FYI.

This story is over 5 years old.

Tech

Die verborgene Schönheit unserer Flughäfen

Solltest du in den Ferien vorhaben einen Flieger zu besteigen, dann beruhige dich mit dieser Videodemonstration von der versteckten Ästhetik eines Airports.

Eigentlich bin ich eher ein Trainspotter und weniger ein „Flughafen-Flaneur“. Aber wenn ich schonmal mit dem Flugzeug verreise, dann schlendere ich gerne zu den Aussichtsbereichen von Airports. Die Panorama Plattformen sind ein aussterbendes Phänomen—die Terroristen haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Aber in Baltimore zum Beispiel gibt es sogar Eingänge für Nichtreisende und auch den klassischen gläsernen Aufenthaltsraum mit Blick auf die Startbahn, wo man die Vibrationen der anrollenden Flieger in seinen Füßen spüren kann. Um ein Gefühl für das ganze Ausmaß der Fankultur rund um Flughäfen zu bekommen, solltest du dir den unglaublich detaillierten Guide zur Flugzeugbeobachtung anschauen.

Anzeige

Diese lebhafte Fankultur ist weder eine Überraschung noch etwas Neues. Das Fliegen ist eine der schönsten und ästhetischsten Errungenschaften, mit der sich Menschen beschäftigen können, ohne es gleich Kunst zu nennen – obwohl es schon ziemlich nah rankommt. Wenn du dich völlig davon überzeugen willst, dann nimm dir einfach ein paar Flugstunden oder mach einen Rundflug in einem kleinen Flugzeug. Lass dich dabei auf den Schwebezustand ein. Es erscheint bizarr und ist doch total ersichtlich, wie etwas, das als rein technologischer Kunstgriff funktioniert, sich doch so natürlich anfühlen kann.

Flughafen-Futurismus. Aus dem Film La Jetée von Chris Marker.

Nachts sind Flughäfen noch beeindruckender: die Lichter, die blau gepunkteten Gitternetzlinien, diese von hinten bestrahlten Beschilderungen und die roten Lichtbögen, die sich am Ende der Startbahn immer höher und höher in die Lüfte erheben. In etwa so entfaltet sich die Zeit auf Flughäfen. Auch der Fotograf Owen Scharlotte arbeitete am San Francisco International Airport daran diese Stimmung zu reproduzieren, nachdem ihm dort aufgrund des Absturzes von Asiana Airline Flug 214 lange Zeit der Zugang verwehrt wurde.

Auf der Vimeo-Seite „SFO at Night“ schreibt Scharlotte, „Die Aufnahmen zu ,SFO at Night` haben zwanzig Stunden und vier Nächte gedauert. Das Resultat sind ungefähr 8000 Grobaufnahmen. Das Bearbeiten der Fotos hat um einiges länger gebraucht, weil mehr als 150 GB zu brauchbarem Videomaterial umgewandelt werden mussten. Dafür brauchten wir mindestens drei unterschiedliche Softwareprogramme.“ Diese und noch weitere Details seiner Arbeit kannst du seinem Blog entnehmen.

Falls ich dir an dieser Stelle zu enthusiastisch bin, wenn ich über die verborgene Schönheit von Flughäfen spreche, dann möchte ich dich daran erinnern wie deine typische Flughafenerfahrung eigentlich sonst so aussieht: ein Chaos voller Erniedrigungen bestehend aus endloser Warterei, bunten Fastfood-Restaurants, Extragebühren für zu schweres Gepäck und anderen Mitreisenden, die sich in deinen persönlichen Bereich hineindrängen und wahrscheinlich genau das Gleiche fühlen wie du – Erniedrigung und Frustration. Die einzelnen Erfahrungen mögen noch erträglich sein, doch die Gesamtimpression ist zu viel des Guten.

Nur der Moment, in dem meine 737 vom Boden abhebt—und das ist wohl die einzige Gelegenheit, das Gefühl des „Abhebens“ im Alltag zu erleben—ist für mich immer noch so großartig wie damals in den 1980ern, als ich dieses Gefühl zum ersten Mal in einem Jet irgendeiner östlichen Fluggesellschaft verspürte.