Mode

Osiris bringt den umstrittensten Skateschuh aller Zeiten zurück

Der aktuelle Retro-Trend der Schuhhersteller hat den bisherigen Höhepunkt erlebt. Der unfassbar klobige D3 kommt zurück und Skater dürfen sich wieder aufregen.
13.7.16
Foto: Instagram

Der D3 war nie wirklich von der Bildfläche verschwunden. Vergleichbar mit dem Faber-Trikot vom VfL Bochum taucht er in jeder Top- und Flopliste auf, außerdem war er in der Fuß-Fetisch-Szene dauerhaft beliebt. Anfang des Jahres brachte die Skarteboad-Marke Baker ein Skateboard-Deck zu Ehren des ehemaligen Schuhes heraus. Jetzt hat sich Osiris zum Re-Release entschieden und geht damit mit dem aktuellen Retro-Trend mit. Adidas brachte dieses Jahr den ersten ClimaCool zurück und Nike hat beispielsweise den Air Presto neu aufgelegt. Futuristische Modelle aus 2000 sind also 2016 wieder heißer Scheiß.

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Schon damals war der klobige Schuh von Osiris der meistverkaufte Skateschuh überhaupt und wurde—entgegen den eigentlichen Vorstellungen von Designer und Namensgeber Dave Mayhew—zu einem Massenprodukt. Mayhew war Profiskater und Osiris war einer seiner Sponsoren. Der D3 war sein dritter Schuh für diese Marke—daher der Name. Mit dem D3 begann nicht nur ein Wendepunkt in seiner Karriere, sondern auch in der Skateboardindustrie.

Bevor Mayhew seine eigenen Schuhe hatte, wurde er ausschließlich von seinem Boardsponsor bezahlt. Skateboarding wurde schließlich Ende der 90er-Jahre gerade erst zu einem Big Business. 1995 wurden die X-Games ins Leben gerufen, 1999 machte Tony Hawk seinen ersten 900 und im selben Jahr wurde sein erstes Videospiel veröffentlicht—mit dem berühmten Warehouse-Level, ihr erinnert euch? Ein Jahr später kam schließlich der D3. Mayhew erklärte, dass es ein ungewöhnliches Gefühl war, einen eigenen Schuh zu haben. Das war bis dato nur Top-Pros wie Danny Way oder Eric Koston vorenthalten.

Der D3 auf seinem ursprünglich vorgesehenen Einsatzort: Dem Skateboard; Foto: flickr.com/photos/sneakerphotography; CC BY-ND 2.0

In den 90ern dominierten Baggy-Hosen das Bild der Skaterszene, „big pants small wheels" entwickelte sich zum geläufigen Ausdruck. Um den immer weiteren Hosen Einhalt zu gebieten, wurden auch die Schuhe nach und nach breiter. Mayhew wollte für sein drittes Model etwas Besonderes. „Damals kamen mehr und mehr Skateschuhe in die Läden und ich wollte nicht der Typ mit dem gleichen Schuh wie alle anderen sein", so Mayhews Begründung. Osiris ließ ihm beim Design freien Lauf. Für die deutlich sichtbaren, seitlichen Schnürsenkelösen orientierte er sich an Wanderschuhen. Wie breit der D3 im Endeffekt wurde, zeigt sich darin, dass Osiris den Schuh als Snowboard-Boot nahezu unverändert verwenden konnte.

Doch nach der Veröffentlichung interessierte sich zunächst niemand für den Schuh. Erst ein gutes halbes Jahr später ging der Hype los. Was für Buffalos Platteauschuhe die Spice Girls waren, war für den D3 unter anderem Fred Durst von Limp Bizkit und Avril Lavigne. Letztere trug die Schuhe sogar auf ihrem Albumcover. Skateshops kamen mit Bestellungen gar nicht mehr hinterher. Mayhew erinnert sich: „Es gab Skateshop-Besitzer, die mich zur Seite nahmen und erklärten, ein zweites Haus gekauft zu haben, weil sich der Schuh so gut verkaufte." Auch er selbst verdiente deutlich besser. Sein größter Scheck betrug 80.000 Dollar—ein Unterschied zu den monatlichen 1.500-3.000 Dollar, die er vorher von seinem Boardsponsor bekam. Während der Schuh im Mainstream immer beliebter wurde, kehrten Skater ihm den Rücken, sogar Mayhew selbst: „Selbst wenn ich in eine Kleinstadt in Iowa mit 50 Einwohnern kam, trugen diese 50 meine Schuhe. Das hat sich komisch angefühlt." Der große Hype hielt etwa drei Jahre an und machte den D3 zum bestverkauften Skateschuh seiner Zeit.

Der beliebteste Skateschuh dieser Tage, hier als Midtop; Foto: flickr.com/photos/ileohidalgo; CC BY 2.0

Mit den heutigen Skateschuhen hat er nicht mehr viel gemeinsam. Während man um die Jahrtausendwende noch versuchte, möglichst viel Technologie in die Schuhe zu packen—Ollie Pads, Dämpfungssysteme und Schnürsenkelschutz—geht der Trend heute zu einfachen Modellen. Der „Janoski" von Nike ist der D3 der heutigen Generation—in weniger klobig. Ursprünglich als Skateschuh entwickelt, wurde auch er zum Verkaufsschlager in verschiedenen Ausführungen. Jetzt ist also der D3 von Osiris zurück. Eine ernsthafte Konkurrenz für Nike wird er wahrscheinlich nicht mehr. Wir sind trotzdem gespannt, wer die Hauptabnehmer sein werden—Fred Durst oder Fetisch-Anhänger?