flagrant fouls

Ein NBA-Fan hat bewiesen, dass gegen Jeremy Lin keine harten Fouls gepfiffen werden

Immer wieder wird der Hornets-Star Opfer von Flagrant Fouls, ohne dass die gepfiffen werden. Seine Fans hatten jetzt die Nase voll und haben ein Beweisvideo zusammengestellt.
18.4.16
Foto: USA Today Sports

Am 5. April wurde bei YouTube ein Video online gestellt, das mittlerweile schon über 1,7 Millionen Klicks hat. Die sechs Minuten lange Compilation deckt eine Art „Komplott" gegen Hornets-Guard Jeremy Lin auf. Denn der soll in sechs Jahren NBA unzählige Male Opfer von Flagrant Fouls geworden sein, ohne dass diese auch als solche gepfiffen wurden.

Und das Video hat es in der Tat in sich, auch wenn es ein bisschen zu verschwörerisch aufgezogen wurde. Wenn man sieht, wie Kobe Bryant einen abhebenden Lin mit einem glasklaren Schlag ins Gesicht auf die Bretter schickt, ist es einfach unbegreiflich, dass diese Szene nur als einfaches Foul geahndet wurde. Dasselbe gilt auch für die Aktion seines früheren Knicks-Mitspielers Carmelo Anthony (der ihn schon zu Linsanity-Zeiten nicht ausstehen konnte). Dazu kommen noch die zahlreichen Ellbogenschläge gegen Lins Kopf, die nicht gepfiffen wurden…

Dabei verfügt die NBA eigentlich über ein Postgame-Kontrollsystem für seine Schiedsrichterentscheidungen. Hier können Spieler nachträglich für harte Fouls sanktioniert werden. Jeremy Lin hat von dieser Möglichkeit der nachträglichen „Gerechtigkeit" bisher kein einziges Mal profitieren können.

Manche User glauben sogar, es könnte einen rassistischen Hintergrund für die lasche Auslegung von Fouls gegen Lin geben. Schließlich ist der einer von nur ganz wenigen asiatisch stämmigen Spielern in der NBA. Diesen Vorwurf aber hält Ronnie Nunn—von 2003 bis 2008 NBA-Schiedsrichter-Direktor—für falsch. Vielmehr macht er einen anderen Grund für die Fehlentscheidungen, nämlich Inkompetenz, geltend, wie er auf Twitter erklärte: „Ich bin überrascht und enttäuscht, dass diese Fouls mithilfe des Replay-System nicht nachgeprüft worden!"

via GIPHY

Die wiederholten harten Fouls gegen Lin werfen einige Fragen auf. Haben einige Spieler eine persönliche Abneigung gegen Lin? Ist er auf dem Platz unausstehlich? Wirkt seine Stromschlag-Frisur provokant? Oder liegt es vor allem daran, dass Lin ein Spieler ist, der bekanntermaßen nicht groß reklamiert, selbst wenn er hart gefoult wird? Wie dem auch sei, im Internet haben sich jetzt viele Fans zusammengetan, um sich für ihren Star einzusetzen.

So wurden sowohl an NBA-Commissioner Adam Silver als auch an die Twitter-Accounts @NBA, @NBAOfficial und @OfficialsNBARefs Beschwerde-Nachrichten samt dem Video geschickt, auch wenn die Resonanz von offizieller Seite mehr als bescheiden war.

Jeremy Lin hingegen hat sich in einem Video für die Fan-Aktion bedankt:

Und vielleicht trägt die Aktion sogar Früchte. Denn beim 114:100-Sieg über die Boston Celtics letzte Woche musste Lin zehn Mal an die Freiwurflinie—und damit nur drei Mal weniger als bei seinem bisherigen Freiwurf-Rekordspiel gegen die Lakers 2012. Gut möglich, dass die NBA-Referees jetzt mehr aufpassen, wie Lins Gegenspieler in die Zweikämpfe gehen. Zu bedanken hätte er sich dafür bei seinen treuen Fans.