
„Die Show muss weitergehen!“, sagt Anto Christ, Mitveranstalter der Colour Parade, während er die Menge über den Alexanderplatz führt.
Jeder in Berlin trägt schwarz. Der neue Stil besticht durch 23 verschiedene Farbvariationen von dunkel über dunkler bis sehr dunkel. Aber wo bleibt die Farbe? Genau das wollen die Veranstalter, die hinter der Colour Parade stehen, eigentlich zum Ausdruck bringen. Wir brauchen mehr davon. Genau in der Mitte von Berlin an einem verdammten und verregneten Samstag Nachmittag.
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Ähnlich wie die Fuckparade (nur unpolitisch), ähnelt die ganze Veranstaltung eher dem, was die Loveparade nach Berlin gebracht hat (wenn auch in kleinerem, bürgernahem Maßstab). Im Jahr 2007 wurde die erste Colour Parade vom Aviary Collective, einem Künstlerkollektiv mit 10 jungen Künstlern aus der Gegend um Newtown, damals noch für Sydney (und später Melbourne) gegründet. Es ging darum, ihre kreativen Ideen nach draußen zu bringen und in der Bevölkerung für Furore zu sorgen. Jede veranstaltete Parade begann mit mindestens 200 farbenfroh angezogenen Leuten und basierte auf dem Konzept, dass sich Subkulturen durch Mode, Kunst und Individualität darstellen können. Mittlerweile wohnen zwei der Veranstalter in Berlin und haben ihre Straßenparty gleich mitgebracht.
Mitveranstalter Casio Ono erzählt, „es geht um bunte Menschen und noch buntere Gedanken, die einfach sie selbst sind und Spaß in einer sonst tristen Stadt haben.“
Es ging immer darum, aufzufallen. Es ist eine Art LSD-Trip.
Die Berliner Gruppe feierte ihre erste jährliche Parade letzten Samstag Nachmittag und hofften sie darauf, eine bunte Gemeinschaft in einer Stadt voller Künstler zusammenzubringen.
„Es geht um Selbstdarstellung, nicht um Kostüme,“ sagt mir Anto. „So ziehen wir uns jeden Tag an.“

„Es gibt nichts Vergleichbares in Berlin,“ sagt sie. Eine andere Ortsgruppe eröffnet nächstes Jahr auch in London.
Oh, und das Wetter? Trotz ungefähr 250 verschickter Facebook-Einladungen tauchen am Ende nur 20 Leute auf. „Ich habe gesehen, dass viele meiner Freunde von ‚ Teilnehmen’ zu ’Vielleicht’ gewechselt haben, sagt der Künstler Severin O’Hara. „Wir sind hier in Berlin, nicht in Spanien. Damit muss man klarkommen.“
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Ein Kerl sah genau aus wie der amerikanische Künstler Keith Haring. Ein anderer trug Kontaktlinsen und sah damit aus wie ein Wolf. Andere Teilnehmer kleideten sich wie eine Disco-Queen oder hatten Quallen-Regenschirme dabei. Darüber hinaus schwebte ein pinker Flamingo durch die Menge, genau wie etliche andere Regenschirme, bemalte Gesichter, ein paar Plateauschuhe, Glitzer, Prosecco und noch einiges mehr.
„Seid ihr Kunststudenten?“, wurden wir gefragt. „Nein,“ antwortete ich, „aber vor fünf oder sieben Jahren mal.“ (Eher zehn). Hier ist der komplette Ablauf. Dreh den Scheiß auf, Casio!
Colour Parade, Schritt-für-Schritt






Wir werden von wunderschönen Menschen in der U-Bahn fotografiert.
Ankunft am Wittenbergplatz. Wir drehen VOGUE von Madonna voll auf und singen mit.


Hier begleiten uns die Sicherheitsleuten aus dem KaDeWe wieder hinaus.



Wir treffen einen Wikinger!
Es wird Cherry Bomb’ in der Bahn gesungen.



Viele Fremde fotografieren und filmen uns.
Im SONY Center hängen wir mit der Polizei ab.

