Donald Trump

"Trump ist kräftiger als Hitler" – Eine Zeitzeugin über den amerikanischen Präsidenten

Als Jüdin musste sie vor den Nazis fliehen. Wir haben mit der 84-jährigen Dora Schimanko über die Parallelen zwischen 1938 und 2017 gesprochen.
2.2.17
Titelbild: Wikimedia Commons | leromarinvit | CC BY-SA 3.0

Das Foto zeigt Dora Schimanko bei einer Demonstration gegen den rechten WKR-Ball in der Hofburg 2012.

Schon am 12. November, vier Tage nach der Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA, verbreitete sich nach einem Konzert der amerikanischen Punkband Green Day ein Slogan, der seither auf jeder Anti-Trump-Demo zu hören ist: "No Trump! No KKK! No fascist USA!"

Aber befinden sich die USA gerade tatsächlich auf dem Holzweg in Richtung Faschismus oder zumindest Autokratie? Und wie viel Hitler steckt eigentlich in Trump? Um das herauszufinden, haben ich mit der 84-jährigen Dora Schimanko gesprochen, die als Kind linker Juden vor den Nazis aus Wien flüchten musste und die Zeit zwischen 1938 und 1946 im englischen Exil verbracht hat.

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VICE: Hallo Dora! Was denkst du über Donald Trump?
Donald Trump ist vor allem ein Entertainer und Schauspieler. Und als solcher ist er ein idealer Populist, der die tonangebende Herrscherklasse – also die profitablen Großkonzerne – der USA vertritt.

Er spielt also quasi den Heiland der Kapitalisten?
Ja.

Wie hast du erfahren, dass Trump die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat?
Als erstes hat es mir eine Freundin erzählt, die die Frühnachrichten angehört hat. Zuerst habe ich gedacht, das gibt's ja nicht, das ist gar nicht möglich. Dann habe ich aber später Genaueres über das amerikanische System der Wahlmänner erfahren. Tatsächlich war Trumps Sieg ja nur wegen dieses Systems möglich, da Clinton ja eigentlich die Mehrheit an Stimmen hatte.

Viele Menschen haben nach dem Wahlsieg Trumps gesagt, wir sollen jetzt nicht in Panik verfallen und erstmal abwarten, was er nun wirklich in die Tat umsetzt. Trump hat aber schon in der ersten Woche im Amt mit drei seiner Wahlversprechen – Abschaffung von Obamacare, Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern und die Mauer zu Mexiko – ernst gemacht. Hast du das erwartet?
Ja. Von einem profitgierigen Vertreter der Herrscherklasse, wie Trump einer ist, habe ich eigentlich nichts anderes erwartet.

Der sogenannte "Muslim Ban" gilt auch für Flüchtlinge. Du bist ja selbst 1938 vor den Nazis aus Österreich nach England geflüchtet. Was wäre gewesen, wenn England damals seine Grenzen geschlossen hätte und dir und deiner Familie die Einreise verweigert hätte?
Ich wäre bestimmt nicht mehr am Leben, sondern tot. Man kann aber die Bürgerrechte und Aufenthaltsrechte, die damals in England gegolten haben, nicht mit denen der USA vergleichen. In den USA ist jeder amerikanischer Staatsbürger, der im Lande geboren ist.

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In England gab es damals neben den Asylsuchenden nach der internationalen Konvention auch das System der "Affidavits-Einreise" und des "Affidavits-Aufenthalts". Dabei wurde man von jemandem nach England eingeladen, der ausreichend Mittel besaß und sich verpflichtete, notfalls alle Kosten des Eingeladenen zu übernehmen. So haben zum Beispiel Quäker und Adelige die Verpflichtungen für die Kindertransporte übernommen.

Kommen wir zu einem momentan viel diskutierten Thema: Der Möglichkeit eines faschistischen Amerikas. Siehst du Parallelen zwischen dem, was ab 1933 in Deutschland geschah und dem, was derzeit in den USA passiert?
Nein. Wir leben in einem anderen Jahrtausend. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass sich in Amerika ein System der Zwangsarbeit entwickeln könnte – aus dem einfachen Grund, dass es nicht lukrativ genug wäre. Ich glaube außerdem, dass die Demokratie in den USA heute weit intakter ist als sie in Deutschland damals war.

Also kann man Donald Trump auch nicht mit Adolf Hitler vergleichen?
Trump ist kräftiger als Hitler. Er ist reich, was Hitler definitiv nicht war. Außerdem ist Trump noch populistischer. Er hat es gar nicht nötig, Minderheiten als solche wirklich zu verfolgen.

Für wie gefährlich hältst du Trump dann?
Trump als Präsident ist gefährlich, weil er sehr gefährliche Interessen vertritt. Es sind die Interessen der Großkonzerne, die die ganze Erde auf verschiedenste Weise um der Profitgier willen bedrohen.

Also hast du keine Angst davor, dass Trump die USA in einen faschistischen Staat umbauen könnte?
Doch, davor habe ich Angst. Ich glaube Trump würde die USA sofort in einen faschistischen Staat umbauen, wenn es ihm möglich und wenn es für ihn profitabel wäre. Ich hoffe aber sehr, dass die traditionelle amerikanische Demokratie doch stärker sein wird, als die Aktionen, die ein Trump bereits durchführt und noch durchführen wird.

Paul auf Twitter: @gewitterland

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