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Strebermucke? Wir haben Studenten gefragt, was für Musik sie beim Lernen hören

"Als BWLer bringt eine gesunde Aggressivität nachher die Brötchen nach Hause. Deswegen höre ich sehr viel deutschen HipHop."

von Selly Häußler
08 März 2017, 4:45pm

Alle Fotos: Lisa Ziegler

Völlig isoliert vom sozialen Leben und allem, was Spaß macht, fristen die Studenten in der Klausurphase ihr Leben in der Universitätsbibliothek. Sich dabei immer wieder selbst zu motivieren ist manchmal gar nicht so einfach. Schließlich schreibt niemand vor, wie viele Stunden man dort zu sitzen und fokussiert auf die zahllosen Zettel zu starren hat. Musik kann helfen. Vielleicht, um sich besser zu konzentrieren oder einfach nur, um durchzuhalten und das alles ohne einen tränenreichen Zusammenbruch zu überstehen. 

Die Prüfungszeit ist nun schon fast wieder vorbei, die Studenten kriechen aus den dunklen Hallen der Bibliothek hervor und treffen sich mit Freunden oder gönnen sich zwischen ihren letzten Lernstunden auch mal eine Zigarette in der schwachen Frühlingssonne. Wir haben das genutzt und gefragt, was sie denn für Musik beim Lernen hören.

Laurie, 22, Deutsch & Sozialwissenschaften

Noisey: Was hörst du denn beim Lernen für Musik?
Laurie: Ich höre unterschiedliche Sachen. Aber meistens HipHop-Instrumentals. Das geht ganz gut. 

Glaubst du es gibt Musik, die deine Konzentration wirklich auch ein Stück weit fördert?Laurie: Es ist eher ein bisschen Entspannung, die Musik bei mir herbeiführt. Aber Konzentration fördern ... Schon eher, um dabei dann abzuschalten und zu entspannen. Ich weiß nicht, ob ich dadurch mehr schaffe oder nicht. 

Ist das dann auch die Musik, die du normalerweise hörst?
Laurie: Normalerweise höre ich die nicht instrumental, sondern schon mit Text.

Belohnst du dich mit Musik? Abends nach dem Lernen oder auch nach der Prüfung?
Laurie: Ja, das schon. Vor allem, wenn man dann mal eine ruhige Lernsession gemacht hat, dass man dann mal aufdreht … das ist schon eher der Fall. 

Claas, 23, Geografie 

Noisey: Hörst du ab und zu Musik, wenn du dich auf deine Prüfungen vorbereitest?
Claas: Ab und zu schon, aber eher bei Recherche-Arbeiten oder Ähnlichem. Wenn ich jetzt für eine Klausur richtig lernen musste, kann ich das nicht mit Musik. Ich rede beim Lernen immer mit mir selbst. Deswegen würde Musik dann eher stören. 

Redest du mit dir selbst, weil du die Stille nicht erträgst oder …?
Claas: Das mit mir selbst Reden ist eine Taktik, die sich so ergeben hat. Ich rede sowieso relativ viel und ich kann mir dann Sachen einfach mega gut merken. Andere machen ja zum Beispiel Lerngruppen, dadurch können sie besser lernen, weil man es dann nochmal jemand anderem erklären muss.

Und wenn du Musik hörst, bei Recherchen, was hörst du dann?
Claas: Auf jeden Fall eher was Entspanntes. Meistens HipHop-Instrumentals. 

Hörst du dann normalerweise auch HipHop?
Claas: Ich hör sehr viel verschiedene Musikrichtungen. Aber zurzeit schon ein klarer Fokus auf HipHop. Das ändert sich ja auch immer wieder. 

Glaubst du, es wäre besser für das Prüfungsergebnis, überhaupt keine Musik beim Lernen zu hören?
Claas: Das kann man schwer sagen. Jede Person muss ihren eigenen Weg finden. Ich kenne viele Leute, die hören die ganze Zeit Musik beim Lernen, weil sie sich dann besser konzentrieren können. Für mich wäre es eher eine Ablenkung, weil ich so gern Musik höre und dann scheiß ich aufs Lernen und höre einfach den Song, weil er so geil ist. 

Kommen dann nach den Prüfungen Lyrics auf die Beats, die du hörst?
Claas: Ja, das sind dann meistens Songs, bei denen es dann darum geht, dass es sowieso scheiß egal ist, was du machst, am Ende klappt schon alles. Am Anfang vom Studium, als wir noch richtige Lernklausuren hatten – Wissen konsumieren und dann auskotzen –, bin ich zur Prüfung gefahren und habe dann immer "I Can Do No Wrong" von Apollo Brown & Guilty Simpson gehört. 

Karek, 22 BWL

Noisey: Muss man bei BWL viel auswendig lernen?
Karek: Ja, ist schon anders als Physik oder so. Als BWLer bringt eine gesunde Aggressivität nachher die Brötchen nach Hause. Deswegen höre ich sehr viel deutschen HipHop. 385Idéal aus Frankfurt, sehr gute Jungs. 187 aus Hamburg, sehr gute Jungs. Alles was in Berlin so gemacht wird, verfolgt man auch. Das ist dann natürlich Babba Music aus Moabit, UFO361 aus Kreuzberg, dann die Untergrundgeschichten, die grade in Charlottenburg entstehen ...

Hörst du das tatsächlich beim Lernen? Lenkt dich das nicht total ab, wenn du die Texte verstehst?
Karek: Nein, das lenkt mich nicht ab. Ich mache ja auch Kreativ-Arbeit, also als BWLer hat man ja ein multidisziplinäres Feld und gerade mache ich so ein bisschen Business Development. 

Du hörst das, um ein bisschen aggro zu werden, weil man ja auch ein bisschen beißen muss als BWLer?
Karek: Ja, natürlich. Das ist eine Ellenbogengesellschaft, ist einfach so. Wer mich kennt weiß, dass ich ein lieber Mensch bin. Aber am Ende will jeder auch irgendwie weiterkommen.

Und Rap hilft dir dabei?
Karek: Rap lebt davon, dass er sehr ehrlich ist. Ich kenne die Jungs und das ist sehr ehrliche Musik. Wirtschaft ist im Grunde genommen auch sehr ehrlich, weil alle wissen, dass die Wirtschaft stinkt. Jeder weiß, das ist ein Stechen und Hauen. Du weißt ganz genau, worauf du dich einlässt und das ist in der Musikindustrie nicht anders. Natürlich höre ich auch ab und zu mal softere Sachen oder friedliche Musik, weil man ja nicht die ganze Zeit nur auf Stress aus sein will. 

Also unterscheidest du gar nicht zwischen Lernmusik und der Musik, die du sonst hörst?Karek: Wenn du heutzutage irgendwas machst, dann machst du das 24/7, du bist immer in deinem Modus. Sonst brauchst du gar nicht irgendwas anfangen. Wenn ich mich jetzt nur in der Uni mit Wirtschaft beschäftigen würde, dann wäre das komplette Zeitverschwendung. Ich bereite mich schon vor der Bibliothek darauf vor. Man entwickelt so ein Motivationsmuster, schaut sich Instagram-Bilder von Leuten an, die grade unterwegs sind oder die viel Geld verprassen. Dann sagt man sich: "Hey, da hab ich auch Bock drauf, das will ich auch machen." Deswegen ist man eigentlich ständig in seinem Film.

Gibt es auch Phasen, in denen du gar keine Musik beim Lernen gebrauchen kannst?
Karek: Nein, ich brauch immer Musik. Entweder lerne ich oder ich mache Sport. Oder ich esse und schlafe. Und wenn ich esse und schlafe, brauch ich keine Musik. Aber sonst bin ich eigentlich konstant auf Musik.

Denkst du, dass Musik deine Konzentration sogar noch fördert? 
Karek: Da bräuchte ich einen Coach, der da auch empirische Daten hat und sagt: "Das ist für dich die optimale Musik, um Spitzenwerte zu erreichen." Zum Beispiel klassische Musik, um in eine tiefe Lernphase zu kommen und Rapmusik, wenn du kreativ arbeitest. Solche Ratschläge wären da ganz gut.

Aber merkst du nicht, was besser für dich selbst funktioniert? 
Karek: Ich bin sowieso kein guter Student. Wenn es euch um Leistung geht, dann müsst ihr mit anderen Leuten reden. Ich mache meine Scheine, komme irgendwie durch.

Und gibt's Musik, die du direkt vor der Prüfung gerne hörst? Die dich bisschen runter bringt?Karek: Ich bin Sportler, ich bin eigentlich nie unten. "Survival of the Fittest". Sowas höre ich vor einer Statistik Klausur und dann bestehe ich die mit 3,7.

Sara, 26 International Business and Politics

Noisey: Wie oft hörst du beim Lernen Musik?
Sara: Eigentlich immer. Was für eine Musik ich dann höre, kommt aber auf meine Stimmung an bzw. darauf was ich gerade lernen muss. 

Also gibt es bestimmte Musik für die verschiedenen Fächer? 
Sara: Wenn ich viel lesen muss, höre ich etwas Relaxtes und nicht irgendwie Upbeat, sondern Chillout. Aber wenn ich schreiben muss und vor allem wenn ich unter Druck stehe, dann muss es etwas sein, was mich pusht und mich auch irgendwie bewegt. Dann höre ich Techno und Elektro. 

Ist das Musik, die du ohne zu lernen auch hörst?
Sara: Nicht unbedingt. Das ist dann auch wieder was anderes, wenn ich feiern geh. Dann höre ich doch eher die Musik, die ich beim Schreiben höre.

Hast du auch ein paar Namen für mich?
Sara: Wenn ich sehr viel schreiben muss und so richtig Tempo brauche, dann höre ich gerne Loco Dice oder Marco Carola. Aber wenn ich lesen muss, höre ich sehr gerne so melancholische oder relaxte Musik, Bossa Nova. Brasilianisch, das mich irgendwie runterbringt und mich jetzt nicht irgendwie vom Thema abschweifen lässt. 

Welche Musik lenkt dich eher ab?
Sara: Ohrwurm-Musik. Ich würde sagen Chart-Musik, die im Radio kommt. Bei der man den Text sehr schnell auswendig lernen kann. Sowas würde mich sehr schnell ablenken. 

Gibt es Fächer oder Phasen, in denen du gar keine Musik hörst?
Sara: Zum Beispiel wenn ich rechnen muss. Dann gar nicht. Denn quantitative Fächer liegen mir gar nicht. Deswegen brauch ich da einen hundertprozentigen Fokus und es muss ganz leise sein. 

Julian, 25, Wirtschaftsingenieurwesen

Noisey: Was hörst du für Musik beim Lernen?
Julian: Techno. Elektronische Musik, nicht unbedingt harten Techno, aber eher Tech-House. 

Hast du da bestimmte Titel oder Namen für uns?
Julian: Ich lasse normalerweise ein ganzes Set durchlaufen, dann ist das eher im Unterbewusstsein. Es sorgt dafür, dass ich nicht so müde werde, dass das Schreiben an der Masterarbeit nicht so eintönig ist.

Und früher? Würdest du sagen, es hilft dir sogar, dich zu konzentrieren?
Julian: Eher nicht. Wenn ich irgendwas auswendig gelernt hab, irgendwas Neues, habe ich nie Musik gehört, weil ich mich da wirklich komplett drauf konzentrieren musste. Beim wiederholten Durchgehen konnte ich dann schon Musik hören. 

Welche Musik lenkt dich eher ab?
Julian: Eigentlich jede. Besonders Musik bei der ich die Texte verstehe. Musik mit Text.

Glaubst du, dass dein Prüfungsergebnis besser wäre, wenn du überhaupt keine Musik beim Lernen hören würdest oder fördert es deine Motivation so weit, dass du deshalb länger durchhältst?
Julian: Das ist ein guter Ansatz. Man muss beides abwägen, habe ich natürlich nicht selber validiert, aber es wäre interessant, das mal rauszufinden. Es stimmt schon, einerseits trägt es zur Motivation bei, sich überhaupt hinzusetzen oder macht es erträglicher sich länger hinzusetzen, andererseits glaube ich, dass man durch die Musik doch mal zwischendurch abschweift. 

Tarik, 20, VWL

Noisey: Was hörst du für Musik beim Lernen?
Tarik: Beim Lernen eigentlich hauptsächlich entspannte HipHop-Beats. So 90er, 00er Jahre US-Rap. Aber nicht aktiv, ich mag das einfach so im Hintergrund. Ich höre auch nicht immer Musik, etwa fünfzig Prozent der Zeit.

Dann nur die Instrumentals?
Tarik: Es kann schon auch sehr gerne gerappt werden, aber ich höre es hauptsächlich wegen den Instrumentals. Einfach Entspannung. 

Ist das auch die Musik, die du sonst so hörst?
Tarik: Eigentlich gar nicht. Ich bin eigentlich eher so ein Freund von elektronischer Musik. Aber irgendwie höre ich elektronische Musik eher aktiv zum Genuss, als nur so im Hintergrund. 

Welche Musik lenkt dich ab?
Tarik: Rockmusik. 

Gibt es Musik, die du nicht mehr hören kannst, weil du sie beim Lernen gehört hast?
Tarik: Ja, zum Beispiel House mit Gesang. Das kann ich wirklich gar nicht mehr hören, auch in meiner Freizeit nicht. House mit Vocals geht einfach gar nicht mehr. 

Hast du noch ein paar Musiker, die du zum Lernen hörst oder vor der Prüfung?
Tarik: Ich höre eigentlich immer nur so 90er Jahre Top-HipHop Sampler. Bei YouTube gibt es da immer so Drei-Stunden-Mixe. Und dadurch, dass ich auch nicht wirklich so tief drin bin … Notorious B.I.G, so die Klassiker. Aber ansonsten mag ich eher so das große Ganze Genre. Und wenn es wirklich um die direkte Motivation geht, dann so Späße wie Kontra K. Was ich dann aber auch echt nur höre, um mich aufgepumpt zu fühlen und einen Fokus zu kriegen. 

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