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Schas gegen Schas: Studierende demonstrieren mit Blähungen gegen Fake-Massenschießerei

Die Gegendemonstranten schwenkten Dildos und ließen Fürze ertönen, um die Pro-Waffen-Demo zu stören, die ursprünglich auf dem Campus stattfinden sollte.
15 Dezember 2015, 10:00am

Als Waffen-Befürworter ihr Vorhaben bekanntgaben, am vergangenen Samstag eine gestellte Massenschießerei an der University of Texas abzuhalten, entschied sich eine weitere Gruppe, mit ihrer eigenen Waffe zurückzuschlagen: Flatulenz.

Die Pro-Waffen-Demonstranten begaben sich am Samstagmittag für einen „Open-Carry Walk", also einen Protestmarsch mit offen getragenen Feuerwaffen, auf die Straßen der texanischen Hauptstadt Austin. Teilnehmer waren dazu angehalten, „Gewehre und legale Schwarzpulverpistolen" mitzubringen, wie es auf der Facebook-Seite des Events hieß. Auf den Marsch folgte eine Nachstellung einer Massenschießerei, komplett mit Papp-Waffen, Kunstblut und Schussgeräuschen.

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Anlass des bizarren Protests war ein neues texanisches Gesetz, das es Bildungseinrichtungen erlaubt, waffenfreie Zonen einzurichten. Die Organisatoren behaupteten, die gestellte Massenschießerei sei ein Mittel, um zu verdeutlichen, dass es für die Sicherheit eines Uni-Campus unerlässlich sei, dass Studierende Waffen verdeckt mitführen dürfen.

Der Plan mit der Massenschießerei verursachte sofort eine starke Gegenreaktion, als er letzte Woche bekanntgegeben wurde. Eine Gegendemonstration wurde rasch organisiert, wobei die Organisatoren dieses zweiten Events der Ansicht waren, dass die Absurdität der Situation sich am besten veranschaulichen ließe, indem die Gegendemonstranten Sexspielzeug schwenkten und Flatulenzen ertönen ließen.

„Wir werden diese Verrückten finden und ihnen folgen, sie anpupsen und mit Dildos vor ihnen herumwedeln", hieß es auf der Facebook-Seite des „Mass Farting"-Events. „Und bringt auch gerne Schilder und weitere Krachmacher mit, zieht euch Kostüme an und seid einfach allgemein bereit, den Leuten ein Lächeln zu entlocken."

Laut Aussage von James Barragan, einem Journalist für den Austin-American Statesman, seien die Gegendemonstranten, die tatsächlich mit Dildos und Furzkissen auftauchten, bei Weitem in der Überzahl gewesen.

Here's what the fart/dildo protest looks like pic.twitter.com/MyEY8LIPIw
— James Barragán (@James_Barragan) December 12, 2015

Fart noises pic.twitter.com/abakA0RkvB
— James Barragán (@James_Barragan) December 12, 2015

Die „Mass-Farting"-Veranstaltung war das Werk des UT-Alumnus Tim Sookram und des Aktivisten Andrew Dobbs. „Diese Leute haben die Orientierung verloren, glaube ich", sagte Dobbs der Website The Daily Beast über die Waffenbefürworter. „Sie denken nicht vernünftig. Wir sind an einen Punkt angelangt, wo jemand sie daran erinnern muss, das Leben aus einer freundlicheren Sicht zu sehen."

Die gestellte Massenschießerei, organisiert von den Waffenrechtler-Gruppen Come and Take It Texas und DontComply.com sollte ursprünglich auf dem Campus der University of Texas in Austin stattfinden, doch sowohl die örtliche Polizei als auch die Universitätsleitung erklärten, dies würde als widerrechtliches Betreten des Grundstücks gewertet. Das Austin Police Department verkündete in einer Mitteilung seine Absicht, die Veranstaltung, die stattdessen in der Nähe des Campus abgehalten wurde, zu beobachten.

Nach dem „Open-Carry Walk" am Samstag sollen die Organisatoren Berichten zufolge verkündet haben, dass es eine Mittagspause gebe, bevor die Schießerei nachgestellt werde. Doch laut dem Austin-American Statesman hielten sie daraufhin sofort die gestellte Massenschießerei ab, ohne eine Essenspause zu machen, und behaupteten später, sie hätten die Schießerei zweimal durchgespielt, bevor die Polizei eingetroffen sei, um „die Reaktionszeiten vor Augen zu führen".

More photos of the two pro-gun groups. The man on the yellow jacket says he will play one of the fake shooters. pic.twitter.com/nskzGanwqS
— Alexandra Samuels (@AlexSamuelsx5) December 12, 2015

John Young participated in the event. He was one of the victims. This is what he wore pic.twitter.com/CZBbxo75r8
— James Barragán (@James_Barragan) December 12, 2015

Taral Patel, ein Studierender an der UT-Austin, der an der Gegendemonstration beteiligt war, sagte VICE News, er habe an einer Straßenkreuzung in Campusnähe gesehen, was von dem Massenschießerei-Stunt übrig war, und es habe so ausgesehen, als hätte die gestellte Schießerei nicht im vollen angekündigten Umfang stattgefunden.

„[Die Demonstranten] haben die Umrisse von Leichen auf den Boden gemalt, Ketchup außenherum gespritzt und es so gelassen", sagte Patel, wobei er anmerkte, einige der Gegendemonstranten seien Befürworter des Rechts auf Bewaffnung gewesen. „Viele Leute, die bei unserer Demo waren, sind eigentlich für Waffen, aber fanden, dass [die gestellte Massenschießerei] eine schreckliche Idee war, ganz egal, welche Überzeugung man hat."

Waffenbefürworter behaupten, bewaffnete Zivilisten seien in der Lage, Massenschießereien schneller ein Ende zu setzen als die Polizei, und Gesetze, die Waffen auf einem Campus verbieten, würden Bildungseinrichtungen für Schützen zu attraktiveren Zielen machen. „Jetzt ist die Zeit gekommen, aufzustehen, einen Marsch zu machen, sich gegen die Lügen auszusprechen und den feuerwaffenfreien Todeszonen ein Ende zu bereiten", hieß es auf der Facebook-Seite der gestellten Massenschießerei.

„Verbrecher, die Böses tun und Morde begehen wollen, gehen an Orte, wo niemand in der Lage sein wird, sie aufzuhalten", sagte Matthew Short, ein Sprecher für Come and Take It Texas und DontComply.com, dem Austin-American Statesman. „Wenn Sekunden zählen, sind die Cops Minuten entfernt."

Der Campus der UT-Austin war 1966 Schauplatz einer Massenschießerei, bei der 14 Menschen umkamen und 32 weitere verletzt wurden. Rohit Mandalapu, der Vize-Studierendensprecher der Universität, sagte VICE News, die Demonstration sei pietätlos und außerdem störend, da die Studierenden zur Zeit ihre Abschlussprüfungen haben.

„Der ursprüngliche Plan war es, eine gespielte Massenschießerei auf dem Campus zu veranstalten, zu der Megaphone und anderer Krach gehörten", sagte Mandalapu. „Egal, welche Einstellung jemand zu Waffen hat, das ist keine angemessene Verhaltensweise in einer universitären Umgebung, vor allem während der Abschlussprüfungen und angesichts der Geschichte der UT, wo vor fast 50 Jahren eine Massenschießerei stattgefunden hat."