Trump

Das sind die größten Lügen, die Trump verbreitet hat, seit er Präsident ist

Manchmal hat er auch einfach seine fantasievollen Mitarbeiter vorgeschickt.
8.2.17

Foto: WikimediaMichael Vadon | CC BY-SA 4.0

Trump ist nicht der beliebteste Präsident in der Geschichte der USA, belegen Umfragen. Da hilft es auch nicht, wenn er alle negativen Umfragewerte zu Fake News erklärt. Doch wie viel Fake News steckt eigentlich in ihm selbst? Wir haben die größten Lügen gesammelt, die Trump während seiner Präsidentschaft bereits verbreitet hat. Wohlgemerkt handelt es sich in dieser fröhlichen Aufzählung lediglich um die beeindruckendsten Fehltritte ins Reich der Fantasie. In den knapp drei Wochen hat Trump es nämlich tatsächlich geschafft, ganze Faktencheck-Seiten zu füllen.

Der göttliche Regen

Kaum hatte Trump seine Hand von der Bibel genommen, ging es auch schon los mit den Lügengeschichten. Denn es regnete, als Trump bei seiner Vereidigung das Rednerpult betrat und seine erste Ansprache als Präsident an die "vergessenen Männer und Frauen" des Landes hielt. Doch geht es nach Trump, weint auch der Himmel nur dann, wenn er sich daran erinnert. Und so hatte sich das Wetter in seiner Erinnerung schlagartig gebessert, als der frischgebackene Präsident am nächsten Tag eine Rede im Hauptquartier der CIA hielt. "Es regnete fast, der Regen hätte sie davonjagen müssen, aber Gott schaute herunter und Er sagte, wir lassen es nicht während deiner Rede regnen. […] Erste Zeile, ich bekam ein paar Tropfen ab […] aber die Wahrheit ist, es hörte sofort auf, es war erstaunlich, und es wurde richtig sonnig."

Dass das nicht so ganz richtig ist, beweisen die Videos der Zeremonie. Der Regen hörte nicht sofort auf und sonnig wurde es schon gar nicht. Trübe Wolken zierten den Himmel, während Trump ein reiches und großartiges Amerika beschwor.

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Nachdem Trump seine Ansprache bei der CIA gehalten hatte, tobte Begeisterung durch die Behördenräume. Doch auf die Nachfrage, ob beim Jubel ein wenig nachgeholfen worden war, erklärte Trump in einem Interview mit dem Sender ABC, alle Anwesenden seien ganz normale CIA-Mitarbeiter gewesen. Nicht ganz korrekt: Sein Pressesprecher sagte im Nachhinein, dass auch zehn Personen aus dem Trump-Gefolge anwesend waren. CBS News recherchierte, dass es noch ein paar mehr waren: ganze 40. Welche Halbwahrheiten sich Trump in dem Interview noch so einfallen ließ, könnt ihr in diesem Faktencheck nachlesen.

Es war so unglaublich voll!

Die Lügengeschichte nimmt ihren Verlauf mit einer "ganz simplen" Angeberei von Sean Spicer, dem neuen Sprecher des Weißen Hauses. Er hatte von den meisten Zuschauern gesprochen, "die jemals einer Amtseinführung beigewohnt haben". Wir wissen alle, wie die Geschichte weiterging: Kellyanne Conway rechtfertigte diese Lüge mit der Redewendung "alternative Fakten" und liefert uns damit einen positiven Begriff für alles, was nicht "fake" sein darf. Und so beginnt die Präsidentschaft von Donald Trump mit einer weiteren dreisten Lüge. Oder: einer Lüge, die einer anderen Lüge ihre Brisanz nehmen soll. Und auch wenn "alternative Fakten" zu einem viralen Witzgarant geworden sind, führt dieser lockere Umgang mit der Wahrheit vor allem zu Verunsicherung. Denn, was darf man eigentlich noch glauben, wenn selbst eine offensichtliche Lüge arrogant in Schutz genommen wird?

Fake News, überall Fake News

Der einfache Weg, auf Nachrichten zu reagieren, die ihm nicht gefallen: Trump erklärt sie für lächerlich. Und Fake. "The failing @nytimes has been wrong about me from the very beginning. Said I would lose the primaries, then the general election. FAKE NEWS!" Einer von 307 Tweets, mit denen er im letzten Jahr Menschen und Zeitungen beleidigt hat. Das Wort "Fake News" – mit dem er so gern um sich wirft, wenn ihm etwas nicht passt – ist allerdings kein Argument. Was er Medien inhaltlich vorzuwerfen hat, ist ziemlich mau: "Ihr habt gesehen, was in Paris und Nizza passiert ist", sagte Trump. "Überall in Europa passiert es. […] Die sehr, sehr unehrliche Presse will nicht mehr darüber berichten." Tatsächlich wurde nach beiden Anschläge, die er nennt, berichtet und analysiert. Im Gegensatz zu Trumps Tweets waren die meisten Texte sogar ohne Rechtschreibfehler.

Es gibt keinen Muslim-Ban, oder doch?

Was tut man, um die eigene Mietwohnung sicherer zu machen? Ganz klar: dem Bösen die Tür vor der Nase zuschlagen. Mit diesem Gedanken will Trump nicht nur den fiesen Mexikanern eine Mauer vorsetzen, sondern die USA mit einem Einreisestopp auch vor den Gräueltaten durch Flüchtlinge oder andere Muslime bewahren. De facto war es – ein Richter hat es mittlerweile einkassiert – ein Verbot für Muslime, das wahllos unschuldigen Menschen die Einreise verweigerte. Trumps Sprecher Sean Spicer sagte trotzdem einfach, es sei "kein Einreiseverbot". Blöd nur, dass Trump es drei Tage vorher noch als "sehr, sehr strenges Einreiseverbot" bezeichnet hatte. Zivilpersonen muslimischer Abstammung wurden an den US-Grenzen abgewiesen. Und zwar nicht insgesamt 109 Personen, wie Trump behauptet (bei Twitter, wo sonst), sondern laut Angaben der Border Protection ganze 721. Aber hey, wer das schreibt, macht in Trumps Augen ja sowieso Fake News.

Die Erfindung eines Anschlags

An dieser Stelle kommt Trumps fantasievolle Beraterin Kellyanne Conway erneut ins Spiel. Miss "Alternative Fakten" hat nämlich mal wieder in der Märchentruhe geschnüffelt und was hat sie gefunden? Ein Massaker! Praktisch, denn damit lässt sich der Einreisestopp muslimischer Personen hervorragend begründen. In einem Interview spricht sie von einem Massaker, bei dem in Bowling Green, Kentucky, irakische Flüchtlinge unschuldige US-Bürger getötet haben sollen. "Für viele Leute ist es völlig neu, dass Präsident Obama ein sechsmonatiges Verbot des irakischen Flüchtlingsprogramms angeordnet hatte, nachdem zwei Iraker in dieses Land gekommen und radikalisiert worden waren und die Drahtzieher des Massakers von Bowling Green waren", so Conway bei dem Fernsehsender MSNBC. "Die meisten Leute wissen nichts davon, weil nicht darüber berichtet wurde." Kein Wunder, denn solch ein Massaker hat nie stattgefunden. Es stimmt zwar, dass 2013 in Bowling Green zwei Iraker festgenommen wurden und jetzt eine lebenslange Strafe wegen terroristischer Aktivitäten gegen US-Soldaten im Irak absitzen, zu einem Anschlag ist es aber nie gekommen, und auch Obama hat keinen elfmonatigen Einreisestopp für Iraker ausgerufen. Mittlerweile gibt Conway selbst zu, dass ihr da ein Fehler unterlaufen ist.

Alle meine schwarzen Freunde

Manchmal bekommt man den Eindruck, Trump will sich mit seinen Aussagen auch einfach selbst überraschen. Dann gibt er ein beliebiges Statement von sich und denkt: Wow, wer hätte das gedacht?! So ungefähr muss es mit seiner angeblichen Beliebtheit in der schwarzen Community gewesen sein, denn wie könnte der orange-weiße Herrscher sonst auf die Idee kommen, dass er mehr Zuspruch aus der Community bekommen hat als jeder andere Präsident vor ihm. Das erklärte er zumindest in einem Interview im Rahmen des Black History Month. Im Rahmen der Veranstaltung kommt eine positive Überschätzung einfach besser an als die öde Wahrheit, dass 94 Prozent der schwarzen Frauen ihre Stimme für Clinton abgegeben hatten und sie 89 Prozent der Gesamtstimmen aus der schwarzen Community erhielt, Trump hingegen erhielt ganze acht Prozent. Nicht zu vergessen, dass vor Trump der erste schwarze Präsident das Land regiert hatte (nur der Vollständigkeit halber: 95 Prozent der schwarzen Bevölkerung hatten für Obama gestimmt).

Der Dumme Deal mit Australien

Tausende illegale Immigranten wollte Obama ins gelobte Land lassen, twitterte Trump. Doch bevor er sich dieser politischen Fehlleistung seines Vorgängers annimmt, sollte er vielleicht erst einmal selbst die Fakten checken. Obama hatte im letzten November mit der australischen Regierung vereinbart, dass die USA Bootsflüchtlinge aus Aufnahmezentren auf Pazifikinseln aufzunehmen. Dabei sollen vor allem Frauen, Kinder und Familien umgesiedelt werden und keine illegalen Einwanderer. Und es sind auch nicht Tausende, sondern 1.250.

Trump, der Irak-Pazifist?

"Ich war von Anfang an gegen den Irak-Krieg." Das sagte der nicht gerade für seine militärische Besonnenheit ("ich schließe nicht aus, Atomwaffen gegen Europa einzusetzen") bekannte Trump in einem Interview am 5. Februar. Die Lüge über seine Ablehnung des Irak-Kriegs hatte er auch schon im Wahlkampf  benutzt, und obwohl sie bereits erfolgreich aufgedeckt wurde, hält Trump daran fest. Fakt ist jedoch, dass Trump den Einmarsch im Jahr 2003 als einen "enormen Erfolg vom militärischen Standpunkt aus" bezeichnete.

Lügen sind in der Regentschaft Trump so etwas wie ein Stilmittel. Dass sie offensichtlich sind? Egal. Für Trump hat das schließlich schon zu Wahlkampfzeiten wunderbar funktioniert, wie er im Nachhinein zugegeben hat. Warum sollte er also jetzt damit aufhören? Sicher ist nur, dass wir noch einige unterhaltsame und gruselige Halbwahrheiten zu erwarten haben. Doch nicht nur die Lügen sind das Problem, wie ein Journalist des Guardian erkennt: "Es sind die Millionen Menschen, die ihnen glauben."

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