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Wir lieben dich Openair St. Gallen, aber hör auf, Die Toten Hosen zu buchen

Der erste Headliner am Openair St. Gallen sind Die Toten Hosen. Und wir fragen uns nur, wer die 2017 noch sehen will.

von Julian Riegel
16 November 2016, 11:29am

Foto: Pressefoto, Erik Weiss

Da hat sich das OK des Openair St. Gallen mit der Verkündigung des ersten Headliners selbst übertroffen und zaubert einen Act aus dem Hut, den wirklich noch nie jemand in der Schweiz gesehen hat: Die Toten Hosen. Wenn deine Arme und Mundwinkel so schnell wieder nach unten gegangen sind, als würden sie Reise nach Jerusalem spielen, geht es dir genau wie uns in der Redaktion.

"Gibt es da draussen tatsächlich noch Leute, die sich ein Festivalticket kaufen, weil Die Toten Hosen headlinen? Was sind das für Leute? Schauen die auch im Kino immer den selben Film?", schreibt eine Freundin völlig berechtigt und stellvertretend für unsere Ernüchterung auf Facebook. Die Hosen haben zuletzt 2012 im Sittertobel gespielt. Sie waren gut, ja. Aber irgendwie sind die Tage der Düsseldorfer "Punk"-Band mittlerweile angezählt. Einerseits habe ich für meinen Teil die Hosen sicher schon ein dutzend Mal gesehen und da geht es sicher nicht nur mir so. Andererseits sind Die Toten Hosen—bei aller Liebe, die ich als rebellischer Teenager für sie empfand—heute einfach nur noch als Punk verkleideter Schlager. "Tage wie diese" wird auf jedem hinterletzten Dorffest von auf den Bänken stehenden SVP-Wählern mitgegrölt.

Was mich eigentlich am meisten an der Sache stört, ist, dass gerade das Openair St. Gallen, das eh immer ausverkauft ist, auf einen altbewährten Headliner wie die Hosen verzichten könnte. Das passt aber eigentlich schön ins Bild der vergangenen Jahre. Das Openair St. Gallen und auch die anderen Schweizer Festivals recycelt nur noch sein eigenes Line-up oder das anderer Schweizer Festivals. Zum Vergleich die Headliner des Openair St. Gallen 2016: Mumford & Sons (2012 OSAG), Casper (2012 OSAG), Two Door Cinema Club (2012 OSAG), Deichkind (2015 in Frauenfeld), Fettes Brot (Am Gampel 2014). Nur Radiohead würde ich als ein gutes und spannendes Headliner-Booking bezeichnen.

Die Headliner des Openair St. Gallen 2016.

Ich habe beim Openair St. Gallen nachgefragt, wieso immer die gleichen Acts auf Schweizer Festivals spielen. "Es gäbe natürlich neue Acts, die headlinen könnten, die würden aber nicht das Line-up füllen. Beziehungsweise: Wenn wir das wollten, müssten wir nur noch DJs buchen. Aber speziell Rockbands brauchen einfach Zeit, um sich zu entwickeln. Die Black Keys zum Beispiel sind nicht direkt als Headliner gestartet", sagt Festival Director und Booker Christof Huber auf Anfrage von Noisey. So sei es falsch zu sagen, dass Die Toten Hosen nicht mehr beim Openair St. Gallen auftreten dürften, weil sie schon mal im Sittertobel gespielt haben. "Für uns war wichtig, dass sie mit einem neuen Album kommen. Gleichzeitig haben wir den Vorverkauf extra noch nicht gestartet, damit wir nicht nur Hosen-Fans abholen", sagt Huber weiter. "Wegen einer Band zu sagen, wir würden uns recyclen, wäre der falsche Ansatz. Am 23. Januar veröffentlichen wir einen Grossteil des Line-ups. Dann soll jeder für sich entscheiden, ob es für ihn stimmt. Das Openair St. Gallen ist kein Selbstläufer. Wir müssen jedes Jahr ein gutes Programm präsentieren. 2016 ist uns das gelungen. Und das versuchen wir auch dieses Jahr mit einem guten Mix aus alten aber auch zahlreichen neue Bands."

Nun denn. Ich lasse mich gerne positiv überraschen. Auf der Sternenbühne gab es ja zugegebenermassen immer wieder eine oder mehrere Perlen zu sehen. Aber Die Toten Hosen muss ich mir nicht geben.

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Julian twittert im Sommer meist von den Openairs.
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