Alkoholfreies Bier ist das bessere Sportgetränk

Bier enthält Kohlenhydrate, Vitamine und Hopfen—und im Gegensatz zu Sportgetränken keine künstlichen Zusatzstoffe aus dem Labor. Das weiß auch der ehemalige Wettkampfläufer Mikkel Borg Bjergsø, der in Dänemark einen Laufclub gegründet hat, wo es...

von Mikkel Borg Bjergsø
07 April 2016, 10:00am

MikkellerRunningClub

Mikkeller Running Club

Foto von Rasmus Malmstrøm

Du bist gerade 20 Kilometer im strömenden Regen gerannt, du stehst kurz vor dem Totalkrampf und Schweiß rinnt über deinen ganzen Körper.

Jetzt hilft nur ein großes, kaltes, schaumiges Bier.

Und das ist auch OK. Ein Bier nach einem langen Lauf ist nicht schlimm, sondern im Gegenteil: Bier enthält viele großartige Dinge wie Kohlenhydrate, Vitamine und Hopfen. Und verglichen mit einigen unnützen Sportgetränken, die ein paar Chemiker in irgendeinem Labor entwickelt haben, indem sie allen möglichen künstlichen Scheiß zusammengepackt haben, macht Bier dich sogar glücklich.

Unser Bier, Energibajer, ist eine Alternative zu den klassischen Sportgetränken. Es ist alkoholfrei und auf dem Etiketten stehen alle Nährwerte inklusive Fett-, Kalorien- und Vitamingehalt.

Energibajer ist wie ein amerikanisches Weizenbier, also hopfig, blumig, frisch und nicht zu herb. Einige Sportgeschäfte haben bereits Interesse gezeigt, also hoffen wir, dass unser Bier dazu beitragen kann, den Markt umzukrempeln und beweisen kann, dass in einem Sportgetränk nicht aller möglicher Mist stecken must.

Durch gute Zutaten können wir ein alkoholfreies Bier herstellen, das auch noch angenehm schmeckt. Wir haben eine einzigartige Hefe auftreiben können, die das Bier gären lässt, ohne dass dabei Alkohol entsteht. Ohne Hefe kann man kein Bier machen, da ist Hopfen und Malz sozusagen verloren. Die deutschen alkoholfreien Biere sind zwar technisch gesehen schon Bier, aber da sie nicht richtig gären, schmecken sie grässlich, wie Bierwürze direkt aus dem Läuterbottich.Energibajer schmeckt wie richtiges Bier, weil es eben voll gärt. Außerdem haben wir ein akohol- und glutenfreies Bier entwickelt, Ambler.

Allerdings sollten wir nicht einfach aufhören, alkoholhaltiges Bier zu machen, denn Alkohol trägt enorm zum Geschmack bei. Man kann ein deutsches Weizenbier nicht ohne die passende Bierhefe brauen, darin liegt der Schlüssel zum Geschmack. Ein Lambic ohne Spontangärung ist auch kein Lambic. Wenn mein ein alkoholfreies Geuze serviert, wäre das eine Beleidigung für diese hohe Bierbraukunst.

Vor ungefähr einem Jahr habe ich wieder angefangen, wie ein Verrückter zu joggen und laufe jetzt mindestens 100 Kilometer pro Woche. Ich habe den Wettbewerb gesucht, ich wollte besser werden und alle anderen schlagen. Bei langen Strecken bin ich nicht mehr weit von meinem Niveau als Profi-Läufer entfernt, aber als 40-Jähriger schafft man keinen 800-Meter-Sprint mehr.

Beim Laufen kommt alles darauf an, die richtigen Prioritäten zu setzen. Man braucht nicht so lange, um 100 Kilometer zu laufen, inklusive der Zeit zum Umziehen vielleicht zehn Stunden pro Woche. Und dafür findet jeder Zeit, wenn man eben die Prioritäten richtig setzt.Man hätte zu wenig Zeit ist die schlimmste Ausrede, die auch ich jahrelang vorgeschoben habe.

Im November 2014 haben wir eine Art Laufclub gegründet, Mikkeller Running Club. Wir waren einfach zu träge geworden. Die Leute in meinem Umwelt reisen zu viel, trinken überdurchschnittlich viel Bier und essen außerdem zu viel. Zu viele Restaurants, zu viel Bier und zu wenig Bewegung. Wenn wir weiter Bier trinken wollen, dann müssen wir auch laufen. Man braucht zu allem ein Gegengewicht, einen Ausgleich. Ich möchte nicht dick sein, aber auch nicht aufhören, gutes Essen zu essen und Bier zu trinken. Also muss ich joggen.

Am Anfang waren wir zu zehnt, heute kommen circa 200 Leute zu unseren Treffen in Kopenhagen. Es gibt außerdem in über 90 Städten weltweit Ableger unseres Clubs, die sich an jedem ersten Samstag im Monat zusammenfinden. Es gibt einen Club in Minsk und bald auch auf den Färöer-Inseln.

Wir laufen, trinken ein Bier, machen Stretching. Und danach trinken wir vielleicht noch ein paar Bier. Das Coole ist, dass viele Läufer zu uns kommen, die finden, dass der Sport als viel zu heilig angesehen wird: Sie wollen nach dem Training ein Bier trinken dürfen und mehr über Bier lernen.

Letzten Endes bin ich wahrscheinlich eher Sportler als Bier-Nerd. Ich liebe es, Bier zu brauen, aber das heißt ja nicht, dass ich total ungesund wie ein wandelndes Klischee aussehen muss. Als wir vor sechs Jahren unsere erste Kneipe in Kopenhagen eröffnet haben, waren typische Biertrinker eben Leute mit Bierbauch, die nur in Spelunken rumsaßen und sich Fassbier um Fassbier hinter die Binde gekippt haben, während im Hintergrund grausige Rockmusik spielte—ein tristes und widerliches Bild. Wir wollten unsere Bierbar heller und moderner gestalten. Weiblicher.

Und ja, es sollte ein Ort sein, wo es vollkommen OK ist, wenn man nach einem Marathon in seinen schweißgetränkten Laufhosen rumsitzt.

ML1A9632

Aufgezeichnet von Lars Hinnerskov Eriksen

Mikkel Borg Bjergsø ist ein ehemaliger Wettkampfläufer und der Kopf hinter der Kopenhagener Craft-Beer-Brauerei Mikkeller. Früher war er Lehrer und hat 2003 aus Spaß in seiner heimischen Küche in Vesterbro angefangen, Bier zu brauen. Heute verkauft er sein Bier in über 40 Ländern und betriebt verschiedene Bars und Restaurants in Dänemark und im Ausland.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei MUNCHIES in Dänemark.