Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien ist das unersetzlichste geschützte Gebiet. Foto von Flickr/SémaphorismesIn einem Versuch den Erhalt der wichtigsten Ökosysteme des Planeten zu verbessern, veröffentlicht das Science Magazin kürzlich eine Studie, die alle jene geschützten Gebiete der Erde auflistet, die für den Erhalt der globalen Biodiversität am unersetzlichsten sind.Der Studie zufolge fokussierten sich die bisherigen Erhaltungsversuche zu sehr darauf, das Netzwerk der geschützten Gebiete (Protected Areas, oder häufig auch PA's abegekürzt) zu erweitern, anstatt Wege zu finden, die vorhandenen Gebiete besser zu verwalten. „Weil PAs oft unterbesetzt, unterfinanziert und von externen Bedrohungen betroffen sind, sollten die Versuche der Gebietsausdehnung durch Maßnahmen zur verbesserten Verwaltung der Gebiete ergänzt werden,“ schreiben die Autoren. Hier begnet uns die gute alte Einsicht, dass Qualität über Quantität geht.Das internationale Wissenschaftlerteam betrieb einigen Aufwand, um die Orte ausfindig zu machen, die besonders unverzichtbar für den Erhalt der globalen Biodiversität sind: 173 461 Orte der World Database on Protected Areas und 21 419 Arten von Säugern, Amphibien und Vögeln auf der Roten Liste der bedrohten Arten des IUCN (International Union of Conservation of Nature) wurden untersucht.Ihrer Einschätzung nach ist die Unverzichtbarkeit eines Gebiets dadurch bestimmt, dass es das Überleben von Arten garantiert. Wenn eine bestimmte Art nur an einem bestimmten Ort existiert, dann ist dieser Ort für diese Art unersetzlich; Kann dieser Ort nicht effektiv geschützt werden, könnte die Art verloren gehen. Es erscheint daher logisch, dass sich auf die Orte, die am wichtigsten für die Vorbeugung des Artenverlustes sind, die größten Anstrengungen konzentrieren sollten. Außerdem sollten innerhalb jedes geschützten Gebiets die gefährdetsten Tiere Priorität haben. Diese Arten sollten seitens der lokalen Verwaltung größere Aufmerksamkeit genießen. In der Praxis ist das aber leider oft nicht der Fall.
Die Laysanente ist vom Aussterben bedroht. Foto von Flickr/USFWS Pacific Damit wären wir bei einem besonders wichtiger Punkt für die Naturerhaltung in der heutigen Zeit. Es fällt leicht, sich allein den „charismatischen“ Tierarten zu widmen, den Pandas und Tigern. Aber diese flauschigen Tiere sind nicht notwendigerweise diejenigen, die die größte Aufmerksamkeit brauchen. Der isolierte Schutz dieser publikumswirksamen Arten, die in TV-Werbespots brillieren oder uns allen als kuschelige Plüschtiere bestens vertraut sind, ist nicht der Weg, um ein ganzes Ökosystem zu erhalten.Die Studie stellt einige Arten innerhalb der unersetzlichen Gebiete vor, die es nirgendwo anders gibt als dort. Das IUCN, eine der Institutionen, die durch die Autoren der Studie vertreten wurde, liefert das Beispiel der Laysanente, die endemisch auf drei kleinen hawaiianischen Inseln ist, sowie das Beispiel von 13 Amphibienarten, die man nur im Canaima National Park in Venezuela findet. In der Summe kann man feststellen, dass die ausgewählten Orte das Zuhause der Mehrheit von 600 Populationen verschiedener Tierarten sind, von denen die Hälfte als gefährdet gilt.Die Gebiete, die am unverzichtbarsten sind, verteilen sich auf 34 Länder. Der Spitzenreiter ist Kolumbiens Sierra Nevada de Santa Marta Natural National Park. Dieser Ort ist das Zuhause von vierundvierzig gefährdeten Arten. Diese Habitate werden aber immer stärker vom Menschen bedroht. „Dieser wunderschöne Gipfel, der von angrenzenden Städten belagert wird, wird zusehends von den reichen Bevölkerungsschichten kolonisiert, die hier ihre Zweithäuser hinbauen,“ sagte Ana Rodrigues, eine Wissenschaftlerin am CEFE-CRNS in Frankreich und eine der Autoren der Studie, dem Guardian.Wie viele Orte auf der Liste ist dieses kolumbianische Gebiet nicht so gut geschützt, wie es sein könnte. Die Hälfte der unverzichtbaren Orte werden nicht als UNESCO Welterbe angesehen, obwohl dieser Titel dabei helfen könnte, sie zu erhalten. „Diese außergewöhnlichen Orte wäre alle gute Kandidaten für den Status des Weltkulturerbes,“ ließ Soizic Le Saout, der Hauptautor der Studie, durch ein Statement mitteilen. „Eine solche Anerkennung würde den Schutz der Biodiversität in diesen Gebieten sicherstellen; bedenkt man die hohen Standards der Welterbestätten.“Ein Anfang wäre aber auch schon gemacht, wenn die Gebiete, die als „geschützt“ gelten, auch ihrem Namen entsprechend behandelt werden.
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