So stellst du dir eine 1A-Hausbar zusammen, die du dir auch leisten kannst
Cocktails

So stellst du dir eine 1A-Hausbar zusammen, die du dir auch leisten kannst

Ausgehen: Weit überschätzt. Spar ein bisschen Geld und schon hast du Game.
20 Februar 2017, 3:29pm

Ausgehen ist überschätzt. Die New York Post nannte Millennials kürzlich die großartigste Generation – von Couchpotatoes. Sie würden nicht mehr ausgehen und nur noch vor Bildschirmen abgammeln. Da hilft es, wenn man sein Zuhause besser macht, wo man dort doch alle seine Zeit verbringt. Und zwar nicht mit Heimwerken, sondern mit Drinks. Wir zeigen dir, wie du dir einen Grundstock von Getränken anlegst, aus dem du beste Drinks zu besten Preisen mischen kannst: „Home Improvement – MUNCHIES Style".

Eine Hausbar war bisher nicht mehr als der Ort, an dem du deine ersten Drinks geklaut hast. Bars voll mit Asbach Uralt oder anderen Branntweinen, einem verklebten Cassis und Vanilleschnaps. Etwas für eine andere Generation. Der modebewusste Trinker von heute hat einen Anspruch entwickelt, den es bisher nicht gab. Mit dem Beginn des Gin-Hypes waren die Menschen plötzlich bereit, für qualitativ bessere Getränke auch etwas mehr auszugeben. Ein guter Gin gehört auch in jede Hausbar, sagt Sven Riebel aus der neuen Bonechina Bar in Frankfurt.

Die Bar hat gerade erst eröffnet und hat das abgeschafft, was eine Bar eigentlich ausmacht: den Tresen. Es gibt vorgefertigte Drinks, die sich die Gäste aus dem Kühlschrank der Bar nehmen können. Oder sie können unter Anleitung von Sven die Drinks selbst mischen. Die Bar ist damit genau das, was eine Hausbar auch sein kann: ein Ort, an dem man miteinander redet. Ein Ort der Begegnung, wie der Sozialpädagoge sagen würde. Damit du so etwas auch zu Hause hinbekommst, hat uns Sven geholfen, die Grundlagen einer soliden Bar zusammenzustellen. Schließlich arbeitet er schon ein Jahrzehnt als Bartender. Wir haben darauf geachtet, dass all diese Getränke machbar sind, ohne dass man einen Shaker oder anderes Profi-Equipment braucht.

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Erklärt Menschen, wie man trinkt: Sven Riebel in seiner Bar.

1. Eis
Als Erstes wäre da dein Eis. Das ist höchstwahrscheinlich scheiße. Die Würfel sind zu klein und dein Eisfach ist nicht kalt genug, also schmelzen sie sofort weg und machen dein Getränk nicht kalt, sondern wässrig. Und: „Jede Party fängt dann an, schlecht zu werden, wenn das Eis alle ist." (Barmann-Weisheit von Sven.) Also: Benutz eine Kühltruhe, wenn du eine hast, die werden kälter. Benutz nicht die normalen Formen, sondern welche, bei denen die Würfel mindestens 3 x 3 x 3 Zentimeter groß werden. Zur Not lässt sich das Eis auch zukaufen. Auch eine andere Sache ist sehr wichtig, die Anfänger leicht übersehen: Am besten benutzt man nicht einfaches Mineralwasser für die Drinks, sondern Soda-Wasser. Das hat größere Kohlensäureperlen und damit bleiben die Getränke länger frisch.

2. Filler
Ein Drink besteht mindestens aus zwei Komponenten, eine davon ist mit Alkohol, die andere ist ein so genannter „Filler". Die gängigsten Filler sollte man immer daheim haben, will man eine gute Hausbar haben, rät Sven: Tonic Water, Ginger Ale, Ginger Beer und eine Cola, so zum Beispiel von Fever Tree oder die gute, alte klassische Coca Cola. Sven: „Ich bin ein ganz großer Freund von 0,2-Liter-Fläschchen, da die Kohlensäure immer gut gebunden ist und kaum was verschwendet wird oder über den Abend hinweg flach wird."

3. Alkohol
Mehr als vier oder fünf Alkoholika braucht man eigentlich nicht. Zwei gute Gins, einen Bourbon oder Rye Whisky, einen Wermut, einen Wodka und einen Campari. Den aber auch nur, wenn man Bitteres mag.

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Okay, gut, zugegeben: Ausgehen kann auch ganz nett sein. Installation in der Bonechina Bar in FFM.

Gin
„Da bieten sich eine Reihe von Sorten an. Etwa der Tanqueray (47,3 Vol.-%) oder Tanqueray No. TEN (47,3 Vol.-%). Beide sind ein London Dry Gin und haben eine gewisse Trockenheit und Würze, der No. TEN ist etwas frischer. Für Aperitifs bietet sich Plymouth an, da der weniger Volumen-Prozent hat (41,2 Vol.-%) und etwas leichter und geschmeidiger daherkommt. Die Homebar ist gerne um weitere Gins zu erweitern, jedoch sollte mit Bedacht geshoppt werden. Nicht jeder neue Gin rechtfertigt seine Qualität mit einem hohen Preis. Man muss sich immer fragen: Was kostet der Liter im Vergleich zu anderen und ist der eigene Gaumen mit der Qualität einverstanden? Das ist das Wichtigste. Eine schöne Verpackung und ein Hype sind meist kein Freund deines Portemonnaies."

Wodka
„Ich habe eine Faustregel: Eine 0,7-Liter-Flasche Wodka darf nicht mehr kosten als 20 Euro. Warum? Wodka ist eine Neutralspirituose, sie schmeckt also nach sehr wenig, oft nach nichts. Oft machen die Marken Werbung mit Filtration. Was man dabei macht? Nach der Destillation werden die Aromen aus dem Wodka herausgezogen, damit er klar wird. In Ordnung sind zum Beispiel: Ketel One (Weizenwodka aus Holland) oder Green Mark (es gibt verschiedene Sorten, die beste ist Roggen)."

Whisky
„Das ist eine supervielfältige Spirituose. Für den Hausgebrauch empfehle ich Maker's Mark. Wenn man alte Cocktailklassiker rühren möchte, muss noch ein Rye Whisky ins Haus: Bulleit Rye oder Rittenhouse Bottled in Bond sind hierfür sehr geeignet."

Wermut
„Man kommt nicht an gutem roten Wermut vorbei. Hier darf und soll bitte unbedingt etwas Geld in die Hand genommen werden. Carpano Antica Formula ist die erste gute Wahl. Auch zu empfehlen sind Del Professore oder Noilly Prat Rouge. Was trockenen Wermut angeht, sollte man mal in den eigenen deutschen Landen schauen. Ferdinand hat einen spitzen trockenen weißen Wermut herausgebracht."

Campari
„Das ist eine klassische Mixspirituose. Wenn man das Portfolio zu Hause erweitern will, sollte man Maraschino von Luxardo nehmen."

4. Drinks
Hat man die ganzen Schnäpse und Filler nun zu Hause, lassen sich damit so einige Drinks machen, hier sind ein paar davon.

Gin Tonic

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Über Eis hast du noch nie nachgedacht, he? Solltest du aber.

„Für 300 ml nimm 4 Eiswürfel, 4 bis 5 cl Gin, der Rest ist Tonic. Das Getränk heißt Gin and Tonic und nicht Gin and Tonic mit Gurke oder Limette. In Gin finden sich Botanicals, das sind Aromen, die dem Gin beigemischt werden. Zum Beispiel Wacholderbeeren, Zitronen- oder Orangenschale oder Koriandersamen. Wenn du nun weitere Aromen dazugibst, verfälscht das den Geschmack des Gins. Und der sollte für sich alleine stehen."

Negroni

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Das ist das, was Bartender „abseihen" nennen.

„3 cl Gin (Plymouth bietet sich an), 2,5 cl roter Wermut und 2 cl Campari. Rühren auf circa 6 Eiswürfeln, 20 Mal sollte reichen (Kaltrühren heißt das). Dann durch ein Barsieb auf frisches (wichtig!) Eis in ein Tumbler-Glas geben (abseihen), mit Orangen- und Zitronenzeste aromatisieren."

Dark and Stormy

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„Für ein Longdrinkglas mit circa 300 ml Füllmenge: 4 Eiswürfel und 1,5 cl frisch gepressten Limettensaft in das Glas geben. 4 cl Gosling's Black Seal Rum dazu, mit Ginger Beer auffüllen. Im Sommer sehr zu empfehlen."

Horse's Neck

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„An dem Drink lässt sich schön sehen, wie man seine Hausbar langsam erweitern kann. Hier braucht man (für 300 ml im Longdrinkglas) wieder 4 Eiswürfel, 4 cl Bourbon (Maker's Mark), 2 Dashes – das sind so 6 Tropfen – Dr. Siegert Angostura Bitters draufgeben, mit Ginger Ale auffüllen. Mit Zitronenzeste aromatisieren."

5. Have fun.