Ich hab ein maßgefertigtes Mundstück für bessere Blowjobs hergestellt

Unter Anleitung von Künstler und Zahnmediziner Kuang-Yi Ku habe ich meine eigene Blowjob-Zahnspange entworfen – der Beginn eines neuen Sextrends?

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07 November 2016, 11:00am

Leute mit Google Glass nackt sehen! VR-Sex mit Menschen auf der anderen Seite der Welt! Sexroboter, die genauso aussehen wie Scarlett Johansson! Die Zukunft des Sex ist wild und phantasievoll und auch wenn wir nicht wissen, welche dieser abenteuerlichen Sachen sich letztendlich durchsetzen werden, ist eins sicher: Die physische Sex-Erfahrung wird besser, auch wenn die emotionale, psychologische und menschliche Seite es nicht wird.

Der Fokus lag in den vergangenen Jahren auf Virtual Reality und Robotik—da wirken die armen alten Sexspielzeuge ein wenig antiquiert. Der schnöde Buttplug ist ein Relikt aus den 90ern; der legendäre Hitachi Magic Wand ist nicht länger der Cadillac unter den Vibratoren, sondern sieht in der Wiederholung von Sex and the City eher wie ein Retro-Mikrofon aus. Und in Sachen sexueller Körperoptimierung spricht man höchstens von Penispumpen oder Mythen über Marilyn Manson und seine fehlenden Rippen.

Doch ein Mann will das ändern. Der Künstler und Zahnarzt Kuang-Yi Ku mit seinem "Fellatio Modification Project". Ku hielt kürzlich einen Workshop, in dem es darum gehen sollte, wie Zahnmedizin die Zukunft des Sex verändern kann. Teilnehmer der dreistündigen Veranstaltung sollten das London Dental Education Centre in Zusammenarbeit mit der Science Gallery London dafür nutzen, Mundstücke zu entwerfen und zu produzieren, die das sexuelle Empfinden während eines Blowjobs vergrößern.

Ich konnte mir zwar nicht wirklich vorstellen, bevor ich jemanden einen blase, sexy zu grinsen und mir ein Mundstück einzusetzen, aber trotzdem musste ich einfach versuchen, das beste Blowjob-Mundstück zu erschaffen, das diese Welt je gesehen hat.

Die Autorin mit einem leckeren Saft, bevor sie ihr Blowjob-Mundstück anfertigte

Teilnehmer des Events waren entweder ausgebildete Zahnärzte, geile Studenten oder Leute mit einer Menge Piercings. Ich passte also gut rein. Meine einzige Sorge war, dass ich keinen Penis habe, also wusste ich nicht, welche Größe und Form von Gummi sich gut anfühlen würde.

Der Raum war mit allem ausgestattet, was wir für sexy Zahntechnik brauchen würden: Zahnsonden, Schaber, sogar einige fiese Plastikköpfe, die aussahen wie diese vollgesabberten Erste-Hilfe-Puppen in der Schule. Mit weit aufgerissenem Mund waren sie bereit. Und mit meinen Handschuhen und meinem Kittel war ich es ebenfalls.

Ku erklärte, dass seine Idee für das Fellatio Modification Project während seiner Zahnmedizin-Vorlesungen entstand. Ihm wurde klar, dass der Mund in seinem Feld nur drei Funktionen hatte: Ästhetik, Aussprache und Kauen. Aber das stimmt nicht—wir alle wissen, dass es eine weitere Hauptfunktion gibt und dass sie die Genitalien anderer Leute beinhaltet. Warum, fragte sich Ku, wurde Sex in seinen Zahnmedizin-Büchern nicht behandelt? Das inspirierte ihn dazu, darauf hinzuarbeiten, die Funktion des Mundes zu erweitern: ihn besser für Blowjobs zu machen.

Ich hatte bereits angenommen, dass die ganze Sache nicht die Idee eine Frau war und ich hätte darauf gewettet, dass es die Herzensangelegenheit eines heterosexuellen Mannes ist. Es stellte sich jedoch heraus, dass ich falsch lag. Ku, selbst schwul, sagte, dass er das Projekt vor allem mit schwulen Männern im Hinterkopf entwickelt habe.

Die Mundstücke sind aber nur der Anfang. Er zeigte uns ein Video davon, wie er sich die Zukunft der Body Modification vorstellt. Darin konnten Leute sich Modelle mit Struktur einsetzen, wie die, die wir anfertigten, allerdings aus ihrem kultivierten Hautgewebe.

Da wir unsere eigenen Designs tragen würden, musste jeder von uns ein Mundstück anfertigen. Du willst ja auch nicht jemanden mit dem Mundabdruck eines anderen beglücken, oder? Also kam Ku und schob mir diese Gummimasse in einer grünen Form in den Mund. Ich mich lehnte mich zurück und ließ es über mich ergehen.

Es fühlte sich ehrlich gesagt an, als hätten die oralen Aktivitäten bereits begonnen; ich schnaubte und atmete mit vollem Mund durch die Nase. Nachdem sich meine DNA und mein Lippenstift auf der Spachtelmasse verteilt hatten, hatte ich meinen Abdruck.

Als ich mir den Mundabdruck und die recht beängstigende Struktur meiner Zunge in meiner Hand ansah, dachte ich darüber nach, wie viel Arbeit dieser kleine Mund in den letzten 25 Jahren verrichtet hatte. Ku hatte recht: Wir veranstalten so viel ekelhaftes Zeug damit—schreckliche, unaussprechliche Dinge; Sachen werden in beide Richtungen befördert. Wieso sollten wir so ein zentrales Gerät also nicht verbessern? Es ist so antiquiert.

Ich habe mir Weisheitszähne entfernen lassen, damit ich besser kauen kann; ich habe mir eine hässliche Spange einsetzen lassen, damit mein Mund insgesamt besser aussieht; warum sollte ich also nicht ein paar Modifikationen machen lassen, um bessere Blowjobs zu verteilen?

Wie auch immer, die Zahnmedizinstudenten haben ein wenig Gips zusammengerührt und meinen Abdruck zum Aushärten reingesteckt.

Während das passierte, mussten wir uns mit dem Entwerfen unserer Mundstücke befassen. Ich stand auf dem Schlauch.

Die Idee war, kleine Ausbeulungen, Erhöhungen und Stoppel für mehr Struktur hinzuzufügen, aber ich hatte keine Ahnung, wo ich anfangen wollte. Bitte mich, ein Cunnilingus-Mundstück zu entwerfen und ich lege sofort los, über Penisse muss ich aber noch einiges lernen.

Mein Aha-Erlebnis war, als ich mich an diese Masturbationseier von Tenga erinnerte, die im Inneren strukturierte Formen haben—ein wenig wie Fleshlights, nur kleiner. Die machten Spaß und die Form der Dellen im Inneren schien ziemlich willkürlich zu sein. Also riet ich einfach. Wie falsch könnte ich schon liegen?

Ein paar Tränen hier, ein paar Tränen dort. Ein lustiges trauriges Gesicht. Inspiriert vom Kultklassiker Teeth entwarf ich eine Special Edition mit einer wütenden Schwellung vorne—Überraschung, Jungs, Schmerzen!

Um die strukturierten Formen zu kreieren, vermischten wir zwei Arten von Spachtelmasse für die Herstellung einer Form und griffen uns, was auch immer wir finden konnten, um die Dellen und Ausbuchtungen zu bekommen—Holzkugeln sowie einen Stift für ein paar Zacken; fühlt sich sicher gut an.

Als nächstes vermischten wir irgendein Pulver mit Wasser, woraus etwas entstand, das der Beschaffenheit von Haut ähneln sollte. Ich würde dir gerne die chemischen Namen dieser ganzen Sachen nennen, aber ich erinnere mich an keinen davon. Wie auch immer, die Mischung härtete sehr schnell aus, also goss ich sie in die kleinen Ausbuchtungen und stach ein bisschen rein, um die Luftblasen zu entfernen.

In der Zwischenzeit waren unsere Mundabdrücke ausgehärtet. Leider war meiner nicht zu gebrauchen. Gott musste mein Teeth-Design gesehen und seine patriarchale Kraft benutzt haben, um mich zu bestrafen. Es waren Luftblasen reingeraten, die für ein klumpiges Chaos gesorgt hatten. Ich musste ihn nochmal machen, was mich mehr als eine halbe Stunde zurückwarf.

Zum Glück wurde der neue perfekt. Er wurde in eine Maschine gesteckt, die ein Stück Plastik zwischen sich und den Abdruck zog und dann zu einer exakten Kopie ansog. Dann nahmen wir die kleinen Modifikationen aus ihren Formen und klebten sie an das Plastik.

Irgendein Arsch hatte in der Zwischenzeit den Großteil davon geklaut, also musste ich mit dem arbeiten, was ich hatte.

Ich muss zugeben, es sah nicht toll aus—eher wie etwas, das man beim Aufräumen hinter dem Schrank findet, als ein Sexspielzeug. Ich war auch besorgt, dass die fleischigen Dellen mir in den Hals rutschen und mich mitten im Blowjob ersticken lassen würden. Doch als Ku das fertige Mundstück vom Gips befreit hatte und ich das kleine Ding in meinen Händen hielt, war alles anders.

Da war es: Das fertige Produkt, meine eigene Ultra-BJ Nimbus 3000. Eine Spielverderberin aus dem Team, das das Event organisierte, musste mir aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen sagen, dass ich sie nicht "zu oft" benutzen dürfe, da sie keine Sicherheitstest durchlaufen habe. Wer war sie, mir zu sagen, dass ich meine eigene Erfindung nicht so oft nutzen darf, wie ich will? Wie viele Blowjobs sind überhaupt zu viele?

Hallo Jungs!

Ich wollte wissen, was Ku für unser Sexleben noch auf Lager hatte. Wie sich herausstellte eine Menge. Er hatte bereites das Cunnilingus und das Anilingus Project in die Welt gerufen. Darauf hatte ich gewartet—eine Modifizierung der Zunge, die sowohl vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten schützt, als auch die Lust der Frau vergrößert. Er stellt sich eine Welt vor, in der effektive Schutzmethoden beim Oralsex Frauen nicht vom Orgasmus abhalten—ein wahrer Held der Moderne.

Ansonsten arbeitet Ku gerade an einer Körpermodifikation, die den Kiefer operativ erweitert, sodass ein ganzer Penis für Deep-Throat-Oralsex in den Mund passt.

Keine dieser Erfindungen erscheint mir sinnlos. Tatsächlich denke ich, dass sie im Hinblick auf die neuen Bereiche, die sie erschließen, im Vergleich zu VR-Sex weitaus menschlicher und organischer sind. Und bis die Welt die Genialität von Kus brillanten Ideen erkannt hat, bin ich mit meinem maßgefertigten Mundstück alleine.

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