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Musik

DAF und die Folgeschäden

Wenn man der Theorie Glauben schenkt, die sich DAF über die letzten 30 Jahre hinsichtlich der Rezeptions- und Wirkungseffekte ihrer eigenen Musik zurechtgelegt haben, müsste immerhin die Hälfte unserer Redaktion sie total Scheiße finden...
5.1.11

Wenn man der Theorie Glauben schenkt, die sich DAF über die letzten 30 Jahre hinsichtlich der Rezeptions- und Wirkungseffekte ihrer eigenen Musik zurechtgelegt haben, müsste immerhin die Hälfte unserer Redaktion sie total Scheiße finden. Erstaunlicherweise ist dem nicht so, DAF ist eine der wenigen Konsensbands hier im Büro. Deswegen rückte auch ein beträchtlicher Teil der Belegschaft unsererseits zum Interviewtermin an.

Wir hoffen, DAF fühlten sich nicht wie eine dieser osteuropäischen Busenwunder, die auf Erotikmessen ausgestellt und vom Blitzlichtgewitter und Speichelfluss notgeiler Besucherherden geschändet werden. Tatsächlich wirkten sie recht heiter und gelöst als wir sie kurz vor ihrem Auftritt beim so genannten Heimatabend in Berlin trafen.

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VICE: Was glaubt ihr, ist der Grund dafür, dass es noch immer eine sehr große Nachfrage nach euren Auftritten gibt?

DAF (Gabi): Na weil das eine sehr interessante Künstlergruppe ist, die Deutsch-Amerikanische Freundschaft. Das ist ein sehr interessantes Projekt.

Die Frage hat auch folgenden Hintergrund: Denkt ihr, dass es heute abgesehen von euch nicht ausreichend Künstler gibt, die im Prinzip das verkörpern, was DAF immer ausgemacht hat?

G: Das sollte man nicht vergleichen. Man kann ja auch nie genau zuordnen, in welchen Bereich DAF ganz genau gehört. Es gibt ja viele Szenen, die sich von uns haben inspirieren lassen oder sich auf uns berufen. Das geht wirklich von House über Gothic bis zu Techno-DJs. Die verschiedensten Szenen. Auch EBM, Industrial. Das ist sehr spezielle Musik, die aber alle Bereiche abdeckt, aber in einer einzigartigen Form.

Robert: Es gibt noch einen Grund aus meiner Sicht. Schon vor dreißig Jahren bin ich ein paar Mal auf Leute gestoßen, die uns gesagt haben „Jungs, ihr seid der Szene um Jahrzehnte voraus“. Ich glaub, deshalb funktioniert es auch immer noch. Die hatten Recht.

G: Das schreiben auch viele, in den Kommentaren. „Oh, schon vor dreißig Jahren“, ”Das war immer der beste Electroclash-Remix!“ hab ich gestern noch auf facebook gelesen. (lacht) Electroclash-Remix. So klingt das jetzt. Das ist halt so. Wir haben viele Parameter ganz früh gesetzt. Schräg orientierte Musik, deutsche Texte, Minimalismus.

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R: Viel Elektronik.

G: Sehr viele Sachen sind tatsächlich in den real existierenden Pop-Korpus gewandert. Das ist jetzt normal. Gepitchtes, Synthesizer, falsch schief klingen, das Loop-orientierte. Früher gab es noch keine Loop-Maschinen, gab noch kein Sampling. Und wir haben damals mit Bändern schon so Riesenloops gebaut, weil wir wussten, so wird das. Mit Loops und Elektronik - das wussten wir.

Ich hab mir auch ein paar ältere Interviews angesehen, auch im Zusammenhang mit DAF / DOS. In einem Interview sagst Du, dass euer Ziel mit DAF / DOS war, die Energie oder das wesentliche, was DAF ausgemacht hat mit DAF / DOS in den Kontext der damaligen Zeit zu setzen, was Stilistiken oder Genres angeht.

G: Ja aber, es hat auf jeden Fall nicht richtig funktioniert, würde ich sagen. Obwohl es sehr erfolgreich war. Aber es hat nicht funktioniert. DAF ist wirklich einmalig, auch in dieser Kombination.

Als ihr vor ein paar Jahren die fünfzehn neuen DAF Lieder gemacht habt, warum seid ihr in Sachen Soundästhetik bei eurem klassischen Stil geblieben anstatt zu versuchen, das in eine aktuellere Richtung zu bewegen oder eine Revision vorzunehmen?

G: Naja, wir haben kein Live-Drumming dahinter gehabt.

R: Genau, das war ein großer Unterschied.

G: Das war der größte Unterschied.

R: Computerdrums waren das.

Aber was war der Grund sich nicht am Zeitgeist zu orientieren, sondern eben bei klassischem Sound zu bleiben?

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R: Du meinst auch bei unserem Sound, ja? Also wir bleiben unserer Linie schon ein bisschen treu.

G: Wir sind ja eine freie Künstlergruppe. Wir gehen nicht ins Studio und sagen „Wir müssen das jetzt unbedingt so oder so machen“. Wir treffen uns und dann machen wir was zusammen und es ist völlig frei von irgendwelchen taktischen Vorüberlegungen. Da geht es eher darum, dass kreative Momente entstehen. Und was dabei rauskommt, ist dann genauso wie es ist und das ist dann auch genau richtig.

R: Das ist ein guter Punkt. Wir planen nicht.

G: Weil wir auch einfach gar nicht so denken: „Was müsste denn jetzt kommen? Jetzt in die Richtung, nee die Richtung wär besser.“ Das interessiert uns alles überhaupt nicht (lacht). Es ist uns völlig egal, welche Richtungen jetzt kommen oder nicht.

R: Wir machen einfach nur einzelne geile Tracks, so würde ich das nennen. Selbst wenn sie nur in einem abstrakten Sinn zusammenpassen würden, wo andere sagen würden „Ja aber Jungs, die zwei Nummern sind so schräg und hier habt ihr zwei tolle Bassnummern, wär doch besser, wenn das alles Bassnummern wären. So viel powervoller.“ Nee, wir wollen doch diese zwei schrägen Partynummern mit den Bassnummern verbinden. Selbst wenn eine Nummer klingt, als wär der Synthesizer kaputt und die andere Nummer ist wieder total energetisch.  Und jede Plattenfirma würde sagen, das ist viel besser nur die Richtung. Nee, so sind wir nicht drauf, weil das wär dann auch wieder viel zu viel Konzept.

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Robert, wie hast du das damals aufgenommen als Gabi DAF / DOS gemacht hat?

R: Da haben wir uns halt gestritten. Das war dann so ein Streitfall, nach dem wir uns auch getrennt hatten. Wir haben uns öfter gestritten, aber sind im Endeffekt immer wieder zusammengekommen. Wir haben uns auch schon heftig gestritten. Du denkst in dem Moment „Ey das war's jetzt, mit dem Typ werd ich nie mehr was machen“. Aber so denkst du doch immer. Nach einer gewissen Zeit legt sich das dann wieder. Ich seh es schon so, dass über Sachen Gras wächst. Und das ist bei uns auch immer der Fall gewesen. Dann haben wir irgendwann doch wieder telefoniert oder sind uns irgendwo begegnet und haben gedacht „Ja man könnte doch mal wieder was machen“.

G: Wir sind auch nicht nachtragend. Wir täuschen dann auch keine Harmonie vor, wenn keine da ist. Weißte, es ist alles sehr offen. Dadurch gibt es natürlich auch viele Konfrontationsmomente, das ist aber alles ok. Das sollte man vielen Bands empfehlen, ab und zu sich zu splitten und sich zu streiten.

R: Das ist auch gesund. Einer Band kann ich nur empfehlen, sie sollen sich auf alle Fälle auch mal trennen. Nicht unbedingt streiten.

G: Doch, auch streiten! (lacht) Das ist auch gut.

R: Schon allein aus künstlerischen Gründen sollte sich jede Band mal trennen. Und ganz was anderes machen. Da können sie auch mal Soloalben machen oder irgendwo hinfahren. Einfach mal aussteigen. Das ist wichtig.

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Könnt ihr euch eigentlich mit dem Label des heutigen Abends, also Heimatabend identifizieren?

G: Das fand ich lustig. Das ist ja gerade ein sehr beliebter Begriff, jetzt gerade im deutschen Sprachraum. Es gibt viele Diskussionen zu diesem Begriff. ‚Was ist Heimat?‘ oder ‚Wie ist Heimat?‘.

R: Find ich in bisschen skurril (lacht). Aber ist ok, warum nicht?

Es ist aber trotzdem eine Party, die von Jägermeister gesponsert wird. Entspricht ein Auftritt auf einer derartigen Party noch eurem Punk-Verständnis? Oder geht das nicht irgendwie ein bisschen verloren?

G: Das wusste ich gar nicht. Ist ja oft bei Partys, dass die gesponsert werden.

Das ist kein Problem, das steht auch nicht im Widerspruch?

R: Das ist uns teilweise egal.

G: Manchmal egal und manchmal auch nicht. Es gibt schon Sachen, die ich dann nicht so gern sehe. Zu viel Werbung oder so. Seht ihr das eher als Mäzenatentum oder doch mehr als Werbung?

G: Werbung ist das. Und das mach ich nicht unbedingt gerne, Werbung für fremde Sachen.

Wofür würdest du Werbung machen? Was gibt es für Produkte, wo DAF dahinterstehen würde?

G: Eigentlich würde ich gar keine Werbung machen, eigentlich wäre es mir lieber dagegen vorzugehen. Wie?

G: Sabotageakte! Weiß nicht genau.

Aber heute Abend wird es keine Sabotage geben?

(beide lachen) G: Nee, also wenn man schon gegen Werbung vorgeht, dann muss man auch wirklich die mächtigen Sachen angreifen. Das find ich schon gut.

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In diesem Kontext, mit der aktuellen Diskussion um Wikileaks, auch mal dem Ganzen den Vorhang wegzureißen—findet ihr das gut?

G: Ja klar. Man muss alles zeigen. Es ist egal, ob es gut oder schlecht ist. Es ist einfach existent, das gibt es und das wird es auch immer mehr geben. Das ist die Macht der Archive, das kann man nicht mehr stoppen. Über alles wird es Archive geben, immer mehr und immer mehr. Das ist im Prinzip was Gutes, zwar kann man auch viel Desinformation unterbringen, aber das ist absolut begrüßenswert, dass es diese Möglichkeit gibt. Es passieren Schweinereien in der Gesellschaft und jede Schweinerei wird von irgendeiner Sekretärin abgetippt und die lässt das dann durchsickern. Das ist eine ganz feine Sache. Erfährt man Sachen, die man sonst nicht erfährt. Warum nicht?

Stellt euch vor, ihr wärt im Jahr 2010 Teenager und würdet jetzt zusammenfinden und anfangen Musik zu machen. Glaubt ihr, ihr würdet ähnlich vorgehen, wie ihr damals vorgegangen seid? Wie würdet ihr arbeiten, wie würdet ihr klingen?

G: Da würde ich Video Games spielen. Ich hätte wahrscheinlich gar keine Lust Musik zu machen. Als Jugendlicher musst du dich nicht mehr unbedingt über Musik definieren wogegen in den Seventies oder Eighties das gesamte Taschengeld für Platten draufging und ein bisschen für Mode. Das hat sich doch sehr stark geändert. So hypothetische Fragen sind immer sehr schwierig zu beantworten.

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Musik mit Computerspielen, macht ihr das immernoch?

G: Klar, hab ich auch schon früh gemacht. Mit der Playstation 1 hab ich Musik gemacht, das hat immer Riesenspaß gemacht. Jetzt gerade aber nicht. Aber das ist ein tolles Konzept, dass man jederzeit wieder ausgraben kann. Was aber am besten mit der PS1 geht. Das ist ein tolles Ding.

Warum mit der PS1?

G: Weil es da die entsprechende Software gibt, die man dann verändern kann. Musik 2000. Das kann man hacken und das kann man dann richtig benutzen wie man will. Da gibt es auf Memory Card schon Programme dafür.

Gabi, du hast dich immer dazu bekannt, einen sehr hedonistischen Ansatz zu vertreten. Das zu machen worauf du Lust hast, die Drogen zu nehmen, die du nehmen willst, mit den Leuten Sex zu haben, mit denen du Sex haben willst. Würdest du sagen, so wie sich Technokultur  in den letzten 25 Jahren entwickelt hat, ist das ein Idealzustand, wie im Techno Partykultur, Sexkultur, Drogenkultur zusammenkommen—ist das das was du wolltest damals?

(beide lachen) G: Waren gute Ansätze da, auf jeden Fall. Zumindest eine Zeit lang.

Würdest du dich da heute zuhause fühlen? Wenn du jetzt in die Szene reinkommen würdest als junger Mensch?

G: Ja, wenn das so ist wie am Anfang. Als die ersten ‚E‘s kamen und das ganz frisch noch war. Bis zur nullten Stunde schon. Später dann nicht mehr. Warum?

G: Weil die ‚E‘s dann nicht mehr so stark waren wie früher (lacht) und dann da zu viele andere Leute waren, die das nicht richtig verstanden haben oder was anderes wollten. Je mehr Leute dazu kommen, desto mehr muss man den kleinsten gemeinsamen Nenner finden—und dadurch wird dann die Sache auch etwas verflacht.

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Ihr habt ja beide diverse Drogenerfahrungen gemacht, beobachtet ihr da irgendwelche Folgeschäden?

G: Folgeschäden? (lacht). Nee. Man muss auch sagen, Drogen werden auch verteufelt. „Das ist doch verboten“ oder „Das ist nicht gut“. Natürlich ist das nicht gut, wenn du jetzt dauernd, jeden Tag irgendwas konsumierst. Nach fünf Jahren bist du sehr schräg drauf. Bei jeder Übertreibung. Aber ansonsten sollte man die nicht verteufeln. Einige der größten Leistungen der Menschheit, nicht nur in Kunst und Kultur, sondern auch in der Wissenschaft haben wir Drogen zu verdanken. Das Scheinheilige ist ja, dass manche Drogen absolut erlaubt sind. Alkohol zu trinken zum Beispiel – eine sehr starke Droge. Oder was man als Hausfrauentabletten bezeichnet, diese ganzen Pharma-Drogen, die man vom Arzt verschrieben kriegt. Es gibt verbotene und erlaubte Drogen. Und es gibt vielmehr erlaubte Drogen als verbotene.

Du hast mal gesagt, als das Buch ‚Verschwende deine Jugend‘ geschrieben wurde und Jürgen Teipel dich anrief, dass du dir bestimmte Geschichten ausgedacht hast, weil er euch genervt hat. Wie viel stimmt dann in diesem Buch, wie viele Anekdoten sind wahr?

G: Zu zwei Drittel Info, ein Drittel Desinfo.

Stimmt die Geschichte mit den Nazis in Italien, mit denen ihr euch geprügelt habt?

G: In Rom? Ja das stimmt.

Ich finde die Geschichte einfach sehr bizarr. Habt ihr das überhaupt nicht mitbekommen, als ihr damals gebucht wurdet?

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G: Nee, wir haben das nicht mitbekommen. Die Situation war sehr angespannt in Rom, weil ein Autonomer erschlagen worden war von Neonazis. Und als wir Mussolini spielten gab es da zwei Fraktionen im Publikum und dann haben sie sich eine richtige Zahnschlacht geliefert, die beiden. Und wir mitten drin. Es ging ja dann auch auf die Bühne und alles.

Das ist jetzt eher eine negative Energie, aber wenn ihr heute Konzerte spielt, ist der energetische Output der Menge immer noch der gleiche oder hat sich da was geändert?

G: Oft sehr ähnlich.

R: Die Energie schwirrt da schon noch herum.

Habt ihr euch energetisch ein bisschen geändert? Man wird ja auch älter, nicht jünger. Tretet ihr da langsamer auf die Bühne?

R: Nee, wir spielen immer noch sehr energetisch. Manch einer wundert sich sogar manchmal. „Wo gibt's denn so was, wo habt denn ihr überhaupt die Energie her?“ G: So lebe ich auch gerne. Sich immer total verausgaben. Ich verausgabe mich unheimlich gern.

R: Gabi schläft immer erst, wenn er komplett kaputt ist.

G: Das stimmt. Wenn ich gar nicht mehr kann, dann geh ich schlafen. Vorher kann ich gar nicht. Da brauch man gar nicht so viel Energie wie man denkt.

Wie ist das mit Bands, die sich an euch orientieren? Du hast mal gesagt, das wäre ja nur Partymusik. Nehmt ihr das ernst bzw. fühlt ihr euch geehrt, wenn junge nachwachsende Bands euch als Referenz nennen?

G: Wir haben schon viel Respect gekriegt von ganz unterschiedlichen Szenen und das ist gut, dass das aus so verschiedenen Szenen kommt, wir fühlen uns da keiner speziellen Szene zugehörig. Wir sind halt DAF und das ist ganz einzigartig. Dass sich so viele haben beeinflussen lassen, klar ist es zum Teil auch schmeichelhaft. Aber nicht immer (lacht).

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Was sind dann Negativbeispiele, wo ihr denkt „Nee, lieber nicht“?

R: Konkret wollen wir da nichts nennen. Aber solchen Bands sagen wir dann teilweise ab. Die meisten Anfragen lehnen wir ab. Da stehen uns teilweise schon die Haare hoch, was die aus unseren Songs machen wollen.

G: Da sind wir auch schon gegen vorgegangen. Ganz selten kommt so eine Version überhaupt durch.

Ein wesentliches Element von DAF war immer die Radikalität. Wir hatten ja schon die Anekdote in Rom. Gibt es andere Momente, wo euch dieses Element besonders bewusst geworden ist. Welche enorme Wucht und Macht in der Musik steckt und was sie bewirken kann.

R: Klar, schon immer. Die ganze Laufbahn von DAF bestand eigentlich immer aus 50/50. 50% verehren uns komplett und feiern das Ganze ab, und 50% sind unsere Feinde. Finden das gar nicht gut, was wir machen. Gar nicht gut! Beschissen, total beschissen (beide lachen).

Gab es einen konkreten Moment, wo ihr gemerkt habt „Wow das gerät jetzt außer Kontrolle“ oder „Das ist nicht das womit wir gerechnet haben“?

R: Es gab schon Momente. Was mir vor kurzem wieder eingefallen ist, als wir in Lyon ein Konzert hatten. Und da waren wir in einem Hotel am frühstücken, sollten später am Tag spielen und dann hat uns jemand von der Crew eine Tageszeitung auf den Tisch gelegt. Natürlich auf Französisch, aber man kann das ganz gut übersetzen. Ganz fett, zwei DAF-Jungs in Lederoutfits, vorne auf der Titelseite. Und dann stand da drauf: „Heute Abend zu Gast in unserer Stadt: die German fascist fist fuckers“. In der Tageszeitung, Titelseite! Heute zu Gast in unserer Stadt. Da läuft es schon aus dem Ruder. Da fragt man sich schon ‚Was denken jetzt die Normalleser der Tageszeitung?‘. Das war ja kein Underground-Magazin, das war wie Berliner Kurier. Und dann sagen sie ‚Heut Abend sind die Faschisten bei uns zu Gast in der Stadt. Die gay Faschisten. Die fist fuckers.‘

Wenn ihr mal ein neues Album macht, könnt ihr das gleich als Albumtitel nehmen.

(beide lachen) R: Was sollst du dann auch auf so was sagen, wenn es so ausufert teilweise. Gelacht haben wir. Aber so sind wir auch drauf. Das einzige was du machen kannst, ist drüber lachen. Augen zu und Gig spielen. Soll ich mich jetzt darüber aufregen, nachdenken, oder philosophieren? Weißt du, im Endeffekt juckt es auch nicht. Du wirst so und so dargestellt von gewissen Leuten.

Aber wahrscheinlich sind gerade wegen dieses Artikels hundert Leute mehr gekommen.

R: Das kann schon sein, es ist sehr hypemäßig, sehr laut. Propagandamäßig.

Gibt es denn Pläne, wieder Songs zu machen?

R: Ja, wir haben auch schon angefangen. Wir arbeiten an Spezialeditionen und haben jetzt die erste limited Edition von ‚Du bist DAF‘ rausgebracht. Die ist streng limitiert auf 2010 Stück, das ist nur ein neuer Song. So in dieser Art wollen wir das fortsetzen. Also mit Spezialprodukten. Wir wollen auch produktmäßig den Leuten was anbieten. Aber nicht unbedingt im herkömmlichen Sinn. Wir überlegen uns da gerade ein paar Sachen.

Foto: Christoph Voy