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Dank Spieltheorie: So wirst du zum Seriensieger bei Schnick-Schnack-Schnuck

Chinesische Forscher haben eine todsichere Taktik entwickelt, mit der ihr nie wieder den Müll rausbringen müsst.
2.2.15
Brunnen gilt nicht. Bild (Hintergrund geändert): Pixabay | Gemeinfrei

Brunnen gilt nicht. Titelbild (Hintergrund geändert): Pixabay | Gemeinfrei

Solltest du in deinem Leben schon mal einen Schulhof betreten haben, dürften dir die Regeln des elegantesten aller Entscheidungsfindungs-Spiele bekannt sein: Stein schlägt Schere, Schere schneidet Papier, Papier wickelt Stein ein (und Brunnen gilt selbstverständlich nicht, weil es das Gleichgewicht der Gewinnmöglichkeiten verschiebt).

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Für dieses 4000 Jahre alte Spiel (das in Ägypten aber wahrscheinlich noch als Skarabäus-Papyrus-Stein gespielt wurde) eine todsichere Taktik parat zu haben, kann lebensrettend sein—oder dir zumindest das letzte Stück Pizza sichern. Nun haben Spieltheorie-Forscher von der Uni Hangzhou in China mit einem großangelegten Feldversuch dafür gesorgt, dass du niemals mehr in deinem Leben den Müll rausbringen musst und die ultimative Taktik für's Knobeln veröffentlicht.

Dafür wurden 360 Studenten von der Zhejiang University in Hangzhou abkommandiert, um stundenlang—300 Runden lang—in Pärchen Schnick-Schnack-Schnuck zu spielen. Ihre Entscheidungen wurden von den Mathematikern zu einem Paper zusammengefasst, das erstaunlich viel über das menschliche Taktikverhalten in Drucksituationen aussagt.

Erstens tendieren Menschen dazu, ihre erfolgreichen Strategien zu wiederholen (was einmal funktioniert, funktioniert doch bestimmt auch ein zweites Mal?!), zweitens versuchen Verlierer, ihre Taktik zu ändern. Nutz das gnadenlos aus. Da Menschen verhältnismäßig vorhersagbar irrational agieren, konnten die chinesischen Spielforscher die folgenden Strategien zum sicheren Gewinn ausfindig machen:

  • Die erste Strategie ist eine Kontertaktik: Wenn du verlierst, hat dein Gegenüber ja gewonnen, weil beispielsweise Stein gespielt wurde. Die Chance, dass dein Gegner siegessicher nochmal Stein spielen wird, ist jetzt sehr hoch. Das heißt für dich: Antizipiere das und spiele Papier. Oder anderes ausgedrückt: Spiele die Option, die gerade nicht vorkam.
  • Die zweite Strategie greift, wenn du gerade gewonnen hast und ist eine Art Finishing Move: Spiel das, mit dem dein Gegenüber gerade verloren hat. Denn er oder sie wird denken, dass du dieselbe Geste noch einmal spielen wirst.

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Wenn du dir das Dreieck oben im Bild anschaust, müsstest du in jedem Fall entgegen der Pfeilrichtung agieren. Und das war es auch schon. Diese ausgefeilte Taktik liegt im Grenzbereich zwischen Mathematik und Psychologie. Sie ist begründet in der Spieltheorie, der Wissenschaft über die Entscheidungsfindung von Menschen in kompetetiven Umfeldern. Bei Numberphile wird die Strategie noch einmal in angenehmem britischen Akzent genau erläutert:

Und für alle, die jetzt von einer Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Schnick-Schnack-Schnuck träumen (Preisgeld: 10.000 US-Dollar!), hat die „World Rock Paper Scissor Society" noch ein paar Profi-Strategietipps aus 4000 Jahren Spielgeschichte abseits von hoher Mathematik:

  • Männer neigen dazu, die Partie mit Stein zu eröffnen (kleine Machtgeste). Mach dir das zunutze.
  • Verwirre deinen Gegner mit Ehrlichkeit: Kündige deine Entscheidung an und zieh sie durch—es glaubt dir sowieso keiner, dass du gleich genau das spielen wirst, was du ansagst.
  • Spiel zuerst Schere. Statistisch gesehen gewinnt dieser Eröffnungszug am häufigsten.

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Forscher der Universität Tokio hatten bereits vor zwei Jahren einen Roboter entwickelt, der zu 100% beim Schnick-Schnack-Schnuck gewinnen kann. Er hat allerdings einen erheblichen Vorteil: Seine Sensorik ist so empfindlich, dass er die Spielzüge des Menschen innerhalb von Millisekunden vorhersehen und kontern kann. Also eigentlich ein Bescheiß-Roboter, denn eine faire Strategie kann man das wohl kaum nennen.

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Zur Weiterbildung empfehlen wir den immerhin 208 Seiten dicken „Offiziellen Stein-Papier-Schere-Strategie-Guide", in dem unter anderem auch so drängende Fragen beantwortet werden wie: „Schleift der Stein die Schere ab oder macht der Stein die Schere kaputt?" und: „Ist Schnick-Schnack-Schnuck ein Sport?"

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Wenn man die obenstehende, vom Schnick-Schnack-Schnuck-Experten David Lovelace entwickelte Variante mit 25 möglichen Symbolen spielt, ist die letzte Frage durchaus eine Überlegung wert. Achte bei allen komplexen Erweiterungen nur darauf: Knobeln ist nur Knobeln, wenn jedes Symbol genausooft geschlagen werden kann, wie es selbst andere schlagen kann.

Halte dich also einfach an diese simplen Hinweise und verlier auf keinen Fall die Nerven. Dann sollte sich das nächste Match um den Vordersitz im Auto oder ums Abspülen ziemlich leicht gewinnen lassen. Und falls gerade niemand als Sparringpartner zur Hand ist, kannst du hier bei der New York Times gegen einen Computer antreten und deine Taktik erproben.