Wenn du 'Stranger Things' magst, wirst du diese Filme lieben

Wir haben eure derzeitige Lieblingsserie dekonstruiert und die passenden 80er-Jahre-Filme zu ihren wichtigsten Elementen hergeleitet.

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09 August 2016, 5:00am

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Stranger Things. Überall, wo man hingeht, sprechen Leute von Sie posten ihre Lieblingsmomente aus der Serie als Screenshots, die Timelines sind voll von aufblinkenden Glühbirnen, die uns selbstgetippte Botschaften aus dem "Upside Down" vermitteln (wie "I love tacos" oder "Trump sucks"), und sie lieben den Soundtrack zu Tode.

Im Gegensatz zu den meisten Hypes, die ähnlich schnell aufflammen – ähempokémongoähem –, ist dieser noch dazu völlig gerechtfertigt. Mit dem 80er-Jahre-Setting, der diesem filmischen Jahrzehnt Hommage zollenden Atmosphäre, der sauspannenden Geschichte und den coolen Hauptdarstellern – darunter sehr vielversprechende, frischgesichtige Jungschauspieler – kann man nicht viel falsch machen. Die Musik. Das Monster. Die Referenzen.

Was liegt da näher, als eine Liste an Klassikern zusammenzustellen, für Liebhaber der Filmstilistik der 80er Jahre und frisch durch Bekehrte? Hier unsere definitive Bingewatch-Empfehlung für Freude des Genre-Films, Kinderhelden und ausartenden Fantasie von vor 30 Jahren

The Goonies (1985)

Kaum ein anderer Film charakterisiert diese Dekade so gut wie The Goonies von Steven Spielberg, der nach E.T. ganz offensichtlich freie Hand hatte und das kommerzielle Unterhaltungskino komplett neu geprägt hat.

Eine Gruppe von prä- bis spätpubertären Jungs mit einer ganz ähnlichen Zusammensetzung wie in Stranger Things sind auf Piratenschatz-Jagd, treffen auf Ganoven und auch auf so etwas wie ein Monster. Aber natürlich geht es nicht nur um die Handlung – viel wichtiger sind die Gruppendynamik, der Bubenhumor und der Umstand, dass Kinder hier die Story in die Hand nehmen.


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Wer The Goonies heute noch mal sieht, wird vermutlich ein bisschen enttäuscht sein, weil es kein wirklich guter Film ist und der Horroraspekt hier fast zur Gänze fehlt. Aber der Nostalgiefaktor ist extrem stark und Spielbergs kindliche Abenteuer-Seele wird beinahe perfekt repräsentiert. Ein Film für die Feels, quasi. Auf den sicken Truffle Shuffle!

E.T. the Extra-Terrestrial (1982)

Oh, und habe ich gerade E.T. gesagt? Kinder, die auf einen ungewöhnlichen Weirdo treffen, der Dinge fliegen lassen kann, den sie im Zimmer verstecken, auf dem Fahrrad spazierenfahren und dann auch noch verkleiden, damit die Erwachsenen nicht misstrauisch werden!? Diese stilistischen Tropen grenzen ja schon fast an Plagiat. Spätestens nach der ersten Szene mit den typischen BMX-Rädern der 80s-Vorstadt-Kids wird man an den, meiner Meinung nach, leicht ekeligen Außerirdischen erinnert.

The Thing (1982)


Wer die Erkennungsmelodie von Stranger Things und die Synthpop-Atmosphäre mag, in der Winona Ryder mit Weihnachtsbeleuchtung Kontakt zu ihrem vermissten Sohn aufzunehmen versucht, der sollte sich erstens The Thing anschauen und zweitens sofort alle Soundtracks von John Carpenter kaufen. Der 80er-Meister hat nämlich fast immer seine eigene Filmmusik geschrieben (und tut das teils noch heute mit seinem Sohnemann) – und vor allem auch die passenden Filme dazu gedreht.

Vergleichbar mit der Netflix-Serie und ihrer unheilvollen Stimmungen, die sich nicht ständig, aber wenn dann bombastisch entladen, ist am ehesten The Thing. Die sexy Synthesizer-Brummelei ist fast identisch und sogar das titelgebende Monster hat einige Ähnlichkeit zur Serie. Und die hat noch dazu fast denselben Namen. Duh.

Firestarter (1984)

Der große Fan-Liebling von Stranger Things ist das Mädchen "Eleven" oder im Kosenamen "Elle". Und ja, auch wir haben uns in ihre unschuldigen Kuhaugen und telekinetischen Superkräfte verliebt. Die Serie zitiert dabei ganz bewusst ihre eigenen Erzählvorlagen – konkret unter anderem Stephen King.

Ein liebes, junges Mädchen, das mit Gedankenkraft Horror verbreitet, den sie selbst nicht ganz kontrollieren kann? Da fallen einem gleich Carrie und Firestarter ein. Und weil wir in Zeiten von Comic-Crossovers leben, stellt euch einfach kurz Elle und Charlie als unaufhaltsames Duo vor: Die eine lässt die bösen Anzugmänner in der Luft schweben und die andere röstet sie. Mmmh.

Explorers (1985)

Drei Jungs teilen ein unglaubliches Geheimnis und gehen auf eine Reise in eine fremdartige Welt. Klingt recht vertraut. Aber auch, wenn es fast gefährlich ähnlich klingt, ist es definitiv keine Verschwendung, Explorers heute noch mal zu schauen. Immerhin hat der Film River Phoenix und Ethan Hawke als kleine Zwutschkis, die sich ein Raumschiff aus altem Schrott basteln, nachdem sie von Außerirdischen die Baupläne für ein Energie-Schutzschild bekommen.

Das Ende ist zwar stark am unteren Ende des Besucheralters orientiert, aber da der Weg ja bekanntlich das Ziel ist (und dieser Spruch in den 80ern noch nicht abgedroschen war), kann man sich Explorers durchaus als sonntäglichen Abenteuerfilm mit hochprozentiger 80er-Jahre-Geilheit gönnen.

Stand by Me (1986)

Auch hier ist River Phoenix mit von der Partie. Wenn er noch leben würde, wäre er wohl Stammgast in Linklater-Filmen, so wie Hawke. In Stand by Me spielen außerdem auch Will Wheaton (bekannt als Wesley Crusher von Star Trek TNG) und Corey Feldman mit, der anscheinend in so ziemlich jeden Abenteuer der 80er dabei war: The Goonies, The Lost Boys, The 'Burbs, ein paar Friday the 13th-Teile und wahrscheinlich noch ein Dutzend mehr.

Wieder geht es um eine Gruppe von Jungs, die Outsider sind. Wieder geht es um Bullying. Wieder erleben die Jugendlichen in ihrem Coming-of-Age-Abenteuer eine Geschichte, die nach allen Regeln des Actionkinos eigentlich für Erwachsene vorbehalten ist. Und wieder geht es dabei um Musik, Familienkomplexe und generelle Überwindung, Melancholie und Nostalgie. Sie spielen zwar nicht Dungeons & Dragons, und suchen hier keinen Schulfreund, sondern eine Leiche, aber der Rest ist Stranger Things mindestens emotional und stimmungsmäßig doch sehr ähnlich, dass man den Film als das Stranger Things für Leute, die Ende der 50er groß geworden sind, bezeichnen könnte.

Gremlins (1984)

Corey Feldman ist überall! Genau wie die kleinen, parasitären, sich massenvermehrenden Trollmonster in diesem Film, die zu Weihnachten eine Kleinstadt überrollen, und den ausnahmslos jeder Mensch da draußen gesehen haben muss. Junge Erwachsene und ein mitschuldiger Mogwai versuchen, die anarchistische Invasion der Plüschhorrortiere zu stoppen. Die vielleicht ausschlaggebendste Ähnlichkeit zu Stranger Things ist hier der schmale Grad zwischen Komödie und Horrorfilm.

Regisseur Joe Dante, den ich schon mal interviewen durfte (Namedrop), ist seines Zeichens ein Meister dieses schmalen Grats zwischen skurrilem Humor und subtilem "Was ist da eigentlich in dem dunklen Keller"-Horror. Außerdem weiß er, wie man einnehmende Kindercharaktere inszeniert. Stranger Things schafft es nach Carpenter'schem Vorbild ebenfalls beeindruckend gut, von Schmunzeln zu angespanntem Wimmern umzuschalten. Aber ohne dieses Vorbild (und ohne die Referenz) wäre die Netflix-Serie kaum denkbar.

Poltergeist (1982)

Dieser Film hat den Schrecken des Paranormalen perfektioniert, der sich im Schutz der vertrauten vier Wände einnistet. Auch hier werden Kinder von bösen Kreaturen entführt und Portale in andere Dimensionen aufgebrochen. Poltergeist ist nicht wirklich brutal oder blutig, aber die Vorstellung von dämonischen, Kinder entführenden Fernsehgeistern ist ähnlich lähmend wie die von gesichtslosen Monstern, die aus der Decke und den Wänden krabbeln.

Flug des Navigators (1986)

Das ist ein besonderes Schmankerl, das im Ausmaß von fantasievoller "Fantastischkeit" mit allen vorher genannten Titeln mithalten kann. Ein Junge landet, wieder ermöglicht durch semi-böse staatliche Wissenschaftler, in einem sprechenden Raumschiff und reist ein bisschen durch die Zeit.

Ein Kinderfilm mit einem Schuss The Last Starfighter und sogar Zurück in die Zukunft, bei dem mal als Knirps dicke Tränen lacht, wenn das Roboterauge überladen vom terrestrischen Fernsehen Blödsinn plappert, und den man als Semi-Erwachsener in jedem "Ich möchte zurück in den Schoß meiner Mama krabbeln"-Moment erneut schauen kann. Pure 80er-Liebe!

Tremors – Land der Raketenwürmer (1990)

Diesen superguten Film lass ich von der Produktionzeit her gerade noch als 80er-Anhängsel gelten; auch weil er zum ausklingenden Jahrzehnt seiner Entstehung viel besser passt als zum nachfolgenden Jahrzehnt von Pulp Fiction, Jurassic Park und The Matrix. Unheimliche Viecher mit grauslichen Mäulern, die sich auf anderen Ebenen als die Menschen bewegen – scheint irgendwie ein Geheimrezept zu sein. Außerdem ist in Tremors sehr viel von der männlichen Hauptdarsteller-Coolness aus Stranger Things in der Gestalt von Kevin Bacon vorweggenommen. Sheriff Hopper, der sich in der Netflix-Serie durchboxt wie Bud Spencer und sich gebeutelt von Familientragödien samt Alkoholismus in einer unglaublichen Monsterjagd wiederfindet, ist für mich eines der großen Highlights.

Auch bei Tremors liegt der Fokus auf einer verschlafenen, unvorbereiteten und vor allem in einem gewissen bodenständigen Realismus verwurzelten Gruppe von Schlawinern. Es lebe der Antiheld, der eigentlich eh immer mutig und super ist. Außerdem wird auch hier derselbe leicht trottelige Humor zelebriert, meistens ganz nah am oder im Angesicht des Horrors. Eine Szene, in der der "Ungläubige" erstmals dem "Unglaublichen" gegenübersteht und dann stotternd weggezogen werden muss, ist Pflicht und funktioniert immer. Ein Element wie es fast in allen unseren Beispielfilmen vorkommt und bei Stranger Things sowieso bestens funktioniert: Steves Gesichtsausdruck, als er sich in der Hütte voller Kevin Allein Zuhaus-Fallen für das Monster umsieht, ist unbezahlbar.

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