FYI.

This story is over 5 years old.

Stuff

Die Spieler hatten Angst um ihr Leben!

Was für ein würdiges Endspiel um die Randalemeisterschaft 2012!
16.5.12

„Die Spieler hatten Angst um ihr Leben!“, verpetzte ein schielender Michael Preetz die Berliner Weicheier vor laufenden Kameras. Dabei blinzelte eines seiner Chamäleonaugen kontinuierlich nach hinten und so entblößte er sich selbst als nassester Waschlappen der Berliner Delegation, die an diesem Abend in Düsseldorf den Randalemeister 2012 begleitete.

Herthas Sportdirektor Preetz war eigentlich nach Düsseldorf gereist, um unter eine sportlich miese und betriebsführerisch unterirdische Saison drei Kreuze zu machen. Nach dem 1:2 im Hinspiel gegen Fortuna Düsseldorf  hätte es doch wirklich niemanden mehr entsetzt oder wenigstens verwundert, wenn Hertha diesen Dienstag in die 2. Bundesliga abgestiegen wäre. Sicher, ein Aufreißer im Berliner Boulevard wäre drin gewesen. Sicherlich hätte Preetz den Hut ziehen müssen. Aber eigentlich wollte er an diesem Abend klammheimlich mit dem Badeschiff Hertha BSC untergehen. Keine großen Wellen schlagen und einfach nur noch ins Bett und vor dem Fernseher das Finale der Champions League und die Europameisterschaft kucken.

Es kam aber alles anders. Überspringen wir mal die Feuerwerkskörper, die der Hertha-Block nach Düsseldorfs 2:1 abschoss. Da freuen sich ein paar Harlekine über den Sieg der Randalemeisterschaft 2012. Es sei ihnen gegönnt. 20 Minuten später schießt Hertha den 2:2-Ausgleich und es keimt ein letzter Funken Hoffnung in Thomas Kraft, dem einzigen Berliner, der in dieser Saison Herz und Verstand mitgebracht hat. Wieder fliegen Böller. Das war alles schon mal da und gehört bei einem solchen Spiel zum guten Ton. Es beginnt die Nachspielzeit.
Ein mittlerweile stark neurotischer Michael Preetz stellt entsetzt fest, dass sein Elend noch sieben Minuten dauert. Er wollte sich doch eigentlich nur schleichen und in der Liste der unbeliebtesten Fußballmanager hinter Dieter Hoeneß und Karl-Heinz Wildmoser einreihen. Und dann passiert der Fauxpas. Düsseldorfer Ordner lassen Fans über die Zäune klettern. Brav stehen vier Minuten vor Abpfiff der Nachspielzeit einige hundert Düsseldorf-Fans auf dem Platz und warten ungeduldig wie 8-Jährige bei den Bundesjugendspielen auf den Aufruf zum Loslaufen. Jovanovic von Düsseldorf schießt neben das Tor. Mit einem Pfiff gibt Stark zu verstehen, dass es Abstoß gibt. Ein Pfiff, der die Düsseldorfer Fans den Platz stürmen lässt. Dumm nur, dass da noch 90 Sekunden zu spielen sind. Natürlich ist es doof, wenn ein Fan dabei den Elfmeterpunkt aus dem Rasen schneidet, da ein normaler Spielbetrieb damit so oder so nicht mehr zu gewährleisten war. Das nächste Mal, wenn jemand ein Tor umstürzt, kann man dann ja auch einfach auf das andere schießen. „Stellen Sie sich mal vor, was passiert wäre, wenn ein Tor gefallen wäre. Womöglich für uns“, spinnt Preetz jedoch nach dem Spiel herum. Ja, vermutlich hätten die paar hundert Düsseldorfer Ramos den Stinkefinger gezeigt. Hätte die Berliner Ostkurve Ramos nach seinem Eigentor im Hinspiel in die Hände bekommen, wäre ihm mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit weitaus Schlimmeres widerfahren. Aber Angst im Nacken vor den eigenen Fans oder wenigstens dem eigenen Trainer oder wenigstens einem Sportdirektor, das kennen die Hertha-Spieler nicht. Da schaffen es ein paar Düsseldorfer Studenten und Familienväter, was Skibbe, Rehagel und dieser andere Typ in der ganzen Saison nicht geschafft haben: Über die Konsequenzen der erbrachten sportlichen Leistung nachzudenken. Nach 20 Minuten in der Kabine traut man sich dann wieder auf den Platz. Wie scheue Rehe kucken sie in Richtung des Düsseldorfer Blocks. 90 Sekunden später ist alles vorbei. Nur nicht für Preetz. Der erklärt vor laufenden Kameras, dass man das Spiel zu Ende bringen musste, um eine größere Katastrophe zu vermeiden. Hertha BSC Berlin wird heute Einspruch gegen die Wertung einlegen und darauf hoffen, dass es zum Wiederholungsspiel  kommt. Das Leid soll nochmals verlängert werden. Für Preetz wird der Albtraum nie zu Ende gehen. Er hatte das Sofa schon vor Augen. Wir sprechen uns aus für ein Wiederholungsspiel auf neutralem Platz in Köln. Und vielen Interviews mit dem schielenden Preetz, der die Gefahr immer im Nacken spürt.