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Wir haben wirklich schlimme Airbnb-Erfahrungen gesammelt

Egal ob Cannabis-Connaisseure, Shitstorms oder zwielichtige Cousins, auf jede positive Airbnb-Buchung kommt mindestens eine komische. Wir haben mehrere dieser eher merkwürdigen Erfahrungen zusammengetragen.

von Flavia Guidi
19 Juni 2016, 4:00am

Ich habe Airbnb zum ersten Mal genutzt, als ich vor ein paar Jahren Urlaub in Barcelona machte. Während ich mein Zimmer buchte, fragte ich mich allerdings, wie ich mir denn überhaupt so sicher sein könnte, dass nicht irgendwelche Messis, Staub, Katzenhaare und vielleicht sogar Skelette das Haus bevölkern, in dem ich übernachten wollte. Letztendlich landete ich dann aber bei einem jungen Mann und einer jungen Frau, die sich mit mir bis um 04:00 Uhr durch Barcelona tranken. Bei meiner Abreise war ich mir dann sicher, dass ich für meine Trips nie wieder etwas anderes als Airbnb nutzen würde.

Natürlich hat eine Airbnb-Erfahrung auch noch andere Facetten als nur durstige Wohnungsbesitzer. Zum einen zeigt sich hier die dunklere Seite der Sharing Economy, an die man oftmals gar nicht denkt: Die Gäste könnten zum Beispiel irgendwelche unangenehmen Menschen sein und das Prinzip des Teilens bedeutet auch nicht automatisch, dass das Unternehmen nur das Beste für uns will – mal ganz abgesehen von den Problemen mit den Steuern. Zum anderen bleibt bei einem Airbnb-Abenteuer auch immer ein gewisses Restrisiko. Ich meine, es gibt eben keine hundertprozentige Garantie, dass das Zimmer oder die Wohnung letztendlich wirklich so aussieht wie auf den Fotos oder ob es sich bei dem Inserat nur um die Wunschvorstellung der Vermieter handelt. Und ein paar wenige Zeilen Feedback können die Merkwürdigkeit anderer Menschen garantiert nicht wettmachen.

Alle Illustrationen: Dalí Geralle

Auf jede positive Airbnb-Erfahrung kommt mindestens eine irgendwie komische. Wir haben im Folgenden mehrere dieser eher merkwürdigen Erfahrungen zusammengetragen.

Reykjavík durch die grüne Brille

Da ich etwas knapp bei Kasse war, buchte ich für meinen Urlaub einen Billigflug mit langem Zwischenstopp in der isländischen Hauptstadt Reykjavík. Ich sollte um 23:00 Uhr dort landen und erst um 07:00 Uhr weiterfliegen. Da ich weder großartigen Stress haben noch die Nacht am Flughafen verbringen wollte, entschied ich mich dazu, mir eine Airbnb-Unterkunft zu holen. Ich stellte die kleinstmögliche Preisspanne ein und auf meinem Bildschirm erschien daraufhin nur noch eine einzige Bleibe, nämlich der Schlafsack im Wohnzimmer von irgendeinem Typen. In der Beschreibung konnte ich dann noch folgende Worte lesen: "Ich rauche. Falls das für dich ein Problem ist, solltest du lieber eine andere Unterkunft suchen. 420."

Ich dachte mir, dass ich im schlimmsten Fall einfach nur ein paar Joints buffen müsste. Es sollte sich nach meiner Ankunft jedoch herausstellen, dass mein Gastgeber ein so leidenschaftlicher Kiffer war, dass er das Ganze zu seinem Beruf gemacht hatte. Und so verbrachte ich letztendlich die ganze Nacht im Wohnzimmer eines Grasdealers, der seine Kunden die verschiedenen Marihuana-Sorten auch direkt vor Ort ausprobieren ließ. Als ich um 05:00 Uhr hinter dem Sofa hervorkroch, war ich selbst bis in die Haarspitzen bekifft. Ich machte mir dann beim Security-Check am Flughafen vor Lachen auch noch fast in die Hose.

– Mattia, 23

Der Cousin aus Bergamo

Meine Eltern besitzen eine Wohnung im Stadtzentrum von Mailand, die man ohne Probleme als "geräumig und hell" sowie "in einem imposanten Gebäude befindlich" beschreiben kann. Meine Mutter hat auch wirklich viel Herzblut reingesteckt, um die Wohnung so schön wie nur möglich herzurichten und zu dekorieren. Irgendwann zogen meine Eltern dann jedoch aufs Land und mein Bruder und ich konnten sie davon überzeugen, das Ganze als Airbnb-Unterkunft anzubieten. Wir würden uns um alles kümmern und im Gegenzug einen Teil des Gewinns einbehalten. Auf dem Papier der perfekte Deal.

Bis vor einem Jahr hatten wir damit auch überhaupt keine Probleme, aber dann kamen zwei Frauen um die 30, die die Wohnung für zehn Tage mieteten. Bei der Schlüsselübergabe machten sie auch noch einen richtig netten Eindruck, aber ein paar Tage später rief der Pförtner bei meiner Mutter an. Es war ihm offensichtlich ziemlich peinlich und er wollte eigentlich keine "vorschnellen Schlüsse" ziehen, aber er erzählte ihr schließlich davon, dass in letzter Zeit ständig irgendwelche Männer im Gebäude ein- und ausgingen, die zwar nicht genau wussten, wo sie hinmussten, aber immer wieder unsere Wohnungsnummer erwähnten.

Meine verdutzte Mutter rief daraufhin natürlich sofort bei einer der beiden Frauen an. Die beruhigte sie jedoch und versicherte ihr, dass es sich nur um einen einzigen Mann handeln würde – nämlich einen Cousin aus Bergamo. Ich weiß nicht genau, ob meine Mutter ihr glaubte oder es ihr einfach nur zu peinlich war, noch weiter nachzuhaken. Spätestens als sie die ganzen benutzten Kondome in den Mülleimern der Wohnung vorfand, wusste sie jedoch Bescheid. Sie desinfizierte alles und ließ mich dabei auch nicht helfen.

– Silvia, 27

Motherboard: Deutsche verklagt Airbnb, nachdem sie versteckte Kamera in Wohnung entdeckt

Ein Shitstorm im wahrsten Sinne des Wortes

Anfangs erschien alles noch ganz normal: Meine Gastgeber waren die 30-jährigen Jason und Ann – ein Pärchen aus London, das ein Zimmer seiner Wohnung bei Airbnb eingestellt hatte. Besagte Wohnung war laut der Anzeige dabei so groß, dass es eine Schande wäre, sie ungenutzt zu lassen. Ein weiterer Vorteil: Die Unterkunft befand sich auch nur einen Katzensprung von dem Büro entfernt, wo ich am darauffolgenden Tag ein Vorstellungsgespräch haben sollte. Nach meiner Ankunft musste ich jedoch schnell feststellen, dass "Es wäre eine Schande, sie ungenutzt zu lassen" eigentlich "Wir nutzen auch noch den letzten Winkel dieser Wohnung" bedeutete. Jedes Zimmer hatte man zu einer Unterkunft umfunktioniert – sie trugen sogar Nummern und jemand hatte die eingerahmte Hausordnung an die Wand genagelt. Jason wohnte irgendwo anders und auch von Ann gab es keine Spur.

In den anderen Zimmer herrschte Ruhe, bis irgendjemand gegen 23:00 Uhr plötzlich anfing, auf Polnisch zu fluchen. Einer der Gäste – eine freundlicher Typ aus Polen – hatte die Toilette benutzt und musste anschließend feststellen, dass sein großes Geschäft nicht ordentlich abfließen wollte. Mit der Hilfe seines Zimmernachbarn hat er dann sogar ein Gebräu zusammengemischt, um die Rohre wieder freizubekommen. Unser Gastgeber Jason war übrigens nicht zu erreichen.

Es stellte sich heraus, dass der Toiletten- und Duschabfluss im Grunde nur zu einem Loch im Boden führte. Ich kann nicht genau erklären, was dann passierte, aber sagen wir es mal so: Die schäbige Klempnerarbeit, die Überbelegung der Wohnung und das zusammengemischte Gebräu sorgten in Kombination dafür, dass der Inhalt des Klos explodierte und die Scheiße auf uns Aushilfsklempner herabregnete.


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Die Toilette machte dann noch für den Rest der Nacht ganz komische Geräusche, während ich mich am Waschbecken so gut wie möglich sauber machte, Jason mit Nachrichten bombardierte und mich letztendlich dazu zwang, die Augen zuzumachen. Das Vorstellungsgespräch für mein Praktikum verlief dann übrigens auch echt beschissen. Ich will das jetzt nicht komplett auf den Gestank meiner Klamotten und meines Körpers schieben, aber man kann wohl auch nicht ausschließen, dass das Ganze etwas mit dem negativen Eindruck bei den Arbeitgebern zu tun hatte.

– Francesca, 24

Kulturelle Missverständnisse

Vor ein paar Jahren vermietete ich meine Wohnung während einer Möbelmesse an amerikanische Touristen. Das Ganze war im April, aber es war trotzdem noch vergleichsweise kühl für diese Zeit des Jahres.

Als ich dann mal kurz in meine vier Wände zurückmusste, um die Pflanzen auf der Terrasse zu gießen, schlug mir eine Bullenhitze entgegen, als ich die Eingangstür öffnete. Es war fast so, als hätte man meine Wohnung in eine Sauna verwandelt. Meine Gäste hatten das Thermostat auf 39 Grad gedreht und der Heizkessel lief auf Hochtouren. Zwar versicherten mir meine Gäste, dass sie die Temperatur erst am Vortag so hochgeschraubt hätten, aber die Heizrechnung sagte mir dann später etwas anderes.

– Sara, 33

Gastfreundschaft mit Hintergedanken

Vor einigen Jahren entschieden sich mein damaliger Freund und ich dazu, Sizilien zu erkunden. Wir hatten vorher noch nie Probleme mit Airbnb gehabt und auch auf der Mittelmeerinsel lief alles glatt – mit Ausnahme unseres Zwischenstopps in Agrigent.

Der Besitzer der Wohnung war während unseres dreitägigen Aufenthalts selbst nicht anwesend und einer seiner Freunde sollte die Schlüsselübergabe in die Hand nehmen. Leider lag unsere Bushaltestelle mehrere Kilometer von der Wohnung entfernt, aber zum Glück erklärte sich besagter Freund ganz höflich dazu bereit, uns dort abzuholen. Nach einer kurzen Autofahrt zeigte er uns die Wohnung – ein wirklich nettes Einzimmerapartment inklusive kleiner Terrasse und Meerblick. Im Kühlschrank befand sich als Willkommensgeschenk sogar eine Flasche Prosecco. Der Start war also gar nicht schlecht und obwohl unser Ersatzgastgeber etwas viel redete, machte er einen richtig freundlichen Eindruck.

Nach einer guten halben Stunde Smalltalk auf der Terrasse (dabei redete zum Großteil nur er) kamen wir zu der Einsicht, dass unser Ersatzgastgeber keine Anstalten machte, nach Hause zu gehen. Stattdessen bot er uns an, uns zur Autovermietung zu begleiten, um mit uns unseren Wagen abzuholen. Wir ließen ihn gewähren. Nachdem wir uns schließlich die Autoschlüssel abgeholt hatten, fingen wir an, uns zu verabschieden und ihm für alles zu danken, aber plötzlich wollte er uns einen Aperitif auf seinem Segelboot ausgeben. Zwar erschien uns dieses Angebot etwas übertrieben, aber wer schlägt denn schon einen Aperitif auf einem Segelboot aus? Und so willigten wir (wenn auch etwas zögerlich) ein und dankten ihm vielmals.

Auf dem Weg zur Anlegestelle hielten wir noch schnell bei einem Supermarkt und er bestand darauf, den Einkauf komplett selbst zu bezahlen. Uns erschien das fast schon zu großzügig, aber wir wollten die Rechnung später begleichen und außerdem soll es ja auch sehr gastfreundliche Menschen geben. Das Segelboot war richtig schön. Es kam dann auch noch eine junge Frau vorbei, um uns Gesellschaft zu leisten. Wir ließen die Korken knallen und ich äußerte mich dann schon etwas angetrunken vollen Lobes zur Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft der Sizilianer. Gegessen haben jedoch nur mein Freund und ich.

Als es dann wirklich an der Zeit war, uns zu verabschieden, fragte ich: "Was schulden wir dir für den Einkauf?" Unser Gastgeber antwortete: "Für den ganzen Tag und den Aperitif sind das 35 Euro pro Nase. Aber machen wir einfach 60."

Wir meinten, dass wir nicht so viel Geld dabei haben und die Schulden stattdessen am Ende unseres Aufenthalts begleichen würden. Insgeheim hofften wir jedoch darauf, das Ganze mit dem eigentlichen Besitzer der Wohnung klären zu können. Der schien am Telefon jedoch nicht wirklich überrascht zu sein und sagte, dass uns sein Freund ja den ganzen Tag herumgeführt und auf sein Segelboot gelassen hätte. Dann stellte er noch die Frage, wann uns denn so etwas noch mal passieren würde. In anderen Worten: Wir sollten lieber nicht so knausrig sein. Bis zu unserer Abreise bombardierte er uns noch mit weiteren Anrufen. Da sich zwischen ihm und meinem damaligen Freund schon ein handfester Streit anbahnte, einigten wir uns schließlich auf 40 Euro.

– Gabrielle, 28

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