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Interviews

Wie ist es so, sein erstes Festival zu veranstalten?

Das Team des ersten Schweiz Post-Rock-Festivals, des Bergmals, erzählt von ihren ersten Schritten als Veranstalter.

von Julian Riegel
05 Oktober 2016, 10:00am

Foto: Pressebild

Post Rock ist schon lange ein Begriff, der immer mal wieder durch Musikzeitschriften und Biografien unterschiedlichster Künstler geistert. Du hast wahrscheinlich auch schon Post Rock gehört, ohne dass es dir bewusst war. Nun schreibt sich ein junges Festival​​ dieses Genre ganz dick auf die Fahne, das Bergmal. Am 22. Oktober soll das erste Post-Rock-Festival im Dynamo rund gehen—13 Post-Rock-Bands stehen den ganzen Nachmittag bis in die späte Nacht auf drei verschiedenen Bühnen.

Hinter dem Festival stecken mit Jake, Daniela, Pascal, Nik und Mahmoud, fünf kreative Köpfe, die mal mehr und mal weniger Veranstaltungserfahrung mitbringen—vereint mit dem Ziel, einen unvergesslichen Abend auf die Beine zu stellen. Wir haben (v.l.n.r.) Pascal, Daniela und Jake getroffen, um mit ihnen über das Festival zu reden—was ihre Erfahrungen sind, wie die Planung aussah und wie die letzten Tage vor dem Festival aussehen.

Was muss man als Festival-Veranstalter mitbringen?
Jake: Als Veranstalter braucht man vor allem Ausdauer und sollte flexibel sein. In den meisten Fällen machst du das neben deinem normalen Job​. Dann musst du meistens auch am Abend verfügbar sein. Du musst dran bleiben, die Planung von A bis Z durchziehen, nichts halbpatzig machen und versuchen, an alles zu denken. Du fängst mit der grossen Idee an und merkst immer wieder, wenn du einen Schritt in die eine Richtung machst, dass neue Türen auf gehen, die du beachten solltest.

Kann man ohne Erfahrung im Eventbereich ein Festival auf die Beine stellen?
Jake: Kann man schon. Das allererste, was ich im Eventbereich gemacht habe, war gleich ein Festival, und da bin ich, auch wenn es in einem kleinen Rahmen war, auf die Fresse gefallen. Ich habe gemerkt, dass so etwas riesig ist und dass man an viel denken muss. Wir hatten gar keine richtige Bühne​ und das erst beim Aufbau gemerkt. Und so wichtige Details, etwa wo die Bands übernachten können, gingen vergessen. Nach drei Jahren haben wirs dann aufgegeben.

Jetzt solls besser werden?
Jake: Ich habe mir damals eigentlich gesagt, ich werde nie wieder ein Festival organisieren, habe das aber vor ein paar Jahren revidiert und einfach gefunden, dass ich nichts mehr draussen machen will, damit wir wetterunabhängig sind.

Dann hast du ein Team um dich geschart. Was braucht man für Leute in einem OK?
Jake: Du kannst natürlich nicht alles alleine machen. Im letzten Sommer habe ich angefangen, Kandidaten vorzusondieren und mich bei Freunden umzuhören. Ich habe darauf geachtet, Leute aus verschiedenen Bereichen zu finden, die sich in diesen gut auskennen. Pascal ist ein gutes Beispiel: Er hat eigentlich keine Veranstaltungs-Erfahrung, ist aber ein leidenschaftlicher Post-Rock-Konzertgänger und bringt dadurch die Perspektive des Besuchers mit.
Pascal: Wenn du Teil eines Festival-OKs wirst und noch keine Erfahrung im Organisationsbereich mitbringst, ist auch einfach die Leidenschaft wichtig. Die Freude an der Sache und an der Musik, die du anderen Leuten ans Herz legen willst.
Daniela: Die Leidenschaft brauchts auf alle Fälle auch, um die unbezahlte Überzeit, zu rechtfertigen, und dass du deine Idee dem Publikum, einem Sponsor, einem Location-Manager oder Medienpartnern verkaufen kannst. Ich für meinen Teil war nicht an jedem Post-Rock-Konzert der letzten zehn Jahre, habe dafür in der Kultur und Gastronomie Erfahrungen mit Events gesammelt. Ich kenne das Gefühl von stetig zunehmender Aufregung und Belastung in Hinblick auf ein Datum. Gleichzeitig muss auch nicht jeder alles machen wollen. Es braucht nicht drei Personen, die Kommunikation machen, aber dafür gibt es niemanden, der weiss, wie man ein Mikrofon einsteckt. Es ist eigentlich eine Zweckgemeinschaft mit viel Liebe.

Jeder hat also seine Aufgabe?
Jake: Ich leite und koordiniere alles und bin auch bisschen das Mädchen für alles.
Daniela: Ich bin nicht das Mädchen für alles, aber das einzige Mädchen. Was aber nicht weiter wichtig ist. Ich mache alles, was mit Text zu tun hat: Die ganzen Sponsoren-Anschriften, bis hin zu der Kommunikation, Social Media und der Festivalbroschüre.
Pascal:
Ich bin für die Video-Inhalte zuständig. Ich habe auch Leute fürs Drumherum organisiert: Einerseits entsteht ein After-Movie für die Promo im nächsten Jahr durch Andreas Fruet, andererseits mappen wir die Fassade des Dynamos mit den VJs von RecDesign.​
Jake: Nik und Mahmoud​, die anderen zwei im Bunde, machen zusammen die Bands, managen die ganzen technischen Materialien, Hotel und Catering.

Was wahrscheinlich relativ früh anfällt: Wo nimmt man das Geld her, um so ein Festival zu veranstalten?
Jake: Wir haben gewusst, dass ohne Sponsoren nichts läuft. Klar kannst du einen Teil mit den Ticketeinnahmen decken, aber knapp ein Drittel muss von den Sponsoren gedeckt sein. Wir haben gewusst, dass wir ein gutes Konzept, gute Bands und ein gutes grafisches Auftreten haben und waren deshalb zuversichtlich, dass wir jemanden finden. Und jetzt haben wir vier grosse Hauptsponsoren, die uns den Rücken decken.

Die Bands und die Location waren schon vorher fix?
Jake: Ja genau. Das war es schon im März.

Was kommt zuerst: Die Acts oder die Location?
Jake: Wir haben recht früh mit der Planung angefangen—Ende Frühling/Anfang Sommer 2015—und haben zwei Daten im Dynamo reserviert. Ich wusste von Anfang an, dass ich es hier machen möchte. Seit die Location umgebaut wurde, haben sie eine tolle Infrastruktur. Dann haben wir unsere Wunschheadliner angefragt. Der Plan war, wenn einer von ihnen für eines der beiden Daten zusagt, nehmen wir dieses. Leech​ hat sich realativ früh für den 22. Oktober entchieden. Dann haben wir um das Datum herum die anderen Bands gesucht.

Ist das eine typische Vorgehensweise?
Jake: Eigentlich nicht. Viele haben es mutig gefunden, dass wir ein Festival mit einem Musikstil machen, den wenige kennen. Das war für mich aber umso motivierender, um mit den grossen Namen aufzutrumpfen. Deswegen haben wir uns nach dem Headlinern gerichtet.
Daniela: Weil es ein Genre ist, das in der Schweiz untervertreten und den meisten gar nicht so bekannt ist—ich selber habe lange Post Rock gehört, ohne es als Genre wahrzunehmen—war ziemlich schnell der Gedanke im Zentrum, dass wir diesem Genre direkt eine richtige Plattform bieten: Also nicht einfach 13 geile Bands buchen, sondern alle Facetten von Post Rock zeigen. Das Line-up sollte zudem ausgewogen sein aus internationalen und Schweizer Acts und aus Newcomern und etablierten Helden wie Leech.
Jake: Natürlich ist es auch wichtig zu schauen, welche Band bald eine neue Platte herausbringt. Dann hast du aber automatisch auch mehr Promo.

Es ist trotzdem ein Risiko, so etwas Grosses auf die Beine zu stellen.
Jake: Natürlich. Das Risiko hat man immer. Das haben auch die grossen Festivals im Sommer. Das ist halt der Fluch​ und Segen als Veranstalter. Du kannst schauen, dass alles gut organisiert ist, aber auf gewisse Sachen hast du dann eben keinen Einfluss. Aber wir sind sehr überzeugt, dass es gut laufen wird, und das Feedback der Leute zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Aber wieso seid ihr das Risiko eingegangen?
Jake: Es heisst ja immer wieder, es gäbe in der Schweiz schon viel zu viele Festivals—in jedem zweiten, dritten Dorf findet irgendein Musikfestival statt. Ich habe aber festgestellt, dass es im Post-Rock-Bereich noch eine Lücke gibt. Viele Festivals sind auf Leute ausgerichtet, die Party machen wollen. Wir richten uns eher an die Leute, für die Musik im Mittelpunkt steht, die jedes Instrument hören wollen. Und das hebt uns ab.

Auf was muss man bei der Werbung und Promotion eines Festivals beachten?
Jake: Wir haben das eigentlich sehr präzise durchkonzipiert. In der Promo musst du schauen, dass du immer wieder Nadelstiche setzen und immer wieder präsent sein kannst. Du gibst recht viel Geld aus, dass dein Plakat irgendwo hängt, und gesehen wird das dann ein, zwei Sekunden. Wenn jemandem aber optisch etwas auffällt—durch die Namen der Band oder die Grafik​—schaut die Person beim zweiten oder dritten Mal genauer hin. Dann haben wir ausserdem geschaut, dass wir mit den richtigen Medienleuten zusammenarbeiten können. So ergeben sich auch Schnittmengen, durch die man immer wieder Leute einsammeln kann.
Daniela: Beim grafischen Auftritt ist auch extrem wichtig, dass er die Bands repräsentiert, die wir gebucht haben. Post Rock ist ein Genre, das sehr detailversessen ist. Alle Bands gehen sehr feinfühlig mit Artworks um. Das ist sicher etwas, auf das wir in der Kommunikation achten. Das ist sicher auch ein Mitgrund dafür, dass viele Bands, die jetzt anfangen, ihren Auftritt am Bergmal zu bewerben, jetzt auch auf den Wal, unser Maskottchen, aufgesprungen sind und ihn in Metaphern oder Wortspielen einbeziehen. Das ist ein schöner Nebeneffekt.

Musstet ihr Rückschläge einstecken?
Daniela: Ja, wir haben bis am Freitag noch eine WeMakeIt-Kampagne​ am Laufen, von der wir noch nicht wissen, ob sie klappt. Solange sie aber noch läuft, sind wir überzeugt davon, dass auch das funktioniert.​
Jake: Wir hätten natürlich ein paar Bands gerne gehabt, die dann aber abgesagt haben. Aber das heisst nicht, dass sie in den nächsten Jahren nicht ins Dynamo kommen.

Seid ihr eigentlich schon nervös?
Daniela: Ich nicht.
Pascal: Ich überlege einfach schon, was ich jetzt machen kann, dass ich in der Woche vor dem Festival schnell reagieren kann.
Jake: Man hat natürlich ein Terminprogramm und versucht sich daran zu halten. Wenn möglich sollte fünf bis sieben Tage vor dem Festival alles stehen, was aber selbst im besten Fall nicht der Fall ist. Am Schluss schaust du einfach, was noch drin liegt, was du noch umsetzen kannst und was nicht. Oft gibt es aber auch Faktoren, die man nicht beeinflussen kann. Aber man versucht einfach, diese Dinge vorherzusehen und sich darauf einzustellen. Schlussendlich gibt es immer Sachen, die schief laufen können. Aber wenigstens kannst du dann sagen, dass du alles versucht hast.

Habt ihr am Festival Zeit, um Konzerte zu hören, oder rennt ihr den ganzen Tag?
Jake: Doch, das sicher. Wir haben uns selbst auch gesagt, dass uns das wichtig ist und wir uns so für den Aufwand belohnen können. Ein, zwei Konzerte liegen drin. Und mal mit dem einen oder anderen Act anstossen. Dass man die Bands persönlich kennenlernt, ist sicher auch ein cooler Part an der ganzen Sache.

Das Bergmal Festival findet am 22. Oktober im Dynamo statt. Noisey verlost dazu 2x2 Tickets. Wenn du dein Glück versuchen willst, schreibst du einfach ein Mail mit dem Betreff "Bergmal" und deiner Postanschrift* an noisey.schweiz@vice.com. Anmeldeschluss ist der 17. Oktober 2016.

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