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Bis so guet

Usurpation der Galgenvögel

Neulich wurde meine Junggesellenwohnung zum Schauplatz einer biologischen Usurpation, im Verlauf welcher dem Menschen (also mir) die Krone der Schöpfung gewaltsam entrissen werden sollte.
4.7.13

Die Voraussetzung für ein die Nahrungskette in Frage stellendes Debakel ist die Bildung eines Biotops, einem in diesem Falle von Menschenhand unberührten Habitat. Ein Gebiet, wie Pripjat, von den Menschen verlassen und von der Natur zurückerobert. So eines gibt es in meiner Wohnung. Ein Zimmer, das ich über mehrere Monate nicht mehr betreten habe. Ich hatte das Zimmer schlichtweg vergessen. Vielleicht habe ich die Erinnerung daran unterdrückt, da mir vor dem Moment bangte, den halben Hausrat darin zur Altglassammlung tragen zu müssen. Ein Sammelsurium leerer Tankstellenweinflaschen und voller Aschenbecher: Mein sogenanntes Studierzimmer.

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Die Erinnerung an die Existenz dieses Zimmers war schon nahezu gänzlich verblasst, als sie mir auf erschreckende Weise wieder vor Augen geführt wurde. Eines morgens—und mancher unerfahrene Bonvivant würde sagen, das sei doch schön—wurde ich von Vogelgezwitscher geweckt. Intensivem, lautem Gezwitscher, sodass ich denken musste, die Nachbarskatze zerlege ein solches Mitglied der Familie der Aves vor meinem Küchenfenster auf gar schauderhafte Art und Weise. Von der Schaulust getrieben, schnell aufgestanden, durch die Wohnung, aus der Balkontüre und: nichts.

Kein Vogel, keine Katze, kein Blutbad, keine Befriedigung, nichts. Nur Enttäuschung und nervtötendes Gezwitscher, unablässige, gehirnzermarternde akkustische Penetration. Ich bin kein Tierfreund. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das Geräusch kam von innen.

Vorsichtig öffnete ich die Türe zu diesem lange vergessenen Reich. Ich, Howard Carter, mein Zimmer The Lost World. Hinter der Tür verbarg sich ein Chaos und ein Gestank, der sogar mir, einem stadtbekannten Messie, die Tränen in die Augen trieb. In dieser Hölle wurde die Sonne nicht nur durch die dreckigen Fensterscheiben, sondern auch durch einen Schwarm schwarz gefiederter Bestien verdunkelt. Vögel, der Treppenwitz des Tierreiches. Meine Bücher, Blätter, Wände, Möbel und sogar mein Müll—alles vollgeschissen. Überall zierte eine braun-weisse Kloake meinen Hausrat. Rockbottom.

Das bedeutet Krieg. Fechtmaske auf, Badmintonschläger aus dem Schrank und auf ins Gefecht. Vogeltennis für Fortgeschrittene. Endlich wieder Tiere quälen! Gewaltsam gegen Schwächere vorgehen. Mein Element. Nimm das Antoine F. Goetschel!

Aber nicht so schnell. Ich bin kein Morgenmensch. Um Herr der Lage und meines Katers zu werden, beschloss ich als erstes einen taktischen Rückzug ins offene Feld. Um der gefiederten Bedrohung in Hitchcockscher Manier zu entgehen, musste ich die fäkalienverschmierte Tür, auf welcher bereits ein besonders furchteinflössendes Exemplar der feindlichen Gattung sass und mich anstarrte, vorerst zuziehen. Kurz durchatmen half nicht. Ich musste die Wohnung verlassen. Raus aus dem Messie-Chaos—rein ins Leben. Und zwar schnell. Durch den Gang ins Treppenhaus, Treppe runter, links ab, durch die Hintertür und—beim Zuknallen der Türe wurde mir mein Verhängnis bewusst, ich hatte keinen Schlüssel. Ich war ausgesperrt. Mein eigenes Spatzenhirn sollte mein Schicksal besiegeln.

Nach oben blickend, glaubte ich das Picken ihrer Schnäbel gegen mein Fenster zu hören. Wie sie mich verhöhnten. Die ausschweifende Siegesfeier des Underdogs. Eine groteske Coverversion von „We are the Champions“. Eine ausschweifende Siegesfeier. Eine Orgie von Federn, Flaum und Kloake.

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Ich war besiegt. Ich habe meine Wohnung an eine anderer Spezies verloren. Über welchen Weg die Usurpatoren in mein Reich gelangt waren entzieht sich bis heute meinem Verständnis. Mein Leben war verwirkt.

Was zum Vögeln suchen wir dieses Wochenende an folgenden Orten:

Grundsätzlich ist „Züri Fäscht“. Also bring ein Handtuch, meide grosse Plätze, grosse Gruppen und unbekannte Dialekte, aber vorallem: Keine Panik.

Donnerstag:

Kannst du zum Beispiel in den Stall 6 Rap Hören gehen: J.Rocc von Stones Throw ist dort und es ist gratis. Zudem ist Lovestream im Longstreet mit Luki und Jimi Jules.

Freitag bis Sonntag:

Das ganze Wochenende über bist du sehr gut am Quai 61 aufgehoben. Die haben einen Türsteher. Zudem hat sich das Plaza mit dem Mascotte zusammengetan;  an der wohl geschmackvollsten Location veranstalten die beiden VorzeigeClubs ein „Yacht Club Clubbing“ Wochenende. Dazu bringen sie  ihre besten Pferdchen auf Platz.

Auch ganz in der Nähe (an der Vogelvoliere haha) wird sich das Hive einnisten. Dort geht’s am Freitag mit Miteinander Musik los.

Ab und zu im Bellevue zur After Hour vorbeischauen ist, wie die graue Gasse, ebenfalls empfehlenswert. Aber eben dazu musst du einen grossen Platz überqueren, das würde ich nur zwischen 03:30 und 11:00 versuchen.

Sonntag

Nach soviel Menschenauflauf Ist Entspannung angesagt Open Screen Nummer 5 mit Biggles im "El Luchador"