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Mann gegen Bär: ein historischer Abriss moderner Tierquälerei

Nicht nur Kängurus, sondern auch unzählige Bären mussten schon gegen Menschen in den Boxring steigen. Ab und zu ist dabei auch schon mal ein menschlicher Teilnehmer gestorben—Überraschung.

von Sarah Kurchak
07 September 2015, 12:40pm

Auf gefühlt jedes zweite in der Wildnis beheimatete Tier gibt es einen Idiot, der sich denkt, das würde ich im Kampf sowas von plattmachen. Und dieser Idiot findet dann mit großer Sicherheit auch noch mehr Idioten, die bereit sind, sich das traurige Spektakel anzuschauen. Alligatoren-Wrestling, zum Beispiel, ist in einigen Teilen Nordamerikas so beliebt, dass man darin sogar schon Kurse belegen kann. Auch das Ringen mit Tintenfischen ist aus unerklärlichen Gründen eine große Nummer. Und wie wir vor Kurzem festgestellt haben, mussten auch schon Kängurus in den Boxring steigen und gegen Typen wie Woody Allen antreten.

Mann gegen Känguru: ein historischer Abriss moderner Tierquälerei

Doch es sind Bären, die in dieser traurigen Sammlung von Wildtieren, die gegen Menschen kämpfen müssen, einen besonderen Platz einnehmen. Sie wurden nämlich dazu gezwungen, gegen Menschen zu boxen und zu ringen. Sie wurden anscheinend gegen ihren Willen dazu auserkoren, als tierische MMA-Kämpfer anzutreten.

Wie die Leute überhaupt auf die Idee für einen solchen Schwachsinn gekommen sind, wird klar, wenn man Bären beim Kampf mit ihren Artgenossen beobachtet. Denn ihre Bewegungen erinnern in der Tat an die von Boxern und Wrestlern. Wie das aussieht, wenn Mensch auf Bär trifft, kannst du im folgenden Video sehen:

Laut HistoryLink begann die Tradition des Bärenringens—einem Sport, bei dem „ein menschlicher Wettkämpfer mit einem halbgezähmten Bären, dem für gewöhnlich die Zähne rausgerissen, die tödlich scharfen Krallen entfernt und die Sehnen in Armen und Beinen durchtrennt wurden und der einen Maulkorb und Handschuhe tragen musste—in Europa in der Mitte des 19. Jahrhunderts und feierte im Jahr 1877 auch in den USA sein Debüt. Im November desselben Jahres berichtete Daily Eagle aus Brooklyn von einem Event, bei dem ein „pyrenäischer Bär gegen alle Freiwilligen nach geltenden Regeln ringt". Im selben Monat besiegte dann auch noch „Pete, der ringende Bär" seinen Gegner/Trainer Adrian im New Yorker Gilmore's Gardens.

Schon bald gab es in vielen Teilen der USA regelmäßig Bärenringwettkämpfe. In New York mussten zwei Zirkusbären namens Lena und Martin an einer Reihe von Kämpfen gegen Promoter und Freiwillige aus dem Publikum teilnehmen (ein Reporter der New York Times schrieb über Martins ersten Kampf, dass der Bär „nicht den Spaß am Ringen verstanden hat"). Ein Mann namens Lucien Marc konnte ein Jahr später in Cincinnati einen Bären besiegen, verlor dabei aber einen Daumen. Weitaus weniger glimpflich ging es bei einem Kampf am 14. April 1878 aus, als ein Mann namens Jean Francis Borne im Kampf mit Bärin Lena sein Leben verlor.

Doch auch Todesfälle konnten die Sensationsgier der Leute nicht eindämmen, das traurige Spektakel hielt in immer mehr Zirkussen im ganzen Land Einzug. Bären mit Namen wie Teddy, Big und Terrible Ted haben sich in den folgenden hundert Jahren unfreiwillig einen Namen als gute Kämpfer gemacht. Battling Bruno wurde sogar von Queen Victoria für seine Leistungen im Ring zum Ritter geschlagen und nach seinem Tod auf Wunsch der Königin ausgestopft. Und Victor, der wohl erfolgreichste ringende Bär aller Zeiten, trat sogar bei einer Reihe von amerikanischen Fernsehsendungen auf, kämpfte gegen The Destroyer und Roddy Piper und musste außerdem bei einer ABA-Halbzeitshow ran (ja, die Szene aus der US-Komödie Semi-Pro basiert tatsächlich auf einer wahren Begebenheit).

Doch Bären wurden in der Vergangenheit nicht nur zu Wrestlern, sondern auch zu Boxern konditioniert. So kam es am 27. Juni 1885 im kalifornischen Städtchen Porta Costa zu einem Boxduell zwischen Mensch und Bär. Die Contra Costa Gazette berichtete über diesen Kampf:

„Ein kurzes, wenn auch hitziges Duell fand am Dienstag in Port Costa zwischen Thomas Huckstep und dem Bären Bruin, der für seine harten Treffer überregional bekannt ist, statt. Huckstep probierte es mit einer Finte, wurde aber durch eine Rechte von Bruins niedergestreckt. Bruin ließ sofort noch seine Linke folgen und zerriss dabei Hucksteps Mantel. Huckstep rollte sich daraufhin schnell aus dem Ring, weswegen Ringrichter Bob Lee den Kampf abbrach und Bruin zum Sieger erklärte."

Im Anschluss verschwanden Boxkämpfe dieser Art für ein paar Jahrzehnte wieder in den Untergrund, rückten aber anlässlich eines Kampfes in New York 1937 erneut in den Fokus der Medien. Im Jahr 1949 kam es dann zum Käfigkampf zwischen dem weitestgehend unbekannten Gus Waldorf und einem Bären. Waldorf verlor zwar das Match, ging aber trotzdem in die Geschichte ein, weil die Fotos, die vom Kampf geschossen wurden, die bekanntesten Aufnahmen boxender Bären aller Zeiten wurden (alle Fotos in diesem Artikel rühren von dem Kampf her).

Doch auch namhaftere Boxer ihrer Zeit versuchten ihr Glück, etwa Tony Galento, der Ende der 30er-Jahre gegen einen Grizzly in den Ring stieg, um die Werbetrommel für seinen nächsten Kampf (gegen ein menschliches Geschöpf) zu rühren. Galento kämpfte übrigens auch gegen ein Känguru und einen toten Tintenfisch. Soviel dazu, dass nur Sportler unserer Zeit geil auf mediale Aufmerksamkeit seien. Selbst Schwergewichtsboxer Chuck Wepner, der als Inspiration zum Rocky-Drehbuch gedient haben soll, hat sich mal von einem Grizzly durch den Ring schleudern lassen.

Obwohl der Enthusiasmus für boxende und ringende Bären im Laufe der Zeit—und mit dem Aufkommen von Tierschutzbewegungen—weitestgehend verpufft ist, kommt es auch noch in unserer Zeit zu diesem furchtbaren Spektakel. 1995 flog eine Bar in Ohio auf, die heimlich Kämpfe organisiert hatte, bei der betrunkene College-Studenten auf einen Bären namens Ceasar gehetzt wurden.

Glücklicherweise sind wir Internet-User weitaus mehr an Kämpfen unter Bären in der freien Wildbahn interessiert als am unnatürlichen „Mann gegen Bär"-Duell, was dieser Tierquälerei den Nährboden entzieht. Und wenn du aus irgendeinem Grund doch nicht ohne kannst, dann nimm bitte mit den herrlichen, gephotoshoppten Aufnahmen von NHL-Spieler Tanner Glass im Kampf mit verschiedenen Bären Vorlieb.

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