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Popkultur

Sind Katzen Spione aus dem All?

Beobachten diese großen Augen jede deiner Bewegungen für ihre außerirdischen Herrscher? Viele Verschwörungstheorien im Internet besagen ja. Wir sind ihnen auf den Grund gegangen.

von Austin Considine
11 April 2013, 8:48am


Beobachten diese großen Augen jede deiner Bewegungen für ihre außerirdischen Herrscher? Eine Verschwörungstheorie sagt ja.
Foto von Keith Kissel (Wikimedia Commons)

Vorsicht, Katzenfreunde! Im Internet keimt eine Theorie auf, die es zu untersuchen gilt. Nicht die, die besagt, dass Parasiten in Katzenkacke euch in verrückte und suizidiale Katzenladys verwandelt, obwohl das sicherlich beunruhigend ist. Es geht aber noch sehr viel schlimmer.

Wie es aussieht, könnten Hauskatzen außerirdische Wächter sein—zu uns geschickt, um uns zu beobachten und ihre Erkenntnisse dem Mutterschiff zu melden. Oder, mit den Worten einiger Theoretiker, sie sind so eine Art außerirdisches Aufnahmegerät, das unsere kleinsten Bewegungen aufzeichnen.

Nun ja, vielleicht. Wir Menschen lieben unsere Verschwörungstheorien. Laut einer erst vor rund einer Woche erschienenen Umfrage glauben 51 Prozent der Amerikaner, dass John F. Kennedys Ermordung eine Verschwörung war. 15 Prozent glauben, dass die Regierung oder die Medien bei Fernsehübertragungen Gehirnwäsche-Technologie einsetzen. Und 4 Prozent glauben, dass sie von reptilischen Gestaltenwandlern regiert werden.

Ohne eine akurate Umfrage ist es schwer zu sagen, wie weit die Katzen-sind-Alienspione-Theorie verbreitet ist. Ich rate mal, nicht besonders weit. Andererseits sind 4 Prozent sehr viel mehr, als man für die Echsen-Theorie erwartet hätte, und nach derselben Umfrage denken 29 Prozent der Amerikaner, dass es Aliens gibt und 14 Prozent glauben an Bigfoot. Also, wer weiß das schon?

Wie bei den meisten Verschwörungstheorien ist die Katzen-sind-Alienspione-Theorie überraschend schlüssig—und basierend auf ein paar Körnchen Wahrheit und generellen Unklarheiten. Wieviel davon? Wir haben uns entschieden, uns einzeln mit den Argumenten auseinanderzusetzen. Ein User fasst die Weisheiten unter dem Namen „RedSpider“ in einer sehr praktischen Liste auf dem britischen Messageboard Digital Kaos zusammen. Ich habe die Liste (mit leichter Überarbeitung zum besseren Verständnis) übernommen, die wichtigsten Punkte sind fett.

Seht euch die Beweislage an und entscheidet selbst.

1. Es gibt keine Dokumente aus der Zeit vor dem Alten Ägypten, die die Existenz von Katzen beweisen. Und im Alten Ägypten wurden sie als Geschenk der Götter verehrt.

Wie auch einige anderen dieser Prämissen sind diese Thesen größtenteils richtig, aber auch leicht anfechtbar. Um mehr über die fossile Überlieferung herauszufinden, habe ich Ryan Haupt eine Email geschrieben. Der Paleontologe von der University of Wyoming beschrieb seine Tätigkeit in einem früheren Interview als „Studien der Leben moderner Säugetiere zum besseren Verständnis ihrer Vorfahren“. Er sagt, dass in Ägypten wahrscheinlich der Ursprung der Hauskatzenarten liegt, allerdings „wurden Katzenskelette auch an älteren Ausgrabungsorten gefunden“.

Laut dem Buch „Wild Cats of the World“ von Mel und Fiona Sunquist war der Export von Hauskatzen im Alten Ägypten verboten, was erklären würde, warum sie erst tausende Jahre später in Dokumenten von anderen Zivilisation auftauchen. Die Katzenskelette von den anderen Fundorten „zeigen nicht, ob die Katzen domestiziert waren oder nicht“, sagt Haupt. Wahrscheinlich waren sie es aber nicht.

„Wenn wir uns nur Skelette ansehen, ist es ziemlich unmöglich zu sagen, wann wilde Katzen zu Hauskatzen wurden“, schreibt Haupt.

Was die Vergötterung angeht, ist es ein bisschen komplizierter, als der Verschwörungstheoretiker es aussehen lässt. Tatsächlich wurden Katzen von den Ägyptern verehrt, schreiben die Sunquists. Katzen waren geliebte Haustiere und wurden wie Familienangehörige betrauert, wenn sie starben. Sie wurden einbalsamiert und je nach Vermögensstand der Besitzer mehr oder weniger prunkvoll bestattet. Die Ufer des Nils waren voll mit Katzenfriedhöfen. Auf die Tötung einer Katze stand die Todesstrafe. Aber Katzen wurden nicht einfach nur als Geschenke der Götter gesehen. Manche ägyptische Götter waren Katzen, zum Beispiel Bastet, die Göttin der Freude und der Liebe. Eine alte ägyptische Papyrusrolle stellt den Sonnengott Re als gefleckte Katze mit einem Messer in der Hand dar.

Per Twitter und Email habe ich versucht, unseren Lieblingstheoretiker der Fernsehsendung Ancient Aliens Giorgio Tsoukalos zu kontaktieren, leider ohne Erfolg.

2. Wissenschaftler sind ratlos angesichts des Katzenschnurrens. Sie wissen nicht, wie das Geräusch entsteht. (Rückkoppplung?)

Ich weiß nicht genau, was der Autor mit „ Rückkoppplung? “ meint. Es sei denn, es bedeutet, dass Katzenschnurren so eine Art Übertragungsrückkopplung ist, ähnlich wie wenn man ein Handy an einen Lautsprecher hält.

Hierfür habe ich mich in die Internetrecherche gestürzt. Das Wissenschaftler Schnurren nicht erklären können wird oft im Internet vorausgesetzt, aber das ist mal wieder nur die halbe Wahrheit. Es stimmt, das Katzen kein eigenes Organ für das Schnurren besitzen. Aber Wissenschaftler wissen schon so einiges. Ein WebMD-Artikel erklärt:

Ein rhythmischer, repetitiver neuraler Oszillator (im Gehirn) sendet Nachrichten an die Kehlkopfmuskeln, sodass sie mit 25 bis 150 Vibrationen pro Sekunde (Hz) anfangen, zu vibrieren. Dies verursacht eine plötzliche Trennung der Stimmbänder, sowohl während der Ein- als auch der Ausatmung—das einzigartige feline Vibrato.

„Oper singen für Katzen“, hat es Tierverhaltensforscherin Dr. Karen L. Overall genannt. Das Schnurren ist jedoch normalerweise so tief, dass wir es sowohl hören als auch fühlen.

Ich kontaktierte Dr. Ken Simpson vom Monon Animal Hospital, den Tierärzten in meiner Heimatstadt Indianapolis, um zu fragen, wie der neueste Stand in der Veterinärmedizin ist. Er sagte, dass „die Physiologie weiterhin ein Rätsel“ bleibt. Aber Tierärzte hätten in den letzten Jahren einige faszinierende Dinge über das Schnurren herausgefunden.

„Für mich ist das Schnurren eine Kommunikationsform, die unter Umständen hervorgerufen wird, wenn durch Erregung bei Stimulierung die Kehlkopfbänder durch Blut erweitert werden,“, schrieb er mir. „Die Luft, die durch die Bänder strömt, kreiert das Geräusch, das wir hören. Ich habe auch gehört, dass Zwerchfellbewegungen gegen aufgepumptes Lungengewebe zum Schnurrgeräusch beiträgt. Meiner Erfahrung nach schnurren Katzen mit Asthma und stark aufgepumpten Lungen lauter.“

Außerdem gäbe es Hinweise darauf, dass das Verhalten anerzogen sei. So beschrieb er zum Beispiel eine taube Katze, die nie schnurrte. Ein anderer seiner Katzenpatienten hatte als Baby eine Hirnhautentzündung, was zu einer Lernbehinderung führte. Diese Katze schnurrte auch nie. Solche Fallstudien scheinen die Theorie zu bestätigen, dass das Schnurren tatsächlich im Gehirn verursacht wird. Simpson sagte, dass er keinen Grund hätte, an der „neurale Oszillatoren“-Theorie zu zweifeln.

Trotzdem gibt es einen gewissen Punkt, an den das Wissen noch nicht heranreicht: Was genau sind neurale Oszillatoren? Warum genau existieren sie? Und wenn man es von einem verhaltenswissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet: Warum schnurren Katzen? Die Antwort auf diese Fragen bleiben weiterhin ein Rätsel. Außerirdische Bio-Technologie? Übertragungssignale? Es ist zu bezweifeln, denn einige Wildkatzen, zum Beispiel die Geparden, schnurren auch.

3. Wenn du die Ohren einer Katze nach hinten drückst, siehst du das gleiche Gesicht wie das des klassischen „grauen Aliens“, mit seinen mandelförmigen Augen, dem kleinen Mund und der kleinen Nase.

Offensichtlich richtig. Siehe unten. Nächster Punkt.

4. Eine Katze kann exponentiell besser sehen als du. Sie scheinen also aus evolutionsbiologischer Sicht weiter entwickelt zu sein als Menschen. Wie das?

Das, was ich so im Internetmüll dazu gefunden habe, besagt, dass diese riesigen Augen, mit denen Katzen uns anstarren, in Wirklichkeit außerirdische Kameras sind. Die filmen alles und senden das an die grauen Alien, die sie hierher gebracht haben. Ich konnte keine Hinweise auf irgendetwas davon finden, nur die klassischen neuronalen Schaltkreise im Katzengehirn. Aber na ja, man weiß nie. Wir Menschen haben es vor kurzem geschafft, einen Computer aus lebenden Zellen zu bauen, also wer weiß, was Außerirdische in so einem kleinen Katzenhirn verstecken können?

Abgesehen davon ist die Idee, dass Katzenaugen so viel besser sind und das bedeutet, dass sie aus Evolutionssicht weiter entwickelt sind als wir, absurd.

Katzenaugen haben mehr „Stäbchen“ als „Zapfen“. Erstere sind für die Schwarz-Weiß-Bilder zuständig, was sie wesentlich für Nachtsichtigkeit macht. Letztere ergänzen die Farben und lässt uns Details besser wahrnehmen. Katzen können also besser im Dunkeln kucken, aber es kommt auf die Definition an, ob sie „besser“ sehen. Ich sehe gerne Farben. Wenn du mir jetzt also Katzenaugen verpassen würdest, würde ich meine Sicht nicht gerade als „besser“ beschreiben.

Katzenaugen haben einen zweiten Vorteil, wenn es um Nachtsichtigkeit geht. Dieser New York Times Artikel erklärt es so:

Katzen haben elliptische Pupillen, die sich schneller öffnen und schließen und größer werden können als unsere runden Pupillen. Außerdem haben Katzen und andere nachtaktive Tiere eine spiegelartige Membrane am hinteren Teil des Auges, das Tapetum. Das reflektiert das Licht, dass durch die Stäbchen kommt, zurück in die entgegengesetzte Richtung. Diese „doppelte Belichtung“ erlaubt es Katzen, besonders gut in der Dunkelheit zu sehen.

Aber tun wir mal so, als hätten Katzen „bessere“ Augen als wir, weil sie in gewissen Situationen die bessere Sicht haben. Das würde heißen, ja, ihre Augen (allerdings nicht die ganze Katze) sind evolutionsbiologisch besser entwickelt. Aber Hunde können besser riechen als wir. Auch Bienen und Mäuse. Geparden laufen schneller, Vögel fliegen besser und Elefanten sind einfach insgesamt die Coolsten. Sind die auch außerirdischen Ursprungs? Zweifelhaft. Wenn es eine Spezies gibt, die eine wirkliche Anomalie darstellt, dann sind wir das mit unseren riesigen Gehirnen, die drei Mal größer als die sind, die die Natur normalerweise an Tiere vergibt. Ich werde es hier einfach mal öffentlich machen: Falls irgendetwas auf diesem Planeten etwas mit Aliens zu tun hat, sind das wahrscheinlich wir.

5. Habt ihr das schonmal beobachtet: Eine Katze wacht ganz plötzlich aus dem Tiefschlaf auf und rennt wie besessen aus dem Zimmer? Signale vom Mutterschiff kommen rein und sie müssen allein sein.

Wir alle haben das schonmal gesehen und ich kann keine Erklärung finden. Beweis für Kollaboration mit Außerirdischen? Packen wir es mal auf die „Vielleicht“-Liste.

6. Alles, was aus Katzen rauskommt, ist total unnatürlich (nicht von dieser Welt).

Das ist genauso absurd. Haarbälle sind ekelhaft, aber komplett natürlich, wenn man bedenkt, dass Katzen quasi nur aus Haaren bestehen und sie den ganzen Tag nur rumliegen und an sich rumlecken. Was Urin und Exkremente angeht, sehe ich nicht, inwiefern das anders ist als bei anderen Säugetieren, abgesehen von der Tatsache, dass sie besonders widerlich stinken.

7. Katzen überleben Situationen, in denen jedes normale Erdwesen mit Sicherheit krepieren würde. Wie kann eine Katze rückwärts aus dem vierten Stock fallen und trotzdem auf den Pfoten landen? (Antischwerkrafteigenschaften)

Das ist zumindest teilweise richtig. Katzen sind ausgesprochen gute Jäger und würden uns wahrscheinlich locker in der Wildnis überleben, sollten wir jemals gemeinsam auf einer unbewohnten Insel oder in einer postapokalytischen Situation enden. Aber das würden so ziemlich alle Tiere. Abgesehen von dem Immer-auf-den-Füßen-landen-Szenario (mehr dazu unten), fällt mir kaum eine Situation ein, in der Katzen im Gegensatz zu „jedem normalen Erdwesen“ immer überleben werden.

Allerdings ist diese Auf-den-Füßen-landen-Geschichte kein Witz. Es ist irre. Die Leute vom „Smarter Every Day“-Youtube-Channel haben ein paar sehr gute Slow Motion-Shots von fallenden Katzen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gemacht. Wie Moderator Destin Sandlin erklärt, ist die Frage der rotierenden Katze ein Rätsel aus Urzeiten. Heute wissen Physiker mehr über das Phänomen und dieses Wissen wurde sogar benutzt, um Wissenschaftlern beizubringen, wie man Weltallteleskope bedient.

Maschinenbauingenieur und Raketentester Sandlin erklärt, dass es auf den ersten Blick so aussieht, als würden die fallenden Katzen gegen das Gesetz der Drehimpulserhaltung verstoßen. „Ich habe fallende Körper—meinen eigenen, um genau zu sein—in verschieden Umgebungen studiert. Sobald mein Körper anfing, sich in eine Richtung zu drehen, konnte ich ihn nicht mehr stoppen“, sagt er.

Aber wenn man sich die Slow Motion-Version des freien Falls ansieht, wird klar, dass Katzen nicht gegen das physikalische Gesetz verstoßen. Sie sind nur extrem beweglich. Es hat etwas damit zu tun, wie die Katze ihren Rücken wölbt, ihre Beine ausstreckt und einzieht, und so ihren Körper um zwei Rotationsaxen dreht. Ich übersetze das jetzt mal nicht auf Physik.

Die Theorie der Antischwerkraftausstattung ist sicher reizvoll. Aber, sagen wir mal so, sie fällt nicht ins Gewicht.

8. Wenn du stirbst wirst du von deinen Katzen gefressen. Nicht wirklich eine Verbindung zwischen Katzen und Aliens, aber trotzdem gruselig.

Den Berichten zufolge stimmt das. 2010 zum Beispiel fand man ein Dutzend Katzen, wie sie gerade die Leiche eines Mannes aus Pennsylvania fraßen.

Chris Gayomali stellt in The Week fest, dass Katzen nicht die einzigen Tiere sind, die ihre Besitzer fressen, nachdem sie gestorben sind. Manche Tiere bringen ihre Besitzer um und fressen sie dann. Gayomali's Artikel enthält Beispiele von domestizierten Schweinen, Pythons, Echsen, einem Hausnilpferd und einigen anderen, darunter zwei Möpse aus Nebraska, die ihren Besitzer zwei Wochen lang überlebten, nachdem er sich umgebracht hatte.

Im Sinne voller journalistischer Offenheit sollte ich an dieser Stelle sagen, dass ich ein Hundemensch bin. Ich würde gern glauben, dass Katzen die einzigen Tiere sind, die ihre Besitzer essen, wenn sie müssen. Aber das ist schlicht und einfach nicht wahr. Brian Palmer schreibt in einem Artikel auf Slate, dass es so einige Hunde in der Geschichte gibt, die tote Menschen oder sogar die Leichen ihrer Besitzer gefressen haben. (Offensichtlich, so Palmer, gibt es sogar eine Theorie, die besagt, dass Jesus' Körper von Hunden gefressen wurde und dass „seine Gefolgsmänner sich die Geschichte von der ehrfurchtsvollen Bestattung ausgedacht haben, um damit klar zu kommen“.)

Unsere Verschwörungstheoretikerfreunde haben insofern Recht, als dass das wirklich gruselig ist. Aber es ist wohl kaum ein Beweis dafür, dass Katzen außerirdische Dronen sind.

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