EXPERIMENTE MIT DEPRESSIVEN MÄUSEN UND AKUPUNKTUR

Mein südkoreanischer Freund D. hat in Deutschland Neurobiologie studiert, aber weil sich niemand (vorausgesetzt, er will weder im Knast enden, noch auf immer und ewig einen Bogen um sein Heimatland machen müssen) vor dem zweijährigen Wehrdienst in Südkorea drücken kann, forscht er jetzt fürs südkoreanische Militär mit niedlichen, kleinen weißen Mäusen. Wie alle musste er sich erst mal durch die knochenharte Grundausbildung quälen (in der nur nach Zeitplan gegessen, gepinkelt und gekackt werden darf), aber jetzt darf er den Großteil seiner Zeit damit verbringen die süßen kleinen Labornagetiere zu quälen.

VICE: Woran forschst du im Moment?

Videos by VICE

D.: Gerade im Moment bringe ich tausende von Mäusen um, nur um herauszukriegen, ob Akupunktur Depressionen heilen kann.

Die betäubte Maus wird aufgeschnitten und man durchspült mit einem Phosphat Buffer den ganzen Körper, während das Herz noch schlägt.

Du forschst also fürs Militär in Gehirnen herum?

Ja, genau. Weil ich zu viel Hirn im Kopf habe, um nur salutieren, marschieren und schießen zu müssen. Und zu alt bin ich auch. Die meisten die zum Militär gehen, müssen zwei Jahre lang Vollzeit da ackern…

Kannst du mir noch genauer erklären, woran du forschst?

Das Institut ist ein staatliches Institut und kriegt jedes Jahr Millionen, damit wir erforschen, wie gut Akupunktur funktioniert und was sie für einen Effekt auf das Gehirn hat. Ich erforsche in dem Zusammenhang Depressionen. Weißt du wie man bei Mäusen Depressionen erforscht?

Es ist sehr wichtig, dass die Maus noch lebt, denn wenn das Herz bis dahin nicht schlägt, dann wird der Körper von der Ratte nämlich auch nicht durchspült. Diese Versuche sollen aufklären ob man Depressionen “heilen” kann.

Nein, keine Ahnung…

Es gibt ungefähr fünf verschiedene Methoden, die hauptsächlich auf Verhaltensexperimenten basieren. Du hängst sie am Schwanz auf. Dann zappeln sie und zappeln, um wieder frei zu kommen. Sie winden sich, sie piepsen, zucken und zappeln. Irgendwann resignieren sie und machen keinen Mucks mehr. Dann wollen sie gar nicht mehr freikommen. Dann haben sie alles aufgegeben. Und der Forscher freut sich, weil er die Depression ausgelöst hat.

So schnell geht das?

Na ja, das geht schon über Stunden hinweg und das tagelang hintereinander. Der Forscher selbst kriegt manchmal Depressionen davon.
Nicht, dass ich dir Depressionen wünsche, aber das ist schon irgendwie gerecht. Was kommt als nächstes?
Man schmeißt die Mäuse in einen Zylinder voller Wasser. Die schwimmen, schwimmen, schwimmen um ihr Leben, bis sie merken dass nichts mehr hilft. Dann zappeln sie gerade mal so viel, wie das Wasser sie trägt. Sie schlucken kläglich Wasser und werden ebenfalls depressiv. Dann nimmt man durchsichtige Folie (wie man sie in der Küche benutzt) und du wickelst die Maus komplett darin ein. Die können sich überhaupt nicht bewegen und sehen aus, wie Schlagsahne bevor man sie auf einen Kuchen presst. Manchmal platzen die Augen vor lauter Druck, dann ist alles weiß und rot, voller Blut eben. Falls sie das überleben, sind sie danach jedenfalls ach depressiv.

Das ist echt krank, was macht ihr noch mit ihnen?

Man sperrt die Mäuse zusammen ein mit anderen Mäusen, die total aggressiv sind und jeden attackieren. Die werden schikaniert, gebissen und gequält und irgendwann sind sie total ängstlich und hocken nur noch in der Ecke herum. Das lustige ist, wenn du diese Mäuse wieder in einen Käfig mit normalen Mäusen steckst, bleiben sie genauso depressiv und vermeiden jeglichen Kontakt mit den anderen.

OK, OK, ich habe jetzt begriffen, wie man Mäuse depressiv machen kann. Was machst du als nächstes?

Wir probieren Akupunktur aus, also pieksen wir die armen Maeuse mit den Akupunkturnadeln. Danach schlitzen wir ihnen das Herz auf, schneiden den Schädel auf und nehmen das Gehirn raus—um die beiden Gruppen zu vergleichen.

Du kannst daran erkennen ob sie trotz Akupunktur noch depressiv sind?

Ja, ich schaue, ob es einen Unterschied zwischen den Gehirnen beider Gruppen zu sehen gibt.

Warum beobachtet ihr nicht einfach ihr Verhalten?

Verhaltensbeobachtungen sind einfach nicht so genau wie Immunohistochemische Methoden.

Ah ja. Ich hoffe dein „Wehrdienst” ist bald vorbei. Ich habe irgendwie das Gefühl, das ist kein guter Einfluss für dich.

SANI EGHBALI AFSHAR

Thank for your puchase!
You have successfully purchased.