Wir haben stinkreiche Menschen gefragt, was ihnen Sorgen bereitet

Richard, 56, Vermieter, fragt sich manchmal, ob er einfach ein Arschloch ist.
15.10.20
Ein stinkreicher Mann neben seinem Porsche
Symbolfoto: VICE

Reiche Menschen haben andere Sorgen als Durschnittsmenschen. Mietkosten können ihnen egal sein, ein voller Kühlschrank ist bei ihnen immer nur einen Mausklick entfernt und selbst der Weg zur Arbeit ist ein Klacks, wenn man sich immer ein Taxi leisten kann.

Aber auch reiche Menschen sind Menschen und haben bestimmt Sorgen, die sie nachts nicht schlafen lassen. Aber welche sind das genau? Wir haben bei gut betuchten Leuten nachgefragt. Einige von ihnen wollen hier lieber nicht ihren richtigen Namen stehen sehen. Wichtig zu wissen: Wir haben die Gespräche vor dem großen Corona-Ausbruch geführt.


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Jonah, 27, Software-Ingenieur, sorgt sich um seine Katze

Eigentlich kann ich nachts immer gut schlafen, außer wenn jemand aus meiner Familie ernsthaft krank ist. In letzter Zeit habe ich mir nur Sorgen gemacht, als es meiner Katze nicht gut ging. Zum Glück kann ich – ohne groß darüber nachzudenken – viel Geld ausgeben. Also ließen wir einen guten Tierarzt zu uns kommen, der meine Katze erfolgreich behandelte.

Bei finanzieller Sicherheit geht es nicht nur um offensichtliche Dinge wie Miete oder ausstehende Rechnungen. Es geht auch um solche Sachen wie mit meiner Katze, die sich mit Geld eben einfacher klären lassen. Was mir derzeit am meisten Sorgen macht, ist die Politik. Wirklich stressen tut mich dieses Thema aber auch nicht. Im Grunde könnte ich mit meinem Job im Notfall auch schnell in ein anderes Land ziehen. Die Frage, was mir Sorgen bereitet, ist bei mir sowieso irgendwie sinnlos, weil sie impliziert, dass man neue Sorgen haben muss, wenn einem Geldnot keine Probleme mehr bereitet. Aber das ist bei mir eben nicht der Fall.

Richard, 56, Vermieter, fragt sich manchmal, ob er ein Arschloch ist

Bei mir sind es die üblichen Dinge, zum Beispiel meine Gesundheit oder ob ich die Tür abgesperrt habe oder nicht. Manchmal frage ich mich aber, ob mein soziales Umfeld mich mag. Bin ich ein Arschloch, wenn ich Urlaubsbilder poste oder wenn ich mit Freunden über meine Investments und Shopping-Touren rede?

Außerdem sorge ich mich um die Welt, wenn alles den Bach runtergeht. Die Annahme, dass sich Leute nur um Geld sorgen und reiche Menschen deswegen keine Probleme haben, ist falsch. Viele reiche Leute sorgen sich um die größere Community, in der ihr eigener Erfolg und ihre eigenen Annehmlichkeiten hinten anstehen. Wenn man die Ursachen für die egozentrischen Sorgen einer Person minimiert, dann fokussiert sich diese Person mehr auf die allgemeinen Probleme der Community.

Natalia, 23, Erbin, hat Angst, gehasst zu werden

Ich mache mir Sorgen um mein öffentliches Bild und darüber, ob die Leute mich mögen oder nicht. Ich rede zwar nicht gerne über mein Geld, aber das Thema kommt schnell auf, wenn es um Urlaube oder Hobbys geht. Ich will nicht, dass sich dann jemand schlecht oder unwohl fühlt. Aber ich weiß, dass mein Reichtum dazu führen kann, dass andere Leute mich hassen oder negativ über mich denken – egal ob nun aus Neid oder Unsicherheit. Sie können sich nicht vorstellen, Tausende Euro für Schuhe oder Handtaschen auszugeben – aber für mich ist das ganz normal.

Alan, 68, Investmentbanker im Ruhestand, vermisst die Bestimmung, die ihm sein Job gab

Ich muss nicht mehr arbeiten, bin frei und habe quasi unerschöpfliche finanzielle Ressourcen. Warum bin ich trotzdem nicht glücklich? Worauf legt man seinen Fokus, wenn fast alle Hauptbedürfnisse gedeckt sind? Viele Leute gehen zur Arbeit, weil sie sonst nichts Besseres mit sich anzustellen wissen. Die Bestimmung, die ein Job einem gibt, spielt da eine wichtige Rolle. Ohne Bestimmung gibt es keine Motivation, ohne Arbeit muss man diese Leere selbst füllen. Es ist essenziell, sich mit der eigenen Zufriedenheit intensiv zu beschäftigen.

Ich mache mir zudem Sorgen, dass mich meine Freunde oder neu kennengelernte Menschen nicht mehr verstehen können. Die Probleme, die man hat, wenn Geldsorgen nicht mehr vorhanden sind, sind so anders, dass einen die Durchschnittsmenschen nicht mehr verstehen. Das ist eine ganz andere Welt.

Walter, 27, Erbe einer Restaurantkette, zweifelt, ob seine Freunde ihn mögen oder nur sein Geld

Ich ging zwar auf eine Privatschule, hatte aber trotzdem unverhältnismäßig mehr Geld als meine Mitschüler. Das war mir immer bewusst, weil ich teurere Klamotten trug und in teureren Autos abgeholt wurde. So fiel ich auf und machte mir Gedanken darüber, ob meine Freunde wirklich mich mochten oder nur mein Geld. Diese Sorge ist nie wirklich weggegangen. Manchmal frage ich mich, ob meine Freundin, mit der ich jetzt schon mehrere Jahre zusammen bin, mich liebt oder nur den Lifestyle, den ich ihr ermögliche. Ich bin mir bei den Leuten in meinem Leben immer etwas unsicher und denke sehr viel über dieses Thema nach.

Giles, 48, Investmentbanker, befürchtet, dass seine Frau fremdgeht

Ich mache mir um meine Töchter und ihre Zukunft Sorgen. Wegen meiner Arbeit verbringe ich nicht so viel Zeit mit ihnen und meiner Frau. Aber ich liebe meinen Job und das damit verbundene Geld. Aber ich habe Angst, dass mir meine Familie das irgendwann verübelt oder dass meine Frau eine Affäre beginnt, obwohl ich ihnen dank meines Gehalts ein komfortables Leben ermögliche. Ich mache mir außerdem Sorgen wegen des Klimawandels, weil dieses Problem vor allem meine Töchter betrifft und von keinem Geld der Welt gelöst werden kann. Klar macht Geld das Leben einfacher, aber es rückt auch die wichtigeren Dinge wie Familie, Gesundheit und aktuelle Ereignisse in den Fokus.

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