Grenzen

Das sind die Mauern dieser Welt

Trump ist nur einer von sehr vielen, die glauben, mit Mauern Probleme lösen zu können. Fast 70 solcher Sperranlagen gibt es.

von Paul Donnerbauer
07 Februar 2017, 4:57pm

Titelbild: Wikimedia Commons / VICE Media

Die roten Linien der Grafik zeigen bereits bestehende Grenzzäune und Mauern. Die grünen Linien zeigen, wo derzeit Sperranlagen in Planung sind oder zur Diskussion stehen

Im Jahr 1989, als die Berliner Mauer fiel, gab es weltweit 16 vergleichbare Grenzanlagen. Heute, knapp 28 Jahre später, sind die Zäune und Mauern keineswegs weniger geworden. Im Gegenteil: Im Jahr 2017 trennen fast 70 Sperranlagen Staaten und Städte. Hinzu kommen zahlreiche Mauern und Zäune, die zum Beispiel Gated Communitys schützen und den Ausbau von Favelas verhindern sollen.

Als Donald Trump Ende Januar das Dekret zum Bau der Mauer an der mexikanischen Grenze verabschiedete, war die Aufregung groß – auch in Europa. Tatsächlich verfolgt Trump mit seinem 40-Milliarden-Dollar-Projekt aber nur das, was in Europa schon seit Jahren gängige Praxis ist: Abschottung. Immerhin gibt es in Europa mehr Grenzzäune und Mauern als in Nord-, Mittel-, Südamerika und Afrika zusammen. Damit ihr euch einen Überblick über die Mauern dieser Welt verschaffen könnt, stellen wir euch hier einige davon vor.

"Tortilla Curtain"

Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko | Foto: Customs Border Protection | Wikimedia Commons | Public Domain

Donald Trumps Idee, eine Mauer zu Mexiko zu bauen, ist eigentlich alles andere als neu. Bereits 2006 hat George W. Bush mit dem Bau einer Befestigungsanlage zur Grenzsicherung begonnen. Allerdings wurde der Bau des Grenzzauns von Barack Obama gestoppt.

Dennoch stehen bereits knapp 3.100 Kilometer Zaun. Zusätzlich wird die Grenze mit Kameras und Grenzpolizisten gesichert. Auch private Milizen beteiligen sich immer wieder an der Jagd auf Migranten, die versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen. Allein zwischen 2000 und 2014 sollen über 6.000 Menschen beim Versuch, die USA zu erreichen, gestorben sein.

"Festung Europa"

Foto: Délmagyarország/Schmidt AndreaWikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

Vor Europa liegt die tödlichste Grenze der Welt: das Mittelmeer. Fast 80 Prozent aller Flüchtlinge, die auf der Flucht sterben, ertrinken beim Versuch, europäisches Festland zu erreichen. Einer von 29 Refugees, die versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, stirbt dabei. Fast 4.000 Tote waren es allein 2016.

Trotz dieser natürlichen Barriere werden in Europa zusätzliche Grenzanlagen errichtet, die Flüchtlinge aufhalten sollen – und diese nur all zu oft erst zu der gefährlichen Fahrt über das Mittelmeer bewegen.

Die höchsten Zäune stehen in den beiden spanischen Enklaven Melilla und Ceuta in Marokko. 2005 wurden die Befestigungen ausgebaut. Seither müssen Flüchtlinge drei Reihen des zehn Kilometer langen Zauns überwinden. Zwischen den Reihen ist jeweils nur ein Meter Abstand, der von Spezialeinheiten der spanischen Polizei bewacht wird. Zusätzlich sind die Zäune mit Bewegungsmeldern, Infrarotkameras, Geräuschmeldern und sogenanntem NATO-Draht bestückt – einer Stacheldrahtart, die besonders tiefe Schnittwunden verursacht.

Doch auch innerhalb Europas gibt es weitere Grenzzäune und Mauern. Seit Ende 2015 steht etwa an der griechisch-mazedonischen Grenze ein doppelreihiger Zaun, der Flüchtlinge an der Weiterreise nach Norden hindern soll. Schaffen sie es doch, warten weitere Zäune in Ungarn, Slowenien und Österreich.

Auch der Ärmelkanal wird mittlerweile sowohl auf französischer als auch auf britischer Seite umzäunt. Norwegen hat seine Grenze zu Russland abgeschottet und die Bahnstrecke zwischen Schweden und Dänemark ist zu Fuß ebenfalls nicht mehr passierbar.

Der Weg von der Türkei nach Griechenland oder Bulgarien ist schon seit mehreren Jahren versperrt. Dort warten auf Schutzsuchende ebenfalls NATO-Draht, Hubschrauber, Wassergräben, Überwachungskameras und FRONTEX-Soldaten.

In Nordirland stehen in vier Städten noch 53 sogenannter "Peace Walls", die die Wohnviertel irischer Nationalisten von denen pro-britischer Unionisten trennen sollten. Bis 2023 sollen die Mauern abgerissen werden.

In Zypern trennt eine 180 Kilometer lange Grenzanlage noch immer den türkischen vom griechischen Teil der Insel. Die Grenzmauer geht dabei auch mitten durch die Hauptstadt Nikosia, was Nikosia zur letzten geteilten Hauptstadt der Welt macht.

"Line of Control"

Foto: Délmagyarország/Schmidt AndreaWikimedia Commons | CC BY 3.0

Die sogenannte "Line of Control" ist eine 550 Kilometer lange, bis zu drei Metern hohe Barriere, die Indien in der Region Kaschmir von Pakistan trennt. Sie besteht zu einem großen Teil aus Stacheldraht, der teilweise unter Strom gesetzt werden kann. Zusätzlich wird die Grenzanlage mit Wärmebildkameras, Bewegungssensoren, Stolperdrähten und Mienen gesichert. 2014 kündigte die indische Regierung an, zusätzlich einen 40 Meter breiten und 10 Meter tiefen Graben ausheben zu wollen.

Indien hat an der Grenze zu Bangladesch außerdem die längste Grenzbefestigung der Welt errichtet. Die rund 4.000 Kilometer lange Wand aus Stacheldraht wird von circa 50.000 Soldaten bewacht und kann ebenfalls unter Strom gesetzt werden. Die Grenze zwischen Indien und Bangladesch zählt zu den gefährlichsten der Welt. Zwischen 2000 und 2011 sollen indische Soldaten mindestens 976 Bangladescher an der Grenze getötet haben. Immer wieder verschwinden dort Menschen spurlos, werden Frauen von Soldaten vergewaltigt und Flüchtlinge festgenommen.

"Berm"

Berm ist eine von Marokko errichtete Mauer aus Sand und Stein in der Westsahara. Der Wall soll die von Marokko besetzten Gebiete in der Westsahara vor dem Eindringen der sozialistischen Polisario-Rebellen schützen.

Der circa 2.500 Kilometer lange Wall ist bis zu drei Meter hoch und mit Mienen und Stacheldraht gesichert. Außerdem wird er alle 1 bis 3 Kilometer von marokkanischen Soldaten gesichert.

"Separation Wall"

Foto: TrocaireWikimedia Commons | CC BY 2.0

Bei der sogenannten "Separation Wall" im israelischen Westjordanland handelt es sich um eine Betonmauer, die die Palästinensergebiete von israelischen Siedlungen trennt. Der Bau der Betonmauer wurde 2002 begonnen. Bei ihrer Fertigstellung soll sie insgesamt 759 Kilometer lang sein.

Die Mauer ist menschenrechtlich höchst umstritten. Während von Israel die Notwendigkeit mit der Gefahr vor Terroranschlägen begründet wird, sehen viele Palästinenser und Menschenrechtsaktivisten darin eine illegale Landnahme durch Israel und ein Symbol der Unterdrückung.

2004 erklärte der Internationale Gerichtshof den Bau für völkerrechtswidrig.

"Sadr City"

Foto: The U.S. Army | Flickr | CC BY 2.0

US-Soldaten errichteten im Jahr 2007 eine vier Meter hohe und fünf Kilometer lange Betonmauer, um eine sunnitische Enklave vom schiitischen Stadtteil Sadr in Bagdad zu trennen. Seither teilt sie den von knapp zwei Millionen Menschen bewohnten Stadtteil in eine südliche und eine nördliche Hälfte. Bis zur Fertigstellung der Mauer zählte Sadr City zu den größten Sicherheitsrisiken der amerikanischen Besatzungskräfte im Irak.

"Great Wall"

2016 machte der türkische Präsident Recep Erdoğan mit seinen Plänen, eine Mauer zu Syrien zu bauen, Ernst. Seitdem wird die Grenze zwischen der Türkei und Syrien Meter für Meter geschlossen. Rund 900 Kilometer der drei Meter hohen Betonmauer sollen entstehen – inklusive automatischer Selbstschussanlagen.

Das Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei wurde damit für syrische Flüchtlinge zur Todeszone. Schon bei Protesten gegen den Bau der Mauer sollen türkische Soldaten auf die Demonstranten geschossen haben. Mindestens ein Demonstrant soll dabei im September getötet worden sein.

Durch die Mauer werden syrische Flüchtlinge im Bürgerkriegsland eingesperrt oder zu noch gefährlicheren Fluchtrouten gedrängt. Auch die Europäische Union profitiert vom Mauerbau in der Türkei, da dadurch weniger Flüchtlinge über die Türkei in Griechenland oder Bulgarien landen.

Trump ist mit seiner Idee, eine Mauer zu Mexikos Grenze zu bauen, also keineswegs alleine. Es gibt noch viele weitere kleine und große Mauern auf dieser Welt, die Menschen voneinander trennen. Gemein ist ihnen allen eines: In ihnen manifestiert sich der Unwille zu politischen Lösungen. Das macht Trumps Pläne nicht harmloser und relativiert diese auch nicht. Es zeigt aber, dass das Problem ohne seinen wahnwitzigen Mauerbau keineswegs komplett gelöst wäre – und wir es uns mit dem Fingerzeig in nur eine Richtung vielleicht etwas zu einfach machen.

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