázně-Club
Wenn du alt genug bist, um legal zu trinken, dann bist du älter als jeder andere in diesem Club.

Die Kneipentouren
Du zahlst irgendwas zwischen 14 und 40 Euro für etwas, das als Tour durch die „besten Bars von Prag“ angepriesen wird. Das ist eine Lüge. Manchmal geht diese Kneipentour nur zur Propaganda Vodka-Bar und zum Klub Kostel. Diese Touren sind im Grunde genau so gut wie jede organisierte Kneipentour in deiner Heimatstadt, aka ziemlich scheiße.

Das Le Clan
Du wirst nicht auf eine Hausparty eingeladen, nachdem alles andere schon zu gemacht hat? Dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, nämlich das Studio 54, was jetzt nicht gerade toll ist, aber immer noch besser als die Zombie-Drogenopfer-Klientel im Le Clan

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Foto: Tibor Mecoun

TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST

Trinkgeld
In tschechischen Bars und Restaurants ist es üblich, denn offenen Betrag so aufzurunden, dass er mit einer Null endet. Ein Beispiel: Dein Mittagessen kostet dich 92 Kronen, also rundest du auf 100 Kronen auf. Wenn die Rechnung höher als 100 Kronen ist, dann nimm davon 10%, runde das auf und du hast dein Trinkgeld.

Ich gebe dir aber den Rat, in Prager Taxis kein Trinkgeld zu geben. Wenn die Taxifahrer erkennen, dass du ein Tourist bist (und das werden sie!), dann haben sie die Kosten eh schon angehoben. Das macht natürlich nicht jeder Taxifahrer, aber wenn du errechnen kannst, dass du mehr als die normalen 30 Kronen pro Kilometer zahlst, dann gib auch kein Trinkgeld … du wirst eh schon über den Tisch gezogen.

Sätze, die du kennen solltest
Hallo – ahoj (umgangssprachlich) or dobrý den (förmlich)
Danke – děkuji or díky (umgangssprachliche Kurzform von děkuji)
Auf wiedersehen – Na shledanou (förmlich) or ahoj
Bitte – prosím
Bier – pivo
Noch ein Bier, bitte – Ještě jedno pivo, prosím
Du bist wunderschön – Dneska vám to moc sluší (förmlich) or Wypadáš skvěle (umgangssprachlich)
Zu mir oder zu dir? – Půjdeme ke mně nebo k tobě domů?

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EINE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK

Schon jemals tschechischen HipHop gehört? Hier sind fünf Songs dieser Musikrichtung, und dazu noch anderes Zeug, das du genau so lieben wirst.

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DER VICE-STADTPLAN

Wir sehen uns dann am Jazz Dock!

Alles Liebe,

– VICE Tschechien

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