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"Jeder erschossene Muslim hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert :) Toller Film!!"

Immer öfter wird auch auf Streaming-Portalen wie "movie4k" und "kinox" islamophobe Hetze verbreitet. Wir haben uns durch die Kommentare geklickt.

von Paul Donnerbauer
17 August 2016, 10:00am

Screenshot via movie4k.tv

Beleidigende, diskriminierende und hetzerische Kommentare auf Facebook und in den Foren diverser Nachrichtenseiten sind unter Artikeln mit Islam-Bezug mittlerweile genauso sicher wie das Kreuz auf dem Kirchendach—oder so ähnlich.

Hass im Netz ist jedenfalls allgegenwärtig und ziemlich alltäglich. Das sollte uns zwar nicht zur kulturpessimistischen Verteufelung des gesamten Internets verleiten (wo auf der anderen Seite auch jede Menge gegen Offline-Hetze getan wird), aber trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, bis in welche Winkel des World Wide Webs sich die digitale Anfeindung ausbreitet.

Als ich mir am Wochenende seit langer Zeit mal wieder einen generisch-letztklassigen Actionfilm aus Hollywood anschauen wollte, stolperte ich über den propagandistischen Helden-Epos 13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi, der sich mit den islamistischen Angriffen auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi 2012 befasst—aus amerikanischer Sicht, wohlgemerkt.

Um herauszufinden, ob die Qualität des kostenfreien Streams einigermaßen passabel ist, scrollte ich mich bis zur Kommentarfunktion durch. Tatsächlich waren sowohl Ton- als auch Bildqualität vom Feinsten. Was mich dennoch schockierte, war die Qualität so mancher Kommentare—nicht nur wegen der schockierenden Rechtschreibung, sondern vor allem wegen der scheußlichen Inhalte.

"Der Westen sollte Mekka während dem Hadsch bombardieren und ein paar Tausend dieser kranken Muselmänner töten."

"Jeder erschossene Muslim hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert :) Toller Film!! Zeigt wieder sehr gut, wie brutal der Islam ist", postete zum Beispiel Ritterkf. "Und jetzt haben wir die Wilden im eigenem Land, dank Merkel! Welch armes Bild wieder mal für das deutsche Volk. Es wird uns wohl nichts anders übrig bleiben, als uns von fremdvölkischen Menschen befummeln zu lassen, nur weil es keine echten Männer mehr in Deutschland gibt", schrieb ein anderer User.

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Die beiden zitierten Kommentare waren schließlich ausschlaggebend dafür, dass ich den restlichen Abend statt der Suche nach einem anderen Actionfilm lieber damit verbrachte, mich fassungslos durch die Kommentarfunktionen von Seiten wie movie4k und kinox zu klicken.

Während man unter Filmen wie Sophie Scholl – Die letzten Tage, Der Pianist und Schindlers Liste antisemitische und nazistische Kommentare findet, sind es vor allem amerikanische Actionfilme mit propagandistischem Inhalt, die die Streaming-Community polarisieren.

Kommentar unter dem Film 'Sophie Scholl – Die letzten Tage' auf movie4k.tv

Kommentar unter dem Film 'Der Pianist' auf movie4k.tv

In den Kommentarspalten unter Filmen wie American Sniper, Lone Survivor, Zero Dark Thirty, Olympus has Fallen oder Black Hawk Down finden regelrecht politische Schlammschlachten zwischen Befürwortern und Gegnern der amerikanischen Außenpolitik statt. Inhaltlich bewegen sich aber die meisten Kommentare beider Lager eher im verschwörungstheoretischen und antiamerikanischen/islamophoben Bereich.

So fantasieren User etwa von "einem Westen", der "Mekka während dem Hadsch bombardieren sollte", um "ein paar Tausend dieser kranken Muselmänner zu töten und ein Exempel zu statuieren". Andere sehen im Islam eine "satanistische Sekte", die das "Ekelhafteste ist, was sich die Menschheit nur vorstellen kann" und verwenden den Koran laut eigener Aussage nur zum "Arsch abwischen".

Während dieses Lager also jede fiktive und reale Bombe der US-Luftwaffe, die im arabischen Raum explodiert, und jede Kugel aus einem Gewehr der Navy SEALs, die einen "Muselmann" tötet, abfeiert, sieht das andere Lager die wahren Terroristen wiederum im Pentagon und in Tel Aviv sitzen.

Screenshot via kinox.tv

So schreibt zum Beispiel der User Freigeizt auf movie4k.tv unter dem Film Olympus Has Fallen: "Ja, [ein Angriff nordkoreanischer Terroristen auf das Weiße Haus] könnte passieren, aber nur aus dem Grund, warum 9/11 möglich war. Weil USA es zugelassen hat (und sogar mit geplant hat, es gibt zu viele Beweise), um Gründe zu haben, Kriege zu führen". Und auch lux911 kommentiert: "Die echten Terroristen sind nämlich die USA, denn die führen dutzende Kriege weltweit."

Die Grundproblematik dieser rassistischen und verschwörungstheoretischen Auswüchse auf Streaming-Portalen ergibt sich aber nicht nur aus antimuslimischen und xenophoben Ressentiments, einem fehlenden Geschichts- und Politikverständnis und dem Glaube an antiamerikanische und antisemitische Verschwörungstheorien: Auch die tatsächliche Propaganda von Hollywood-Kriegsfilmen trägt ihren Teil dazu bei.

So kommentiert etwa ein User den Film Black Hawk Down mit den Worten: "Damit wird die nächste Generation von Hollywoodstars in ihr erstes patriotisches Gefecht geschickt" und spielt damit auf die fortwährende, oft unkritischer Widerspiegelung amerikanischer Politik in Hollywood-Produktionen an.

Waren die Bösewichte in amerikanischen (Action-)Filmen in den 40ern und 50ern vor allem Deutsche, wichen sie in der Zeit des Kalten Krieges Russen und Kommunisten. Spätestens seit 9/11 haben Muslime ihren Fixplatz unter jenen, die von amerikanischen Helden bekämpft werden müssen—und das, obwohl etwa die Originalfassung von Rambo III mit den Worten "This film is dedicated to the brave Mujahideen Fighters of Afghanistan" endete.

Solange also in amerikanischen Actionfilmen antimuslimische Vorurteile bedient werden und uns das Bild einer dauerbedrohten Nation vermittelt wird, werden wir auch weiterhin Aussagen wie "Die Moslems haben Millionen Amerikaner getötet, da ist es nur logisch, dass die jetzt zurückschlagen" zu lesen bekommen. Weil Propaganda eben auch Gegenpropaganda erzeugt und Verschwörungstheorien Verschwörungstheorien. Leider.

Paul auf Twitter: @gewitterland