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Thanksgiving

Der Kampf der Geflügel-Giganten: Truthahn vs. Gansl

Weil die Entscheidung zwischen Gansl und Truthahn eine ziemlich schwierige ist, versuchen wir hier, euch auf den richtigen Pfad zu lenken.
27.11.14

Heute ist Thanksgiving. Und obwohl der Brauch noch nicht so ganz bei uns angekommen ist, lassen es sich die USA-Anhänger unter uns nicht nehmen, einen Truthahn aufzutischen, als wären sie die Pilgerväter höchstpersönlich—obwohl mit Weihnachten ohnehin das große Fressen vor der Tür steht und mich nur der Gedanke an Vanillekipferl und Bratwürstel schon ein bisschen fetter werden lässt. Denn obwohl Völlerei ja angeblich eine Todsünde sein soll, ist die Weihnachtszeit die Zeit im Jahr, zu der man dank Jesus hemmungslos alles in sich hinein schaufeln kann, was einem in die Quere kommt—unter anderem das ehrwürdige Martinigansl.

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Das Leben ist nun mal schwierig und voller Entscheidungen, und auch ihr werdet früher oder später einmal am Scheideweg zwischen Gansl und Truthahn stehen. Und weil uns etwas an euch liegt, begleiten wir euch auf diesem schweren Weg.

Die Tradition

Thanksgiving wird basierend auf einem Festessen der amerikanischen Gründerväter mit einem Indianerstamm gefeiert—eigentlich ein ziemlich guter Grund, um einmal im Jahr so zu tun, als wäre man dankbar, für das, was man hat und endgültig alle guten Vorsätze zu verwerfen. Das alljährliche Ganslessen haben wir angeblich dem heiligen Martin zu verdanken, der genauso wie die Indianer ziemlich gerne geteilt hat und laut einer alten Sage das Gutmenschentum begründet hat. Warum genau man aber zu seinen Ehren eine Gans isst, ist (laut seinem Wikipedia-Eintrag, den ich zu meiner Schande aufrufen musste, obwohl ich in der Volksschule in der Kirche den Bettler gemimt habe) nicht ganz geklärt.

Truthahn 1 : Gansl 0
In dieser Kategorie gewinnt also ganz klar der Truthahn, den die Indianer mit den Pilgervätern geteilt haben, nur um sich später von ihnen zu spielsüchtigen Alkoholikern machen zu lassen.

Foto: timsackton via photopin cc

Das Fleisch

Schande über mich, aber ich habe letzte Woche tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben Gansl gegessen. Ich war ein bisschen skeptisch, weil man mir schlimme Schauermärchen darüber erzählt hat, dass Gansl eigentlich nur aus Fett besteht und ziemlich eklig ist. Die Geschmacksexplosion beim ersten Bissen hat mich dafür umso mehr überwältigt. Im Gegensatz zu Gansl schmeckt Truthahn wie ein zehn Jahre alter Schuh und man muss entweder erst ganz viel Spucke sammeln, um überhaupt etwas runterschlucken zu können, oder das Fleisch in Beilagen ertränken.

Truthahn 1 : Gansl 1
Hier geht der Punkt an das Gansl, denn wer das Fett nicht ehrt, ist den Semmelknödel nicht wert.

Die Beilagen

Obwohl der Thanksgiving-Truthahn mit Beilagen wie Süßkartoffeln auftrumpft, die meiner Meinung eine führenden Rolle in der Herstellung des Weltfriedens spielen könnten, und die Bratensoße angeblich das Geilste der Welt sein soll, kann ich meinen Posten als Rotkraut-Verfechter nicht so einfach aufgeben. Rotkraut mit Maroni schmeckt einfach nach Weihnachten und ist die beste Beilage, die sich eine tote Gans wünschen kann.

Truthahn 1 : Gansl 2
Wir wären hier wohl nicht in Österreich, wenn nicht auch die Knödel eine besondere Rolle in unserem Leben spielen würden. Gegen diese göttliche Kombination können Kartoffeln und Maispudding wieder zurück nach Amerika gehen und ich kann nur noch dem Menschen Danke sagen, der behauptet, der heilige Martin hätte irgendwas mit Gänsen zu tun gehabt.

Das Festessen

Truthahn kocht man üblicherweise Zuhause, nur um ein paar parasitäre Freunde einzuladen, die alle kulinarischen Bemühungen, die mindestens den ganzen Tag gedauert haben, in maximal einer halben Stunde vernichten. Zum Ganslessen geht man in ein Restaurant, in dem man seinen Dreck zwar nicht selbst wegräumen muss und Zugang zu unendlich vielen Verdauungsschnäpsen hat, wo aber keine Couch in Reichweite ist, auf der man die Gansl-Wampe ausruhen kann—ein klares Unentschieden.

Foto: Daveness_98 via photopin cc

Truthahn 2 : Gansl 3
Mit einem leichten Vorsprung gewinnt das Martinigansl den Kampf gegen den Thanksgiving-Truthahn.

Wenn ihr Chaos liebt und eure Freunde gerne mindestens so mästen wollt, wie es mit dem Truthahn gemacht wurde, ladet sie zum Thanksgiving-Dinner ein. Wenn ihr die Sorte Mensch seid, die nichts mit dem Vieh zu tun haben wollen, bis es euch appetitlich sein Beinchen vom Teller entgegen streckt, geht lieber Ganslessen.

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Wenn Verena nicht gerade Tiefkühl-Rotkraut isst, ist sie auf Twitter: @verenabgnr

Hier könnt ihr am Wochenende hingehen, wenn ihr wieder aus dem Foodkoma erwacht seid:

Donnerstag
Heute solltet ihr etwas für eurer Seelenheil tun und in die INOPERAbLE Gallery gehen.Wenn ihr lieber Filme schaut, geht ins Künstlerhaus Stadtkino, wo ihr erst im Ludwig & Adele Kaffee verkosten und euch im Anschluss „A Film About Coffee" von Independent Coffee Vienna ansehen könnt.

Freitag
Heute steigt Not Invited im Aux Gazelles, wo ihr uns mit ein wenig Glück im Dark Room trefft und unsere Freunde von Vihanna legen im Club Titanic auf. Außerdem gibts Andy Butler von Hercules And Love Affair im Cafe Leopold. Und von heute bis 12. Dezember legen unsere Freunde von HAM jede Woche in der Ehemaligen Postzentrale beim Olympus Photography Playground auf.

Samstag
Wenn ihr heute nicht zu King Tuff und Bad Weed in die Arena geht, seid ihr selbst Schuld.