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Politik & Musik

NEOS-Abgeordnete covert "Let it be" und stellt damit unseren Humor auf die Probe

Liebe Frau Mlinar: Man covert keinen Beatles-Song, um lustig zu sein.

von Benji Agostini
24 November 2016, 11:23am

Angelika Mlinar, Abgeordnete der NEOS im EU-Parlament, will Vizefraktionschefin werden und hat dazu heute ein Video veröffentlicht, in dem sie den Song "Let it be" von den Beatles zu "Vote for me" umgetextet hat. Dass Politiker Songs produzieren (lassen), ist (leider, leider) nichts Neues. Es ist wahrscheinlich eine der eingängigsten Methoden, um Themen an die Leute zu bringen, die sich nicht für Politik interessieren oder—wie im Fall von Mlinar—einfach auf sehr unpolitische Art und Weise Aufmerksamkeit für sich zu erzeugen. 

Das Video zeigt die Abgeordnete bei ihrer Arbeit und im Studio mit dem klassischen "We are the World-ich-greif-mir-theatralisch-auf-die-Kopfhörer"-Move. Unterlegt ist das Video mit der Lagerfeuerversion von "Let it be" mit einem Text, der sagt, dass sie für Gleichberechtigung ist, viel arbeitet und Hilfe bei der Wahl braucht. Dass sich die Gesangsstellen, bis auf "Vote for me, vote for meeee" nicht wirklich ausgehen, stört eigentlich nur, wenn man den Ton aufdreht. Welche Themen der Abgeordneten wirklich wichtig sind, werden am Ende des Videos als Standbild gezeigt. Auch in der Beschreibung unter dem Video steht bloß "Only humour will get us through life!" Wie dieses Video uns durchs Leben bringen soll, bleibt allerdings offen. 

Im Noisey-Gespräch sagt Mlinar, dass der Song hauptsächlich zum Aufbrechen der üblichen Muster dienen solle und dass das auch mit Humor (Humor ist, wenn man trotzdem lacht, oder so) funktioniere. "Der Song wird sicher ins Lächerliche gezogen, aber ich werde es aushalten. Wenn du so etwas nicht aushältst, darfst du es nicht machen", sagt sie. Als Vorbild nennt sie die Obama und Biden-Memes, die nach dem Sieg von Trump zumindest ein halbes Lächeln auf die Lippen zauberten. Thanks, Obama! Ihre Kollegen finden es laut Mlinar sehr amüsant und in Brüssel funktioniere so etwas besser als im eher konservativen Österreich.

Ob der Song einen absichtlich zum Erschaudern bringen soll oder ob sie es ernst damit meint, ist eigentlich nebensächlich. Auf Twitter und Facebook machen sich die Leute darüber lustig und teilen dabei das Video. Wie man es derzeit vermehrt über Hassposting und Fake News liest, interessiert sich der Facebook-Algorithmus nur für Interaktionen und macht Beiträge mit mehr Reactions und Shares sichtbarer für andere Leute als Beiträge mit wenig Interaktion. Das funktioniert auch mit Hohn und funktionierte beispielsweise auch schon bei Lugner und Heinz Christian Strache. Die Frage ist nur, ob man dafür wirklich einen Beatles-Song hernehmen muss und ob man es vielleicht nicht doch besser bei einem Meme belassen hätte sollen.

Warum gerade "Let it be"? Mlinar dazu: "Die Entscheidung kam nicht von mir, sondern von dem Mann, der im Video singt. Da war kein großer philosophischer Gedanke dahinter. Der Song sollte einfach bekannt sein", sagt Mlinar. Fair enough, aber bitte, wenn schon lustiger Song mit wenig Inhalt, dann auch einen Song, der ursprünglich lustig ist und nicht unbedingt ein zeitlosen Klassiker. Und vielleicht wäre ihre und unsere Zeit mit einer politischen Message besser genutzt.

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