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Daesh rekrutiert mit Essen neue Kämpfer in Falludscha

Den Bewohnern der belagerten Stadt Falludscha bleiben kaum mehr Nahrungsmittel. Jetzt versucht der IS auch noch, neue Mitglieder anzuwerben, und bietet den Menschen dringend benötigtes Essen im Gegenzug.
8.6.16

Nachdem die Anti-IS-Koalition wochenlang die irakische Stadt Falludscha bombardiert haben, begannen die irakischen Streitkräfte die Woche mit der Belagerung der Stadt. Die Bodentruppen stießen auf heftigen Widerstand, noch immer sind circa 50.000 Zivilisten in der Stadt eingeschlossen—und es steht ein blutiger und langwieriger Kampf bevor. Was die eh schon schreckliche Lage verschlimmert, ist, dass der IS angeblich auf Zivilisten schießt, die versuchen aus der Stadt zu fliehen.

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Doch wie lebt es sich in der besetzten Stadt? Einige konnten glücklicherweise aus Falludscha entkommen und berichten Schreckliches: Die Einwohner haben nur noch alte, steinharte Datteln zu essen. Hinzu kommt, dass IS-Kämpfer versuchen, neue Mitglieder anzuwerben und ihnen als Anreiz überlebenswichtige Nahrungsmittel im Gegenzug anbieten.

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Seitdem der Islamische Staat die Stadt 2014 erobert haben, kontrollieren sie die Lebensmittel in der Stadt: Selbst für die einfachsten Dinge verlangen sie exorbitante Preise. Die 23-jährige Hanaa Mahdi Fayadh aus dem Vorort Sijir berichtete der Nachrichtenagentur Reuters, dass die IS-Milizen zu den Familien in die Häuser kommen und Essen anbieten, sobald die Nahrung knapp wird. Aber: Nur wer sich den Kämpfern anschließt, bekommt etwas.

„Unserem Nachbarn haben sie einen Sack Mehl angeboten, wenn sein Sohn zum IS kommen würde. Er lehnte ab. Als sie weg waren, ist er mit seiner Familie geflohen", erzählt Hanaa. Zusammen mit anderen aus Falludscha ist sie nach Karmah geflüchtet und lebt dort in einer Flüchtlingsunterkunft. Wie sie alle berichten, hatten sie nicht genug Geld, um vom IS Essen zu kaufen.

Der IS hat damit ein perfektes Lockmittel, um Mitglieder anzuwerben, besonders auch weil die irakische Regierung jahrelang Gehälter und Renten nicht an Beamte ausgezahlt hat, aus Angst, das Geld könnte dem IS in die Hände fallen.

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Hanaa meint weiter: „In den Geschäften gab es nur noch Datteln, alte, steinharte Datteln und selbst die waren sehr teuer." Derzeit kostet ein 50-Kilo-Sack Mehl über 370 Euro, ungefähr die Hälfte des durchschnittlichen Monatsgehalts im Irak. „Wir sind geflohen, weil es kein Essen und kein Feuerholz mehr gab."

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Auch Azhar Nazar Hadi konnte nach Karmah fliehen und erzählt: „In den letzten sieben Monaten ist uns alles ausgegangen. Uns blieben nur noch Datteln und Wasser. Mehl, Reis und Öl waren einfach zu teuer."

Leider sieht es nicht so aus, als ob sich die Lage für die 50.000 Menschen, die immer noch in Falludscha gefangen sind, ändern würde. Die irakische Armee kommt in ihrer Offensive nur langsam voran, auch um so Tote zu vermeiden, da der IS oft Familien als menschliche Schutzschilde missbraucht.

Wenn Essen zur Anwerbung neuer Mitglieder genutzt wird, ist die Lage in der Tat verzweifelt.