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Auf Spets. Fertig. Los.

Die russische Mafia ist ein super Fernsehserienstoff.
17.1.11

Der Autor (ratet mal, welcher der Typen das ist) mit Vitali (dem zweiten von rechts) und seiner Crew nach einer Runde Wurfscheibenschießen
Spets war eine Fernsehserie über die brutalen Aktivitäten der russischen Mafia, die sich während der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens in den späten 90ern bzw. Anfang der Nullerjahre einer großen Beliebtheit erfreute. Die Serie basiert auf dem Leben von Vitali Djomotschka, einem verurteilten Mörder und Mafiaboss aus der Gegend um Wladiwostok, der außerdem der Regisseur, Autor, Produzent und Star der Serie war. Auf verwobenen Wegen, deren Details ich hier lieber nicht erläutern möchte, arrangierte ich ein Treffen mit Vitali und fuhr letztes Jahr nach Russland, um ihn zu sprechen. Es war meine erste Reise in das Land und nach meiner Ankunft wurde mir rasch klar, wie aufregend Spets im Vergleich mit dem Rest des hochgradig provinziellen Halbkontinents, der Russland ja ist, war. Gott sei Dank war ich aber nicht zum Vergnügen dort; ich war um die halbe Welt geflogen, um einen der furchteinflössendsten und unterhaltsamsten Berufskriminellen unserer Zeit zu treffen. Ich durfte Vitalis geheimes Büro erst betreten, nachdem ich von drei seiner Untergebenen abgecheckt und nach Waffen durchsucht worden war. Vitali bezeichnete mich dann erstmal als Schwuchtel, nahm mir meinen Pass ab, verschwand und tauchte wieder auf und drohte, mich umzubringen, bevor er mich schließlich fragte, ob ich ihm helfen könnte, in den Staaten einen Verlag für ihn zu finden. Irgendwie schafften wir es nach dem ganzen Prozedere, uns die Hände zu schütteln und Freunde zu werden. Als ich wieder zu Hause war, sah ich mir ein paar Folgen von Spets an, um zu schauen, ob mir das Treffen mit seinem Schöpfer zu neuen Einsichten über die Serie verholfen hatte. Weil ihr diese Shows nie im Leben selbst finden werdet, wenn ihr nicht zufällig regelmäßig auf russischen Snufffilm-Basaren verkehrt, werde ich mal so freundlich sein, und ein paar meiner Lieblingsmomente aus diesem wundervollen Programm zusammenfassen, damit ihr seine wahre Großartigkeit nachempfinden könnt.

1 In der ersten Folge orchestrieren Vitali (der aus irgendeinem unerfindlichen Grund einen Reiterhelm trägt) und seine Crew einen Autounfall. Das alles ist Bestandteil eines Systems der Erpressung, das die Russen als Podstawa bezeichnen, und das von Vitalis Crew in ihren Glanzzeiten oft und gerne angewendet wurde und seiner Gang im echten Leben ihren Namen gegeben hat. Die Action beginnt, indem Vitalis Männer mit ihren Autos einen japanischen Sportwagen so in die Enge treiben, dass der Fahrer direkt hinter Vitalis SUV anhalten muss. Dann springt der Fahrer aus dem Wagen, macht einen auf harten Typ, steckt den Kopf durch Vitalis offenes Fenster, sieht wie absurd viele Typen in dem Wagen sitzen und reicht ihnen dann anstandslos sein Geld und seinen Ausweis rüber. Kein sonderlich ausgefuchstes Komplott, aber dennoch effektiv.

2 Hier geht einer von Vitalis Männern einer der wenigen Lieblingsfreizeitbeschäftigungen der Gang nach, die nichts mit Verstümmelung und Mord zu tun haben: sich in einem Badehaus einen blasen zu lassen. In anderen Ländern ist diese Art Verhalten normalerweise eher eine Domäne von Schwulen und den „Heteros“, denen sie heimlich einen blasen, aber in Moskau gehört diese Szene den Gangs. Seine Crew hatte eigentlich eine solche Körperpflege-Session für uns eingeplant, aber Vitali beschloss dann, dass er doch lieber reiten gehen würde. Na gut, vielleicht beim nächsten Mal.

VON RYAN DUFFY, FOTO VON WILL FAIRMAN