Menschen

Wie sich gesunde Brüste anfühlen sollten

Harmlose Zyste oder doch ein potentieller Tumor? Wir haben Experten gefragt, welche erfühlbaren Knubbel normal sind und wann du dir Sorgen machen solltest.
8.7.16
Illustration verschiedenartiger Brüste
Illustration by Shawna X

Wie Brüste aussehen und wie sich sich anfühlen, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche von ihnen hängen, manche von ihnen sind mehr Dehnungsstreifen als Busen und wieder andere sehen im falschen T-Shirt aus wie ein Sack Kartoffeln. Eines haben sie trotzdem gemeinsam: Sie sind fantastisch. Aber wonach kann man beurteilen, ob die Knoten in unserer Brust tatsächlich gesundheitsgefährdend sind? Wie knubbelig ist zu knubbelig?

Anzeige

Es gibt tatsächlich eine weit verbreitete Erscheinung, bei der sich die Brüste von Frauen anfühlen können wie Bohnensäckchen oder ein Bindfadenknäuel. Diesen Zustand nennen Ärzte "Fibrozystische Mastopathie". Was immer noch häufig als Brustkrankheit bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit keine Krankheit, sondern eine gutartige Veränderung des Drüsengewebes. "Wenn ich sie anfasse oder einmal kurz presse, fühle sie sich weich an, aber wenn ich anfange, sie zu kneten oder zu drücken, fühlt es sich ungelogen an, als hätte ich Knorpel unter der Haut", schreibt Reddit-Nutzerin historically_clio.

Laut der Mayo Clinic mit Sitz in Rochester, USA, verändert sich das Brustgewebe bei rund der Hälfte der Frauen im Laufe ihres Lebens aufgrund einer fibrozystischen Mastopathie. Fibrozystisches Brustgewebe besteht aus Zysten (mit Flüssigkeit gefüllten Säckchen), Wucherungen des Bindegewebes, und führt manchmal auch zu grünlichem oder braunem Ausfluss aus den Nippeln. Die Zysten können schmerzhaft sein und schwellen häufig dann an, wenn man seinen Eisprung hat. Von fibrozystischer Mastopathie sind immer beide Brüste betroffen. "Das Brustgewebe verhält sich in der Regel sehr symmetrisch", sagt Danielle Benedek, die als Krankenschwester in der Gynäkologie tätig ist. Wenn die Knoten dagegen nur in einer Brust zu spüren sind, kann das eine andere Ursache haben, die du unbedingt vom Arzt abklären lassen solltest.

Wenn ich anfange, sie zu kneten oder zu drücken, fühlt es sich ungelogen an, als hätte ich Knorpel unter der Haut.

"Brüste sind auch verschiedenen Gewebearten aufgebaut—unter anderem Fett-, Drüsen- und Stützgewebe. All diese Gewebearten können einen Einfluss auf die Textur der Brust haben", sagt Dr. Jani Jensen von der Mayo Clinic. Der Großteil deiner Brust besteht aus Fett, beziehungsweise—um es wissenschaftlich vollkommen korrekt auszudrücken—aus Fettgewebe. In diesem Meer aus Fett schwimmen kleine Klumpen, die man Drüsenlappen nennt. Diese Drüsenlappen wiederum bestehen aus kleineren Drüsenläppchen, die die Milch produzieren, wenn man stillt. In jeder Brust gibt es 15 bis 20 solcher Drüsenlappen. Die Drüsenlappen sind über die Milchgänge mit den Nippeln verbunden. Dieses gesamte System wird durch das Bindegewebe gestützt. Wird das Bindegewebe hart, spricht man von einer Fibrose. Fibröses Bindegewebe fühlt sich ungefähr so an wie vernarbtes Gewebe oder der Knorpel eines Steaks.

Die Zysten im Brustgewebe können gutartig oder krebsartig sein. Laut Dr. Jensen sind bösartige Tumore "fest, unbeweglich und unregelmäßig geformt und fühlen sich an wie ein kleiner Kiesel in der Brust." Eine Frau auf Reddit verglich das Gefühl eines Tumors in der Brust mit "einer Murmel in einer Schüssel voller Trauben." Gutartige Zysten fühlen sich dagegen an wie Geleebohnen und lassen sich im Gewebe hin und her bewegen. Benedek rät trotzdem dazu, besser auf Nummer sicher zu gehen, wenn man einen Knoten spürt. "Wenn du jemals irgendetwas spürst, was sich anders anfühlt als normal oder was dir Sorgen macht", sagt sie, "solltest du es von einem Arzt abklären lassen."

Niemand kann mit Sicherheit sagen, was der Auslöser oder die Ursache für fibrozystische Mastopathie ist. Wahrscheinlich hängt die Antwort "mit hormonellen Veränderungen im Brustgewebe zusammen", meint Benedek. Die Tatsache, dass die Zysten direkt vor der Periode anschwellen, stützt diese Annahme—genau wie die Tatsache, dass Frauen nach der Menopause nur äußerst selten unter fibrozystischer Mastopathie leiden. Frauen, die unter schmerzhaften Zysten leiden, können aber etwas dagegen tun: Hormonelle Verhütungsmittel können dabei helfen, die schlimmsten Symptome, die mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen, zu lindern.

Fibrozystisches Brustgewebe erhöht nicht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Es kann dadurch jedoch schwieriger werden, eine Mammographie auszuwerten. Deswegen sollten sich Frauen mit fibrozystischer Mastopathie mit all ihren Knubbeln, Knoten und Klumpen vertraut machen. "Setz dich mit deinen eigenen Brüsten auseinander", sagt Benedek. "Dann kannst du dich, sobald du etwas Ungewöhnliches bemerkst, gleich an einen Profi wenden."

"Erkenne dich selbst!", sagte schon Sokrates—und er hat bestimmt auch von Brüsten gesprochen, als er das gesagt hat.