Sex

Wir haben die Tagebücher unserer Jugend nach Lebensweisheiten durchsucht

Wie haben unsere Zukunftssorgen ausgesehen, als wir alleine mit unseren Tagebüchern zwischen Boyband-Postern und Walkmans saßen?
13.3.17

Alle Fotos: VICE Media

Dieser Artikel ist im Zuge der Kampagne #SIMDESLEBENS entstanden.

Die Pubertät ist hart – egal, in welcher Zeit man aufwächst. Die eigene Zukunft ist ungewiss und von vielen äußeren Faktoren abhängig. Außerdem steht man in der Phase zwischen 13 und 16 nicht gerade im Zenit des eigenen Selbstwertgefühls. Man ist unzufrieden mit sich, dem eigenen Umfeld und allem, was einem auch nur im Ansatz in die Quere kommt.

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Auch wenn das schon immer so war, hat sich die Problematik mit Insta-Profilen und Make-up-Videos heute aber ins Netz verlagert. Man fotografiert sich die Sorgen von der Seele und einen ironisch-traurigen Beschreibungstext à la "Was ist das für 1 life?", ein paar Emojis und etliche aufmunternde Solidaritätsbekundungen später geht es schon wieder einigermaßen.

Aber wie haben unsere Zukunftssorgen rund um die Jahrtausendwende ausgesehen – in der Zeit vor Smartphones, sozialen Netzwerken und traurigen Emojis, wo wir alleine mit unseren Tagebüchern zwischen Boyband-Postern und Walkmans saßen und hochphilosophische Fragen nach dem Sinn des Lebens gestellt haben, die uns niemand beantworten konnte? Welche Prioritäten haben wir damals gesetzt? Und welche Lektionen können wir heute daraus lernen?

Johanna, 27

Lektion 1: Geh feiern, tanzen und triff dich mit Jungs - aber überleg dir, wem du's erzählst
Die Zeit, die wir haben, ist zu kostbar, um sie zu vergeuden. Manche brauchen ein ganzes Leben, um diese Lektion zu lernen – bei Johanna hat es nur eine Woche gedauert:

"Kann wirklich alles aus sein? Wird alles anders? Oder dreht sich die Uhr weiter? Ich kann das nicht verstehen, und will es nicht. Mein Leben hat sich mittlerweile, innerhalb einer Woche sehr verändert. Wenn ich jetzt eines weiß, dann, dass du dein Leben nicht vergeuden sollst. Ich will wirklich etwas erleben, mich ins Leben stürzen, meine Möglichkeiten nutzen, Jungs treffen, feiern, tanzen aber dabei nie mich selbst aus den Augen verlieren, und meine Ziele in Reichweite halten."

Irgendwann erkennt auch das letzte Rudeltier, dass man im Grund alleine auf der Welt ist und man niemals alle Menschen zufriedenstellen kann. Je mehr du von dir preisgibst, desto mehr Angriffsfläche bietest du. Schweigen ist Gold und so.

"Wenn sie schon meine Art kritisieren, wie gehen sie dann mit meinen Gefühlen um? Deswegen kann ich ihnen nicht alles erzählen. Reiner Selbstschutz. Aber wie gesagt, es ist nicht einfach jeden so zu tolerieren, wie er ist. Das erfordert Reife, das ist mir schon klar."

FAZIT: Johanna hat schon in ihren jüngeren Jahren verstanden, dass sich Hedonismus und Diskretion nicht ausschließen sollten. Ein guter Rat an alle, die am Sonntagstisch öfter mal realisieren, dass sie noch immer Edding im Gesicht haben.

Einen Club eröffnen, so wie Mike, oder die ganze Welt bereisen, so wie Nicky? Gemeinsam mit T-Mobile Austria haben wir uns in unserer Serie Priorities auf die Suche nach dem Sinn des Lebens gemacht.

Sophie, 25

Lektion 2: Manchmal darfst du dich verkriechen und hör auf zu fühlen, dann wird alles besser.
Wenn dein Umfeld seltsam auf dich wirkt, dich Zukunftsängste plagen oder du einfach nicht gut drauf bist, darfst du dich ruhig mal zurückziehen.

"Alle sind auf ihre eigene Art und Weise seltsam geworden. Ich sandel in der Schule ur ab, ich weiß nicht mal in welchem Land ich mal Leben will und so. Die checken alle gar nix. Vielleicht ist es auch besser so aber wem mache ich hier eigentlich etwas vor? Mir selbst? Denen allen? Ich würd am liebsten nur noch daliegen und mich nicht rühren, schlimmer kann's nicht mehr werden. Echt nicht. Ich meine, wie schau ich denn aus? Ich will keins von diesen Opfer Mädchen sein (fett, Pickel, fettige haare) und einen psycho freund. Immerhin habe ich keine Pickel und keinen psycho freund. Soll ich hier so lange weiterschreiben, bis ich zu einer Lösung für mein Leben komme? Ich will mich einfach total in mich verkriechen und niemandem mehr trauen. Keinem."

Sich von seinen Emotionen leiten zu lassen, hat noch niemanden erfolgreicher gemacht. Schon gar nicht in der Schule. Sophie hat sich schon 2005 davon gelöst und ist seitdem glücklicher.

"Sterben, schlafen, schlafen. Vielleicht auch Träumen – das Herzweh und die tausend Stöße. Hamlet ist gar nicht so dumm. Nur noch ein Monat und dann ist alles vorbei. Die Schule meine ich. Ich habe aufgehört auf irgendwelche Emotionen zu reagieren, ganz und gänzlich. Ich fühle nicht mehr. Aber ich lebe seitdem viel glücklicher. Wieso muss ich nur so sein?"

FAZIT: Gefühle sind böse. Verdrängung ist dein Freund. Nicht alles muss ständig aufgearbeitet werden und manche Dinge dürfen auch versteckt bleiben, so wie du manchmal unter deiner Bettdecke.

Ella, 32

Lektion 3: Du kannst dich nicht einfach an den Nächstbesten ranschmeißen
Ella hat es 1999 schon vermutet: "Es" gehört tendenziell zu den tolleren Dingen im Leben und niemand will als Jungfrau sterben. Wenn du Ella's Rat befolgst, wirst du das wohl auch nicht müssen.

"Aber trotzdem will ich, dass es endlich passiert. Ich will nicht als Jungfrau sterben. Ich mein, dann hab ich ja was verpasst in meinem Leben. Scheinbar soll es ja das Tollste auf der Welt sein. Und ich krieg es einfach nicht mit und bin stattdessen allein. Das macht mich ganz schön traurig. Ich weiß auch nicht was ich ändern soll. Ich kann mich ja auch nicht einfach an den nächstbesten ranschmeißen. Obwohl ich kurz davor bin es zu tun, weil ich keinen anderen Weg sehe."

FAZIT: Liebet und vermehret euch!

Susanne, 25

Lektion 4: Du lebst in einer Blase und wahre Liebe gibt es nicht Liebe ist vergänglich und jede Beziehung scheitert einmal. Selbst ein sturmfreies Party-Wochenende mit deinen besten Freunden kann dem unendlichen Schmerz des ersten Liebeskummers nicht entgegenhalten.

"Das waren sie nun, meine letzten Osterferien! Schön waren sie, und doch erfüllt mich ein Gefühl von Unzufriedenheit. Ein mit gut bekannter Zustand! Beginnend mit der Tatsache, dass ich nach 18 Jahren der Ungeduld und Vorfreude endlich mündig wurde, drei wundervolle Tage ohne Anwesenheit von Mutter und Vater mit Freunden verbrachte und endend mit der Gewissheit, dass wahre Liebe nicht existiert. Gewiss, es gibt sie zwischen Mutter und Kind…"

"…- kurzer Einschub: Wie durch Zufall höre ich gerade diese Textpassage aus dem Lied „High Speed" von Coldplay „I've been living my life inside a bubble". Man könnte es passender nicht beschreiben. Könnte diese Blase nur platzen, so wäre ich gewiss glücklicher"

FAZIT: Ob wahre Liebe wirklich existiert oder nicht, wissen wir noch immer nicht. Aber Fakt ist, dass schlechte Musik manchmal das Einzige ist, das über schlechte Beziehungen hinweg hilft. Am besten laut und inbrünstig mitgrölend.

Josef, 34

Lektion 5: Das System ist das Problem und dein Desinteresse ist eine Alterserscheinung Unsere Freiheit steht auf dem Spiel – wer nicht selbst tätig wird und sich dem System fügt, riskiert die eigene Freiheit. Josef hat das schon mit 16 erkannt.

"Ich spreche hier als Freund
Ab jetzt kein zurück
Um die Freiheit geht es nun
Da reicht nicht nur Glück
Keinesfalls
Unterstehen wir 
Dem System
Eben jenes ist nun das Problem"

"Wird mir alles immer so egal sein, oder ist das nur eine Alterserscheinung? Ist mir überhaupt alles egal?"

FAZIT: Klar wird einem alles egaler mit dem Alter – und das ist gut so. Wenn du erst 70 werden musst, um das Level an Gleichgültigkeit zu erreichen, damit du in nichts außer Unterhemd und Jogginghosen einkaufen gehst, hast du einiges im Leben nicht verstanden.