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Interview

​Rapper sind verrückt und Labels verplant

Shlohmo sprach mit uns über seine Einflüsse und den alltäglichen Stress mit Labels.
18.6.15
Jan Kapitän, Shirt: Not Funny

Neben dem Brainfeeder-Camp um Flying Lotus war es vor allem das WEDIDIT-Kollektiv, das in den letzten Jahren, von Kalifornien ausgehend, die Weiterentwicklung des Beats forcierte. Shlohmo, der einflussreichste Kopf der Clique, schraubt schon seit Jahren an seiner ganz eigenen Version instrumentaler HipHop-Musik und trieb sein Konzept verhallter Ambient-Klänge mit seinem Debütalbum Bad Vibes 2011 auf die vorläufige Spitze. Mehr sounddesignender Klangkünstler als Produzent, balanciert Shlohmo mit abstrakten Beat-Konstrukten und Remixes irgendwo zwischen Electronica und Trap. Auf dem neuen Album Dark Red verarbeitet er erstmals seine Punk-Vergangenheit und mischt Stoner-Doom-Elemente, Gothic und Black Metal in seine Drum-Frickeleien.

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Wir trafen Shlohmo vor seinem Auftritts beim Berlin Festival. Als er später auf der Bühne mit Live-Band seinen dritten Song anspielt, ertönt eine Durchsage und die Musik fährt runter. Ein Feueralarm im Nebenraum unterbricht den Gig frühzeitig—mitten im Song „Emerging From Smoke". Nicht der einzige kuriose Zufall in Shlohmos musikalischer Karriere, die er unter dem Namen Henry from Outer Space begann.

THUMP: Prefuse 73 war einer der wenigen Produzenten aus dem HipHop-Kosmos, die schon vor deinem Start als Shlohmo im Jahr 2009 Störgeräusche einbauten, hat er dich inspiriert?
Shlohmo: Ich habe nicht so viel Prefuse gehört, aber klar kenn' ich ihn. Die Electro-Band Telefon Tel-Aviv hat mich damals krass beeindruckt. Schlecht aufgenommene Live-Tracks, abgefuckte Kassetten-Musik und generell diesen Lo-Fi-Ansatz fand ich immer besonders reizvoll. Und dann gab es noch Punk und so konfusen Singer/Songwriter-Kram wie Ariel Pink oder Daniel Johnston. Das alles hatte damals einen Riesen-Einfluss auf mich.

Warst du als Jugendlicher Teil der Punkszene in Los Angeles?
Ich war mehr Skaterkid. Die Punk-Phase habe ich knapp verpasst, dafür bin ich zu jung. Um 2000 rum, als ich begann zu rebellieren, interessierte sich an der Westküste kein Mensch mehr für Punk. Skateboarding nahm einen großen Teil meiner Jugend ein. Ich spielte auch Bass und Gitarre in einigen Punkbands. Da war ich auf der Middle-School, ungefähr 12 Jahre alt und hörte so Epic-Pop-Punk wie die Pixies und Misfits.

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Man hat dich zu Beginn vor allem durch deine vertrippten Remixe für Waka Flocka Flame, Burial oder die LOL Boys wahrgenommen. Schraubst du das gerade zurück, um dich mehr auf deine eigene Musik konzentrieren zu können?
Das Problem ist, dass ich einfach keine Zeit mehr dafür habe. Ich muss echt super picky sein und kann nur wenige Anfragen zusagen. Aber ich liebe es immer noch, Remixe zu machen. Ich habe damit angefangen, um den Leuten zu zeigen: Das hätte ich aus dem Song gemacht. Ich finde es immer noch spannend, diese Perspektive einzunehmen. Nur jetzt kann ich ja direkt mit Sängern für neue Tracks bei Null anfangen, da hast du noch viel mehr Freiheiten.

Nachdem **Bad Vibes *erschien und du deinen eigenen Produktionsstil aus verhallten Gitarren und Ambient-Sounds etabliert hast, gab es viele Leute, die deinen Stil nachahmten.***
Mir fällt es schwer, Leuten das vorzuwerfen, weil ich immer noch wirklich weiß, was genau mein Style ist. Aber letztens habe ich wieder etwas gehört, von dem ich mir sicher war, dass es eine Bad Vibes-B-Seite sein muss. Für mich ist das total schmeichelhaft und verrückt zugleich. Ich versuche, das zu verdrängen. Das führt nur zu Ego-Problemen.

Nach deinem „Fuck U All The Time"-Remix entstand letztes Jahr die EP **No More *mit Jeremih, die ursprünglich über sein Label Def Jam erscheinen sollte. Nach einigen Verzögerungen habt ihr die EP selbst online gestellt. Was hast du in der Zeit über die Major-Industrie gelernt?***Nichts Neues, um ehrlich zu sein. Man hat die Geschichte ja schon so oft gehört. Alle meine Bedenken haben sich bestätigt. Das war ein klassischer Fall von Kommunikationsproblemen, Unfähigkeit und rechtlichen Problemen, die eigentlich gar nicht existierten. Unterm Strich war das Problem, dass wir in den meisten Fällen einfach keine Antworten bekamen und ignoriert wurden. Major-Labels waren doch schon immer so: Die arbeiten profitorientiert und teilweise wirklich verplant. Glücklicherweise leben wir in einer Zeit, in der wir einfach alles online stellen können. Ich habe daraus mitgenommen, dass ich zukünftig niemandem mehr meine Musik in die Hand gebe und alles selbst mache. Und überhaupt: Scheiß auf Labels. Die haben uns wirklich Kosten berechnet, ohne auch nur den kleinsten Scheiß dafür zu tun. Ich traue keinen Menschen in Anzügen mehr, die überhaupt keine Ahnung von Musik haben.

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Jeremih - Fuck U All The Time (Shlohmo Remix) music video from Nairi on Vimeo.

Warst du denn mit Jeremih im Studio während der Produktion von „No More"? Wie war es, mit einem etablierten R'n'B-Star zusammenzuarbeiten?
Wir haben alles zusammen in einem Raum gemacht. Das war anfangs schon etwas komisch für mich, weil ich immer ein musikalischer Einzelgänger war. Wir mussten dann erst einmal unsere Gemeinsamkeiten abstecken und uns rantasten. Man sucht quasi nach einem gemeinsamen musikalischen Nenner. Und klar geht man da gewisse Kompromisse ein.

Du hast auch für Sängerinnen wie Banks produziert, machst aber, abgesehen von deinen Remixen, kaum Beats für Rapper. Schickst du denn überhaupt Beats raus?
Doch schon, aber Rapper sind einfach verrückt. Kein Scheiß, wenn mich Leute kontaktieren und ich Beats rausschicke, passiert damit nie was. Es ist super schwierig, Rapper zu finden, die sich damit wirklich auseinandersetzen wollen. Die geben die Beats an ihren Produzenten-Kumpel und lassen sie einfach nachbauen. Egal wohin du deine Beats schickst, ob zu EMI, irgendeinem Agenten oder Verlag—du kannst damit rechnen, nie wieder was davon zu hören und später hörst du Ideen und richtige Produktionselemente aus deinen Beats woanders. Aber das ist wieder mehr eine Label- und Businessproblematik. Es gibt auch Rapper mit großen Namen, die denken, dass sie nicht bezahlen müssten und uns einen Gefallen täten. Irgendwann finde ich den Rapper, der mit mir abhängen, Musik machen und nicht nur an meine Kohle will.

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Dein neues Album Dark Red hat starke Stoner-Doom- und IDM-Einflüsse. Du sprachst vorhin von deiner Punkvergangenheit, war das auch Teil deiner Sozialisation?
Ich habe das schon auf der High School gefeiert, vor allem Bands wie Electric Wizard, aber auch Black Metal, wobei ich schon damals mehr der Psych-Rock-Typ war. Ich hatte nur jetzt erst das Bedürfnis, diesen Einfluss in meiner Musik zu verarbeiten.

Kommt das von deiner väterlichen Seite? Die 70er-Rock-Legende Captain Beefhart soll bei euch zu Hause ein und aus gegangen sein.
Mein Vater ist selbst Musiker, ein Rocker und Singer/Songwriter. Er war großer Neil-Young-, Bob-Dylan- und Beatles-Fan. Das spielte er mir vor, als ich klein war. Und später hörte ich dann verrücktere Sachen wie Frank Black, die Pixies und Captain Beefhart, mit denen mein Vater regelmäßig Sessions spielte. Meine Eltern waren alles andere als typische Spießer. Sie brachten mir bei, dass weirde Mukke cool ist.

Du hast etliche Remixe von Drake gemacht und bezeichnest ihn als deinen Lieblingsrapper. Der „Crew Love"-Edit wurde sogar von Abel Tesfaye von The Weeknd abgesegnet.
Ja, sie stellten ihn auf den Blog von The Weeknd und Abel schrieb dazu: „Shlohmo you should release this". Das postete ich dann wiederum und wir trafen uns irgendwann auch persönlich. Wir hatten auch den Plan, zusammen aufzunehmen. Dann ging er durch die Decke und alles verlief sich etwas. Ich war auch noch in Kontakt zu Oliver von OVO (Drakes Manager, Anm. d. Verf.) und schickte ihm Beats für „Nothing Was The Same". Woraufhin aber nie eine Antwort kam. Aber hey, so ist wohl das Rap Game.

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Wie wichtig war der Sound des OVO-Camps, speziell Drakes „So Far Gone"-EP für deine Produktionsästhetik?
Das ist lustig, Drake nahm ich erst sehr spät wahr, kurz bevor „Take Care" erschien. Ich hatte das davor eher belächelt. RL Grime brachte mich dann 2011 auf den Film, als ich nach New York zog. Wir hörten den ganzen Tag „So Far Gone", „Thank Me Later" und sogar die Comeback Season-Mixtapes. So habe ich die Produktionen von Noah „40" Shebib lieben gelernt. Klar war das inspirierend für mich, aber ich denke nicht, dass ich ich meinen Stil danach änderte. Ich stand immer schon auf so emotionalen Scheiß.

Drakes Hausproduzent „40" betont ja immer, wie wichtig für seine Produktionen wiederum 808 & Heartbreaks von Kanye war.
Same Story. Ich hatte das Album verpennt oder ignoriert (lacht), bis mich ein Kumpel darauf brachte. Um ehrlich zu sein, interessiere ich mich für Kanye auch erst seit ein paar Jahren, seit 808s. Runaway fand ich wirklich langweilig und Watch The Throne ist einfach nur scheiße, sorry.

Was hattest du für ein Problem mit My Beautiful Dark Twisted Fantasy?
Gar keins. Super Album. Ich liebe es einfach, Kanye zuzuschauen, wie er sich aufregt. Es ist wirklich interessant, zu sehen, wie jemand, der nie auf einer Mode-Hochschule war, sich in der Fashionwelt durchsetzt. Das ist ja, als würde er gerade erst lernen, zu sprechen.

War er nicht sogar auf einer Kunst-Hochschule.
Ach klar, stimmt. Das hatte ich vergessen. Und er war ein oder zwei Jahre Praktikant bei Fendi in Paris. Das ist das coolste, was ich je gehört hab'. Kanye macht ein Praktikum bei Fendi … WAHNSINN.

Er und Pharrell behaupten, Musik wie Farben zu sehen. Du bist doch auch ein talentierter Zeichner. Ordnest du deinen Beats keine Farben zu?
(lacht) Ich denke, Menschen übertreiben ein bisschen mit dieser Synästhesie (gleichzeitige Wahrnehmung verschiedener Sinne, Assoziation von Farben, Buchstaben und Musik; Anm. d. Verf.). Ich denke, bei vielen Menschen führt das zu einer sehr verzerrten Wahrnehmung und ist nicht sehr angenehm. Die sehen Farben und Sterne, wenn sie Musik spielen und bleiben darauf hängen. Kanye ist wahrscheinlich eher so: Yeah, das klingt blau für mich. Für mich hat Musik machen auch immer etwas cineastisches, aber ich sehe keine klaren, spezifischen Bilder. Es ist mehr abstrakt und sollte gar nicht in Worte, oder Farben ausgedrückt werden müssen. Aber was rede ich da eigentlich, mein Album heißt ja „Dark Red". (lacht)

Neben dem Brainfeeder-Camp um Flying Lotus war es vor allem das WEDIDIT-Kollektiv, das in den letzten Jahren, von Kalifornien ausgehend, die Weiterentwicklung des Beats forcierte. Shlohmo, der einflussreichste Kopf der Clique, schraubt schon seit Jahren an seiner ganz eigenen Version instrumentaler HipHop-Musik und trieb sein Konzept verhallter Ambient-Klänge mit seinem Debütalbum Bad Vibes 2011 auf die vorläufige Spitze. Mehr sounddesignender Klangkünstler als Produzent, balanciert Shlohmo mit abstrakten Beat-Konstrukten und Remixes irgendwo zwischen Electronica und Trap. Auf dem neuen Album Dark Red verarbeitet er erstmals seine Punk-Vergangenheit und mischt Stoner-Doom-Elemente, Gothic und Black Metal in seine Drum-Frickeleien.

Wir trafen Shlohmo vor seinem Auftritts beim Berlin Festival. Als er später auf der Bühne mit Live-Band seinen dritten Song anspielt, ertönt eine Durchsage und die Musik fährt runter. Ein Feueralarm im Nebenraum unterbricht den Gig frühzeitig—mitten im Song „Emerging From Smoke". Nicht der einzige kuriose Zufall in Shlohmos musikalischer Karriere, die er unter dem Namen Henry from Outer Space begann.

THUMP: Prefuse 73 war einer der wenigen Produzenten aus dem HipHop-Kosmos, die schon vor deinem Start als Shlohmo im Jahr 2009 Störgeräusche einbauten, hat er dich inspiriert?
Shlohmo: Ich habe nicht so viel Prefuse gehört, aber klar kenn' ich ihn. Die Electro-Band Telefon Tel-Aviv hat mich damals krass beeindruckt. Schlecht aufgenommene Live-Tracks, abgefuckte Kassetten-Musik und generell diesen Lo-Fi-Ansatz fand ich immer besonders reizvoll. Und dann gab es noch Punk und so konfusen Singer/Songwriter-Kram wie Ariel Pink oder Daniel Johnston. Das alles hatte damals einen Riesen-Einfluss auf mich.

Warst du als Jugendlicher Teil der Punkszene in Los Angeles?
Ich war mehr Skaterkid. Die Punk-Phase habe ich knapp verpasst, dafür bin ich zu jung. Um 2000 rum, als ich begann zu rebellieren, interessierte sich an der Westküste kein Mensch mehr für Punk. Skateboarding nahm einen großen Teil meiner Jugend ein. Ich spielte auch Bass und Gitarre in einigen Punkbands. Da war ich auf der Middle-School, ungefähr 12 Jahre alt und hörte so Epic-Pop-Punk wie die Pixies und Misfits.

Man hat dich zu Beginn vor allem durch deine vertrippten Remixe für Waka Flocka Flame, Burial oder die LOL Boys wahrgenommen. Schraubst du das gerade zurück, um dich mehr auf deine eigene Musik konzentrieren zu können?
Das Problem ist, dass ich einfach keine Zeit mehr dafür habe. Ich muss echt super picky sein und kann nur wenige Anfragen zusagen. Aber ich liebe es immer noch, Remixe zu machen. Ich habe damit angefangen, um den Leuten zu zeigen: Das hätte ich aus dem Song gemacht. Ich finde es immer noch spannend, diese Perspektive einzunehmen. Nur jetzt kann ich ja direkt mit Sängern für neue Tracks bei Null anfangen, da hast du noch viel mehr Freiheiten.

Nachdem Bad Vibes erschien und du deinen eigenen Produktionsstil aus verhallten Gitarren und Ambient-Sounds etabliert hast, gab es viele Leute, die deinen Stil nachahmten.
Mir fällt es schwer, Leuten das vorzuwerfen, weil ich immer noch wirklich weiß, was genau mein Style ist. Aber letztens habe ich wieder etwas gehört, von dem ich mir sicher war, dass es eine Bad Vibes-B-Seite sein muss. Für mich ist das total schmeichelhaft und verrückt zugleich. Ich versuche, das zu verdrängen. Das führt nur zu Ego-Problemen.

Nach deinem „Fuck U All The Time"-Remix entstand letztes Jahr die EP No More mit Jeremih, die ursprünglich über sein Label Def Jam erscheinen sollte. Nach einigen Verzögerungen habt ihr die EP selbst online gestellt. Was hast du in der Zeit über die Major-Industrie gelernt?Nichts Neues, um ehrlich zu sein. Man hat die Geschichte ja schon so oft gehört. Alle meine Bedenken haben sich bestätigt. Das war ein klassischer Fall von Kommunikationsproblemen, Unfähigkeit und rechtlichen Problemen, die eigentlich gar nicht existierten. Unterm Strich war das Problem, dass wir in den meisten Fällen einfach keine Antworten bekamen und ignoriert wurden. Major-Labels waren doch schon immer so: Die arbeiten profitorientiert und teilweise wirklich verplant. Glücklicherweise leben wir in einer Zeit, in der wir einfach alles online stellen können. Ich habe daraus mitgenommen, dass ich zukünftig niemandem mehr meine Musik in die Hand gebe und alles selbst mache. Und überhaupt: Scheiß auf Labels. Die haben uns wirklich Kosten berechnet, ohne auch nur den kleinsten Scheiß dafür zu tun. Ich traue keinen Menschen in Anzügen mehr, die überhaupt keine Ahnung von Musik haben.

Jeremih - Fuck U All The Time (Shlohmo Remix) music video from Nairi on Vimeo.

Warst du denn mit Jeremih im Studio während der Produktion von „No More"? Wie war es, mit einem etablierten R'n'B-Star zusammenzuarbeiten?
Wir haben alles zusammen in einem Raum gemacht. Das war anfangs schon etwas komisch für mich, weil ich immer ein musikalischer Einzelgänger war. Wir mussten dann erst einmal unsere Gemeinsamkeiten abstecken und uns rantasten. Man sucht quasi nach einem gemeinsamen musikalischen Nenner. Und klar geht man da gewisse Kompromisse ein.

Du hast auch für Sängerinnen wie Banks produziert, machst aber, abgesehen von deinen Remixen, kaum Beats für Rapper. Schickst du denn überhaupt Beats raus?
Doch schon, aber Rapper sind einfach verrückt. Kein Scheiß, wenn mich Leute kontaktieren und ich Beats rausschicke, passiert damit nie was. Es ist super schwierig, Rapper zu finden, die sich damit wirklich auseinandersetzen wollen. Die geben die Beats an ihren Produzenten-Kumpel und lassen sie einfach nachbauen. Egal wohin du deine Beats schickst, ob zu EMI, irgendeinem Agenten oder Verlag—du kannst damit rechnen, nie wieder was davon zu hören und später hörst du Ideen und richtige Produktionselemente aus deinen Beats woanders. Aber das ist wieder mehr eine Label- und Businessproblematik. Es gibt auch Rapper mit großen Namen, die denken, dass sie nicht bezahlen müssten und uns einen Gefallen täten. Irgendwann finde ich den Rapper, der mit mir abhängen, Musik machen und nicht nur an meine Kohle will.

Dein neues Album Dark Red hat starke Stoner-Doom- und IDM-Einflüsse. Du sprachst vorhin von deiner Punkvergangenheit, war das auch Teil deiner Sozialisation?
Ich habe das schon auf der High School gefeiert, vor allem Bands wie Electric Wizard, aber auch Black Metal, wobei ich schon damals mehr der Psych-Rock-Typ war. Ich hatte nur jetzt erst das Bedürfnis, diesen Einfluss in meiner Musik zu verarbeiten.

Kommt das von deiner väterlichen Seite? Die 70er-Rock-Legende Captain Beefhart soll bei euch zu Hause ein und aus gegangen sein.
Mein Vater ist selbst Musiker, ein Rocker und Singer/Songwriter. Er war großer Neil-Young-, Bob-Dylan- und Beatles-Fan. Das spielte er mir vor, als ich klein war. Und später hörte ich dann verrücktere Sachen wie Frank Black, die Pixies und Captain Beefhart, mit denen mein Vater regelmäßig Sessions spielte. Meine Eltern waren alles andere als typische Spießer. Sie brachten mir bei, dass weirde Mukke cool ist.

Du hast etliche Remixe von Drake gemacht und bezeichnest ihn als deinen Lieblingsrapper. Der „Crew Love"-Edit wurde sogar von Abel Tesfaye von The Weeknd abgesegnet.
Ja, sie stellten ihn auf den Blog von The Weeknd und Abel schrieb dazu: „Shlohmo you should release this". Das postete ich dann wiederum und wir trafen uns irgendwann auch persönlich. Wir hatten auch den Plan, zusammen aufzunehmen. Dann ging er durch die Decke und alles verlief sich etwas. Ich war auch noch in Kontakt zu Oliver von OVO (Drakes Manager, Anm. d. Verf.) und schickte ihm Beats für „Nothing Was The Same". Woraufhin aber nie eine Antwort kam. Aber hey, so ist wohl das Rap Game.

Wie wichtig war der Sound des OVO-Camps, speziell Drakes „So Far Gone"-EP für deine Produktionsästhetik?
Das ist lustig, Drake nahm ich erst sehr spät wahr, kurz bevor „Take Care" erschien. Ich hatte das davor eher belächelt. RL Grime brachte mich dann 2011 auf den Film, als ich nach New York zog. Wir hörten den ganzen Tag „So Far Gone", „Thank Me Later" und sogar die Comeback Season-Mixtapes. So habe ich die Produktionen von Noah „40" Shebib lieben gelernt. Klar war das inspirierend für mich, aber ich denke nicht, dass ich ich meinen Stil danach änderte. Ich stand immer schon auf so emotionalen Scheiß.

Drakes Hausproduzent „40" betont ja immer, wie wichtig für seine Produktionen wiederum 808 & Heartbreaks von Kanye war.
Same Story. Ich hatte das Album verpennt oder ignoriert (lacht), bis mich ein Kumpel darauf brachte. Um ehrlich zu sein, interessiere ich mich für Kanye auch erst seit ein paar Jahren, seit 808s. Runaway fand ich wirklich langweilig und Watch The Throne ist einfach nur scheiße, sorry.

Was hattest du für ein Problem mit My Beautiful Dark Twisted Fantasy?
Gar keins. Super Album. Ich liebe es einfach, Kanye zuzuschauen, wie er sich aufregt. Es ist wirklich interessant, zu sehen, wie jemand, der nie auf einer Mode-Hochschule war, sich in der Fashionwelt durchsetzt. Das ist ja, als würde er gerade erst lernen, zu sprechen.

War er nicht sogar auf einer Kunst-Hochschule.
Ach klar, stimmt. Das hatte ich vergessen. Und er war ein oder zwei Jahre Praktikant bei Fendi in Paris. Das ist das coolste, was ich je gehört hab'. Kanye macht ein Praktikum bei Fendi ... WAHNSINN.

Er und Pharrell behaupten, Musik wie Farben zu sehen. Du bist doch auch ein talentierter Zeichner. Ordnest du deinen Beats keine Farben zu?
(lacht) Ich denke, Menschen übertreiben ein bisschen mit dieser Synästhesie (gleichzeitige Wahrnehmung verschiedener Sinne, Assoziation von Farben, Buchstaben und Musik; Anm. d. Verf.). Ich denke, bei vielen Menschen führt das zu einer sehr verzerrten Wahrnehmung und ist nicht sehr angenehm. Die sehen Farben und Sterne, wenn sie Musik spielen und bleiben darauf hängen. Kanye ist wahrscheinlich eher so: Yeah, das klingt blau für mich. Für mich hat Musik machen auch immer etwas cineastisches, aber ich sehe keine klaren, spezifischen Bilder. Es ist mehr abstrakt und sollte gar nicht in Worte, oder Farben ausgedrückt werden müssen. Aber was rede ich da eigentlich, mein Album heißt ja „Dark Red". (lacht)