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Plattenladen

Der THUMP-Guide to Vinyl-Einkauf

Das gibt es nicht bei Beatport.
4.5.15

Was hast du am Samstag gemacht? Einen netten Spaziergang im Park? Dir ein schönes Bier und eine Zigarette gegönnt? Ein Hauptgericht für zwei zum halben Preis genossen vielleicht? Gut für dich. Ein paar von uns wurden nämlich am Wochenende wieder vom schwarzen Vinyl-Loch unserer Lieblings-Plattenläden eingesogen.

Jeder mag die Vorstellung, Platten kaufen zu gehen. Die Realität dagegen ist oft entmutigend, frustrierend und enttäuschend. Du findest wahrscheinlich nicht die Platte, die du schon seit Jahren suchst. Die ramponierte Zusammenstellung an Tracks, die du für 2 Euro mitnimmst, wird wahrscheinlich scheiße klingen. Wahrscheinlich kommst du desillusioniert nach Hause und bestellst dir aus Frust eine Pizza. Aber so muss es nicht sein. Hier sind ein paar Tipps, wie du unverletzt aus dieser Geschichte wieder rauskommst.

MACH DICH AUF HOCHNÄSIGKEIT GEFASST

Das „Die habe ich alle gekauft und werde trotzdem noch für einen Idioten gehalten"-Gesicht des Autors in voller Pracht (alle Fotos von Angus Harrison)

Ich habe genau einen Tag in meinem Leben in einem Plattenladen gearbeitet und es war genau so, wie du es erwarten würdest. Als Student, der seinen Dispo bis ans Limit ausgereizt hatte, brauchte ich Arbeit, um mir die vier Dosen Bier und die sechs Chickenwings, die zu meinem Abendessen geworden waren, leisten zu können. Ich mochte Platten und ich mochte es, Platten zu kaufen, also hat es für mich Sinn ergeben, mich für einen Job in einem Laden zu bewerben, in dem ich mir mit meinem Lohn Platten kaufen kann. Beim Vorstellungsgespräch habe ich einen allgemeinen Test über popkulturelles Wissen gemacht, den ich mit Bravour bestand. Anschließend habe ich den Test für Spezialisten gemacht, den ich ebenfalls mit Prädikat abschloss. Ich sollte zum Probearbeiten kommen. Leichtes Spiel, oder?

Nach den ersten paar Minuten im Job habe ich meinem Vorgesetzten eine Frage gestellt, die ich für die erste Schicht angemessen hielt:

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„Wie sieht ein normaler Tag hier so aus?"

„Wir kaufen verdammte Platten und wir verkaufen verdammte Platten. Was denkst du, was wir sonst noch machen?"

Richtig. Ab diesem Moment wurde es schwierig. Nachdem ich eine Avant-Jazz-CD in die Acid-Jazz-Abteilung gestellt hatte, wurde ich in die Hauptfiliale des Ladens am Ende der Straße beordert, wo ich ein paar trostlose Stunden damit verbracht habe, den Preis auf Sticker zu schreiben und diese Sticker auf CDs zu kleben, bis ich einen Anruf mit folgender Nachricht bekam: „Du kannst jetzt nach Hause gehen und brauchst ab morgen nicht mehr zu kommen."

Was ich in diesen paar Stunden gelernt habe, ist, dass Typen, die in Plattenläden arbeiten, jeden, der nicht in Plattenläden arbeitet, nicht mögen und abfällige Kommentare über sie machen, sobald sie den Laden mit ihrem Einkauf verlassen haben. Du kannst sie nicht beeindrucken, du kannst sie nicht erfreuen oder besänftigen, also versuch es erst gar nicht. Sie haben die Platte, die du haben willst, entweder schon oder sie finden es so peinlich, dass du diese Platte willst, dass du auch taub sein könntest, du Idiot.

NICHT MIT DEM VERKÄUFER UNTERHALTEN!

„Sollen wir später ein Bier trinken gehen und uns über Platten unterhalten? Nein? Oh."

Du solltest natürlich nicht einfach mit Kopfhörern auf den Ohren zum Tresen gehen, deine Auswahl auf die Theke knallen und wortlos deine Kreditkarte rüberschieben und dich anschließend ohne etwas zu sagen verpissen, denn das macht dich zu der Art von Arsch, die jedem Verkäufer im Einzelhandel den Tag versaut. Der Schlüssel ist, höflich und freundlich zu sein und immer dann zu sprechen, wenn auch mit dir gesprochen wird. Wenn die Person hinter dem Tresen sich kurz über die 12" von Margret Dygas unterhalten will, die du kaufen willst, dann ist das großartig. Aber nimm nicht an, dass jeder über die B-Seite oder darüber, wie großartig Rashad von Dubplates & Mastering ist, sprechen will. Es gibt nichts Schlimmeres als mitzuhören, wie jemand nervös davon erzählt, dass er die zerkratzte Kopie von Chics „Good Times" für 50 Cent nur gekauft hat, weil er „am Wochenende auflegt und es nichts Ernstes ist, nur um Spaß zu haben und total kitschig, wird aber hoffentlich gut ankommen." Du hast ja auch nicht das Bedürfnis, dich im Zeitschriftenladen für ein Micky-Maus-Heft zu rechtfertigen, oder?

PLANE DEINEN EINKAUF

Es ist egal, ob du nur in den Laden gegangen bist, um die Nachpressung von Robert Hood zu kaufen, die du heimlich hinter den Wham-Platten in der Ramschkiste versteckt hast—die einzige Möglichkeit, dir Respekt gegenüber den mürrischen Typen da drinnen zu verschaffen, ist, so zu tun als wärst du wirklich an den neuen Industrial-Techno-Veröffentlichungen, der Nu-Groove-Abteilung, den experimentellen 7"es und der Bauhaus-Kiste interessiert. Nimm Sachen raus und tu so, als würdest du die Credits auf der Rückseite lesen, nimm die Platte aus der Hülle und ‚untersuch' die Qualität des Vinyls. Verdammt, schau dir vielleicht sogar ein paar CDs an. Was auch immer du tust, geh nicht direkt zur Billig-Abteilung, in der alles verkratzt ist und einen Euro oder weniger kostet. Wenn du das tust, siehst du billig aus und jeder weiß, dass Angestellte von Plattenläden auf Betten schlafen, die aus 50-Euro-Scheinen gewoben wurden. Sie baden auch in gefiltertem Fidschi-Wasser. Es ist also wirklich wichtig, dass sie dir nicht auf die Schliche kommen. Tu zumindest so, als würdest du ernsthaft darüber nachdenken, 15 Euro für eine Villalobos-Single auszugeben.

STELLE KEINE FRAGEN

Blätter einfach weiter. Tu so, als würdest du noch suchen.

Du hast dich diesen Monat zurückgehalten und warst bis jetzt erst sieben Mal in der Kneipe. Du hast ein bisschen Geld auf dem Konto und in einer Woche bekommst du deinen Lohn. Das erste Mal seit langer Zeit hast du keine unfassbaren Geldsorgen. Du willst rausgehen und dir diese L.I.E.S.-Singles kaufen, auf die du schon seit einer Weile ein Auge geworfen hast, also gehst du in die Stadt, ziehst einen frischen Zwanziger aus dem Geldautomaten und machst dich mit leuchtenden Augen und nervös auf den Weg. Du durchforstest die Kisten und wartest auf den magischen Moment, in dem du die 12" in deinen Händen hältst. Du fühlst schon jetzt die Aufregung, die dich verschlingt, wenn du nach Hause kommst. Mit einem Fingernagel würdest du die Plastikfolie öffnen und das Ding auf den Teller legen. Dumm nur, dass deine Suche im Plattenladen erfolglos ist. Du findest die Platte nicht. Du wirfst schnell einen Blick Richtung Ladentheke. Der Verkäufer surft bei Discogs rum, kratzt seinen Bart und blickt mürrisch drein. Du hast zwei Möglichkeiten. Du kannst ihn entweder unterbrechen und abgewiesen werden oder lautlos den Laden verlassen. Mach immer letzteres. Warum? Weil sie es nicht haben, wenn du es nicht findest. Komm damit klar.

MACH DICH AUF KÖRPERLICHE SCHMERZEN GEFASST

Diese Position hat schon Tausenden Füßen Schmerzen zugefügt

Weißt du, was mich davon abhält, in Kunstgalerien zu gehen? Abgesehen von den Touristen, den schreienden Mittelklasse-Kindern und der lähmenden Selbstgefälligkeit, die aus jeder Pore jeder einzelnen Person in einer Galerie strömt? Rückenschmerzen. Wirklich, du verbringst ein paar Stunden damit, auf diese kleinen Beschreibungen zu glotzen, die die Kunst für dich interpretieren—denn wer hat schon die Fähigkeit, sich von selbst wirklich mit Kunst auseinanderzusetzen—und fühlst dich danach so, als hättest du den ganzen Tag jemanden Huckepack getragen. Dasselbe gilt für einen Tag in Plattenläden. Du wirst beim Stöbern immer und immer wieder die gleichen Bewegungsabläufe ausüben müssen und das tut weh. Es tut wirklich weh. Und mein Gott, es schmerzt auch, das Zeug nach Hause zu tragen! Wenn du deinen bemitleidenswerten Körper zur Bushaltestelle geschleppt hast, wirst du die Deluxe-Dreifach-LP auf 180g-Vinyl von DJ Assaults Belle Isle Tech, die du einfach haben MUSSTEST, ab diesem Tag für immer verfluchen.

Viel Spaß beim Plattenkauf!

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