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Köche

Was Köche am meisten nervt

Gäste beschweren sich gerne bei Yelp und Co. über Restaurants. Wir lassen mal diejenigen zu Wort kommen, die sich stundenlang für ein gutes Essen in der Küche abrackern.

von Roëlla Van Gulik
08 März 2017, 12:30pm

Niemand kann sich so gut beschweren wie die Holländer. Regnet es, erzählt jeder jedem, wie beschissen das doch ist. Sobald die Sonne wieder rauskommt, ist das aber auch Mist. Alles ist scheiße, immer. Zum Glück wird dieses ewige Sich-Beschweren von den Niederländern aber toleriert.

Aber wir genießen das Leben auch – zumindest sagen wir uns das – und gehen gern in Restaurants. Doch auch hier beschweren wir uns wie wild. Auf Seiten wie IENS, dem niederländischen Yelp, und TripAdvisor gibt es eine Flut an Bewertungen, in denen sich die User vor allem über das bestellte Essen beschweren. Manchmal war eigentlich gar nichts am Essen zu meckern, doch der User musste einfach noch schreiben, dass das „Gericht des Nachbartisches schrecklich aussah".

Komischerweise hören wir jedoch nichts von den Menschen, die sich jeden Tag für diese Gerichte stundenlang abrackern. Worüber beschweren sich Köche am meisten? Wir haben mal nachgeforscht, um herauszufinden, was Köche am nervigsten finden.

Wenn ihr etwas auszusetzen habt, lasst es mich persönlich wissen, dann versuche ich, es zu verbessern.

Mitchell (27), seit zwölf Jahren Koch 
„Natürlich ist der Kunde König. Ich versuche immer, ihre Wünsche zu erfüllen, aber manche Kunden nerven mich echt. 

Zum Beispiel wenn sie dir erst in letzter Minute sagen, dass sie eine Allergie haben. Ich habe kein Problem damit, wenn man Allergien hat, Gerichte abzuwandeln hält mich auf Trab – aber bitte sagt das doch sofort und wartet nicht, bis das Essen schon fast serviert wird. Interessant wird es auch, wenn die Gäste versuchen, ihre eigenen Gerichte zu kreieren. Wir haben nicht ohne Grund eine Karte. So etwas ist ziemlich aufwendig, aber ich gebe mein Bestes. Man will ja schließlich, dass die Gäste glücklich nach Hause gehen."

Foto von Theen Moy via Flickr

Erfundene Allergien nerven mich am meisten. Seid einfach ehrlich und sagt, wenn ihr etwas nicht mögt.

Jay (21), seit vier Jahren Koch
„Es gibt ziemlich viele Dinge, die mich nerven – wie viel Zeit hast du mitgebracht? Vielleicht wäre es gut, die mal rauszulassen.

Eine Sache, die mich echt nervt, sind Gäste, die ein Gericht von der Karte bestellen, ihren Teller aufessen, dann meinen, ihnen hätte es nicht gefallen, und ein komplettes neues Gericht erwarten. Das ist, als würdest du nach einem Film, der deine Erwartungen nicht so ganz erfüllt hat, eine kostenlose Kinokarte verlangen. 

Auch auf der Liste: Gäste, die mein Restaurant bei TripAdvisor runterputzen. Wenn ihr etwas auszusetzen habt, lasst es mich persönlich wissen, dann versuche ich, es zu verbessern. Aber sagt nicht im Restaurant, dass alles in Ordnung war, nur um dann später eine schlechte Bewertung online zu schreiben.

Ich habe auch echt was gegen Leute, die zu mir meinen, dass ich müde aussehe oder als hätte ich gestern zu viel gesoffen. Klar sehe ich so aus, ich reiße mir den Arsch in der Küche auf, um den weniger müde aussehenden Leuten ein gesundes Essen zu servieren. Ach, und ich mag es nicht, wenn Leute mich fragen, ob ich wie Gordon Ramsay werden möchte. Natürlich nicht. Ich bin schließlich kein Arschloch."

Stijn (27), seit zwölf Jahren Koch
„Erfundene Allergien nerven mich am meisten. Seid einfach ehrlich und sagt, wenn ihr etwas nicht mögt. Einmal meinte ein Gast, dass er allergisch gegen italienische Kräuter und Bruschetta war. Ein anderer Gast wollte mir weismachen, dass er auf alte Gemüsesorten [also so etwas wie Schwarzwurzeln, Rettich, Pastinaken usw.] allergisch reagiert. Mal ehrlich Leute, ich hab' das Zeug in der Schule gelernt. Das sind einfach nur lächerliche Allergien, die es nicht gibt.

Das ist wirklich das einzig Nervige. Ich liebe meinen Beruf einfach viel zu sehr."

Sam (27), seit neun Jahren Koch
„Gruppen. Gruppen nerven echt. Und ich meine nicht mal die, die eine extra Reservierung gemacht haben wie bei Hochzeiten oder so. Die sind lustig, denen kann man einen besonderen Abend bereiten und dann sind sie glücklich. Nein, nein. Ich meine diese Gruppen mit acht oder zehn Leuten an einem Freitagabend. Die acht Leute, aus denen spontan zehn werden – oder umgekehrt. Die kommen nie pünktlich und auch wenn sie vorher keine besonderen Wünsche angegeben haben, gibt es immer mindestens einen, der keinen Fisch isst. Ziemlich problematisch in einem Fischrestaurant. Den ganzen Abend belegen sie mehrere Tische, trinken zu viel und gehen am Ende allen anderen Gästen auf die Neven. Keiner will mehr neben ihnen sitzen. Freitag- oder Samstagabend nehmen wir zwar kaum noch Reservierungen an, aber sie kommen trotzdem. Dann beiße ich die Zähne zusammen und versuche sie so schnell aus dem Laden zu bekommen wie nur möglich, damit ich mich auch um die anderen Gäste kümmern kann.

Einmal kam eine Frau nachmittags zu uns, sie hatte für den Abend reserviert, und ging mit mir in die Küche die Liste der E-Nummern und Zusatzstoffe durch. Sie war angeblich allergisch. Ich musste mir das Lachen echt verkneifen. Außer in der Chorizo und einem Stabilisator in der Sahne fanden wir keine."

Foto von Jaume Escofet via Flickr

Was mich auch nervt, sind andere Köche, die keine Leidenschaft beim Kochen haben oder einfach faul sind. 

Eduardo (36), seit 16 Jahren Koch
„Ich habe eigentlich nie wirklich Probleme mit Gästen. Ich habe viel Erfahrung und bin kreativ genug, um mit Last-Minute-Wünschen umzugehen. Für ist das Ganze ein bisschen wie ein Spiel, das macht meinen Job nur noch interessanter und lustiger.

Was mich allerdings stört, ist der konstante Druck, dem man als Koch ausgesetzt. Manchmal geht dein Lieferant nicht ans Telefon, nachdem er am Samstagnachmittag nicht geliefert hatte. Gäste, die dann zu uns kommen, um etwas Spezielles zu essen, müssen dann warten – was mich schon stresst.

Was mich auch nervt, sind andere Köche, die keine Leidenschaft beim Kochen haben oder einfach faul sind. So was mag ich echt nicht. Oft sind es junge Leute, die in der Küche ziemlich umgänglich sind, die älteren haben oft überhaupt keinen Spaß mehr. Die jüngeren Köche können Anweisungen gut folgen und wollen sich beweisen, weshalb sie hart arbeiten. Die älteren werden nach einem langen Arbeitstag schluderig, während alle anderen noch damit beschäftig sind, alles zu verpacken und in den Kühlschrank zu legen, damit das Essen nicht schlecht wird. Mir ist es schon passiert, dass der Gefrierschrank auf den ersten Blick organisiert aussah, aber wenn man weiter hinten guckte, war es das reinste Chaos: Ein vor Kurzem geschlachtetes Hähnchen liegt an einem Lammkotelett. So verbreiten sich Keime, das ist gefährlich. Leute, die rumtricksen, damit sie schnell nach Hause können, um ein Bier zu trinken – sowas nervt mich."

Klassiker: Eine Fünfergruppe kommt abends um zehn vor neun in den Laden, um zu essen, obwohl die Küche um zehn schließt.

Willem (35), seit 19 Jahren Koch
„Es nervt mich richtig, wenn die Kellner das Essen zu spät in der Küche abholen. Wir haben so eine Lampe, die ich anschalte, wenn etwas fertig ist. Und es dauert oft ziemlich lange, bis das Gericht abgeholt wird, sodass es am Ende kalt serviert wird. Das finden die Gäste natürlich gar nicht gut, da hätte ich auch gar nicht erst kochen brauchen.

Noch so ein Klassiker: Eine Fünfergruppe kommt abends um zehn vor neun in den Laden, um zu essen, obwohl die Küche um zehn schließt. Natürlich müssen dann alle länger bleiben, das ist vor allem ein psychologisches Ding: Du denkst, du bist gleich fertig und nicht darauf vorbereitet, noch 30 Minuten länger zu bleiben (oder manchmal so gar mehr). Jeder bei uns im Restaurant hasst das einfach nur."


Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Niederländisch bei MUNCHIES NL.

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