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Der unschöne Riss im Fenster der ISS

Dieser Kratzer stammt von einem Objekt, das lediglich ein tausendstel Millimeter groß war.
24.5.16
Bild: ESA/ NASA

Die Panorama-Kuppel der ISS bietet den wohl schönsten Ausblick in die unendlichen Weiten des Weltalls, der Menschenaugen bisher vergönnt war. Allzu oft diente er schon als Aufnahmeort für fantastische Fotos, die die Astronauten zur Erde geschickt haben. Doch eine Sache, die man im Weltall lieber nicht beim Blick in die Ferne entdecken möchte, ist ein Riss in der Scheibe. Genau das hielt jedoch der Astronaut Tim Peak nun auf einem seiner Fotos fest—eine unbequeme Erinnerung an die Gefahren von vorbeirasendem Weltraummüll.

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Der Schaden beträgt nur einen Durchmeser von sieben Millimetern und birgt keine Gefahr für die Raumstation, da die Fenster der ISS aus Quarzglas und feuerfestem Borosilikatglas bestehen und solch ein kleiner Kratzer dem mehrschichtigen Material wenig anhaben kann. Allerdings schwingt bei solch einem Sprung im Fenster 400 Kilometer hoch über der Erdoberfläche dennoch ein wenig fatalistischer Schauder mit. Und da die Ursache für den Kratzer wohl nur eine Flocke abgeplatzer Farbe oder ein kleines Metallobjekt, nicht größer als ein paar tausendstel eines Millimeters, war, so die ESA, möchte man sich nicht ausmalen, was ein Crash mit einer abgefallenen Schraube verursacht hätte.

„Ich werde oft gefragt, ob die Internationale Space Station von Weltraumschrott getroffen wird. Ja—das ist der Splitter in einem unserer Kuppel-Fenster, zum Glück ist es vierfach verglast", so Tim Peake in einer Presseerklärung der ESA.

Während ein Sprung dieser Größe unbedenklich ist, könnte ein etwas größerer Schaden trotz umfangreicher Abschirmung der Station durchaus eine ernsthafte Bedrohung für das Leben an Bord darstellen. Ein Splitter mit einer Größe von über einem Zentimeter hat die Aufschlagskraft, die Schilde der Crew-Module zu durchdringen, und alles über zehn Zentimeter könnte einen Satelliten oder ein Raumschiff in Stücke reißen. Grund für diese enorme Schlagkraft selbst kleiner Objekte ist die Geschwindigkeit, mit der die ISS durch den Weltraum rast. 28.000 Kilometer pro Stunde legt die Raumstation zurück und die Objekte, mit der sie im All zusammenstößt, bringen zusätzlich noch einmal ein ganz schönes Tempo mit.

Doch die Raumfahrtorganisationen lassen sich von den möglichen Gefahren des Alls nicht abschrecken. „Die ESA nimmt in der Entwicklung von Richtlinien zur Trümmerabwehr und deren Umsetzung eine Spitzenposition ein, denn die beste Möglichkeit, Probleme mit Weltraumschrott zu vermeiden, ist diese von vornherein einzudämmen", so Holger Krag von der ESA. Diese Richtlinien werden nicht nur in Raumschiffen und Raumstationen eingesetzt, sondern gelten zusätzlich für die Entsorgung von Treibstofftanks und Batterien, um Explosionen zu vermeiden und Satelliten 25 Jahre nach ihrem Betriebsende sicher ausbrennen zu lassen.

Nur leider setzt sich das Müllproblem der Erde im Weltraum weiter fort und nimmt mit der voranschreitenden Erforschung des Alls und zunehmenden Raumfahrtprogrammen auch von kommerzieller Seite nur noch weiter zu. Und trotz aller Richtlinien und Vorsichtsmaßnahmen bleiben die Wege des Weltraumschrotts noch immer auch unergründlich. Guten Flug!