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Anonymous will nach Nizza mit „totaler Mobilisierung“ gegen Terroristen kämpfen

Das lose Hackerkollektiv ließ es sich nicht nehmen, direkt nach dem Anschlag zu #OpNice aufzurufen—und erntet dafür Kritik aus eigenen Reihen.
19.7.16
Screenshot Youtube

Kaum war die Nacht des schrecklichen Anschlags am Donnerstagabend in Nizza vorbei, meldeten sich am Freitag auch schon Anonymous-Aktivisten mit einem Video zu Wort. In gewohnt melodramatischer Rhetorik verkünden die Hacker-Aktivisten von RedAnons Albania mit einer #OpNice gegen den Terrorismus und die Täter des Anschlags ins Feld ziehen zu wollen.

„Unser Ziel ist es, unsere Werte und unsere Freiheit zu verteidigen. Deswegen spüren wir die Mitglieder der Terrorgruppe auf, die für diese Taten verantwortlich ist", heißt es in dem Video. Gegen wen sich der Angriff von #OpNizza aber eigentlich genau richten soll, bleibt in dem Clip unbeantwortet. Was nicht verwunderlich ist, denn zu diesem Zeitpunkt war noch nicht einmal bestätigt, ob die Tat überhaupt ideologisch motiviert war.

Inzwischen mehren sich zwar die Hinweise, dass der Attentäter nicht alleine gehandelt haben soll und sich wohl besonders schnell zu einem Islamisten radikalisiert haben könnte—klare, von der Staatsanwaltschaft bestätigte Hinweise sind allerdings noch immer nicht veröffentlicht worden.

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Auch Anonymous France hat sich bereits mit einem ähnlichen Video zu Wort gemeldet und unter getragener Musik und vielen dramatischen Gesten zu #OpNice aufgerufen.

Andere Anonymous-Aktivisten kritisieren OpNizza unterdessen auf Twitter und weisen daraufhin, dass Anonymous gegen den IS-Terrorismus doch bereits mit #OpISIS ins Feld ziehe.

@RT_com #OpNice is bullshit. #OpISIS is already fighting extremism online and in real life
— TheCaliphateHunter (@HunterCaliphate) 19. Juli 2016

Im Zuge von #OpISIS soll es Anonymous in der Verganhenheit gelungen sein, rund 150 Websites des IS lahmzulegen, sowie über 100.000 Twitter-Accounts und knapp 6.000 Videos zu melden. Es ist aber mehr als fraglich, ob die Hackeraktivisten bei den Aktionen tatsächlich nur Unterstützer des IS erwischt haben sollten, oder nicht vielmehr auch Forscher und Journalisten, die den IS verfolgten, abschalteten und meldeten, wie Motherboard schon im November aufgeschlüsselt hat.

Außerdem könnte das Melden zahlreicher Twitteraccounts durchaus problematisch für die Arbeit der Geheimdienste sein, da durch die Löschung wichtige Informationen verloren gehen könnten. Auch der Anonymous-Ableger Ghost Security-Group errichtete ein selbst ernanntes „Anti-Terroristen-Netzwerk" mit einem Interface, über welches IS-verdächtige Online-Aktivitäten gemeldet werden können. Die ehemaligen Anonymous-Aktivisten liefern ihre Daten mutmaßlicher IS-Unterstützer allerdings direkt ans FBI und distanzieren sich von den Aktionen des losen Hacker-Kollektivs Anonymous.

Welche konkreten Aktionen die Hacker im Zuge von #OpNice diesmal durchführen wollten, ist dabei aus den Video-Clips ohnehin nicht ersichtlich. Tatsächlich sind einige Tage nach den Videos kaum vermehrte Löschungen oder Hacking-Aktionen gegen den IS oder anderen Terror-Unterstützer auf Twitter erkennbar. Auch die „totale Mobilisierung" scheint bisher wenig erfolgreich: Anders als bei vergangenen Aktionen solidarisieren sich bisher sowohl von größeren als auch kleineren Anon-Accounts nur wenige Sympathisanten mit #OpNice.