‚Schöne Grüße aus Auschwitz‘: Die Postkarten von KZ-Touristen

In seinem Buch ‚Greetings from Auschwitz' hat Paweł Szypulski eine einzigartige Postkartensammlung zusammengetragen. Wir haben uns mit ihm über KZ-Selfies und das menschliche Verhältnis zu Tod und Trauma unterhalten.

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15 Februar 2016, 5:00am

‚Greetings from Auschwitz' von Paweł Szypulski (Fundacja Sztuk Wizualnych, 2015) | Foto von K. Krajewski

Heutzutage kann man jederzeit Menschen anrufen oder ihnen eine E-Mail schicken, wenn man ihnen etwas mitteilen will. Kaum jemand verschickt im Vergleich zu früher noch Postkarten. Es ist ja eigentlich eine ziemlich banale Angelegenheit, aber ich sehe den Vorgang, die Karte zu kaufen und seinen Lieben ein paar Zeilen zu schreiben, als etwas sehr Schönes.

Du kannst aus jeder noch so kleinen Ecke der Welt eine Postkarte schicken, aber würdest du eine Postkarte von einem Ort versenden, der mit der Absicht gebaut wurde, ganze Generationen von Menschen auszulöschen? Ich war nur einmal im KZ Auschwitz-Birkenau und mir sind dort keine Souvenirshops aufgefallen. Doch selbst wenn es dort Postkarten zu kaufen gab, hätte ich keine Ahnung, was ich schreiben würde. Ich wüsste nicht, wie man von einem Todeslager aus kommuniziert. Was schreibt man denn sonst so auf Karten? „Mir geht's gut, das Wetter ist super"?

Wie lange dauert es, bis aus einem Konzentrationslager eine Touristenattraktion wird? Das war mein erster Gedanke, als ich Paweł Szypulskis Buch Greetings from Auschwitz gelesen habe. Der polnische Künstler und Kurator hat eine einzigartige Sammlung von Postkarten zusammengetragen, die Touristen vom KZ aus versendet haben. Darauf stehen Informationen über das Wetter sowie politisch inkorrekte Witze wie: „Eine [Zug]Ladung schöne Grüße aus Auschwitz"—auf der Vorderseite dieser Karte war ein Bild des Todesblocks.

Die erste Touristen-Postkarte wurde 1946 aus Auschwitz versendet, nur ein Jahr nach der Befreiung der Gefangenen.

Ich habe mich mit Paweł Szypulski zusammengesetzt und mit ihm über das menschliche Wesen im Angesicht von Tod und Trauma gesprochen.

VICE: Wie hast du es geschafft, all diese Postkarten zu finden, und wie lange hat es gedauert, sie zusammenzutragen?
Paweł Szypulski: Ich habe vor acht Jahren mit diesem Projekt angefangen. Als ich davon erfuhr, dass es solche Postkarten gibt, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, an sie heranzukommen—ich habe intuitiv gleich in Antiquitätenläden und auf Flohmärkten gesucht. Es stellte sich schnell heraus, dass die Suche nach solchem Material extrem zeitraubend und auch kaum möglich war. Am Ende habe ich alle Postkarten, die ich jetzt habe, auf einer Auktionsseite gekauft. Das habe ich geschafft, indem ich alle zwei Wochen als Suchbegriff [den polnischen Namen von Auschwitz] „Oświęcim" in der Postkarten-Kategorie eingegeben habe. Ich habe alle Ergebnisse durchsucht und nur Postkarten gekauft, die als „bereits versendet" angeboten wurden.

Warum das?
Postkartensammler beschreiben, in welcher Weise die Karte versendet, beschrieben und frankiert wurde. Nach 7 Jahren hatte ich 90 Karten, der Jahresdurchschnitt ist also nicht besonders gut, aber nur weil Sammler gebrauchte Postkarten nicht so sehr schätzen. Je sauberer die Karte, desto besser ist es aus Sicht der Sammler. Ich war jedoch an beschrifteten Postkarten interessiert, weil die eine Geschichte erzählen.

Hast du die Postkarten für das Buch nach bestimmten Kriterien ausgewählt?
Ja, hauptsächlich wollte ich damit zeigen, wie vielfältig die Sammlung ist. Nachdem ich ein Postkartenarchiv erstellt hatte, musste ich die Reihenfolge festlegen. Das war wichtig, denn jedes Element ist wertvoll. Die Reihenfolge der Karten im Buch erzählt an sich auch schon eine Geschichte. Wenn Leser Greetings from Auschwitz durchblättern, dann begeben sie sich auf eine Art Reise durch das Konzentrationslager Auschwitz. Von den Toren durch die Kaserne und den Stacheldraht zu den Gaskammern und dem Krematorium. Genau diese Reise wird in Birkenau wiederholt.

Sind die Postkarten aus allen Regionen Polens?
Ja, und es ist sehr interessant, dass sie alle von verschiedenen Orten versendet wurden. Manche Karten wurden in Oświęcim gekauft, aber andere kamen aus irgendwelchen Museen. Es scheint, als seien die Postkarten auch an anderen Orten als nur im Todeslager selbst erhältlich gewesen. Ich weiß noch, dass ich als Kind Ferien in der polnischen Region der Kubischei gemacht habe, wo es eine Art Freiluftmuseum gab, das auf einem Drehgestell Postkarten aus [dem KZ] Stutthof verkaufte. Darauf war ein Sonnenuntergang durch Stacheldraht zu sehen.


Hat schon mal mit Sendern oder Empfängern einer KZ-Postkarte Kontakt aufgenommen?
Das habe ich nicht und ich habe es auch nicht vor. Ich habe nicht nach ihnen gesucht, denn bei dem Projekt geht es nicht um bestimmte Sender oder Empfänger—es geht um uns alle, um Menschen, die nach dem Holocaust, nach Auschwitz in dieser Welt leben. Gleich zu Beginn des Projekts habe ich die Adressen unkenntlich gemacht. Nicht, weil es sich um eine illegale Verletzung der Privatsphäre handeln würde, sondern weil ich nicht wollte, dass einzelne Menschen damit in Verbindung gebracht werden. Dieses Projekt verurteilt niemanden. Es geht nicht darum, moralisch überlegen mit dem Finger auf Leute zu zeigen, die Postkarten aus Auschwitz verschickt haben, oder um irgendwelche Vorwürfe.

Lass uns in der Zeit zurück gehen. Die erste Auschwitz-Postkarte gab es 1943 im Todeslager selbst, als an diesem Ort noch industrieller Massenmord verübt wurde. Kannst du die Geschichte dieser Karte erzählen?
Die erste Postkarte hat 1943 Wilhelm Brasse hergestellt. Er war ein Pole mit österreichischen Wurzeln, der sich geweigert hatte, eine Volksliste zu unterschreiben oder sich der Wehrmacht anzuschließen. Als er nach Auschwitz gebracht wurde, hatte er Glück, denn sie brauchten jemanden, der Fotos machen konnte, und Brasse war professioneller Fotograf. Das rettete ihm das Leben. Er wurde dem sogenannten „Museum" zugeteilt. Das war eine Einheit, die Gefangene dazu ausnutzte, Fotos oder Kopien von Fotos zu machen und Geld zu fälschen—all das setzte künstlerische Fähigkeiten voraus.

Wilhelm Brasse machte eine riesige Anzahl von Fotoporträts von den Gefangenen, sowohl frontal als auch im Profil—Bilder, wie wir sie mit Auschwitz assoziieren. Er hat auch einige der medizinischen Experimente dokumentiert, die in dem Todeslager durchgeführt wurden. Neben all den schrecklichen Bildern, die er machen musste, schoss er auch eins, das sich völlig vom Rest unterschied: eine Blume in einer Vase (oder in einem Glas, er hat beides gesagt). Er hatte die Blume vor einem der Todesblocks gepflückt, wo sein Freund Eugeniusz Dembek aus der Künstler-Einheit sie gepflanzt hatte. Inmitten des Grauens dieses realen Albtraums, von dem sie umgeben waren, stellte diese Blume etwas Schönes dar, etwas das sie brauchten, um nicht den Verstand zu verlieren.

Einer der deutschen Aufseher fand dieses Foto und beschloss, es zu vervielfältigen und dann in der Kantine des Lagers zu verkaufen. Das Bild war ein solcher Erfolg, dass Brasse gebeten wurde, eine Farbversion davon herzustellen. Hunderte Abzüge wurden verkauft, bis alle weg waren. Deswegen ist auf der ersten Postkarte aus Auschwitz eine Blume in einer Vase. Leider sind keine Exemplare erhalten geblieben, also kennen wir nur die Geschichte und die Beschreibung des Fotos. Und das findet sich auf dem ersten „Bild" in meinem Buch.

Ich weiß, dass Gefangene des Lagers 1943 gezwungen wurden, ihren Familien Postkarten zu schicken. Kannst du darüber ein wenig mehr erzählen?
Das war eine Propaganda-Aktion, die organisiert wurde, um die Außenwelt zu überzeugen, dass es den Menschen in Auschwitz gut gehe und dass die Lebensbedingungen erträglich wären. Ich muss an dieser Stelle aber betonen, dass die Vorderseiten dieser Postkarten leer waren. Es waren spezielle Karten, bei denen die Rückseite nicht unterteilt war, sodass man mehr Platz zum Schreiben hatte. Diese Karten wurden zensiert, bevor sie an die Familien der Auschwitz-Gefangenen versendet wurden, und oft haben die Empfänger dem Geschriebenen keinen Glauben geschenkt.

Touristische Leichtherzigkeit und die Kommerzialisierung des Todes scheinen langsam einen Ort der Auslöschung und des systematischen Massenmords zu erobern. Wie würdest du diese Entwicklung erklären?
Die Frage ist: Könnte es überhaupt anders sein? Wir als diejenigen, die „danach" leben, wissen gar nicht wirklich, wie wir der Opfer gedenken können. Auschwitz wurde sehr schnell zu einem Museum, auch aus den Bemühungen der Überlebenden heraus, aber andere Todeslager wie Belzec und Kulmhof warteten jahrelang darauf, auf ähnliche Weise zu Denkmälern zu werden. Ein gutes Beispiel für unser Versagen hinsichtlich des Gedenkens ist der Umschlagplatz in Warschau. Die Leute wurden von dort in die Vernichtungslager transportiert, doch heute stehen dort Luxuswohnungen und es gab dort auch jahrelang eine Tankstelle. Es stellt sich heraus, dass die einzige Alternative zu vielen unserer leeren Gesten Untätigkeit ist, aber ob das gut ist, weiß ich nicht.

Die älteste Postkarte in dem Buch wurde 1946 verschickt, also in dem Jahr nach der Befreiung des Lagers. Damals war Auschwitz noch kein Museum. Wenn man sich die Botschaften auf den Postkarten im Buch ansieht, lässt sich nur schwer beurteilen, ob hier überhaupt reflektiert wurde. Die Inhalte sind ziemlich spärlich; hauptsächlich geht es um den Ort, das Wetter und ab und zu gibt es einen humorvollen Ton, wie auf der Karte, auf der es heißt: „Eine Ladung bester Grüße aus Auschwitz [...]". Ist das deiner Meinung nach ein Ausdruck von Ignoranz und Arroganz? Oder wird der Holocaust vielleicht auch als eine Form der Traumabewältigung trivialisiert?
Ich denke, alles trifft ein Stück weit zu. Du hast gesagt, die Karten seien gleich nach dem Krieg verschickt worden. Heute schießen wir sogar Selfies im Konzentrationslager. Manchmal sind es einfach nur Handlungen, die aus extremer Unwissenheit heraus passieren. Aber das halte ich für recht marginal. Es ist eine Art Selbstschutzmechanismus, einen Ort des Traumas in etwas zu verwandeln, das an einen Skiort erinnert. Damit kann man einen Ort, an dem Gräueltaten jenseits jeglicher Vorstellung verübt wurden, aus dem Blickfeld verbannen. Einem Todeslager eine touristische Fassade zu verleihen, bedeutet sich hinter der Banalität zu verstecken, die uns ein gewisses Gefühl der Sicherheit gibt. Warst du schon einmal in Auschwitz?

Ja, ich war einmal in Auschwitz I und in Auschwitz II.
Erinnerst du dich an deinen ersten Eindruck?

Ich habe mich gefühlt, als würde mein Körper zerschmettert. Ich konnte meine Gefühle nicht wirklich benennen. Ich erinnere mich an zwei Emotionen: furchtbare Trauer, als ich einen Haufen Haar sah, das man Menschen abgeschnitten hatte, die Zöpfe von Frauen ... und Wut, als ich in einer der Kasernen sah, dass Touristen anscheinend etwas in die Wand geritzt hatten, irgendeine Liebesbekundung—sehr kindisch, wie in der Grundschule, sowas wie „Kati liebt Jonas".
Unfassbar, dass jemand das getan hat. Ich schätze, es ist ein Zeichen dafür, dass selbst nach so viel Unheil das Leben weitergeht. Ich denke, die Postkarten und Selfies erzählen die gleiche Geschichte wie dieser ganze Ort, an dem Menschen gestorben sind und wo heute endlich Gras wächst. Neue Leute kommen dorthin und besichtigen alles, als sei es ein Ferienort—als sei nie etwas geschehen. Das widerspricht der Vorstellung, dass Auschwitz uns alle etwas lehren sollte.

Genau. Der amerikanische Philosoph George Santayana hat gesagt: "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Und vor nicht allzu langer Zeit hat es in Wrocław eine Gruppe Leute gegeben, die eine Puppe verbrannt haben, die einen Juden darstellen sollte. Etwas Ähnliches ist vorgefallen, als verkündet wurde, dass Polen Flüchtlinge aufnehmen wird. Die Gegner dieser Entscheidung haben Bilder von Auschwitz gepostet, unter denen „Willkommen" stand. Meinst du, das sind Symptome, die darauf hindeuten, dass sich der Kreis für uns inzwischen geschlossen hat?
Die Jahrzehnte seit dem Zweiten Weltkrieg haben gezeigt, dass man solchen Gräueltaten nicht einfach entkommen kann, und sie sind nach dem Krieg ja auch noch verübt worden—oft ähnelten diese Taten dem Genozid an jüdischen Menschen und Roma. Es ist an dieser Stelle wohl angebracht, den Satz zu erwähnen, den Holocaust-Forscher häufig verwenden: Das einzige „Nie wieder", das sicher ist, ist, dass die Deutschen nie wieder 1942 in Warschau Juden ermorden werden. Seit dem Holocaust hat es Völkermord in Ruanda und auch unweit von Polen in Srebrenica gegeben.

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Ich verstehe. Aber die polnische Nation hat schon viele Kriege erleiden müssen. Wir Polen waren die Opfer eines totalitären Regimes, und heute missbrauchen manche Gruppen die nationalistische Rhetorik und Polen ist zweigeteilt: die Besseren und die Schlechteren. Politiker beschwören eine Bedrohung herauf, indem sie behaupten, Flüchtlinge seien schmutzig, voller Krankheiten und Ungeziefer.
Ja, das war sogar ein sehr prominenter Politiker. Diese Art von Sprache hat eine furchtbare Tradition. Das sollte niemals passieren, wenn wir das richtige historische Wissen besitzen und gebildete, mächtige Menschen ein wenig Takt an den Tag legen. Aber wenn du vom Leid sprichst: Wir wissen aus der Geschichte sehr genau, dass Leid einen Menschen nicht edler werden lässt. Wir werden nicht zu besseren Menschen, nur weil wir leiden.

Traumatisierte Gesellschaften, die Kriege durchgemacht haben, sind nicht besser, auch wenn sie einsehen, dass sie sich gegen Extremismus wehren müssen. Ganz im Gegenteil zerfallen solche Gesellschaften, die Menschen sind weniger kooperativ und kommunizieren nicht ausreichend. Die Schrecken, die auf uns lasten, haben keine positiven Auswirkungen.

Lass uns über das Format dieser Postkarten sprechen. Was steckt hinter der Art und Weise, wie sie präsentiert werden?
Charakteristisch für die Postkarten in meinem Buch ist die kalte und emotionslose Art, wie sie präsentiert werden. Es wirkt mehr wie ein Bericht, basierend auf dokumentarischer Ästhetik, denn dabei versucht man, den Bildern nichts weiter hinzuzufügen.

Siehst du dich selbst als Künstler oder als Forscher?
Ich sehe mich nicht als Künstler. Wenn ich mich irgendwie beschreiben müsste, würde ich mich mehr als Autor des Projekts beschreiben. Dieses Buch ist für mich so etwas wie ein visueller Essay, ein intellektuelles Statement.

Wie würdest du das Ziel dieses Projekts beschreiben?
Das Ziel ist definitiv nicht Kritik, denn ich wollte nicht, dass die Leute aufhören, diese Postkarten herzustellen oder zu verschicken. Ich habe dieses Buch gemacht, weil ich an Menschen interessiert bin, die „neben" traumatischen historischen Ereignissen existieren. Auf Englisch gibt es dafür ein perfektes Wort: bystander [buchstäblich: jemand, der daneben steht]. Ich möchte wissen, was Menschen tun, wenn sie so nah an etwas so Schrecklichem sind. Wir sind alle Bystander, wenn auch nicht buchstäblich, denn wir leben in dem Wissen um den Holocaust, dem Wissen, dass er hier in unserem eigenen Land passiert ist.

Wir können auch buchstäblich jederzeit zu Bystandern werden, wenn andere unrechte Dinge passieren. Wie die sorglosen Menschen in dem Foto von Thomas Hoepker, das während der Anschläge auf das World Trade Center entstanden ist. Es stellte sich später heraus, dass die Leute in dem Bild trotz ihrer scheinbar entspannten Picknick-Stimmung in Wirklichkeit furchtbare Angst hatten. So etwas zeigt uns, dass es keine „richtige" Reaktion gibt, wenn man sich dem Terror gegenübersieht, und das habe ich am eigenen Leib erfahren müssen ...

Was meinst du?
Ich war während der Anschläge von Paris dort. Ich war gerade bei meinen schweizerischen Verlegern zu Abend essen, etwa 300 Meter von einem der Anschläge entfernt. Ich wusste, dass in unserer Nähe etwas absolut Furchtbares geschah, und ich saß am Tisch, mit Kaffee und Plätzchen, und es herrschte eine sehr angenehme Stimmung. In solchen Momenten wird einem klar, dass man keine Ahnung hat, wie man sich verhalten soll, was man mit sich anfangen soll, wie man den Opfern gegenüber fair sein kann. Wir sollten fragen, wie. Selbst wenn es keine klaren Antworten darauf gibt.




Das Buch des Autors in der polnischen Originalfassung | Foto: K. Krajewski

Dein Buch endet mit einer Postkarte, die niemals verschickt wurde, und auf der keine Adresse steht. Als ich sie sah, war ich sprachlos und schockiert. Darauf ist ein Haufen Leichen zu sehen, der auf die Verbrennung wartet. Könntest du diese Postkarte erklären?
Dieses Bild des Holocausts ist eines der am häufigsten kommentierten. Manchen Berichten zufolge soll es in einer Gaskammer entstanden sein. Das Bild wurde vom Sonderkommando gemacht, einer Gefangeneneinheit, die mit der Verbrennung von Leichen beauftragt war. Tatsächlich ist das eines von vier Bildern, welche die Gruppe heimlich geschossen hat.

Ich erinnere mich noch, dass ich schockiert war, als ich von der Existenz dieser Postkarte erfuhr, obwohl ich bereits seit ein paar Jahren Auschwitz-Postkarten sammelte. Es waren 32.000 Exemplare dieser Postkarte hergestellt worden. Ich besitze ein paar davon, doch ich hatte noch keine gesehen, die unversendet geblieben war. Ich will glauben, dass nicht jede Postkarte versendet werden kann—aber andererseits bin ich mir darüber im Klaren, dass die Leute in den USA einander Lynchmord-Postkarten geschickt haben, also bin ich vielleicht auch ein wenig naiv.

Die letzte Frage ist schon fast rhetorisch: Kann man heute noch Auschwitz-Postkarten kaufen?
Natürlich kann man das. Wer heute Auschwitz besucht, wird kein Problem damit haben, Postkarten zu finden. Ich weiß nicht die genauen Preise, aber sie sind billig—wie jede andere Touristenattraktion.

Danke für deine Zeit, Paweł.