Während die Z-Boys in verlassenen Pool in L.A. ihre Runden drehten, okkupierten die Skater vom Alexanderplatz die betonierten Flächen um den Fernsehturm. Marten Persiel erzählt in This Ain't California, wie ihr wahrscheinlich schon alle mitbekommen habt, von den Anfängen einer Skater-Szene in der DDR. Mit originalen und nachgedrehten Super-8-Aufnahmen dokumentiert er die Geschichte von drei Freunden, die in Ostberlin alles dafür getan haben, um ihr Territorium auf selbstgebastelten Boards zu verteidigen. Skaten ist zu einem unsterblichen Teil der Jugendkultur geworden und der Film erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Begriffe Jugend und Revival untrennbar miteinander verwoben sind. Kalifornien steht für das Skateboarden der 80er Jahre und für die Entwicklung einer anfänglichen Gegenkultur bis zu ihrer Vermarktung und dem Aufkommen von Skate-Brands.VICE: In einer Szene im Film heißt es, Skateboarden war als amerikanische Propaganda verrufen. Was haben Skater in der DDR anders gemacht, um diesen Sport wirklich zu ihrem Ding zu machen?
Marten Persiel: Ich denke, Skateboarden kann niemals „Propaganda“ für irgendetwas sein. Nur Leute, die selber nicht skaten, interpretieren Skateboarden auf ideologische Weise. Das ist auch, was mir die Skater aus dem Osten gesagt haben: Skaten war niemals als „gegenkulturelles Statement“ gemeint. Als etwas, das aus den USA kommt, wurde es von der Öffentlichkeit natürlich auf eine bestimmte Weise wahrgenommen. Manche hassten es deswegen, manche liebten es deswegen. Aber ich denke, die meisten Skater liebten das Skaten in erster Linie für die Möglichkeit, die es ihnen gab, Einfluss auf ihre eigene Stadt zu nehmen, mit ihrem „Lebensraum“ zu spielen, zu fühlen, dass die Stadt ihnen gehört. Beim Skatboarden ist ein Element auch immer, dass du dein eigenes Territorium erschließen kannst, einfach indem du mit deinem Board auf die Straße gehst. Und das gilt genauso in Timbuktu, Paris oder Alabama. HipHop und Breakdance kamen aus den USA hinübergeschwappt, aber die ostdeutschen Skater haben doch irgendwie ihren eigenen Stil gefunden. Waren die Deutschen die Ersten, die Skaten, DJ-Kultur und Breakdance verknüpft gaben, wie zum Beispiel das Hurricane Trio?
Kann gut sein! Hurricane waren unglaublich cool! Ein ganz eigenes Ding! Wenn dir niemand sagt, was cool ist, keine Magazine und keine Videos, dann musst du dir eigene Sachen einfallen lassen. Was gibt’s denn auszusetzen an ein wenig Old-School-HipHop-Freestyle-Skaten in neon-gestreiften Klamotten, die im Dunkeln leuchten? Das ist wahrscheinlich meine Lieblingsszene im Film. Das Monster-Magazin wurde 1982 in Deutschland ins Leben gerufen. Alleine eine Aktion, wie einen Journalisten zwischen Westen und Osten hin und her zu schicken, muss ein enormer Erfolg für die deutsche Skate-Szene gewesen sein …
Es war definitiv eine große Leistung für eine so junge Journalistin wie Häksä. Ich glaube, sie war 19 und hat alleine gearbeitet. Es war schon ziemlich cool für ein Mädel aus dem Westen, sich in den „unbekannten“ Osten zu wagen und dort die Szene zu erkunden, wie sie es getan hat. Was war in Bezug auf das Skateboarden der Höhepunkt für Ostdeutsche?
Ganz sicher die Euroskate88 in Prag, wo Skater aus verschiedenen Ländern, Ost und West, gegeneinander antraten und zusammen rumhingen. Ein anderer Höhepunkt war '89 ein Wettkampf in Berlin, bei dem Skater aus dem Osten und Westen ihre eigene Grenzen überschreitende Veranstaltung organisiert hatten. Das ist auch die Schlussszene im Film. Sind die Skater vom Alexanderplatz noch immer in Berlin?
Manche von ihnen. Ein ganzer Haufen der Berliner Skater aus dieser Zeit haben mal für das LODOWN Magazine gearbeitet. Mittlerweile macht, glaube ich, jeder etwas anderes … aber ja, Leute wie Christian Rothenhagen oder Marco Sladek sind immer noch da. Gab es irgendwelche Überraschungen während des Drehs?
Der Typ, der im Film diesen irrwitzigen, endlosen Handstand macht, kann das immer noch. Er ist mittlerweile 50! Wer hat das originale Super-8-Material gedreht?
Das sind ziemlich viele Menschen. Das meiste kommt von privaten Hobby-Filmern, aber wir haben auch gutes Material vom Deutschen Rundfunkarchiv und anderen Archiven bekommen. Der Kameramann des Films heißt Felix Leihberg, er ist ein guter Freund von mir aus Berlin und super an der Kamera und er hat schon als Jugendlicher in Dresden angefangen, auf Super 8 zu drehen. Ist es Absicht, dass This Ain’t California und Stacy Peraltas neuer Film Bones Brigade zeitgleich veröffentlich wurden?
Wir haben uns für den Sommer entschieden, weil wir denken, dass es der richtige Zeitpunkt für einen Film wie unseren ist. Ich hab Bones Brigade noch nicht gesehen, aber ich kann es kaum erwarten. Das sind auf ewig die Helden meiner Kindheit.
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Marten Persiel: Ich denke, Skateboarden kann niemals „Propaganda“ für irgendetwas sein. Nur Leute, die selber nicht skaten, interpretieren Skateboarden auf ideologische Weise. Das ist auch, was mir die Skater aus dem Osten gesagt haben: Skaten war niemals als „gegenkulturelles Statement“ gemeint. Als etwas, das aus den USA kommt, wurde es von der Öffentlichkeit natürlich auf eine bestimmte Weise wahrgenommen. Manche hassten es deswegen, manche liebten es deswegen. Aber ich denke, die meisten Skater liebten das Skaten in erster Linie für die Möglichkeit, die es ihnen gab, Einfluss auf ihre eigene Stadt zu nehmen, mit ihrem „Lebensraum“ zu spielen, zu fühlen, dass die Stadt ihnen gehört. Beim Skatboarden ist ein Element auch immer, dass du dein eigenes Territorium erschließen kannst, einfach indem du mit deinem Board auf die Straße gehst. Und das gilt genauso in Timbuktu, Paris oder Alabama. HipHop und Breakdance kamen aus den USA hinübergeschwappt, aber die ostdeutschen Skater haben doch irgendwie ihren eigenen Stil gefunden. Waren die Deutschen die Ersten, die Skaten, DJ-Kultur und Breakdance verknüpft gaben, wie zum Beispiel das Hurricane Trio?
Kann gut sein! Hurricane waren unglaublich cool! Ein ganz eigenes Ding! Wenn dir niemand sagt, was cool ist, keine Magazine und keine Videos, dann musst du dir eigene Sachen einfallen lassen. Was gibt’s denn auszusetzen an ein wenig Old-School-HipHop-Freestyle-Skaten in neon-gestreiften Klamotten, die im Dunkeln leuchten? Das ist wahrscheinlich meine Lieblingsszene im Film. Das Monster-Magazin wurde 1982 in Deutschland ins Leben gerufen. Alleine eine Aktion, wie einen Journalisten zwischen Westen und Osten hin und her zu schicken, muss ein enormer Erfolg für die deutsche Skate-Szene gewesen sein …
Es war definitiv eine große Leistung für eine so junge Journalistin wie Häksä. Ich glaube, sie war 19 und hat alleine gearbeitet. Es war schon ziemlich cool für ein Mädel aus dem Westen, sich in den „unbekannten“ Osten zu wagen und dort die Szene zu erkunden, wie sie es getan hat. Was war in Bezug auf das Skateboarden der Höhepunkt für Ostdeutsche?
Ganz sicher die Euroskate88 in Prag, wo Skater aus verschiedenen Ländern, Ost und West, gegeneinander antraten und zusammen rumhingen. Ein anderer Höhepunkt war '89 ein Wettkampf in Berlin, bei dem Skater aus dem Osten und Westen ihre eigene Grenzen überschreitende Veranstaltung organisiert hatten. Das ist auch die Schlussszene im Film. Sind die Skater vom Alexanderplatz noch immer in Berlin?
Manche von ihnen. Ein ganzer Haufen der Berliner Skater aus dieser Zeit haben mal für das LODOWN Magazine gearbeitet. Mittlerweile macht, glaube ich, jeder etwas anderes … aber ja, Leute wie Christian Rothenhagen oder Marco Sladek sind immer noch da. Gab es irgendwelche Überraschungen während des Drehs?
Der Typ, der im Film diesen irrwitzigen, endlosen Handstand macht, kann das immer noch. Er ist mittlerweile 50! Wer hat das originale Super-8-Material gedreht?
Das sind ziemlich viele Menschen. Das meiste kommt von privaten Hobby-Filmern, aber wir haben auch gutes Material vom Deutschen Rundfunkarchiv und anderen Archiven bekommen. Der Kameramann des Films heißt Felix Leihberg, er ist ein guter Freund von mir aus Berlin und super an der Kamera und er hat schon als Jugendlicher in Dresden angefangen, auf Super 8 zu drehen. Ist es Absicht, dass This Ain’t California und Stacy Peraltas neuer Film Bones Brigade zeitgleich veröffentlich wurden?
Wir haben uns für den Sommer entschieden, weil wir denken, dass es der richtige Zeitpunkt für einen Film wie unseren ist. Ich hab Bones Brigade noch nicht gesehen, aber ich kann es kaum erwarten. Das sind auf ewig die Helden meiner Kindheit.