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Faschismus

"Trump ist populistischer als Hitler"

Als Jüdin musste sie vor den Nazis fliehen. Wir haben mit der 84-jährigen Dora Schimanko über die Parallelen zwischen 1938 und 2017 gesprochen.

von Paul Donnerbauer
03 Februar 2017, 6:00am

Titelbild: Wikimedia Commons | leromarinvit | CC BY-SA 3.0

Das Foto zeigt Dora Schimanko bei einer Demonstration gegen den rechten WKR-Ball in der Wiener Hofburg 2012.

Demokratien enden selten mit einem Knall. Sie gehen Stück für Stück zugrunde. Wir haben das in den vergangenen Jahren erlebt, in Ungarn, der Türkei, Russland. Und jetzt auch in den USA. Donald Trump missachtet die Gewaltenteilung, die Menschenrechte, internationale Institutionen und herrscht mit einer kleinen Machtclique im Weißen Haus. Und das alles ist innerhalb von zwei Wochen passiert. Historisch betrachtet ist das schon ein ziemlicher Knall. "Wir haben 1933 die Erfahrung gemacht, dass jemand, der die komplizierten Regeln der Demokratie überhaupt nicht respektiert, erstmal Zustimmung bekommt", sagt die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan gegenüber VICE. "Der Mechanismus war ähnlich. In dieser Welt war die Person nur durch Krieg zu stoppen, man kann hoffen, dass das hier nicht passiert."

Dora Schimanko hat Hitlers Machtergreifung erlebt. Als die Nazis in Österreich einmarschierten, musste die heute 84-Jährige mit ihrer Familie nach England fliehen. Die Jahre zwischen 1938 und 1946 verbrachte die Wienerin im englischen Exil. "Wir haben es uns aussuchen können. Ob sie uns als Linke oder als Juden verfolgt hätten, wäre in unserem Fall völlig egal gewesen", schrieb sie in ihrem Buch. Wie erlebt sie jetzt die Regierung Trump? Sieht sie Parallelen? Wir haben mit ihr gesprochen.

VICE: Was denkst du über Donald Trump?
Dora Schimanko: Donald Trump ist vor allem ein Entertainer und Schauspieler. Und als solcher ist er ein idealer Populist, der die tonangebende Herrscherklasse – also die profitablen Großkonzerne – der USA vertritt.

Er spielt also den Heiland der Kapitalisten?
Ja.

Wie hast du erfahren, dass Trump die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat?
Als Erstes hat es mir eine Freundin erzählt, die die Frühnachrichten angehört hat. Zuerst habe ich gedacht, das gibt's ja nicht, das ist gar nicht möglich. Dann habe ich aber später Genaueres über das amerikanische System der Wahlmänner erfahren. Tatsächlich war Trumps Sieg ja nur wegen dieses Systems möglich, da Clinton ja die Mehrheit der Stimmen hatte.

Viele Menschen haben nach dem Wahlsieg Trumps gesagt, wir sollen jetzt nicht in Panik verfallen. Trump hat aber schon in der ersten Woche drei seiner Wahlversprechen angefangen umzusetzen: die Abschaffung von Obamacare, das Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern und die Mauer zu Mexiko. Hast du das erwartet?
Ja. Von einem profitgierigen Vertreter der Herrscherklasse, wie Trump einer ist, habe ich nichts anderes erwartet.

Der sogenannte "Muslim Ban" gilt auch für Flüchtlinge. Du bist ja selbst 1938 vor den Nazis aus Österreich nach England geflüchtet. Was wäre gewesen, wenn England damals seine Grenzen geschlossen und dir und deiner Familie die Einreise verweigert hätte?
Ich wäre tot. Man kann aber die Bürgerrechte und Aufenthaltsrechte, die damals in England gegolten haben, nicht mit denen der USA vergleichen. In den USA ist jeder amerikanischer Staatsbürger, der im Land geboren ist.

In England gab es damals neben den Asylsuchenden nach der internationalen Konvention auch das System der "Affidavits-Einreise" und des "Affidavits-Aufenthalts". Dabei wurde man von jemandem nach England eingeladen, der ausreichend Mittel besaß und sich verpflichtete, notfalls alle Kosten des Eingeladenen zu übernehmen. So haben zum Beispiel Quäker und Adelige die Verpflichtungen für die Kindertransporte übernommen.

Siehst du Parallelen zwischen dem, was ab 1933 in Deutschland geschah, und dem, was derzeit in den USA passiert?
Nein. Wir leben in einem anderen Jahrtausend. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass sich in Amerika ein System der Zwangsarbeit entwickeln könnte – aus dem einfachen Grund, dass es nicht lukrativ genug wäre. Ich glaube außerdem, dass die Demokratie in den USA heute weit intakter ist, als sie in Deutschland damals war.

Also kann man Donald Trump auch nicht mit Adolf Hitler vergleichen?
Trump ist stärker als Hitler. Er ist reich, was Hitler definitiv nicht war. Außerdem ist Trump noch populistischer. Er hat es gar nicht nötig, Minderheiten als solche wirklich zu verfolgen.

Für wie gefährlich hältst du Trump?
Trump als Präsident ist gefährlich, weil er sehr gefährliche Interessen vertritt. Es sind die Interessen der Großkonzerne, die die ganze Erde auf verschiedenste Weise um der Profitgier willen bedrohen.

Also hast du keine Angst davor, dass Trump die USA in einen faschistischen Staat umbauen könnte?
Doch, davor habe ich Angst. Ich glaube, Trump würde die USA sofort in einen faschistischen Staat umbauen, wenn es ihm möglich und für ihn profitabel wäre. Ich hoffe aber sehr, dass die traditionelle amerikanische Demokratie doch stärker sein wird als Trump.

Paul auf Twitter: @gewitterland

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