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Tech

Der luxuriöse Kampf des Kim Dotcom

von Patrick McGuire
06 Januar 2014, 10:18am

Im Oktober 2013 wurde VICE News vom berühmt-berüchtigten Technikmogul und Megaupload-Gründer Kim Dotcom auf sein prunkvolles Anwesen in Neuseeland eingeladen. Kim steht zwar unter Hausarrest, da er sich im Zentrum des größten Copyright-Prozesses der Geschichte befindet, aber er kann dennoch ein Aufnahmestudio in Auckland besuchen.

Tim Pool hat ihn also nicht nur in seiner Mega-Mansion getroffen, sondern war auch bei den Aufnahmen zu Kims bald erscheinenden EDM-Album dabei und hat ein paar Backup-Vocals beigesteuert. Vor dem Hintergrund seiner kontroversen Vorgeschichte, die bis in die Untiefen des Internets der 1990er und windiger Deals in der aufkommenden Computer-Wirtschaft in Deutschland reichen, aber vor allem auch durch eine Spezialkommando-Razzia auf seinem Anwesen im Januar 2012, die Kim's heutigen politischeren Kurs nachhaltig zu prägen scheint, haben wir uns natürlich mit ihm auch über Online-Überwachung, Filesharing und den anstehenden Prozess unterhalten.

Dabei gab Kim auch ein Detail der Strafverfolgungsmaßnahmen im Zuge des Prozess gegen Mega bekannt, welches bis dato geheim geblieben war: Auch bei seiner Mutter in Kiel klopfte ein Spezialkommando der Polizei an. „Am Tag der Razzia standen bei ihr deutsche Beamte mit Maschinengewehr vor der Tür, um den Mercedes Benz ML I zu beschlagnahmen, den ich ihr geschenkt hatte. Die Straße zu ihrem Haus wurde an zwei Enden abgesperrt, scheinbar damit keiner mit dem Wagen flüchten kann."

Kim berichtete mir, dass auch andere Personen in seinem engen Kreis angegriffen wurden: „Die private Konten meines persönlichen Assistenten und meines Sicherheitschefs sind immer noch konfisziert, ohne dass sie eines Verbrechens angeklagt oder überführt wären." Auch persönliche Gegenstände seiner Frau seien beschlagnahmt worden: „Geburtstagsgeschenke, Weihnachtsgeschenke. All die schönen Dinge, die ich ihr gekauft habe."

Du könntest den Eindruck bekommen, dass der Eifer mit dem die Behörden Kim Dotcom verfolgen, von einer ziemlich aggressiven Macht forciert wird. Die Botschaft dieser Razzien jedenfalls scheint zu sein, dass die Mächtigen niemanden akzeptieren werden, der Profit aus etwas macht, was sie als mögliche Unterstützung von Copyright-Verletzungen ansehen. Und Kim Dotcoms Kampf dagegen scheint noch lange nicht zu Ende zu sein.

Besonderer Dank geht an Donovan Leitch.

(Homepage Bild via flickR Sam_ChurchillCC BY 2.0)

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