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Vice Blog

Eine kurze Geschichte der disaströsesten Sportevents

Nichts verkörpert den Geist des internationalen Sportwettkampfes mehr, als Schadenfreude.
24.9.10

Nichts verkörpert den Geist des internationalen Sportwettkampfes mehr, als Schadenfreude. Es ist immer ein großes Glück andere Länder so aufgekratzt zu erleben, vor allem wenn es um die Organisation der Olympischen Spiele, Weltmeisterschaften oder Commonwealth Games geht. Diese Aufregung erinnert uns immer daran, dass (fügt hier bitte den Namen eures Landes ein) besser als die anderen ist.

Delhis Commonwealth Games haben zwar noch nicht begonnen, aber es ist uns schon jetzt klar, dass dort alles den Bach runtergehen wird. Während wir auf das Pech der Commonwealth Games anstoßen, erinnern wir uns an andere logistische und finanzielle Alpträume der Sportgeschichte.

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Antwerpen

Als ob es nicht genug wäre, dass Belgien für die Kriegsreparationen blechen musste, wurden sie 1920 auch noch dazu verdonnert die furchtbar unrentablen Olympischen Sommerspiele durchzuführen. Dafür sind diese Spiele umso bemerkenswerter abgelaufen und sie wurden ein einmaliges Ereignis in der Geschichte des Sports, denn das Olympische Organisationskomitee hat in der Mitte der Veranstaltung Konkurs angemeldet. Aus diesem Grund sind keine offiziellen Berichte, Tabellen oder Medaillen jemals veröffentlicht oder herausgegeben worden.

Jepp, das war tatsächlich das Maskottchen.

Montreal

1987, elf Jahre nach den Spielen, brach das Dach des Olympiastadions ein. Um noch ein wenig Salz in die Wunde zu streuen, fielen bereits ein paar Wochen nach der Fertigstellung die ersten Fragmente aus der Decke. Sowas passiert eben, wenn man Konstruktionsfehler fabriziert. Also verbrachte Montreal 30 Jahre damit, rund 150 Milliarden Dollar für ihr unnützes und unerwünschtes Stadion zu bezahlen, das offiziell als „Big O“ und inoffiziell „Big Owe“, also „große Schuld“ genannt wird.

Nun wollen die Montrealer, dass das Stadion abgerissen wird, vergessen jedoch dabei, dass wegen des „einzigartigen Designs“ es gar nicht möglich ist. Wegen seiner Krümmung, ist die Gefahr zu groß, dass es in sich zusammenbrechen würde. Also muss das Stadion Stück für Stück abgetragen werden. Dieser Prozess würde über 700 Millionen Dollar kosten, ungefähr die Hälfte des Betrages, der für seinen Bau benötigt wurde.

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Vancouver

Lasst uns nun einen Blick auf die Olympische Flamme 2010 werfen. Aber wie, wenn die Zuständigen der Olympischen Winterspiele in Vancouver einfach nicht checken, dass wegen eines Drahtzauns nichts zu sehen ist? Also schuffen sie eine Situation, ähnlich der, damals in Ost-Berlin. Menschenmassen standen hinter einer Mauer und haben gierig versucht einen Blick auf die andere Seite zu erhaschen. Und alles nur deshalb, weil die Beamten sich übertrieben um die allgemeine Sicherheit während der Spiele sorgten, da sie dachten, dass es jemand in einer verzweifelten „Free Tibet“ Aktion auf die olympische Flamme abgesehen hat.

Auf Twitter wurde sogar eine Kampagne gegen diese lächerliche Barriere gestartet: „takedownthefence“.

Nach einem kurzen Frühlingszauber, verwandelte sich der Schnee in Matsch. Ein georgischer Bobfahrer wurde dadurch bei seiner Testfahrt aus der Bahn geworfen, wobei er tödlich verunglückte. Bei der Eröffnung eines hydraulischen Eis-Totems (der aus dem Boden auftauchen sollte), blieb Catriona LeMay Doan unter der Bühne stecken und konnte so nicht neben ihren Kollegen Wayne Gretzky, Nancy Greene und Steve Nash auftreten.

Athen

Als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2004 bauten die Griechen ein glänzendes, neues U-Bahn System und ein großes Stadion. Neun Milliarden Dollar später hatte Griechenland fünf Prozent des nationalen Einkommens für die Spiele ausgegeben. Man könnte meinen, dass die massiven öffentlichen Ausgaben als Grundstein eines wirtschaftlichen Aufschwunges dienen könnten. Nach den Spielen fiel jedoch das Bruttoinlandsprodukt auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren und löste somit eine Kette an Ereignissen aus. Die griechische Schuldenkrise ist also Folge des griechischen Exportschlagers, der Olympischen Spiele.

Edinburgh

Im Jahr 1986 gab es niemanden, der nicht etwas boykottiert hätte. Es war die Ära, in der man glaubte, dass man die Welt verändern könnte, wenn man es nur wollte. Also boykottierten 32 der 56 Nationen die Commonwealth Games aufgrund der Thatcher-Politik und der zu weichen Haltung bzgl. Südafrika. Also ging es mit der Finanzierung des Events den Bach unter, da sich keine Sponsoren mehr fanden. So entstanden vier Millionen Pfund Schulden, sogar noch vor dem Kick-off. Unseriöse Unternehmer, wie der Fleet Street Baron Robert Maxwell, wollten die Spiele Schritt für Schritt retten. Leider haben die freundlichen Stadträte es versäumt, seinen Lebenslauf zu lesen. Also steuerte Maxwell anstatt der zugesagten zwei Millionen Pfund nur 250.000 bei. Anstatt neue Einnahmequellen zu sichern, fragte er die Gläubiger der Spiele, ob sie ihm nicht die Hälfte der restlichen Summe erlassen würden, die er ihnen schuldet. Zugegeben, das erfordert eine gewisse Genialiät.

London 2012

Die Spiele werden kommen. Bisher haben sie es schon geschafft, für eine Woche das Wasser in Hackney abzustellen. Ich habe einen Kumpel getroffen, der auf der Baustelle des Stadiums arbeitet. Er sagt, dass die den ganzen Tag rumhängen und Dope rauchen. Es müssen also glorreiche Olympische Spiele werden!