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Die USA schicken ihre letzten 50 Labor-Schimpansen in den Ruhestand

Tierrechtler feiern die Entscheidung als wegweisenden Schritt gegen Tierversuche.

von Christine Kewitz
20 November 2015, 11:00am

Bild: Shutterstock

Die amerikanische Gesundheitsbehörde (NIH) verkündete am Mittwoch, dass sie alle 50 verbleibenden Schimpansen aus ihren Versuchseinrichtungen in das Affenaltenheim Chimp Haven entlässt. Damit setzt die Behörde einen bereits 2013 gefassten Beschluss vollständig um: Man wolle auf neue Testmethoden setzen, statt in Laborversuchen mit Schimpansen zu arbeiten. Dies sei unnötig und veraltet. Die 50 Schimpansen waren die letzten Exemplare, die man damals noch für zukünftige biochemische Forschungen behielt , doch nun erklärte der Leiter des NIH, Francis Collins, dass auch diese Affen nicht mehr nötig seien.

Bereits 2010 hatte die NIH beim Institute of Medicine eine Studie in Auftrag gegeben, die einschätzen sollte, inwieweit die Behörde für die Durchführung „biomedizinischer Forschung oder Verhaltensforschung zugunsten des Gesundheitswesens" auf diese Affenart angewiesen sei. Das Ergebnis der Untersuchung: Ein Großteil der Forschungen an Schimpansen sei überflüssig und die Arbeit mit diesen Tieren dürfe lediglich unter strengen Kriterien weitergeführt werden. 300 Schimpansen wurden daraufhin in Rente geschickt.

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Bei den streng überwachten Ausnahmefällen würde es sich um Situationen handeln, in denen keine anderen Tiere oder biologischen Modelle für die jeweilige Krankheitsstudie eingesetzt werden könnten, in denen es unethisch wäre, mit Menschen an Stelle von Schimpansen zu arbeiten oder in denen ein Verzicht auf Schimpansen die Herstellung lebenswichtiger Medikamente signifikant verzögern würde. In diesen Fällen wird darauf hingewiesen, Schmerzen und Stress für die Tiere in den Versuchen so minimal wie möglich zu halten.

Obwohl die verbleibenden Affen für Studien zu Hepatitis C, Krebs oder Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden sollten, wurden solche Untersuchungen in den letzten Jahren nicht angeschoben. Stattdessen erzielte man Erfolge in Versuchen mit genmodifizierten Mäusen und Ratten, die teilweise bessere Ergebnisse als die Affen brachten. Auch neue Techniken wie die Forschung mit Gewebe- und Zellmaterial oder langfristig angelegte Studien mit Menschen, die eher beobachtend als experimentell arbeiten, könnten günstigere Alternativen darstellen, die gleichzeitig sogar wissenschaftlich korrektere Ergebnisse liefern.

„Die Amerikaner haben großen Nutzen aus dem Dienst der Schimpansen für die biomedizinische Forschung gezogen, doch neue wissenschaftliche Methoden und Technologien machen ihre Leistungen für die Forschung unnötig", so Collins in einer Presseerklärung, die den Beschluss 2013 begleitete.

Einen letzten Anstoss für die Verbannung der Schimpansen aus den Versuchslaboren war möglicherweise die Entscheidung des US Fish and Wildlife Service, die Tiere in die Liste bedrohter Arten aufzunehmen. Diese Klassifizierung bedeutet auch, dass jeder, der einem Schimpansen in Gefangenschaft Leid zufügt, eine spezielle Genehmigung benötigt. Eine Klausel, die nahezu jegliche medizinisch angelegten Tierversuche ausschließt.

Die Entscheidung der NHI wurde von Tierrechtlern begeistert aufgenommen und Collins als vorausschauender Akteur begrüßt. „Wir sehen schon vor unserem inneren Auge, wie die Behörde die Tür hinter den Schimpansen schließt und den Schlüssel zu den Laboren wegwirft", schreibt Wayne Pacelle, Geschäftsführer der Tierschutzsorganisation Humane Society, in einem begeisterten Blogpost.