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Wie die Welt nach dem Bienensterben aussehen wird

Sag Obst und Gemüse leise Servus: Ein neues Video erklärt, welche fatalen Folgen die Colony Collapse Disorder (CCD) für unser Leben haben wird.

von Sarah Emerson
10 Juni 2016, 9:28am

Bereits zwischen 2006 und 2007 verzeichneten allein die us-amerikanischen Imker einen Verlust ihrer Bienenstöcke zwischen 30 und 90 Prozent | Foto: Flickr/Umberto Salvagnin

Die Honigbiene mag eher klein und unscheinbar sein, doch für unser Überleben auf diesem Planeten spielt sie eine enorm wichtige Rolle. Nun verschwinden aber sowohl die domestizierten als auch die wilden Bienen in erschreckendem Tempo, und die Folgen ihres allmählichen Aussterbens werden in jedem Winkel der Welt zu spüren sein.

Seit über einem Jahrzehnt warnen Biologen die Agrarindustrie bereits vor dem massenhaften Bienensterben, das auch Colony Collapse Disorder (CCD) genannt wird. Bereits zwischen 2006 und 2007 verloren allein die US-amerikanischen Imker zwischen 30 und 90 Prozent ihrer Bienenvölker. Auf mysteriöse Weise verschwanden Arbeiterbienen in jeder zweiten erkrankten Kolonie—ein Symptom, dass noch nie zuvor in diesem Ausmaß beobachtet wurde. Ohne die tausenden Arbeiterinnen, die einen Bienenstock bevölkern, kann er sich nicht dauerhaft halten, und die ganze Kolonie stirbt zwangsläufig aus.

Aber nicht nur die domestizierten Honigbienen sind vom CCD betroffen. Auch Wildbienen und andere Bestäuber wie beispielsweise Schmetterlinge, Vögel und Käfer sterben in einem noch nie dagewesenen Ausmaß weg. Einst gab es in den USA eine riesige Artenvielfalt unter den Bienen. Doch der umfassende Pestizideinsatz in der Agrarindustrie, diverse Krankheitserreger und der fortschreitende Klimawandel gefährden die Existenz der Bienen und begünstigen ein mögliches Aussterben in naher Zukunft. Laut einer aktuellen Umweltstudie geht beispielsweise die Wildhummel-Population zur Zeit um etwa ein Drittel zurück.

Die Vereinten Nationen hatten erst Ende Februar die globalen Industrien gewarnt, dass ein Aussterben der Bestäuber zweifellos die weltweite Nahrungsmittelversorgung gefährden wird. In einer ersten umfassenden Studie über das Aussterben der Bestäuber berichtet der Bonner Weltrat für Biologische Vielfalt der UN, dass weltweit Ernten im Wert von 235 bis 577 Milliarden US-Dollar betroffen sein könnten, wenn Bestäuber wie Honigbienen weiterhin massenhaft sterben.


Wie der YouTube-Channel Life Noggin in einem seiner Videos verdeutlicht, existiert ungefähr jeder dritte Bissen Essen, den wir zu uns nehmen, nur dank der Bestäubung durch Honigbienen. Bienen und Pflanzen, deren Fortpflanzung über Blütenstaub erfolgt, befinden sich in einem Zustand der Symbiose, die sich über die Jahrtausende entwickelt hat.

So sähe unsere Salatbar nach dem Bienensterben aus

Alleine die USA würden bei den Agrar-Einnahmen Verluste in Höhe von 14 Milliarden Dollar riskieren, sollte diese wechselseitige Beziehung zerstört werden. Von den saftigen Früchten und den knackigen Obstsorten, die uns momentan zu jeder Jahreszeit im Supermarkt erwarten, könnten wir uns dann verabschieden. Lediglich Mais, Weizen und Hafer würden uns erhalten bleiben, da diese über den Wind bestäubt werden.

Auch die Baumwoll-Produktion und damit die Textilindustrie wird unter dem Bienensterben leiden. Die Pflanze liefert etwa 40 Prozent des weltweiten Rohmaterials für Naturfasern—ironischerweise wird aber der Großteil der Baumwollernte mit gängigen Insektiziden übergossen. Die sogenannten Neonicotinoide stellen jedoch eine der größten Bedrohungen für die Honigbienenbevölkerungen dar.

Was wird sich also verändern, wenn die Honigbiene verschwindet? So gut wie die ganze Welt, wie wir sie heute kennen.