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Jugendliche, die Energydrinks konsumieren, erleiden häufiger Hirnverletzungen

Laut einer neuen Studie ist der Zusammenhang zwischen ernsthaften Hirnverletzungen und Energydrinks verblüffend.
Hilary Pollack
Los Angeles, United States
23.9.15

Als Energydrinks vor einigen Jahrzehnten das erste Mal auf den Markt kamen, hielt man sie für ziemliche Wundermittel. Der erste „Energydrink" wie wir ihn heute kennen wurde in den 1960er-Jahren in Japan erfunden, aber so richtig los ging es erst, als Red Bull 1987 sein Produkt auf dem österreichischen Markt einführte. Darauf folgten Nachahmer in Hülle und Fülle und Zocker, Raver, LKW-Fahrer und Athleten fanden über ihr neu entdecktes Bedürfnis nach dem süßen, taurinhaltigen Getränk zusammen.

Dann kam der Rückschlag. In den USA reizten Hersteller jegliche Möglichkeiten aus und mischten Energydrinks mit Starkbier. Schnell zeigten einige Vorfälle und das darauffolgende Verbot der ursprünglichen Rezeptur der amerikanischen Getränke Sparks und Four Loko, dass das keine so gute Idee war. Ein paar Jahre später folgten dann auch noch Berichte, dass der regelmäßige Konsum von Energydrinks zu einem frühzeitigen Tod führen könnte.

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Aber die Verkaufszahlen der Getränke stiegen während des letzten Jahrzehnts weiterhin steil an, gleichzeitig blieb der Umsatz von Kaffee relativ konstant. Energydrinks sind also offensichtlich gekommen, um zu bleiben. Und die Fans der Getränke müssen mit den Risiken leben. Auch wenn Schädel-Hirn-Traumata dazu zählen.

Laut einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht wurde, ist der Zusammenhang zwischen ernsthaften Hirnverletzungen und Energydrinks verblüffend. Forscher haben herausgefunden, dass bei Jugendlichen, die im vergangenen Jahr ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, die Wahrscheinlichkeit sieben Mal höher war, dass sie in der vergangenen Woche fünf oder mehr Energydrinks konsumiert haben, im Vergleich zu Jugendlichen ohne solche Verletzungen.

Ungefähr 10.000 Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren nahmen an der Studie teil. Die Daten wurden mittels eines Fragebogens gesammelt. 22 Prozent der Gruppe berichteten von einem Schädel-Hirn-Trauma, das heißt, sie haben das Bewusstsein für mindestens fünf Minuten verloren oder verbrachten als Folge ihrer Verletzung mindestens eine Nacht im Krankenhaus.

Etwa bei der Hälfte der Jugendlichen passierte die Hirnverletzung beim Sport. Das ergibt Sinn: Wenn man einen schnellen Energiekick vor einem Spiel oder Training braucht, greift man zu einem überall erhältlichen Getränk, das die Konzentration verbessert und aufputscht. Die Studie zeigte, dass von den Jugendlichen mit Hirnverletzung im vergangenen Jahr jene, die sich die Verletzung beim Sport zuzogen, zwei Mal so häufig Energydrinks konsumierten als die, deren Verletzungen andere Ursachen hatten.

Jugendliche, die im letzten Jahr ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, mischten außerdem die aufputschenden Getränke doppelt so häufig mit Alkohol.

Wer nach einer Hirnverletzung weiterhin Energydrinks konsumiert, kann dadurch den Heilungsprozess verlangsamen, sagt der Neurochirurg Dr. Michael Cusimano zu Science Daily: „Energydrinks … enthalten sehr viel Koffein und verändern den chemischen Zustand des Körpers, was Betroffene darin behindern kann, sich nach einem Schädel-Hirn-Trauma zu erholen … Hirnverletzungen unter Jugendlichen sind besonders besorgniserregend, weil sich ihr Gehirn noch entwickelt."

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma haben viele Patienten mit Problemen wie Angstzuständen und Depressionen, Gewalt, Drogenmissbrauch, Konzentrationsschwierigkeiten und abfallender akademischer Leistung zu kämpfen.

Laut eines Berichts räumen etwa acht der zwölf größten Energydrink-Hersteller ein, sich Minderjährige zur Zielgruppe ihrer Produkte zu nehmen. Heute gibt es mehr verschiedene Sorten von Energydrinks denn je, wie ein Besuch in jedem beliebigen Supermarkt zeigen wird und Jugendliche kippen die zuckrigen Getränke ohne lange darüber nachzudenken hinunter.

Während in manchen US-amerikanischen Bundesstaaten bereits über ein Energydrink-Verkaufsverbot für unter 18-Jährige diskutiert wird, könnten vorerst deutliche Warnungen auf dem Etikett ein logischer nächster Schritt sein.