Das sind die erniedrigenden Regeln für die Schalke-Fans in Saloniki

Aus Angst vor erneuten Ausschreitungen müssen sich S04-Fans in Griechenland einem enorm strengen Sicherheitskonzept unterziehen. „Pipi machen" ist nicht. Und bestimmte Fans dürfen das Stadion gar nicht erst betreten.

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16 Februar 2017, 11:20am

Foto: Imago

Ein Kurztip nach Thessaloniki könnte so schön sein. Doch die Vorzeichen vor dem Europa-League-Aufeinandertreffen zwischen PAOK Saloniki und Schalke 04 stehen nicht gerade auf Wellness-Trip mit eingebautem Fußball-Picknick. Grund dafür sind die zahlreichen Auflagen, denen sich die Schalker beugen müssen. Vorausgegangen war ein Vorfall, der inzwischen dreieinhalb Jahre zurückliegt. Damals standen sich beide Klubs in den Playoffs zur Champions League gegenüber, als eine mazedonische Flagge in der Nordkurve in einem Blocksturm der Gelsenkirchener Polizei und 89 Verletzten mündete. Griechenland, ganz besonders die Region Makedonien (Saloniki ist die Hauptstadt der Region), erkennt den Staat Mazedonien nicht an. Dumm nur, dass S04 eine Fanfreundschaft mit Ultras des mazedonischen Rekordmeisters Vardar Skopje unterhält ...

Um einer erneuten Eskalation vorzubeugen, wurde jetzt ein Regel-/Vorschriften-/Hinweis-/Pflichten-Katalog für mitreisende Fans auf der S04-Homepage veröffentlicht. Und der hat es in sich. Wir haben die Negativ-Highlights herausgeschrieben – wer den kompletten Regelkatalog lesen möchte, kann das gerne hier tun.

1. Am Spieltag hat die griechische Polizei den „Platz am Weißen Turm" am Rand der Altstadt als Treffpunkt für Schalke-Fans vorgeschrieben und kann nur dort einen sicheren Aufenthalt garantieren. Generell werden S04-Fans gebeten, auf jegliche Fanartikel zu verzichten und nicht als größere Gruppe aufzutreten.

2. Vom Versuch, auf eigene Faust zum Stadion zu gelangen, wird dringend abgeraten.

3. Vom Weißen Turm aus sollen immer fünf Busse im Konvoi zum Stadion fahren – mit Wartezeiten ist also zu rechnen.

4. Vor dem Einstieg in die Busse ist eine Kontrolle durch die Polizei angekündigt, bei der Ausweis und Ticketnummer (der im Vorfeld personalisierten Tickets) abgeglichen werden.

5. Es dürfen keine Getränke mit in den Bus genommen werden, in den Bussen wird es kein WC geben. Die Routenwahl ist abhängig von der griechischen Polizei, es muss mit bis zu 45 Minuten Fahrzeit gerechnet werden.

6. Die Busse werden nach der Ankunft am Stadion einzeln und nacheinander entladen.

7. Am Eingang erfolgt zunächst eine erneute Kontrolle von Ticket und Ausweis durch Ordner und Polizei, der Zugang erfolgt durch eine kleine Tür, gefolgt von vier Drehkreuzen.

8. Im Block werden Polizei und Ordner anwesend sein, die untersten Stufen müssen deshalb freigelassen werden.

9. Zaunfahnen sind zwar erlaubt, hiervon wird allerdings abgeraten, da für die Sicherheit der Fahnen nicht garantiert werden kann.

10. Die Polizei entscheidet nach Abpfiff über die Länge der Blocksperre, diese wird allerdings mindestens eine Stunde dauern. Im Anschluss daran erfolgt der Shuttle zurück zum Weißen Turm, wo man sich nach Möglichkeit Taxen organisieren soll.

Hatten wir schon erwähnt, dass mazedonischen Staatsbürgern, insbesondere Vardar-Skopje-Fans, der Zutritt zum Stadion generell verwehrt wird? „Unabhängig von der betroffenen Nationalität und unserem persönlichen Bezug zu den Anhängern von Vardar Skopje, sind wir schockiert über diese Vorgaben und die Vorgehensweise der Offiziellen von PAOK Saloniki", erklärten die „Ultras Gelsenkirchen" dazu auf ihrer Website. Sie stellten unter anderem die Frage, wie es „auf offiziellen und legalem Wege" möglich sein kann, „Fußballfans aufgrund ihrer Herkunft von einem Fußballspiel auszuschließen und somit öffentlich zu diskriminieren."

Klingt alles in allem so, als würde sich der Stress für 90 Minuten Live-Fußball lohnen.

Update: Wie das Fußballmagazin Westline berichtet, widerspricht die Uefa auf Nachfrage einer besonderen „Nicht-Zulassung" für mazedonische Fans. So habe PAOK bestätigt, dass es „keine besonderen Kontrollen" auf Zuschauer mit mazedonischem Pass geben werde. Laut des Portals soll dagegen die Frage, ob entsprechende Fahnen oder Fanutensilien geduldet würden, unbeantwortet geblieben sein.